Dora Heldt - Urlaub mit Papa

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===Buchdaten===
Autor: Dora Heldt
Titel: Urlaub mit Papa
Verlag: dtv
Erschienen: 2009
ISBN-13: 978-3423211437
Seiten: 320
Einband: TB
Kosten: 7,95€
Serie: -

===Zitierter Klappentext===
Es sollte ein toller Urlaub werden: Christine (45) will nach Norderney, um einer Freundin bei der Renovierung ihrer Kneipe zu helfen. Doch dann wird sie von ihrer Mutter dazu verdonnert, ihren Vater mitzunehmen. Kaum sind sie dort, übernimmt Heinz (73) auch sofort das Kommando auf der Baustelle. Es kommt für Christine aber noch schlimmer, als Papa erfährt, dass auf der Insel nach einem Heiratsschwindler gefahndet wird. Für Heinz ist klar: Das muss Johann sein, der mysteriöse Pensionsgast, der Christines Herz Kapriolen schlagen lässt. Mithilfe von Papas neuen Freunden – 72, 75, 63 Jahre alt – soll Johann zur Strecke gebracht werden...

===Meine Meinung===
Es soll ein entspannter Urlaub werden, als Christine ihre Freundin Marleen auf Norderney besuchen will. Zusammen mit Doro will sie Marleen bei der Renovierung ihrer Kneipe und der Arbeit in der ausgebuchten Pension helfen. Doch kurz vorher bekommt sie von ihrer Mutter einen Anruf, dass Christine ihren Vater mitnehmen muss. Mit seinen 73 Jahren, seiner Farbblindheit und tollpatschigen Art kann er nicht alleine zu Haus bleiben und ihre Mutter muss für eine OP ins Krankenhaus. Mit seinen Sprüchen und seiner Art bringt er Christine von der ersten Minute an auf die Palme. Auch ihre Freundinnen bleiben nicht verschont. Es kommt jedoch noch schlimmer, als sich Christine in Johann, einen Pensionsgast, verliebt. Ihr Vater hält ihn für den gesuchten Heiratsschwindler und nimmt mit seinen Freunden die Verfolgung auf.

Als ich gesehen hatte, dass die Protagonistin Christine schon 45 Jahre alt ist, hatte ich meine Zweifel, dass ich mich mit ihr identifizieren konnte. Diese Zweifel wurden jedoch schnell im Keim erstickt. Total sympathisch wurde Christine in die Geschichte eingeführt. Ich hatte von der ersten Sekunde an Mitleid mit ihr. Mit einem alten Vater verreisen ist schon nicht leicht, aber ihrer schien von einem anderen Stern zu kommen. Meine Vermutungen wurden bald bestätigt. Er lässt kein Fettnäpfchen aus und raubt Christine den letzten Nerv. Die Situationen sind aus dem Leben gegriffen und wurden von der Autorin authentisch wiedergegeben. Die kaputte Hüfte, die nur schwere Arbeiten erlaubt, wenn er Lust dazu hat; ständig verbietet er ihr etwas oder die schlechte Laune, wenn etwas nicht nach seinen Wünschen geschieht. Es sind Kleinigkeiten, die den Leser auf jeden Fall das eine oder andere Schmunzeln aufs Gesicht zaubern werden. Bei einigen Punkten konnte ich mir sogar vorstellen, dass mit meinem Vater etwas ähnliches hätte passieren können. Besonders gut gelungen ist der Autorin der Aspekt, dass die Protagonistin oftmals wie 14 wirkte, ich aber genau verstehen konnte, warum sich eine 45jährige Frau in der Gegenwart des Vaters noch immer so benimmt. Das schließt zum Beispiel das heimliche Rauchen, die Protest-Cola und das heimliche Herausschleichen mit ein.
Die ersten 100 Seiten ziehen sich mit lustigen Situationen hin. An manchen Stellen bekam ich jedoch das Gefühl, dass bestimmte Dinge einfach zu oft verwendet wurden oder zu vorhersehbar waren. Nach rund 100 Seiten baut sich neben dem Papa-Lachern noch eine zarte Liebesbeziehung an. Diese wird natürlich von Papa nicht gutgeheißen und ständig funkt er dazwischen. Als dann nach weiteren 100 Seiten der Heiratsschwindler auftaucht, versucht Dora Heldt noch etwas Spannung aufzubauen. Der Reiz des Komischen lässt dort auch langsam nach, sodass die Spannung nötig ist. Ich fragte mich ständig, ob sie so naiv ist und wirklich auf den Schwindler reinfällt oder ob es nur alles Missverständnisse sind. Allerdings wirkte dieser Anteil sehr künstlich in meinen Augen. Zu viele Missverständnisse, Verwicklungen und Zweifel, die den Leser nur minimal in die Irre führen. Auch der Schluss ist zwar lustig, aber meines Erachtens dürftig gehalten. Spannung aufbauen und halten liegt der Autorin definitiv nicht. Vieles wird einfach durch langatmige Szenen unnötig in die Länge gezogen und verliert dadurch an Spannung, aber auch an Witz und Charme.

Auch wenn mir nicht alles gefallen hat, habe ich das Buch an einem Nachmittag durchgelesen. Ich wollte einfach wissen, was noch alles passiert und wer dieser ominöse Johann war. Als leichte Urlaubskost ist dieses Buch sicherlich schön und versetzt den Leser in Urlaubsfeeling. Der Versuch des eingebauten Krimis empfand ich jedoch als nicht gut umgesetzt, aber das ist eine Frage des Geschmacks. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn Dora Heldt die Urlaubskomödie auf 200 Seiten gekürzt hätte und eine harmlose Liebesgeschichte, statt eines Krimis eingebaut hätte. Trotzdem kann ich das Buch empfehlen.

===Bewertung===
Eine Geschichte, wie aus dem Leben gegriffen, wird fast jedem Leser ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Tollpatschige, aber authentische Situationen sorgen für ein großes Lesevergnügen, welches nur durch einen schlechten Krimianteil und einen unmöglichen Schluss verschlechtert wurde. Für mich vier Sterne.

===Leseprobe===
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