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Elisabeth Meru - Scherbengesicht

Meine Ausgabe von Scherbengesicht 


===Buchdaten===
Autor: Elisabeth Meru
Titel: Scherbengesicht
Untertitel: Mein Weg aus der Prostituion
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 04/2002
ISBN-13: 978-3404612420
Seiten: 159
Einband: TB
Kosten: gebraucht ab 0,01€ bei Amazon
Genre: Schicksal
Serie: -

===Eigene Inhaltsangabe===
Elisabeth ist nicht unbedingt das, was man als Vorzeige-Kind bezeichnen würde. Ihr Elternhaus ist zerrüttet und das spiegelt sich in ihren schulischen Leistungen wieder. Zudem ist sie mit ihren roten Haaren, den Sommersprossen, der Brille und der blassen Haut eher eine Außenseiterin, die sich nach Liebe sehnt. Immer gerät sie an die falschen Männer, die nur ihren Körper wollen. Bis zu dem Tag an dem sie den schwarzen Hansi kennenlernt. Sie verliebt sich unsterblich und fängt ihm zu liebe, für ein gemeinsames Leben an, ihren Körper zu verkaufen. Als Prostituierte verdient sie viel Geld, aber ihre Seele zerbricht daran. Besonders als sie merkt, dass Hansi nur hinter ihrem Geld her ist und sie nicht liebt. Nach Hansi kommt der nächste Zuhälter. Es folgen immer pikantere Praktiken bis ihre Seele am Ende ist. Immer wieder versucht sie den Ausstieg. Dies ist jedoch immer leichter gesagt, als getan. Ihr weg aus der Prostitution ist lang und hart.

===Meine Meinung===
Schon als Kind bin ich über meine Mutter mit Schicksalsbüchern von Bastei Lübbe in Kontakt gekommen. Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie hart das Schicksal es mit anderen Personen meint. Die eigenen Probleme wirken da teilweise unendlich klein gegen. Seit kurzem bin ich wieder auf diese Bücher aufmerksam geworden.
„Scherbengesicht“ zählt zu den kurzen Berichten dieser Reihe. Die Meinungen bei Amazon sind sehr geteilt, sodass ich wirklich neugierig war, wie dieses interessante Schicksal sein würde.

In „Scherbengesicht“ wird das Schicksal von Elisabeth erzählt. Auf der Suche nach der wahren Liebe, gerät sie an den Falschen, der sie auf den Strich schickt. Jahrelang verkauft sie ihren Körper fast jede Nacht an unzählige Männer. Ihre Seele leidet immer mehr darunter. Zumindest begreift sie dadurch, dass ihr Zuhälter sie nicht liebt und setzt ihn an die Luft. Ihr Alleingang auf dem Strich dauert jedoch nicht lange und schon ist der nächste Zuhälter an ihrer Seite. Nach einigen Selbstmordversuchen, einer zerstörten Seele und immer mieseren Erfahrungen, wagt sie den Ausstieg.

Ich verurteile dieses Gewerbe nicht. Wenn eine Frau dies machen möchte, soll sie es tun. Jedoch sollte dies in meinen Augen freiwillig sein. Daher war ich gespannt einmal zu lesen, wie eine Frau in dieses Gewerbe gelangt.
Der Einstieg in Elisabeths Geschichte beginnt mit einem Vorwort. Nicht von Elisabeth selbst, sondern von einer Journalistin, die sich weltweit mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Von Hamburg bis nach Afrika besucht sie den Straßenstrich, um zu erfahren, wie die Frauen dazu kommen. Das Vorwort auf ein oder zwei Seiten wäre sicherlich interessant gewesen. Dieses Vorwort ist länger und beläuft sich auf rund 30 Seiten. Ständig fragt man sich, was dies mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat. Gibt es überhaupt eine richtige Geschichte oder wird das Thema die gesamte Seitenzahl so sachlich behandelt? Zum Glück kam nach diesem Einstieg, der eigentliche Anfang von Elisabeths leben.

Elisabeth beginnt ihre Geschichte im Alter von vier Jahren. Sie berichtet über ein zerrüttetes Elternhaus, ihre schulische Laufbahn und ihr Aussehen. Bis zu diesem Punkt, konnte ich mich ideal mit der Person identifizieren. Genau wie Elisabeth komme ich aus kaputten Familienverhältnissen, habe zudem eigentlich rote Haare, Sommersprossen, bin recht hellhäutig und trage eine Brille. Wie sie ihren Alltag beschrieb und den Wunsch nach Liebe. Sie bringt diesen Teil so authentisch an den Leser, dass ich alles gut verstehen konnte. Ich war sogar überrascht, als sie erzählte, dass sie eine Ausbildung abgeschlossen hatte. Wenig später lernt sie Hansi kennen und ihre Tragödie beginnt. Ab diesem Punkt stieß das Buch auf Widerstand.
Die Thematik finde ich sehr interessant, für mich blieb jedoch ihre Handlungsweise unverständlich. Elisabeth konnte mir nicht vermitteln, warum sie diesen Schritt gegangen ist. Liebe macht blind, das ist verständlich, aber sie überspringt viele Punkte, die für mich wichtig gewesen wären. Es wird von einer gemeinsamen Zukunft geredet, aber wie hat er sie genau dazu gebracht, wie ging der Schritt von Hamburg nach München genau. In großen Sprüngen beschreibt sie ihr kennenlernen in Hamburg, ihre Flucht nach Berlin, die Rückkehr zu Hansi, obwohl er sie nicht liebt und plötzlich ist die Rede von Zukunft und man befindet sich in München, wo sie schon ihre Anfänge als Prostituierte hat. Auch danach erzählt sie immer nur Bruchstücke. Bei der Thematik erwartet man schockierende Details, aber Elisabeth baut diese in einer emotionalen Ebene ein. Sie erwähnt lediglich den sexuellen Akt an sich und wie sich ihre Haut und ihre Seele sich dabei anfühlt. Bei extremen Neuentwicklungen, wie den Nebenzweig als Domina, erklärt sie genauer. Ansonsten gibt sie kaum konkrete Beispiele. Sie erwähnt zum Beispiel ihre Tage, aber wie sieht es mit Krankheiten, Verhütung, Schwangerschaften aus. Ich erfahre nie wie viel Geld sie am Anfang verdient hat, und warum ein Ausstieg solche Einschränkungen bedeuten würde. Ebenfalls erwähnt sie unzählige Freier, dass sie diese nur mit Alkohol ertragen konnte, aber eine durchschnittliche Zahl, damit ich als Leser ungefähr einen Einblick habe, wie viel am Abend über sie rüberrutschen, bleibt unerwähnt. Ich erwarte keine pornographischen Einblicke in ihren Beruf, aber ich erwarte zumindest eine gute Aufklärung, was der Beruf bedeutet. Es soll doch schließlich abschreckend sein und aufzeigen, wie schwer der Ausstieg ist.
Beim Schreiben achtet sie sehr auf ihre Wortwahl. Obszöne Worte werden gemieden, dafür beschreibt sie bildhaft, aber bleibt dabei über der Gürtellinie. Die durchgehend vorhandenen Sprünge stören jedoch stets den Lesefluss.
Ab der Mitte des Buches sah ich diese Lektüre jedoch immer mehr mit anderen Augen. Im Grunde blieb der Stil der gleiche. Kurze, knackige Sätze, die alles ausdrücken, was Elisabeth preisgeben will. Was manchmal weniger detailliert klingt, wirkt später aber schon fast lyrisch. Tiefsinnig, zum Nachdenken anregend und teilweise poetisch. Das klingt bei diesem Thema sicherlich unglaubwürdig. Schließlich kann ein Schicksalsbericht doch nicht poetisch klingen. Es ist aber zum Schluss hin sehr auffällig, wenn man die Wortwahl und den Satzbau liest.

Ich denke, dass hier das Problem dieser Lektüre liegt. Bei einem Schicksalsbericht, möchte der Leser mit der Person leiden und da sollte die Thematik schon detailliert und sicherlich ein bisschen schockierend vermittelt werden. Das würde die meisten Leser definitiv mehr fesseln. Diese poetische Umsetzung ist sicherlich interessant und gibt einen groben Überblick über Elisabeths Leben, aber es ist stellenweise eben vieles unklar. Die Sprünge sind oft zu groß und das was ich über die Tätigkeit erfahre, wird den meisten Lesern, wie mir, bekannt sein. Klar ist es bewegend, wenn man sieht, wie Elisabeth ihre Seele offenbart und endlich mal das zeigt, was alle Damen dieses Gewerbes wahrscheinlich empfinden und vor der Öffentlichkeit verbergen. Diese Emotionen gepaart mit einer anschaulichen Beschreibung dieser Tätigkeit wären für mich gelungener gewesen.

Wer sich für die Thematik interessiert und mit einem sprunghaften und blumigen Stil bei diesem brisanten Thema leben kann, sollte es sich holen. Die emotionale Seite dieses Gewerbes wird authentisch an den Leser vermittelt. Wer jedoch schockiert werden will, schmutzige Details lesen möchte und wirklich mehr über diese Tätigkeit erfahren möchte, sollte zum Beispiel „Seelenficker“ lesen.

===Bewertung===
Poetisch, aber sprunghaft und mit wenigen Details versucht Elisabeth ihre Situation und die Jahre auf dem Strich zu beschreiben. Emotional gelingt es ihr, aber ihre Geschichte wirkt lückenhaft und teilweise verwirrend. Dafür gibt es drei Sterne.

Kommentare

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