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Schulz, Bernhard - Blaue Stunde

==Kennt ihr die blaue Stunde==



===Einleitung===
Nachdem ich heute meine übliche Routine-Untersuchung beim Frauenarzt hatte und dort am CTG langweilig vor mich hin liegen musste, habe ich mir wie gewohnt eine nette Lektüre mitgenommen. Es handelt sich um eine Sammlung von humorvollen Kurzgeschichten, welches ich von einer guten Bekannten geschenkt bekommen habe. Es hat den eher öden Titel „Blaue Stunde“. Wie mir diese Sammlung gefallen hat und inwiefern der Titel passt, lest selbst.

===Buchdaten===
Autor: Bernhard Schulz
Titel: Blaue Stunde
Verlag: Claudius Verlag
Erschienen: 1969
ASIN: B003AVCCMU
Seiten: 79
Einband: HC
Kosten: ab 0,80€ gebraucht
Serie: -

===Autor/in===
Der Autor Bernhard Schulz wurde am 22.4.1913 in Lindlar geboren und verstarb am 24.03.2003 in Osnabrück. Er war ein bekannter deutscher Journalist, der auch zahlreiche Werke als Schriftsteller veröffentlichte.

***Weitere Werke***
  1. Wendeltreppe zum Glück (1951)
  2. Nachmittag mit langsamer Erwärmung (1999)
  3. Das Gurren der Tauben in der Sommerzeit (1976)

===Zitierter Klappentext===

Der deutsche ehemalige Journalist und Schriftsteller, Bernhard Schulz, befasste sich in diesem Büchlein mit den eigentümlichen Lebenserfahrungen verschiedener Zeitgenossen zur Mitte des 20ten Jahrhunderts. Seine Kurzgeschichten sind teils amüsant und bildhaft, aber auch mahnend und mitleidfühlend. Eine wirklich lesenswerte Darstellung von einfachen, teils bescheidenen Umgangssituationen des gesellschaftlichen Miteinanders, wo Lohn und Gerechtigkeit mit Moral und Leid wetteifern.

===Meine Meinung===
Klein und unscheinbar kommt das Buch von Bernhard Schulz daher. „Blaue Stunde“ was mögen das wohl für Kurzgeschichten sein, wenn das Werk nur aus 79 Seiten besteht und es 17 Geschichten gibt!?

Schon die erste Geschichte „Blaue Stunde“ überzeugte mich so sehr, dass ich die restlichen gleich in einem Zug hinten rangepackt habe. In dieser Geschichte geht es zum Beispiel darum, dass in einem kleinen Ort die Elektrizität noch nicht sonderlich ausgereift war. Es dauerte lange, bis jeder noch so weit entfernte Bauernhof über Strom verfügte. Nur leider sorgte das Elektrizitätswerk eher für Dunkelheit, denn oft war es überlastet, hatte Kurzschlüsse, der Ingenieur vor Ort war krank oder das Öl war aus. In solchen Momenten erinnerten sich die Dorfbewohner gerne an die Zeit, wo es noch keinen Strom gab und sie sich mit der Abenddämmerung ausruhen konnten. Sie nannten diese Entspannungszeit „blaue Stunde“. Mit dem Fortschritt gab es kein Ende, wenn es dunkel wurde, sondern stattdessen wurde das Licht angeschaltet und weitergearbeitet. Aus diesem Grund freute sich jeder über die „blaue Stunde“.

In einer anderen Geschichte „Zirkus“ geht es um einen Zirkus der im Ort gastierte. Ein einfacherer Zirkus ohne Zelt und mit nur wenigen Artisten. Besonders die junge Rosita hat es dem Autoren angetan und so kam es, dass sie schon in ihrem jungen alter Hand in Hand durch das Dorf gelaufen sind. Er reiste sogar mit ihr zum nächsten Dorf, um ihr näher zu sein. Wie die Tränen flossen, als er zu seinen Eltern zurück musste. Die ewige Treue und die große Liebe währte bis zu dem Tag, als Rosita bei einem Auftritt ums Leben kam.

Wie man an dieser Geschichte erkennt, sind sie sehr kurz, und auf ihre Weise sehr interessant. Es handelt sich um Anekdoten, die der Autor selbst bei sich oder anderen Personen gesammelt hat. Mal sind die Geschichten witzig, dann wieder traurig, aber alle sind sie bildhaft und interessant. Es ist selten, dass ich wirklich keine Kurzgeschichte in einer solchen Sammlung finde, die langweilig ist oder nicht meinem Geschmack entspricht.

Der Stil des Autors ist einfach gewählt, trifft mit seinen Worten jedoch genau den Punkt. Obwohl die Geschichten 1969 verfasst wurden, haben sie nichts von ihrem Charme verloren. Sie sind einfach zeitlos. Aus diesem Grund kann ich die Geschichten auch jedem empfehlen.

===Bewertung===

Blaue Stunde“ ist eine Sammlung von 17 Kurzgeschichten, die trotz ihres Alters noch immer schön zu lesen sind. Abwechslungsreich packt Bernhard Schulz den Leser mit lebendigen Anekdoten aus seinem Leben / Umfeld. Für mich fünf Sterne.


===Leseprobe oder Zitat zum Einblick in den Stil===
S. 24: Tante Minchen, so hieß das Weiblein, war auf einem Bauernhof groß geworden, aber sie hatte fast vierzig Jahre lang in einer Garnspinnerei gearbeitet und den Lohn ihrem Bruder abgeben müssen, der Gott weiß was damit angestellt hatte. Nur um Tante Minchen hatte er sich nie gekümmert.  

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