Lise Gast - Eine Frau allein

=1. Frau, 6. Kinder und der Mann im zweiten Weltkrieg===

===Einleitung===
Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, welches ich von einer Bekannten geschenkt bekommen habe. Es handelt sich um Frauenschicksal am Ende des zweiten Weltkrieges und wurde in dieser Zeit erstmals von der Autorin veröffentlicht. Wie mir dieses recht alte Werk gefallen hat, lest selbst.


===Buchdaten===
Autor: Lise Gast
Titel: Eine Frau allein
Verlag: Eugen Salzer Verlag
Erschienen: 1964
ISBN-13: 978-3793601104
Seiten: 239
Einband: HC
Kosten: ab 6,16€ bei Amazon
Serie: -

===Autor/in===
Lise Gast wurde am 2. Januar 1908 in Leipzig geboren und verstarb am 26. September 1988 in Lorch. Sie absolvierte eine Ausbildung als Lehrerin und heiratete im Jahr 1933. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor. Ihr Mann verstarb in Kriegsgefangenschaft. Ende des zweiten Weltkrieges floh sie mit ihren Kindern aus Schlesien und nach vielen Jahren harter Arbeit widmete sie sich gänzlich dem Schreiben, welches sie schon vor dem Krieg, mit zwei veröffentlichten Werken, getan hat.

***Weitere Werke***
  • Tapfere junge Susanne, 1936
  • Junge Mutter Randi, 1939
  • Nichts bleibt, mein Herz, 1988

===Zitierter Klappentext===
Eine Frau mit sechs Kindern allein im Lebenskampf - das ist Elma, die warme, frisch zupackende Arztfrau aus Schlesien. 1945 findet sie Obdach in einem kleinen Harzdorf. Es bleibt ihr nichts erspart an Schwierigkeiten und Nöten, aber immer wieder gibt es helfende Hände, und immer wieder läßt sie sich von der Fröhlichkeit ihrer Kinderschar anstecken. Da ist die fünfzehnjährige Irmeli, die einen ausgezeichneten Einfall hat, wie sie die Mutter unterstützen kann; da ist Leo, der Zwölfjährige, mit dem guten Herzen und dem hanebüchenen Benimm; da sind Holger, Rose und Uwe, die drei Kleinen, und dazu kommt, nach dem Soldatentos des Vaters, noch ein Allerkleinster, der das halbe Dutzend voll macht. Elma selbst erzählt in diesen Aufzeichnungen, was eine Frau bewegt, die den geliebten Gefährten verloren hat und den Ihren nun Vater und Mutter zugleich sein muß - natürlich, wahrhaftig, ernst und heiter, wie es der Tag schenkt. Ein frohmachendes, ein tröstliches Buch, schreibt eine Leserin, ein Buch für die ganze Familie. Wir Älteren werden an die eigenen Erlebnisse erinnert, und unsere jungen Menschen erfahren, daß das Glück nicht zuerst von äußeren Umständen abhängt, sondern daß es von innen kommt.

===Meine Meinung===
Die Thematik rund um den zweiten Weltkrieg wurde schon in unzähligen Büchern aufgenommen. Früher gerne gelesen, schüttelt inzwischen vielerorts der Leser den Kopf und denkt sich, nicht noch ein bewegendes Schicksal aus dieser Zeit. Einerseits ist dies verständlich, denn inzwischen möchte niemand mehr an diese Zeit denken und wer sich doch dafür interessiert, wird zahlreiche Werke finden. Auf der anderen Seite ist dies ein Stück deutscher Geschichte, die niemals vergessen werden sollte, um jüngere Generationen zu warnen.
Dementsprechend erfreut war ich, dass diese Lektüre in den letzten Kriegstagen und vor allen Dingen in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg spielt. Schon nach wenigen Seiten wird deutlich, dass Lise Gast mit diesem Werk ihre eigenen Erlebnisse aufarbeitet und für die Nachwelt festhält. Namen, Orte und Anzahl der Kinder unterscheiden sich zwar von ihrer Biographie, aber wer nicht auf den Kopf gefallen ist, wird viele Parallelen erkennen.

Wir begleiten in „Eine Frau allein“ eine Ich-Erzählerin, die mit ihren fünf Kindern aus Schlesien flieht. Sie kommt im Harz bei einer Frau unter und muss um das Überleben ihrer Familie kämpfen. Neben den alltäglichen Sorgen, wie Essensknappheit, Krankheiten, Sauberkeit und Geldverdienen, muss sie mit der Tatsache leben, dass ihr Mann nicht aus dem Krieg heimkehren wird und sie ein weiteres Kind in sich trägt. Unterstützung findet sie bei vielen neuen und altbekannten Freunden.

Eigentlich eine Geschichte, die den Leser fesseln dürfte. Die damalige Zeit finde ich persönlich sehr interessant, da meine Mutter zu dieser Zeit aufgewachsen ist. Zudem werde ich selbst bald Mutter und kann mich daher in die Ängste und Nöte dieser Frau noch einen Tick besser hineinversetzen. So dachte ich zumindest, als ich mir den Klappentext durchgelesen hatte.

Warum Lise Gast mit über 100 Werken so erfolgreich war, ich kann es an Hand dieses Werkes nicht nachvollziehen. Der Stil von Lise Gast fiel mir schon nach rund 50 Seiten negativ auf. Ich kann verstehen, dass von knapp 60 Jahren der Erzählstil ein anderer war, aber die Autorin verliert sich in unwichtigen Details, beschreibt vieles einfach nur langweilig und springt mehr oder weniger gekonnt zwischen verschiedenen Orten. Was mir einfach fehlte, war die Verdeutlichung und Übertragung von Emotionen. Sie erfährt vom Tod ihres Mannes, der Schwangerschaft oder sieht, dass ihr Sohn eine schwere Blutvergiftung hat, und vermittelt es so ganz nebensächlich, als würde sie mir von einem alltäglichen Einkauf berichten. Weder Trauer noch Heiterkeit konnte ich den Zeilen entnehmen. Ich wusste zwar, wie sie sich gefühlt haben musste, aber das liegt an der eigenen Intuition und nicht an ihrer Wortwahl. Damit könnte ich noch Leben. Schließlich merkt der aufmerksame Leser schon recht schnell, dass es ihre Erlebnisse sind, und kann aus diesem Grund die Gedankensprünge und Ortswechsel besser verstehen. Auch konnte ich verstehen, warum die Emotionen untergegangen sind. Wenige Jahre nach all diesen Erlebnissen schreibt sie diese Erzählung, da will man kein Mitleid erwecken, sondern schlichtweg verarbeiten, ohne auf die Tränendrüse zu drücken.
Neben dem verunglückten Stil ist es allerdings die Protagonistin, die mir übel aufstößt. Die Ich-Erzählerin wirkt auf den ersten Blick verwöhnt und total unsympathisch. Sie ist die Frau eines Arztes, hat dort geholfen und erkennt nicht mal eine Blutvergiftung bei ihrem eigenen Sohn. Ständig entschuldigt sich die Protagonistin bei ihrer ältesten Tochter, überlässt ihr viele Aufgaben, weil sie es selbst nicht schafft. Das wirft wiederum die Frage auf, wie eine erwachsene Frau und Mutter von vorerst fünf Kindern überfordert sein kann, wenn ihre 15jährige Tochter es ohne viel Aufsehen schafft. Nach rund 100 Seiten hatte ich das Gefühl, dass ihre Tochter die Mutter ist. Ihre frühere Freundin schafft alles, sie hingegen stellt sogar eine Haushaltshilfe für ihre Ein-Zimmer-Behausung ein. Wenn man dann noch hört, dass sie von früher noch genügend Geld auf der hohen Kante haben und es nur auf Grund der Bankenschließung verlieren, ist die Protagonistin überhaupt nicht mehr sympathisch. Es gab zahlreiche Frauen die alles verloren, kein Geld besessen und den Mann ebenfalls verloren hatten. Zwar bekommt der Leser auch so einen authentischen Eindruck, wie die damalige Zeit war, aber die Protagonistin kann dies nur minimal wiedergeben, denn wirklich 100% betroffen war sie nie.

Dementsprechend schwer fällt es mir diese Lektüre zu empfehlen. Ein Buch, welches biographische Ansätze enthält und über eine wichtige Zeit spricht, gefällt mir sehr gut, aber der Stil und die Protagonistin ruinieren den Pluspunkt, sodass ich es nur bedingt empfehlen kann.

===Bewertung===

Eine interessante Thematik gepaart mit einem laschen Schreibstil und einer unsympathischen Protagonistin sorgen dafür, dass das Buch lediglich zwei Sterne bekommt. Man kann es lesen, aber ein Highlight ist es nicht.

  
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