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Ingeborg Jacobs - Wolfskind


===Buchdaten===
Autor: Ingeborg Jacobs
Titel: Wolfskind
Untertitel: Die unglaubliche Lebensgeschichte des ostfreußischen Mädchens Liesabeth Otto
Verlag: Weltbild
Erschienen: 2010
ISBN-13: 9783868004847
Seiten: 318
Einband: TB
Kosten: 9,99€
Serie: -

===Autor/in===
Ingeborg Jacobs, geboren 1957 in Solingen. 1989 bis 1992 Aufenthalt in der Sowjetunion. Seit 1995 freie Autorin beim ZDF. Zahlreiche Dokumentarfilme, überwiegend zu zeitgeschichtlichen Themen. Sie wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Wirtschaftsfilmpreis und dem Bayerischen Fernsehpreis. Mitarbeit an mehreren Büchern von Guido Knopp, darunter »Die große Flucht«. (Quelle: Amazon.de)

***Weitere Werke***
  • Freiwild: Das Schicksal deutscher Frauen 1945

===Zitierter Klappentext===
Ostpreußen 1945. Auf der Flucht vor der Roten Armee verliert die siebenjährige Liesabeth Otto Mutter und Geschwister. Allein irrt sie durch die Wälder und gerät auf der Suche nach Nahrung und Unterkunft ins benachbarte Baltikum. Unter unfassbaren Entbehrungen schlägt sie sich jahrelang durch, völlig auf sich gestellt, stets auf der Hut vor sowjetischen Häschern. Ein erschütterndes Schicksal, zugleich ein Panorama deutsch-sowjetischer Nachkriegsgeschichte. Tausende Kinder verlieren in den Nachkriegswirren in Ostpreußen ihre Eltern und bleiben allein zurück - die »Wolfskinder«. Auch die kleine Liesabeth übernachtet in Scheunen oder unter Brücken, gelegentlich findet sie bei Bauern Unterschlupf. Doch niemand will sich ihrer annehmen. Man hetzt die Hunde auf sie, von den einheimischen Kindern wird sie bei Hitler- Spielen gequält, als Achtjährige vergewaltigt. Als sie mit fünfzehn beim Klauen erwischt wird, landet sie in den Straflagern des Gulag. Nach der Entlassung beginnt eine Odyssee durch die Sowjetunion. Doch die Hoffnung, eines Tages ihre Familie wiederzufinden, gibt sie nie auf. Liesabeth Otto, heute 72 Jahre alt, hat ihre Lebensgeschichte der ZDF-Journalistin Ingeborg Jacobs erzählt, deren Dokumentarfilm über das einstige Wolfskind mit überwältigender Resonanz im ZDF und auf ARTE ausgestrahlt und mit dem World Television Award ausgezeichnet wurde. Nun folgt das Buch, die ergreifende Geschichte eines Kindes, das allen Schicksalsschlägen zum Trotz nie seinen Lebensmut verliert.

===Meine Meinung===
Für die siebenjährige Liesabeth beginnt 1945 ein Kampf ums nackte Überleben. Nachdem ihre Mutter verhungert ist und sie auf tragische Weise von ihren älteren Geschwistern getrennt wird, landet sie in Litauen. Immer auf der Flucht vor Entdeckung kann sie bei den Bauern immer nur wenige Tage, manchmal aber auch einige Monate bleiben. Während andere das Glück haben für immer bleiben zu dürfen, muss Liesabeth sich alleine durchschlagen. Immer auf der Suche nach freundlichen Menschen, die ihr Essen, Kleidung oder ein Dach über dem Kopf anbieten. Sie arbeitet hart, hat Läuse, schläft viele Nächte im Freien, muss viele Rückschläge in Kauf nehmen und wird sogar brutal vergewaltigt. Doch nichts kann ihr den Lebensmut, ihr freches Mundwerk und ihren guten Instinkt nicht nehmen. Als sie aus Rache klaut, kommt sie zum ersten Mal in ein Kinderlager...

Eigentlich ein sehr interessantes Thema in meinen Augen. Die Thematik „Zweiter Weltkrieg“ ist eigentlich ausgereizt. Schicksale von versteckten Juden, Menschen die Flüchten kommt einen bei einem solchen Buch in den Sinn. Diesmal befasst sich die Lektüre jedoch mit einer ganz anderen Seite. Wie sah es am Ende des Krieges für Personen aus, die in die andere Richtung geflüchtet sind? Zwar gibt es auch zahlreiche Berichte über Gefangenenlager der Russen, aber dies ist doch schon etwas Besonderes.

In einem kurzen Prolog wird der Leser an Liesabeth Otto herangetastet und erfährt, wie die Autorin an dieses biographische, traurige Schicksal gekommen ist. Nach diesen einleitenden Worten beginnt Liesabeth Otto anfänglich stockend über ihre Erlebnisse zu berichten. Dabei erzählt sie, wie jeder alte Mensch erzählen würde. Sie berichtet über einprägsame Erlebnisse und lässt alles andere einfach weg. Ich persönlich hatte aber gerade am Anfang das Gefühl, dass die Autorin hier etwas geschnitten hat, um durch einige spätere Rückblenden noch zusätzliche Informationen an den Leser zu bringen. Der Tod der Mutter wird nur kurz erwähnt. Genaue Informationen zum Tod oder wie die Kinder alleine in die alte Heimat gekommen sind fehlen einfach. Ich wurde mitten in die Tatsache hineingeworfen, dass die siebenjährige Liesabeth mit ihren Geschwistern völlig alleine hauste. Aber gerade diese Hintergrundinformationen hätten den Leser viel besser auf dieses traurige Schicksal einstimmen können. Innerhalb von wenigen Sätzen war Liesabeth plötzlich alleine und ich fragte mich immer wieder, wie es nur so weit kommen konnte. In späteren Rückblenden erfährt der Leser jedoch diese fehlenden Eingangsinformationen.

Auf ihrer Reise erlebt sie viele Dinge und weiß diese auf eine alte kindliche Weise zu schildern. Ihre Gedankengänge und Handlungen sind für den Leser klar verständlich und nachvollziehbar beschrieben. Ich verstand sofort, warum dieses kleine Mädchen erst mit genügend Essen wieder nach Hause kommen wollte. Auf der anderen Seiten entstehen beim Lesen Fragen, die auch Liesabeth Otto nicht beantworten kann. Viele sogenannte „Wolfskinder“ waren zur damaligen Zeit unterwegs und viele fanden eine neue Familie. Gerade bei einem so fleißigen und wissbegierigen kleinen Mädchen, kann ich einfach nicht nachvollziehen, warum gerade sie immer weggeschickt wurde. Bei den Arbeiten zu diesem Buch trifft sie eine solche Person wieder, die sie damals, auch für sie unverständlicherweise, weggeschickt hat. Obwohl ihr diese Frage nie Ruhe gelassen hat, spricht sie sie nicht aus. Warum sie es nicht macht, konnte ich nicht begreifen.

Neben den Gedanken und Handlungen beschreibt sie ihr Umfeld, wie sie es in Erinnerung hat. Eine genaue Vorstellung habe ich allerdings nie ganz bekommen. Als Kind sieht man viele Dinge einfach anders, als ein Erwachsener. Sich aus den Erinnerungen eines Kindes ein klares Bild zu machen ist fast unmöglich. Trotzdem sind ihre Beschreibungen detailliert und lebendig. Die Ängste vor Hunger und Kälte vermag sie einfach nicht so authentisch zu vermitteln, wie ein Erwachsener, der dies erlebt hat. Dieser nimmt es einfach bewusster wahr. Selbst als sie älter wird, bleibt dieser Erzähl-Stil bei. Das Leiden und die Angst die für viele stets gegenwärtig war, klingt bei ihr stellenweise harmlos. Das liegt daran, dass ihren Beschreibungen der Tiefgang fehlt. Zum Beispiel wird sie von drei Männern vergewaltigt und sogar an einen anderen Gefangenen verkauft. Dies müsste das Herz bewegen. Ich konnte diese Qualen und Ängste ahnen, aber nicht durch ihre Beschreibung, sondern durch die menschliche Fantasie.
Um zumindest Personen plastisch erscheinen zu lassen überrascht das Buch in der Mitte mit zahlreichen schwarz-weiß Fotos. Darunter sind Fotos von ihrem Mann, ihren Eltern, ihren beiden Kindern, einer Familie von damals oder das Lager in dem sie sich befand.

Ihr kindlich Stil lässt sich flüssig lesen und packt den Leser trotzdem. Die Gefühle, die sie nicht gut vermitteln kann, kann der Leser zumindest erahnen. Auch wenn dies nicht unbedingt Sinn und Zweck eines guten Buches ist. Lieber so, als zu sachlich.

Neben ihrer Kindheit und den Jahren in Litauen berichtet sie auch von der Rückkehr nach Deutschland, dem Wiedersehen mit ihrem Vater, ihrer Hochzeit, den Geburten und vieles mehr. Fast die Hälfte des Buches spielt sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland ab. Es ist interessant zu erleben, wie sie ihr Leben trotz einer so bewegenden Kindheit gemeistert hat. Ich persönlich hätte mir statt dieser letzten Hälfte lieber wirklich detaillierte erste Hälfte gewünscht. Zum Schluss hätten sicherlich einige Worte zum weiteren Verlauf in meinen Augen genügt.

Durch den leichten Stil, der keine wirklich brutalen Schilderungen enthält, sondern nur zart andeutet, können sogar interessierte Leser ab 12 Jahren dieses Buch lesen. Allerdings sollte mit diesen über den Inhalt geredet werden. Es zeigt ihnen jedoch anschaulich, wie gut sie es hier in Deutschland mit einem vollen Kühlschrank, langweiligen Schulunterricht und einem warmen Dach über den Kopf haben.

===Bewertung===
Auf eine interessante, kindliche Art schildert Liesabeth Otto ihre Erlebnisse nach dem zweiten Weltkrieg. Während ihre kindlichen Gedanken nachvollziehbar sind, mangelt es dem Buch Emotionen, die der Leser richtig spürt. Vielmehr muss er sich diese selbst denken. Trotzdem ist es ein Schicksal, dass es verdient gelesen zu werden. Von mir gibt es drei Sterne.

===Leseprobe===
Dort gibt es eine genehmigte Leseprobe im PDF-Format.

http://www.buecher.de/shop/berichte--erinnerungen/wolfskind/jacobs-ingeborg/products_products/detail/prod_id/28008612/

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