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Shelly Session - Dunkle Begierde

Copyright Sarahs Bücherwelt

===Buchdaten===
Autor: Shelley Session
Titel: Dunkle Begierde
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 1997
ISBN-13: 978-3404133529
Seiten: 317 
Einband: TB
Kosten: 1,00€
Serie: True Crime

===Eigene Inhaltsangabe===
Laura heiratet Bobby in zweiter Ehe und bringt die 2 jährige Shelley mit in die Ehe. Auf den ersten Blick ist dies ein Glücksgriff, denn Bobby ist nicht nur gutaussehend, sondern ist auch finanziell sehr gut gestellt. Shelley nimmt er als seine eigene Tochter an und kümmert sich rührend um sie. Allerdings kann Shelley wenig mit ihm anfangen. Ständig geraten die Beiden aneinander, da er sie und ihren Halbbruder streng erzieht.
Im zarten Alter von acht Jahren versucht er ihre Liebe auf andere Art und Weise zu bekommen. Es fängt mit leichten Massagen an, geht später in masturbieren und befingern über und endet schließlich im Geschlechtsverkehr. Aus Angst und Scham kann die inzwischen 13 jährige Shelley sich niemanden anvertrauen. Wer würde ihr schon glauben. Einen Millionär als Vater zu haben, der allseits beliebt ist und als fürsorglicher Vater gilt, kann man doch nicht als Inzest-Vater darstellen. Bis zu ihrem 16 Lebensjahr vergreift er sich täglich, sogar mehrfach an dem wehrlosen Mädchen. Doch statt der erwünschten Liebe, gibt es täglich Streit und Hass ihrerseits. Es wird sogar so schlimm, dass sie nicht mit ihrer Mutter zum Einkaufen darf, keine Freunde treffen und schon gar keinen Freund haben. Je älter sie allerdings wird, desto mehr Chancen nutzt sie aus, um seinen widerlichen Fingern zu entkommen, bis ihr schließlich die Flucht gelingt. Ein Kampf ums Überleben beginnt.

===Meine Meinung===
Wenn man ein solches Buch in der Hand hält, kann man nur den Kopf schütteln. Als Mutter versteht man nicht, wie andere Mütter einfach wegsehen können. Als Tochter versteht man nicht, warum sie sich nicht wehrt. Der Grund dafür ist, dass viele Kinder einfach nicht ernst genommen werden und das Thema gerne unter den Tisch gekehrt wird. Aus diesem Grund finde ich solche Bücher sehr wertvoll.

Ich habe schon das eine oder andere Werk zu dieser Thematik gelesen und erwarte definitiv keinen detaillierten Bericht, wie man es aus der „Bild“ sicherlich kennt. Schließlich soll dieses sachliche Werk aufrütteln und nicht den einen oder anderen Leser aufgeilen. Auf der anderen Seite fand ich dieses Buch zu nüchtern.

In einem Prolog geht der Co-Autor auf die vielen Inzest-Fälle in den USA ein. Er nennt zahlen und klärt den Leser über die Situation auf. Für einen Einstieg in ein solches Thema finde ich dies gut gewählt. Als Leser erwartet man einen Erfahrungsbericht von Shelley aus der Ich-Perspektive oder als neutraler Beobachter. Allerdings wird hier ein sehr sachlicher Berichtstil gewählt, der sehr sprunghaft ist.
Schon zu Beginn des Buches, nach einer kleinen Zukunftsvision, wird eine kleine Situation genannt, die als Inzest deutlich hervorgehoben wird. Anschließend gibt es zahlreiche Rückblenden. Dann geht es auf einmal um die vorherigen Ehen ihrer Eltern. Sie werden kurz angedeutet, um anschließend mit der eigenen Ehe oder einer anderen Situation fortzufahren. Kurz darauf wird dann doch wieder auf die vorherigen Ehen im Detail eingegangen, um dann in mehreren Rückblenden etwas über deren Kindheit zu erfahren. Diese Informationen sind sehr wertvoll, aber diese servierten Happen lassen die Hauptthematik untergehen. Es wird viel allgemeines geklärt. Wie der Vater zu Geld kommt, woher er kommt, das er schon früher solche Vorlieben hatte, was er ihr schenkt und zwischendurch kommt dann wieder ein Satz, wo angedeutet oder deutlich vom Missbrauch geredet wird. Diese Punkte runden das erschreckende Bild ab, aber sie wirken im genauen Vergleich zu den Missbrauch-Punkten zu detailliert. Zum Beispiel wird genau erzählt, wie er zu seinem Vermögen gekommen ist, welche Rinder er gezüchtet und gekauft hat. Beim Missbrauch wird nur erzählt, dass er sich mehrfach täglich an ihr vergangen hat und keine Gelegenheit und keinen Ort ausgelassen hat. Ab der Hälfte des Buches ist ihr die Flucht endlich gelungen und ihr Vater wurde verurteilt. Danach beschäftigt sich das Buch mit der Problematik der Bewältigung, wobei sie in ein Erziehungsheim gesteckt wird und ihr Stiefvater in einer Psychiatrie sitzt. Auch diese Punkt ist sehr wichtig und klärt die Leser auf, wie es nach einem solchen Missbrauch für die Beteiligten weitergeht.
Die eigentliche Wahl des Aufbaus und des Stils finde ich gar nicht schlecht. So erfährt man viel und trotzdem wirkt es sehr sachlich, zeigt aber deutlich die Gefühle des Vaters und Shelley. Dies geschieht an Hand von einzelnen Sätzen. Erinnerungen von Shelley werden in kursiver Schrift eingebaut und prallen dabei auf Äußerungen ihres Vaters nach der Verhaftung. Dadurch wird die emotionale Tragweite für den Leser richtig deutlich. Auch mit den Sprüngen könnte ich als Leser leben. Allerdings habe ich ein Problem damit, wie berichtet wird. Mal wird es aus Sichtweise von Shelley erzählt, dann berichtet zum Beispiel ihr Freund, ihre Mutter oder der Pfarrer und erzählt bzw. ergänzt die weiteren Geschehnissen aus seiner Sicht. Ich persönlich empfand es eher schwer immer zu unterscheiden, wer nun gerade berichtet. Oft ist es deutlich, aber manchmal wechselt dies zu oft und man verliert sich beim Lesen. Hier wäre eine klare Linie aus Shelleys Sicht mit kursiven Ergänzungen der anderen Parteien einfacherer und übersichtlicher gewesen.
Zudem ist ihr Schicksal wirklich sehr interessant. Während sonst Inzest-Opfer eher zurückhaltend sind, ist sie beliebt, geht gegen ihren Vater an und kämpft. Auf der einen Seite sag ich mir als Leser, dieses Beispiel zeigt, dass es jeden treffen kann und egal wie stark man ist, der Kampf ist nicht leichter. Auf der anderen Seite fällt es mir durch ihre Stärke schwer zu verstehen, warum sie sich nicht früher gewehrt hat oder ihn sogar immer vor Selbstmordversuchen beschützt hat. Selbst wenn mich alle für die mieseste Tochter halten würden, ich hätte es nicht verhindert und schon sofort gekämpft. Um dies alles wirklich begreifen zu können, muss man es wohl selbst am eigenen Körper erfahren haben. Als Außenstehender kann man schließlich immer leicht reden.

Auch wenn ich nicht voll und ganz mit dem Bericht-Stil einverstanden bin, kann ich das Buch trotzdem empfehlen. Es ist sehr wertvoll und zeigt auch jungen Lesern, dass es jeden treffen kann und man sich nur befreien kann, wenn man kämpft. Es zeigt aber auch Außenstehenden, dass nicht jeder beschützende Vater es nur gut meint. Es rüttelt auf und zeigt, dass man überall seine Augen aufsperren sollte.

===Bewertung===
Trauriges Thema, welches jedoch nie unter den Tisch fallen sollte, da es leider Gottes immer aktuell sein wird, wie man aus den Medien entnehmen kann. Keine perfekte Umsetzung, was bei dieser Thematik aber nicht verwerflich ist. Dafür gibt es von mir vier Sterne.

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