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Philip Jolowicz - Das Vermächtnis des Bösen

Copyright Sarahs Bücherwelt 

===Buchdaten===
Autor: Philip Jolowicz
Titel: Das Vermächtnis des Bösen
Originaltitel: Whitechapel
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 2010
ISBN-13: 978-3404164035
Seiten: 480
Einband: TB
Kosten: 8,99€
Serie: -

===Zitierter Klappentext===
London 1888 Hardy Scholten Lansdown ist ein begabter Mensch, Bühnenbildner und Kostümschneider an den großen Londoner Theatern und ein talentierter Autor. Doch seine Begabung interessiert ihn nicht. Seine guten Beziehungen ermöglichen ihm, sich eine ganz besondere Betätigung zu erkaufen. Er wird Assistent des Henkers von Liverpool, denn es bereitet ihm eine morbid Lust, den Tod anderer Menschen hautnah mitzuerleben.

New York, die Gegenwart Tom Cole entdeckt durch Zufall, dass sein Vater in Wirklichkeit sein Onkel ist. Sein leiblicher Vater beging vor Toms Geburt Selbstmord. Als Tom weiter nachforscht, stellt er fest, dass sein Vater einem blutigen Geheimnis auf der Spur war. Einem Geheimnis, das bis zu seinen Londoner Vorfahren zurückreicht.

===Meine Meinung===
Wir befinden uns im Jahr 1888 im Herzen Londons. Hardy Lansdown ist als Maler, Autor, Bühnenbilder und Kostümschneider erfolgreich unterwegs. Mit seiner Frau wechselt er nur wenige Worte und schon seit der Hochzeit leben sie in getrennten Häusern. Obwohl er begabt und bekannt ist, kann der uneheliche Sohn seine Lust nur an morbiden Dingen finden. So erregt es ihn zum Beispiel, wenn andere Leute sterben. Aus diesem Grund versucht er seine Lust als Assistent eines Henkers und später sogar als brutaler Mörder zu stillen.

Zeitgleich befinden wir uns im New York der Gegenwart. Tom Cole ist ein kleiner Anwalt, dessen Vater als zukünftiger Justizminister der USA erfolgreich unterwegs ist. Durch Zufall entdeckt Tom, dass Devlin nicht sein leiblicher Vater ist, sondern dessen Bruder Ray, der vor seiner Geburt Selbstmord begangen hat. Tom kommt dabei einen blutigen Geheimnis auf die Spur.

Diese beiden Geschichten werden von Philip Jolowicz parallel behandelt und fast abwechselnd im jeweils neuen Kapitel erzählt. Anfänglich sieht es aus, als handle es sich um zwei unterschiedliche Geschichten. Schließlich liegen Jahre dazwischen und der Schauplatz ist ebenfalls ein unterschiedlicher. Jedoch wird der Leser schnell merken, dass beide Geschichten miteinander verbunden sind und ein düsteres Geheimnis sie verknüpft.

Der Einstieg in beide Geschichten geht schnell von der Hand. Gleich im ersten Kapitel durfte ich Hardy erleben, wie es ihn erregt, als er dem Henker assistiert und dem Mörder regelrecht der Kopf abgefetzt wird, da die Berechnungen des Henkers beim Erhängen falsch waren. Schon an dieser Szene erkennt der Leser, dass dies kein harmloses Buch ist und sich die Brutalität der Situationen in den kleinsten Details widerspiegeln. Hardy wurde mir dadurch als Protagonist vom ersten Kapitel an total unsympathisch geschildert.

Die Geschichte um Hardy wird mit jedem weiteren Kapitel abgerundeter, aber auch perverser und brutaler. Von Sexorgien, denen er als Zuschauer beiwohnt, bis hin zu brutalen Morden ist alles vertreten. Wer sich nicht schon am Anfang seine Gedanken zu der Jahreszahl, dem Schauplatz und dem ärztlichen Fachwissen gemacht hat, der wird im Laufe des Buches schnell dahinter kommen, dass Hardy der berühmte „Jack the Ripper“ ist. Der Autor hat sich seine eigenen Gedanken gemacht, wie es zu den Taten gekommen und wie sie abgelaufen sind. Der Ansatz ist sicherlich nicht schlecht, aber die Figur ist in meinen Augen überhaupt nicht durchdacht worden. Warum aus Hardy plötzlich Jack wird ist höchst merkwürdig und wird nie gänzlich geklärt. Vermutungen, wie zum Beispiel eine Krankheit durch Moskitobisse, die zum Wahnsinn führt, empfand ich als total unsinnig. Seine morbiden Gelüste sind Voraussetzungen, bei denen der Leser nie erfährt, ob sie schon als Kind vorlagen oder wann genau er sein perverses Verhalten entwickelt hat. Schließlich muss doch vorher schon etwas gewesen sein, wenn er heiratet und sich seiner Frau sofort entzieht. Seine Persönlichkeit, aber auch die gesamten Situationen werden so bildhaft beschrieben, dass jüngere Leser dieses Buch nicht lesen sollten. Vergewaltigungen, Amputationen, Morde, Sexorgien und vieles mehr wird bis ins kleinste Detail geschildert. Dabei wird sich gerade bei den Morden an die belegten Taten von Jack the Ripper gehalten. Nebenbei werden langatmige Begebenheiten, wie Feste, seine Ausflüge in die Kanalisation oder seine Malereien beschrieben. Zwar wird eine düstere, grausame und teilweise eklige Stimmung geschaffen, aber an Spannung mangelt es. Ich wusste als Leser genau, was als nächstes passieren würde.

Neben dieser Geschichte befindet sich der Leser stets in der Gegenwart und begleitet Tom auf seiner Recherche über seinen Familienstammbaum. Nachdem er von seinem leiblichen Vater erfahren hat, will er das Geheimnis der Familie lüften und kommt diesem auf die Spur. Eine kleine Leiche,Intrigen und Sex kommen auch hier vor. Als Leser habe ich in diesem Geschichtsteils sehr viel über Ahnenforschung lernen können. Spannung kommt auch hier nicht vor. Selbst der unaufmerksamste Leser wird schnell die Zusammenhänge erahnen können. Ich persönlich wusste schon nach der Hälfte wie das Buch ausgehen würde und empfand die Geschichte als langweilig, schlecht durchdacht und blass. Mit blass ist in diesem Teil die Beschreibung der einzelnen Charaktere gemeint. Während Hardy bildhaft beschrieben wurde, konnte ich mir weder Tom noch Juno vorstellen. Hier hat sich der Autor schon keine Mühe mehr gemacht, die Figuren lebendig und plastisch darzustellen. Um die Gegenwart aufzupeppen darf der politische Anteil nicht fehlen. In meinen Augen ist auch dieser Part nicht authentisch und dient nur dem Zweck später Spannung aufzubauen und dem Leser einen irrwitzigen Gedanken – was wäre, wenn ein Politiker böse, historische Ahnen hat - in den Kopf pflanzt. Es wirkt in die Länge gezogen und bei mir konnten nicht mal die Verfolgungsjagden einen gewissen Spannungsfaktor hervorrufen.

Nachdem ich nun die Zusammenhänge beider Geschichten sehr früh verstanden hatte, wollte ich das Buch eigentlich abbrechen. Ich hatte jedoch die Hoffnung, dass für mich aufgekommene Fragen geklärt werden und der Höhepunkt ein Highlight sein würde. Meine Meinung am Ende war: Wer nach der Hälfte frustriert ist, wird es am Schluss erst recht sein. Ein Showdown mit wenig Spannung, den jeder Leser vorhersehen konnte. Fragen wurden ebenfalls nicht geklärt, was aber daran lag, dass es keine logische Erklärung gegeben hätte. Hier hätte der Autor schon vor dem Schreiben sich seine Gedanken machen müssen.

Empfehlen kann ich das Buch persönlich nicht. Es handelt sich hierbei um einen Thriller, der die Kriterien, die ich an einen guten Thriller stelle, nicht erfüllt. Weder spannend, noch logisch durchdacht, noch besticht das Buch durch einen brillanten Schluss. Von einem Thriller mit einem so interessanten Ansatz wie Jack the Ripper kombiniert mit der Gegenwart, hätte ich mir deutlich mehr Spannung erwartet. Nur der historische Ansatz bezüglich des damaligen Lebens und die historischen Fakten um Jack the Ripper konnten mich überzeugen.

===Bewertung===
Ein guter Ansatz, der langweilig, unlogisch, blass und alles andere als Spannend. Nur der historische Anteil kann überzeugen. Durch die perversen, brutalen Details können sich zudem viele Leser abgestoßen fühlen. Für mich bekommt das Buch einen Stern.

===Leseprobe===

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