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Julia S. - Hoffnung am Ende der Straße

Copyright Sarahs Bücherwelt

===Buchdaten===
Autor: Julia S. / Franz Lerchenmüller
Titel: Hoffnung am Ende der Straße
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 1997
ISBN-13: 978-3404613953
Seiten: 222
Einband: TB
Kosten: 1,00€
Serie: Schicksalsreihe

===Zitierter Klappentext===
Julia ist heroinabhängig und dennoch eine liebevolle Mutter, für die ihre Kinder das Wichtigste in ihrem Leben sind. Doch dann verliebt sich Julia in einen Dealer und heiratet überstürzt. Kurt wird straffällig, und während er im Gefängnis sitzt, greift das Jugendamt ein. Julia wird das Sorgerecht für ihre Kinder - Tanja, Lena und Kevin - entzogen und damit der einzige Lebensinhalt genommen. In ihrer Verzweiflung greift die junge Frau zu immer mehr Drogen. Bald kann sie ihre Wohnung nicht mehr bezahlen und wird obdachlos.
Julia hat nur eine Chance, ihre Kinder je wiederzusehen: Sie muß die Bedingungen des Jugendamtes erfüllen, d.h. Heroinentzug und festen Wohnsitz nachweisen. Mit fast unmenschlicher Willenskraft entschließt sich die junge Mutter, zu kämpfen und einen Weg aus der Sackgasse zu finden. Mit Hilfe eines Journalisten und einer neuen Liebe schafft Julia das Unmögliche - doch wird sie das zuständige Jugendamt von ihrem neuen Start überzeugen können?

===Meine Meinung===
Nachdem ich vor einigen Jahren das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gelesen hatte, war ich sehr gespannt, wie das Leben der Julia S. verlaufen und wie sie heroinabhängig geworden ist. Das interessante an diesem Werk ist, dass Julia aus meiner Heimatstadt Hamburg kommt und ich mich dadurch besser in ihr Schicksal hineinversetzen konnte.

Nachdem Juli und ihre Geschwister im Heim gelandet sind, kam der erste Kontakt zu Drogen, als sie 12 Jahre alt war, sie schnüffelt Kleber. Von diesem Punkt an geht es mit Alkohol, kiffen weiter, bis sie anfängt sich Heroin durch die Nase zu ziehen und später der erste richtige Schuss zu Stande kommt. Trotz ihrer Sucht bekommt sie drei gesunde Kinder und ein behindertes Kind. Die ersten Jahre leben die gesunden Kinder auch bei ihr, müssen dann aber zu ihrem „Vater“, da Juli noch immer abhängig vom Heroin ist und ihre Wohnung für Kinder nicht mehr zulässig ist.
An dieser Stelle beginnt das Buch und somit die Geschichte von Julia S. In einer Tagebuch-Form konnte ich Eindrücke gewinnen, wie das Leben eines Junkies aussieht. Fast täglich gibt es kurze oder längere Einträge, die sich mit dem Beschaffen von Drogen, dem Pumpen, dem Betteln und vielen mehr handeln. Zwischendurch gibt es immer wieder betitelte Rückblenden, in denen mir der Werdegang der Julia S. geschildert wurde. Leider sind die Rückblenden nicht chronologisch. Zuerst erfahre ich vom Beginn der Drogenkarriere, als Julia 12 Jahre alt ist. Später geht es noch weiter zurück und wir befinden uns bei ihrer Geburt und den ersten Jahren bei ihren Eltern. Mir persönlich hätte es allerdings besser gefallen, wenn es chronologisch gewesen wäre. So musste ich die Rückblenden wie ein Puzzle zusammensetzen.
Julia erzählt ihren Alltag und ihre gesamte Laufbahn authentisch und erschütternd. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und schockiert den Leser immer wieder aufs Neue. Vulgäre Begriffe, Fachausdrücke und vieles mehr sind hier Standard. Der Vorteil bei den Fachausdrücken ist, dass es hinten eine Art Lexikon gibt und der Leser eine einfache Übersetzung für Pumpen, Medikamente und Co. bekommt. Durch diesen lebendigen Stil erkennt jeder Leser, der Hamburg kennt, sämtliche Handlungsorte. An diesem Beispiel merkte ich, dass sie auch in anderen Bereichen so ehrlich schreiben muss.
Ich habe Eindrücke bekommen, wie es in Einrichtungen für Drogensüchtige zugeht, wie es ist, wenn man auf Entzug ist, auf der Straße lebt und vieles mehr. Besonders schockierend empfand ich die Berichte, wenn es um ihre Kinder, ihre Fehlgeburten und ihre Krankheiten geht. Zum Beispiel hat sie mehrere abgebrochene Spritzen in ihrem Körper, sogar im Herzen. Sogar die schlimmen Eiterbeulen werden detailliert beschrieben. Ehrlicher kann ein Buch nicht sein.
Trotz ihre Drogensucht hat es Julia S. geschafft, dass sie nie ihren Körper verkauft hat. Diebstahl und Betteln, so hat sie sich ihre Sucht finanziert, aber auf das schnelle Geld hat sie verzichtet. Genauso war sie trotz ihrer starken Abhängigkeit stets um Sauberkeit bemüht.
Leider endet das Buch nach knapp 1,5 Jahren und die Frage, ob sie ihre Kinder jemals wiederbekommen hat, ob sie von den Drogen längere Zeit weggeblieben ist oder sogar ganz und wie es mit ihrem Freund weitergegangen ist, das bleibt damit offen. Ich persönlich hätte mir da noch ein Nachwort des tatsächlichen Autors gewünscht. Eventuell hätte ich mich auch über Fotos gefreut. Schließlich wurde sie für einen Zeitungsbericht sogar interviewt und fotografiert, wo sie noch auf der Straße gelebt hat. Bilder aus diesem Bericht hätten mich sehr gefreut.
Wer die Tagebucheinträge verfolgt wird merken, dass sie zwar so gut wie täglich sind, es aber viele Lücken gibt und nicht alles aufgeklärt wird. Zum Beispiel gibt sie täglich 300€ für Heroin aus, erbettelt aber oft nur 50-100€. Es bleibt offen, woher sie das restliche Geld hat. Dies ist nur einer der vielen Punkte. Es ist jedoch deutlich, dass ein detaillierterer Tagesbericht zu viele Seiten hervorgebracht hätte. Der eigentliche Autor und Julia S. haben bewusst nur wichtige Aspekte aufgegriffen.
Neben der Drogensucht, bekommt man auch gute Eindrücke über den Alltag in einem Frauengefängnis und Kinderheimen. Doch nicht nur ihr Schicksal, sondern auch die Bedeutung für ihre Kinder wird hervorgehoben. Sie erkennt sogar oft, wie sehr sich ihre Kinder für ihre zerstochenen Arme, ihre eitrigen Beulen und ihr heruntergekommenes Aussehen schämen und sich nur eine normale Mutter wünschen.
Für mich ein durchweg lehrreiches und abschreckendes Buch.

Empfehlen kann ich das traurige Schicksal der Julia S. jedem, der sich für Bücher wie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ interessiert. Durch die Ehrlichkeit in ihrem Buch, kann ich das Buch Eltern, Jugendlichen und auch Lehrern für den Unterricht, wie zum Beispiel als Lesestoff ab 8 Klasse empfehlen. Es klärt auf und schreckt vielleicht den einen oder anderen Leser ab und bewahrt ihn so eventuell vor einem ähnlichen Schicksal.

===Bewertung===
Traurig, aber dennoch realistisch. Julia S. nimmt in ihrer Biographie kein Blatt vor den Mund, warnt und klärt durch schockierende Details auf. Auch wenn es lückenhaft, nicht immer perfekt ist, verfehlt es seine Wirkung nicht. Dafür gibt es fünf Sterne.

Kommentare

  1. Ich bin die Tochter und da geht die halbe Wahrheit es war zehn mal schlimmer als wie es da hingestellt wird

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