Rita von Gaudecker - Der Tag, der vergangen ist

   

===Buchdaten===
Autor: Rita von Gaudecken
Titel: Der Tag, der vergangen ist
Verlag: Salzer Verlag
Erschienen: 1966
ASIN: B0000BR4M8
Seiten: 70
Einband: HC
Kosten: 1,00€ gebraucht
Serie: -
===Eigener Inhalt===
21 Jahre vor dem zweiten Weltkrieg in Pommern. Ihre Eltern sind verstorben und sie wächst bei ihrer Großmutter auf einem Bauernhof auf. Als sie endlich die Liebe entdeckt, scheint das Glück perfekt zu sein. Doch ihr Angebeteter lässt sie schwanger für eine bessere Partie sitzen. Anfänglich möchte sie nur noch sterben, doch ein Bibelvers zeigt ihr den Blick in die Zukunft. Sie kämpft für sich und ihren ungeborenen Sohn Peter, den sie 21 Jahre später im zweiten Weltkrieg wieder verlieren soll.

===Meine Meinung===
Das vorliegende Buch mit dem Titel „Der Tag, der vergangen ist“ besteht aus nur 70 Seiten und ist trotzdem eine Erzählung, die auch Jahre später noch das Herz des Lesers berühren wird.

Eine junge Frau wird schwanger von ihrem Liebsten verlassen, da dieser sich für eine reichere Braut mit einem Gasthaus entscheidet. Lange Zeit leidet sie unter der Trennung und wünscht sich nur noch den Tod. Ihr Baby möchte sie erst gar nicht wahrhaben. Sie selbst ist ohne Eltern bei der Großmutter auf einem einfachen Bauernhof aufgewachsen. Doch genau ihre Großmutter und die Bibel sind es, die sie mit wenigen Worten von ihrer Trauer befreien und ihr ermöglichen, sich auf das ungeborene Kind zu freuen. 21 Jahre später wird ihr dieser Sohn jedoch von Krieg entrissen.

Am Anfang vermutet man gar nicht, dass eine so einfühlsame Geschichte hinter diesem Buch steckt. Einmal angefangen hatte ich das Werk innerhalb von 45 Minuten durchgelesen und hatte am Ende Tränen in den Augen. Einfühlsam schildert die Autorin das Leben zur damaligen Zeit in Pommern. Das wilde Meer, die reißenden Winterflüsse, die harte Arbeit und das kleine Glück, das in vielen Dingen liegt. Die Protagonisten und ihre Großmutter lernt der Leser gleich zu Beginn kennen. Von dem ungeborenen Kind in ihrem Bauch konnte ich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nichts erfahren. Traurigkeit wird von Rita von Gaudecken vermittelt. Eine Traurigkeit, die von einer enttäuschten Liebe herrührt. Nach und nach erfährt der Leser den Grund dafür. Anschaulich, emotional, aber nicht zu kitschig, konnte ich die gesamte Situation erleben. Die Protagonistin wirkt trotz ihres Todeswunsches völlig sympathisch. Erst nach dieser kleinen Einführung wird von der Autorin die uneheliche Schwangerschaft angedeutet. Spätestens an diese Punkt wird deutlich, wie anders doch diese Zeit damals war. Ein uneheliches Kind war eigentlich schon Grund genug ausgestoßen zu sein. Trotzdem steht ihre Großmutter hinter ihr, auch wenn dafür keine Worte nötig sind. Sowohl die Familie als auch der Leser verstehen ohne Worte, was gesagt wird. Auf direkte, aber auch indirekte Rede wird nur selten zurückgegriffen. Dafür wird das Verstehen ohne Worte, das Vertrauen und die Liebe aufgezeigt, die in Familien herrschen sollte. Es ist total schön zu lesen, wie die Protagonistin ihre Situation erlebt, auftaut und immer wieder kleine Rückschläge sie an ihre große Liebe erinnern. Die Geburt erlebt der Leser in wenigen, aber aufschlussreichen Details und lässt die Härte erahnen. Wer in der jetzigen Zeit ein Kind bekommt, kann sich glücklich schätzen. Das traurige an dieser Geburt ist jedoch die Tatsache, dass Rita von Gaudecken schon vorab einblicken lässt, dass dieses Kind dem Tode geweiht ist.

Der Stil den die Autorin bei diesem Buch verwendet ist zeitlos. Bildhaft, emotional, einfach, aber lebendig. Sie geht auf die wesentlichen Details ein und verliert sich nicht in unwichtigen Dingen.

===Bewertung===
Die damalige Zeit, die Liebe und der schöne Schreibstil, sorgen dafür, dass ich das Buch wirklich jedem empfehlen kann. Es ist zwar alt, aber seinen Reiz hat es nicht verloren. Für mich fünf Sterne

  
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