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Martin Gray - Der Schrei nach Leben

   

===Buchdaten===
Autor: Martin Gray
Titel: Der Schrei nach Leben
Verlag: Goldmann
Erschienen: 1995
ISBN-13: 978-3442123520
Seiten: 376
Einband: TB
Kosten: gebraucht ab 3€
Serie: -

===Zitierter Klappentext===
Martin Gray erlebte als Vierzehnjähriger den Einmarsch der Deutschen in Warschau. Die Konfrontation mit den Gräueln setzte in ihm zweierlei frei: einen unbändigen Willen zum Kämpfen und Überleben und den durch nichts zu hemmenden Drang zu helfen. Martin entwickelt Kräfte und Fähigkeiten, die ihn zum gefährlichen, unberechenbaren Gegner machen. Er ist einer der Ersten, die die Gettomauern durchlässig machen: Er schafft Verbindungen zur Unter- und Schieberwelt auf der anderen Seite und bringt Waffen, vor allem aber Lebensmittel und Medikamente in das nur scheinbar hermetisch abgeriegelte Getto. Er organisiert Überfälle und spielt Katz und Maus mit den Bewachern., bis er schliesslich verhaftet und in das berüchtigte Pawiak-Gefängnis gesteckt wird. Es gelingt ihm zu fliehen, doch die Freiheit ist nicht von langer Dauer - Martin kommt ins Lager. Angesichts all dessen droht sein Herz zu versteinern, doch die Menschlichkeit in ihm siegt. Eines Tages gelingt ihm die Flucht aus Treblinka. Er trägt die Kunde von den unvorstellbaren Verbrechen in die Welt, aber niemand will ihm glauben. Er geht zu den Partisanen, kämpft beim Warschauer Aufstand, wird in die Rote Armee aufgenommen und zieht schliesslich mit ihr in das brennende Berlin ein. Martin Gray hat überlebt. Er verzweifelte nicht an dem, was er erleben musste. Selbst als das Schicksal ihn ein weiteres Mal grausam auf die Probe stellte - bei einem Waldbrand kamen seine Frau und seine vier Kinder ums Leben - ,verlor er seinen Lebenswillen nicht. Er überwand den Schicksalsschlag, indem er dieses Buch schrieb - ein grossartiges und einmaliges Dokument menschlicher Selbstbehauptung.

===Meine Meinung===
Die Thematik rund um den zweiten Weltkrieg wurde schon in unzähligen Büchern aufgenommen. Früher gerne gelesen, schüttelt inzwischen vielerorts der Leser den Kopf und denkt sich, nicht noch ein bewegendes Schicksal aus dieser Zeit. Einerseits ist dies verständlich, denn inzwischen möchte niemand mehr an diese Zeit denken und wer sich doch dafür interessiert, wird zahlreiche Werke finden. Auf der anderen Seite ist dies ein Stück deutscher Geschichte, die niemals vergessen werden sollte, um jüngere Generationen zu warnen.

Diesmal begleitet der Leser den 14jährigen Martin durch das Leben des Warschauer Ghettos. Martin wächst als Sohn eines polnischen Juden in wohlhabenden Verhältnissen auf. Als 1939 Deutschland Polen angreift, lernt er bald andere Seiten kennen. Er muss zum Mann werden, für die Familie sorgen und dabei selbst am Leben bleiben. Mit vielen Tricks kämpft er mehr als einmal ums nackte Überleben. Doch die Zeiten werden immer schlimmer und Martin muss mit seiner Familie ins neu errichtete Ghetto von Warschau ziehen. Das Ghetto ist hermetisch abgeriegelt und nur für Juden gedacht. Martin findet sich allerdings schnell mit der Situation ab und fängt auch hier an mit einigen Tricks, vielen Freunden und noch mehr Zlotys die Bewohner des Ghettos und vor allen Dingen seine Familie mit Nahrung zu versorgen. Täglich gefährdet er mehrfach sein Leben. Nur der Hass, Glück und seine flinken Beine können ihn oftmals vor dem Tod bewahren. Das Ghetto bleibt für Martin nicht die letzte Etappe seines Kampfes. Gefängnisse und KZ werden im Laufe des Krieges seine neue Heimat. Doch Martin gibt nie auf.

Der Einstieg in die Lebensgeschichte von Martin Gray fiel mir sehr leicht. Zum einen kannte ich mich mit diesem Zeitgeschehen sehr gut aus, zum anderen verwendet der Autor einen sachlichen, aber bildhaften Stil, der dem Leser genau die wichtigen Eindrücke authentisch schildert, auf die es ankommt. Nach all den Jahren sind es nur Erinnerungen, die Martin Gray in die richtige Reihenfolge bringt. Er verschwendet dabei keine Worte mit unnützen oder sentimentalen Aspekten, sodass der Leser nicht unbedingt das Gefühl bekommt, hier wird das Mitleid gesucht. Genau das Gegenteil ist hier zutreffend. Martin Gray ist stark und hat einen unbändigen Lebenswillen. Das ist es auch, was er dem Leser vermittelt. Auch nach all den Jahren weckt es beim Lesen diesen Lebenswillen. Dabei verliert er nie das Menschsein aus den Augen. In meinen Augen lässt sich durch diesen Erzähl-Stil das bewegende Schicksal angemessen verfolgen.
Der Autor schildert nicht nur die menschliche Seite dieser Zeit, sondern versucht dem Leser die damalige Situation komplett näher zu bringen. Authentisch und lebendig schildert er, wie selbst in einem Ghetto zwei Klassen präsent waren, wie hart der Überlebenskampf war und wie menschlich, aber auch unmenschlich die Menschen an der Macht waren. Selbst ein Leser, der die Zeit von damals nicht kennt, wird sich am Ende des Buches ein genaues Bild machen können. Es wird ein Alltagsgefühl vermittelt, das jeden zum Nachdenken anregt und hoffen lässt, so etwas nie selbst erleben zu müssen.

Auf der anderen Seite fällt auch hier beim Lesen auf, dass Martin Gray ein „Glückskind“ sein muss. Der zweite Weltkrieg hat wie jeder andere Krieg unzählige Opfer. Ein „Happy End“ kam selten vor und wenn dann hatte diese Person unendliches Glück. Martin Gray hat stets einen Schutzengel an seiner Seite. Egal, wo er ist oder was ihm passiert, er kommt mit heiler Haut raus. Es sind Einzelschicksale und nur durch solche ist es überhaupt möglich gewesen, zu erfahren, wie es damals wirklich war. Trotzdem fällt es, sofern man schon viele solcher Bücher gelesen hat, auf. Familienangehörige, Freunde und andere Personen sterben und nur dieser eine Mensch hat das Glück. Da dies bei sehr vielen solchen Schicksalsberichten der Fall ist, kann es auf die Dauer manchmal ermüdend wirken. Bei Martin Gray ist sogar das Besondere, dass ihn das Glück auch Jahre später immer wieder verschont, während seine Familie sterben muss. Am Ende des Werkes fragte ich mich tatsächlich, wie viel Glück kann ein einzelner Mann bei soviel Unglück haben. Wäre es eine fiktive Geschichte gewesen, ich hätte ehrlich gesagt, dass der Autor zu Übertreibungen neigt, keine Ahnung hat und unrealistisch wirkt. Diese Geschichte zeigt jedoch, dass so etwas nicht nur in der Fiktion, sondern auch der Realität passieren kann. Es ist wie ein 6er im Lotto. Nur hätte man sich gewünscht, dass viel mehr Menschen dieses Glück gehabt hätten.

Auch wenn das Buch schon einige Jahre auf den Buckel hat, kann ich das Buch jedem empfehlen. Es zeigt authentisch die Lebensumstände der polnischen Juden in einem Ghetto. Obwohl Martin selbst so viel Glück hat, kann man in jeder einzelnen Zeile das Leid des zweiten Weltkrieges herauslesen. Es wird weder etwas Beschönigt, noch weggelassen. Es sind die bloßen Erinnerungen eines alten Mannes, der die Welt mit den erwachsenen Augen eines 14jährigen sieht. Nicht nur Menschen, die sich für das Thema zweiter Weltkrieg interessieren, sondern auch Schülern oder Lehrern kann ich dieses Werk ans Herz legen. Fachlich korrekt, emotional und doch sachlich. Mehr können junge Leser gar nicht über den Krieg lernen. Es ist ein Buch das zum Nachdenken und Diskutieren anregt.

===Bewertung===
Der Schrei nach Leben“ zeugt von Glück, Elend, Leid und wenigen schönen Momenten, die der zweite Weltkrieg mit sich gebracht hat. Martin Gray ist es gelungen eine längst vergessene und verdrängte Zeit authentisch für die Ewigkeit auf Papier zu bannen. Für mich trotz seines immensen Glücks fünf Sterne wert.

===Leseprobe===
Da ich für diese alte Ausgabe keine genehmigte Leseprobe gestattet bekommen habe, verlinke ich eine andere Leseprobe, die ich bei Dooyoo in einer anderen Rezi gefunden habe.

http://www.dooyoo.de/sachbuecher/der-schrei-nach-leben-martin-gray/1205187/


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Noch ein kleiner Tipp von mir. Wer auf den Spuren von Martin Gray laufen möchte und zum Beispiel mal ein KZ besichtigen möchte, oder Warschau anschauen will, sollte dies tun. Es ist ein trauriges Stück Geschichte, aber es sollte nie vergessen werde. Wo geht es besser, als in Polen. Ich selbst war öfters in Polen und kann nur sagen, dass dort deutsche Geschichte hautnah und spannend erleben kann. Die Höhlen von Hitler sind allesamt eine Besichtigung wert.  Mehr über dieses Land unter diesem Link. 

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