Christine Brückner - Wie Sommer und Winter

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===Buchdaten===
Autor: Christine Brückner
Titel: Wie Sommer und Winter
Verlag: Ullstein
Erschienen: 1978
ISBN-13: 978-3548228570
Seiten: 176
Einband: TB
Kosten: gebraucht ab 0,25€ bei Booklooker
Serie: -
===Zitierter Klappentext===
Sommer auf Elba, das bedeutet Ferien, Sonne und Meer, Gärten, Ölbaumhaine, in denen Zikaden schreien. Für Katharina, die 17jährige Tochter der Sonntags, bedeutet es mehr. Schon am ersten Tag lernt Sie Michele kennen, der ihr seine Insel zeigt, mit ihr aus Meer fährt, sie ins Haus seiner Eltern mitnimmt. Sie sprechen zwei Sprachen, aber sie verstehen sich mit dem Herzen.
Winter in Kassel, das bedeutet Alltag. Eine Dreizimmerwohnung mit Nordbalkon, Schule, Freunde, das Abitur rückt näher. Katharina vergisst den Sommer auf Elba. Bis eines Tages Michele auf dem Schulhof steht ....

===Meine Meinung===
Endlich Sommerferien. Katharina, Kai und ihre Eltern verreisen in den Sommerferien für vier Wochen nach Elba. Besonders für die übellaunige und rebellische Katharina, 17 Jahre, entwickelt sich dieser Urlaub zu einer wunderschönen Zeit. Kaum auf Elba angekommen, lernt sie auf einer Tankstelle Michele kennen und verliebt sich über ihn. In den vier unbeschwerten Wochen blüht Katharina auf.
Auch ihre Eltern und ihr Bruder verstehen sich mit Michele und seiner Familie. Nach den Ferien endet der Kontakt aber sehr schnell, wie es bei Ferienbekanntschaften oftmals der Fall ist. Katharina kehrt schnell in den Alltag zurück. Doch mitten im Januar steht Michele plötzlich in Deutschland vor Katharinas Schule. Als Gastarbeiter ist er nach Deutschland gekommen und erhoffte sich einer Fortsetzung ihrer Sommerromanze. Für Katharina ist dies jedoch nicht so einfach. Irgendwie schämt sie sich für den ärmlichen Michele, kümmert sich nicht, verteidigt ihn nicht und nimmt sich mehr Zeit für ihre Schule und Freunde, als für ihn. Als sie Michele auch noch anfängt zu diskriminieren, obwohl sie sonst Demos für die Aufnahme von Gastarbeitern oder gegen den Vietnam-Krieg besucht, geht Michele zurück. Erst als es zu spät ist, wacht Katharina auf.

Christine Brückner ist mit dem vorliegenden Werk ein interessantes Jugendbuch gelungen, dass in den 70er Jahren viele Leser gefunden hat. Das Buch spricht wichtige Themen an, die die zu damaligen Zeiten aktuell waren. Sie geht auf die berufstätige Hausfrau ein, Gastarbeiter in Deutschland, den Vietnam-Krieg und sogar den zweiten Weltkrieg. Leider verliert sich die Autorin in einem ausschweifenden Schreibstil. Sie verliert sich in unwichtigen Details. Das liegt aber daran, dass es dem damaligen Verständnis diente und heutzutage selbstverständlich ist.
Der Einstieg in die Geschichte beginnt mit der Anreise nach Elba. Als Leser erfuhr ich viel über die Insel. Bevölkerungsanzahl, die Größe und die geologischen Fakten. Nebenbei wird dem Leser vorgerechnet, wie der Inseldurchschnitt errechnet wird, wie viele Haare der werte Herr Vater hat und vieles mehr. Ganz zu Anfang wird auf die blonde, attraktive Katharina und die sprachlichen Probleme zwischen anderen Kulturen eingegangen. Zudem wird auf die seit berufstätige Mutter, den besserwisserischen Sohn und ihre Verhältnisse in Deutschland eingegangen. Nebenbei erfährt der Leser auch, dass viele Italiener im zweiten Weltkrieg in Deutschland gearbeitet haben. Dies ist ein wichtiger Punkt, allerdings ist die Berechnung der Haarzahlen total unsinnig. Daran dürfte jeder Leser erkennen, wie viel Wert die Autorin auf unwichtige Details legt.
Wenig später lernt die Familie Michele kennen und lieben. Die Romanze selbst ist noch sehr unschuldig. Allerdings finde ich die Beschreibungen sehr oberflächlich gehalten. Mir persönlich fiel es sehr schwer mich in die Charaktere hineinzuversetzen. Während Situationen detailliert beschrieben werden, sind die Figuren und ihre Emotionen sehr blass. Anstatt die Geschichte aus Katharinas Sicht zu erzählen, wird auf jedes Familienmitglied eingegangen. Ich hatte das Gefühl, dass ein neutraler Beobachter alles schildert. Für eine solche Geschichte ist dies sehr unpassend. Schließlich soll die schöne Stimmung und die Gefühle vom Sommer vermittelt werden.
Nach der Hälfte des Buches befindet sich die Familie endlich wieder in Deutschland. Wer nun davon ausgeht, dass in einem Zeitraffer endlich Michele erscheint, wird, wie ich, enttäuscht sein. Der Alltag der Familie wird genauestens geschildert. Ausflüge, Demonstrationen, sogar ein sehr langer Aufsatz über das Thema Gastarbeiter wird abgedruckt. Es zeigt, dass sie sich mit dem Thema nicht gerade gut beschäftigt hat. Als dann Michele endlich auftaucht, wird dem Leser verständlich erklärt, wie ein Urlaubsflirt im grauen Alltag aussehen kann. Einerseits sind ihre Handlungen und ihre Ablehnung verständlich. Es war eben eine andere Zeit. Die Gastarbeiter waren neu. Fehler sind vorprogrammiert. Daher finde ich den Schluss nicht unbedingt gelungen. Happy End schön und gut, aber die Probleme sind doch trotzdem vorhanden. Ein langer Brief ihrer Mutter soll dem Leser noch einiges verdeutlichen, der einiges erklärt, aber definitiv zu lang ist.

Das Buch ist für jugendliche Leser ab 14 Jahren. Vorher dürfte es problematisch werden, die komplexe Situation zu begreifen. Viele Themen, wie zum Beispiel berufstätige Mütter, Vietnam-Krieg oder Gastarbeiter sind inzwischen nicht mehr aktuell und werden sicherlich nicht sonderlich viele Leser noch interessieren. Trotzdem ist die Thematik „Urlaubsflirt“ stets aktuell und wird interessant behandelt. Daher kann ich das Buch trotzdem noch empfehlen. Egal ob jungen oder alten Lesern, sie bekommen aufgezeigt, dass ein schöner Urlaubsflirt im Alltag nicht unbedingt da weitergehen muss, wo er aufgehört hat.


===Bewertung===
Langatmig, unwichtige Details wurde damals mit wichtigen Themen kombiniert. Inzwischen ist nur noch eine wichtige Thematik aktuell, sodass das Buch nur zwei Sterne von mir bekommt. Selbst wenn es damals aktuell war, hätte ich die unnötigen Details, die langatmigen Passagen und schlechten Emotionen als negativ empfunden.
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