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Sia Figiel - Alofa


===Buchdaten===
Autor: Alofa
Titel: Sia Figiel
Originaltitel: Where we once belonged
Verlag: Unionsverlag Taschenbuch
Erschienen: 2001
ISBN-13: 9783293202061
Seiten: 252
Einband: TB
Kosten: 8,90€
Serie: -

===Autor/in===
Sia Figiel wurde 1967 in Samoa geboren. Als Performance-Künstlerin und Malerin unternahm sie zahlreiche Reisen nach Europa und Neuseeland. Heute lebt und unterrichtet sie in Samoa. Für »Alofa« erhielt sie 1997 den Commonwealth Writers Prize für das Erstlingswerk eines Autors aus dem südostasiatischen und pazifischen Raum. (Quelle: Unionsverlag)

===Zitierter Klappentext===
Alofa heißt Liebe. Alofa heißt auch das widerborstige Mädchen, das sich nichts gefallen läßt, um ihr zerbrechliches »Ich« zu schützen. Umstellt von überlieferten Tabus und Verboten, unbeeindruckt von der Verlogenheit der Erwachsenen, wächst sie auf in ihrer Mädchenclique mit Kung-Fu-Filmen, Wella-Apfelshampoo und Cornflakes.
Ihr Name ist aber zugleich ein schweres Erbe: Die Familie, die Dorfgemeinschaft setzt Hoffnung in sie, sie kann die Tradition retten. Doch dann wird sie eines Abends mit dem Sohn des Pfarres erwischt.
Die Wortkünstlerin Sia Figiel läßt sich von der mündlichen Erzähltradition Samoas inspirieren. Ihre Sprache ist respektlos wie ihre Heldin, funkelnd wie das quirlige Stadtleben, tiefgründig wie die alten Erzählungen von Geistern und Göttern, von fliegenden Hunden und magischen Vögeln.

===Meine Meinung===
Ein fremdes Land, fremde Kulturen und ein Mädchen, das zur Frau wird – in meinen Augen klang dies sehr vielversprechend.

Alofa ist ein ganz normales Mädchen, das zusammen mit ihren Freundinnen in Samoa aufwächst, zur Schule geht, ihren Körper und die Jungen entdeckt. Dabei redet sie sehr offen über die erste feuchte Unterhose, das innere einer Vagina, die sogenannte Mondkrankheit und von den ersten Erfahrungen mit einem Penis.


Schon die ersten Zeilen erweckten in mir den Eindruck, dass es sich um ein sehr frühreifes Mädchen handelt, dass von ihren erotischen Erlebnissen erzählt und dabei wie eine Lolita dargestellt wird. Ähnliches ließ auch schon der Klappentext erahnen. Der Klappentext verspricht in diesem Fall jedoch mehr, als ich in diesem Buch vorfinden konnte. Was für manche prickelnd beginnt, wird schon im nächsten Absatz mit einer völlig anderen Geschichte, die sich über mehrere Seiten zieht, abgetan. Statt um das Innere einer Vagina geht es plötzlich um ein anderes Mädchen, dass ihre dreckigen Schlüpfer zum Schnuppern an Männer verkauft. Einen roten Faden gibt es nicht. Ich wollte Alofa kennenlernen, doch wurde mir zu Beginn gleich ein total unwichtiges, frühreifes Mädchen geschildert. Später kehrt Sia Figiel zwar auf das Thema zurück, aber zu einem Zeitpunkt, wo ich es gar nicht mehr erwartet hätte. Auch sonst besticht die Geschichte durch viele kleine Anekdoten, die wirr zusammen gewürfelt wurden. Mal geht es um ein schwangeres Mädchen, dass ihr Baby im vierten Monat verliert, dann erwischt sie jemanden beim Sex, plötzlich ist ein anderes Mädchen schwanger und dann geht es nebenbei um amerikanische Dinge wie Shampoo, Cornflakes und ähnliches. Ganz nebenbei erfährt man noch etwas über das Land, die Kultur und das Leben der Menschen.
Während des gesamten Lesens erwartete ich endlich den angekündigten Punkt, dass Alofa mit dem Sohn des Pfarrers erwischt wird. Diese Begegnung wird im Klappentext angekündigt und ich für meinen Teil erwartete ihn sehr früh, damit die Handlung darauf aufgebaut werden kann. Leider wurde ich diesbezüglich enttäuscht. Langweiliges, pubertäres Gerede, vereinzelte erotische Dinge und fast zum Schluss kommt der Aufhänger des Klappentextes. Ich fand dies enttäuschend, da dieses Erlebnis auch nebensächlich beschrieben wurde. Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin diesem Punkt weniger Bedeutung geschenkt hat, als es der Verlag getan hat. Man könnte auch sagen, dass dies als einzig interessanter Ansatz zu Vermarktungszwecken in den Klappentext aufgenommen wurde.
Mir fiel es sehr schwer in die Geschichte, das Land und die Kultur zu kommen. Zum einen lag dies am tristen Stil der Autorin. Ich fühlte mich weder gefesselt, noch konnte ich die Begebenheiten als Kopfkino erleben. Selbst Alofa, die als Protagonistin, in jeder Geschichte vorkommt, empfand ich als blassen Klotz. Zum anderen erschwerte mir die Autorin das Lesen durch die vielen samoanischen Begriffe. Neben unaussprechlichen, verwirrenden Namen, verwendete sie viele landestypische Worte. Zwar gibt es am Ende des Buches eine übersichtliche Worterklärung, aber 4 1/3 Vokabeln, kann man sich einfach nicht merken. Ich persönlich kam sogar mit Namen durcheinander und wollte diese hinten nachschlagen. Manche Vokabeln konnte ich mir gut merken, andere habe ich mehrfach nachschlagen müssen. Ich empfand dies als zu viel, sodass irgendwann der Punkt kam, wo ich aufgab. Man möchte wissen, was man liest, aber welcher Leser hat schon Lust und Ausdauer über 100 ständig verwendete Worte immer wieder nachzuschlagen. Es hemmt den Lesefluss einfach zu sehr. Besonders nervig empfand ich die Tatsache, dass noch nicht einmal wirklich alle Worte übersetzt wurden. Wäre wirklich jeder Begriff hinten aufgeführt worden, dann wäre die Worterklärung noch einmal um drei Seiten länger gewesen.

Auf Grund der jugendlichen Protagonisten kann dieses Werk sicherlich auch von jüngeren Lesern gelesen werden. Wirklich perverse Beschreibungen sind nicht vorhanden und Begriffe wie Penis oder Vagina werden in der Schule eh durchgenommen. Leider hat mich das Buch überhaupt nicht überzeugen können. Das Land wird zwar beschrieben, blieb mir aber während des gesamten Lesens trotzdem fremd, die Protagonisten sind blass und die Geschichten sind weder prickeln, spannend noch humorvoll. Ich empfand es durch die vielen fremden Begriffe sogar eher zähflüssig. Daher kann ich das Buch nicht empfehlen.

===Bewertung===
Zähflüssig, langweilig und ein Klappentext der mehr verspricht, als das Buch zu bieten hat. Weder ein roter Faden, noch interessante Kurzgeschichten sind hier vertreten. Für mich gibt es hier nur einen Stern.

===Leseprobe===

Kommentare

  1. Von dieser Buchkritik bin ich vollkommen verblüfft...und negativ überrascht.
    Ich lese 'Alofa' gerade zum zweiten Mal und erinnere mich, daß ich beim ersten Lesen vor etlichen Jahren auch nicht viel mit dem Buch anfangen konnte (so ist das in der Kritik geäußerte Befremden schon ein bißchen nachvollziehbar), doch die Wiederbegegnung mit Alofa macht mir ungemein viel Freude. Die vielen kleinen Stories faszinieren durch den unkonventionellen Stil der Autorin und vermitteln ein sehr buntes, vielschichtiges und auch abgründiges Bild Westsamoas, eines Landes, das bei uns kaum bekannt ist.
    Wer ein Südseeidyll aus dem Touristenprospekt erwartet, wird enttäuscht sein. Ich finde, daß die Realität und die Konflikte des samoanischen Lebens sehr gut beschrieben sind. Diese Kultur ist uns recht fremd, aber die geschilderten Erfahrungen der Protagonisten sind universell: Auswanderung, Gegensatz Stadt-Land, komplizierte Familienbeziehungen, Erwachsenwerden usw. Soviel ich weiß, verzeichnet dieses 'Tropenparadies' eine hohe Selbstmordrate unter Jugendlichen, was auf den inneren Konflikt zwischen Tradition und Moderne zurückzuführen ist: der Zwiespalt, in dem sich die Jugendlichen zwischen ihren Wünschen nach Individualität und westlichem Lebensstil einerseits und den strengen Forderungen der älteren Generation nach der Anpassung an die traditionelle samoanische Lebensweise andererseits befinden, ist recht drastisch, aber nachvollziehbar dargestellt.
    Oft muß ich auch über bestimmte Situationen sehr lachen, und den 'roten Faden' vermisse ich nicht. Der Aufbau ist durchaus logisch: Alofa will in die Hauptstadt Apia fahren, man begegnet ihr dort zwar nicht, aber dafür vielen anderen sehr unterschiedlichen Menschen, die sie vielleicht unterwegs getroffen hat.
    Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen. Wer bereit ist, sich auf literarisches Neuland abseits des Mainstream zu begeben und sich auf magische und realistische Geschichten über das Leben in all seinen Facetten - schönen und häßlichen - einzulassen, wird 'Alofa' als wunderbare Bereicherung empfinden.

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  2. Vielleicht würde ich es bei einem erneuten Lesen auch anders sehen, aber da es eben mein erster Eindruck war, kann ich nur das Schreiben, wie es mir beim ersten Mal gefallen hat. Aber schön, dass du teilweise meine Meinung nachempfinden kannst.

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