Aichner, Bernhard: Für immer tot

==Lebendig begraben und kein Ausweg==

===Einleitung===
Heute möchte ich euch einen Krimi vorstellen, der aus der Reihe „Max Boll“ stammt. Bernhard Aichner wird als der Newcomer gehandelt und hat sich schon mit „Die Schöne und der Tod“ einen Namen gemacht. Wie mir sein neustes Werk gefällt, lest selbst

===Buchdaten===
Autor: Bernhard Aichner
Titel: Für immer tot
Verlag: Haymon
Erschienen: 2011
ISBN-10: 3852188822
ISBN-13: 9783852188829
Seiten: 240
Einband: TB
Kosten: 12,95€
Serie: Max Boll

===Zitierter Klappentext===
Um sie herum ist alles dunkel, sie hat keine Ahnung, wo sie sich befindet, neben ihr nur zwei Flaschen Saft und ein Handy ihre einzige Verbindung zur Außenwelt, zur Polizei und zu ihrem Stiefsohn, dem Totengräber Max Broll. Ihre letzte Erinnerung: Ein Mann ist in ihre Wohnung eingedrungen, hat sie überwältigt, in eine Kiste gesteckt und irgendwo im Wald vergraben. Und sie erinnert sich auch, wer der Mann war: Leopold Wagner, der Kindermacher , den sie vor achtzehn Jahren ins Gefängnis gebracht hat. Das Problem ist nur: Wagner kann es nicht gewesen sein, denn er sitzt nach wie vor hinter Gittern.

===Meine Meinung===
Dunkelheit.... Enge.... Und nur ein Handy und ein dünner Luftschlauch an die Oberfläche, die Tilda retten können. Max Broll muss diesmal schnell handeln, denn seine Stiefmutter Tilda wurde entführt und bei lebendigen Leib vergraben. Sie hat kaum Platz, kann sich kaum bewegen und mehr als ein paar Tage wird sie in diesem Grab nicht überleben. Ihr einziger Hinweis ist Wagner, der sogenannte Kindermacher, den sie vor 18 Jahren ins Gefängnis gebracht hat. Doch leider ist dieser noch immer im Gefängnis und hat somit ein Alibi. Die Polizei selbst versucht das Handy zu Orten und sucht verzweifelt nach Tilda – bisher erfolglos. Kurz gesagt, wenn Max und sein Freund Baroni es nicht selbst in die Hand nehmen und sich beeilen, wird seine Stiefmutter elendig sterben. Es ist ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit.

Jemanden lebendig zu begraben, ist eine Thematik, die gerne aufgegriffen wird. Letztes Beispiel dafür ist der Film „Buried“ aus dem Jahre 2010. Aufzuwachen in völliger Dunkelheit und zu wissen, dass entweder der Sauerstoff ausgehen wird oder man elendig verhungern und verdursten wird, gehört mit zu den größten Ängsten der Menschheit. Gerade für den Protagonisten Max, der als Totengräber tätig ist, ist diese Thematik passend wie die Faust aufs Auge.

Wie gewohnt verwendet Bernhard Aichner einen gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, der das Lesen immer wieder zu einer neuen Herausforderung macht. Zwar war mir von seinem vorherigen Werk seine Dialog-Stil bekannt, nichtsdestotrotz empfinde ich diese Wahl als schweren Einstieg. Das Problem bei seinen Dialogen ist, dass Bernhard Aichner auf Satzzeichen und Hinweise auf die sprechende Person verzichtet. Jeder neue Gesprächsfetzen wird mit einem Bindestrich verdeutlicht, sodass man zumindest weiß, wenn eine andere Figur das Wort ergreift. Bei einem Dialog aus mehreren Charakteren, welche dann auch noch über eine ganze Seite gehen, ist es stets schwer den Überblick zu behalten. Man muss genau lesen, aufpassen und logisch mitdenken. Vorteil eines solchen Dialoges ist, dass der Leser wirklich genau liest, nichts verpasst und dadurch mehr in die Handlung eingebunden wird.

Auch der restliche Stil ist eher eine Frage des Geschmacks. Die Sätze sind teilweise recht kurz gehalten und beinhalten wirklich nur die allerwichtigsten Details. Sie sind trotzdem logisch, nachvollziehbar und detailliert. In meinem Kopf entstand wieder ein richtiges Kopfkino, was ich bei vielen anderen Autoren, die einen „abgehackten“ Schreibstil verwenden, nicht behaupten kann.

Wer einmal mit dem Stil warm geworden ist, wird die 240 Seiten in einem Zug verschlingen. Nicht nur die individuellen Charaktere, sondern auch die rasante und spannende Handlung ziehen den Leser sofort in den Bann. Ständig versucht man hinter die Lösung zu kommen, wer dahinter steckt und vor allen Dingen wo sich Tilda befindet. Dadurch ist der Leser mitten im Geschehen. Man leidet jede Minute, die Tilda unter der Erde ist mit. Einfach weil der Autor alles so authentisch beschreibt. Bis zum Schluss hält man den Atem an und wird mit einem abgedrehten und einmaligen Schluss belohnt, wie es nur bei Bernhard Aichner der Fall ist. Alleine um diesen Schluss zu lesen, lohnt sich der Kauf des Werkes.

Anfänglich hatte ich Bedenken, dass es durch die häufig verwendete Thematik langweilig sein könnte. Eine solche Handlung nicht eintönig erscheinen zu lassen, wo es schon zahlreiche Werke vorher gab, ist immer eine Herausforderung. Durch den humorvollen Hauch, die individuellen Charaktere und den ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden des Totengräbers, ist dem Autoren wieder ein Highlight gelungen.

Empfehlen kann ich das Buch ohne wenn und aber. Wen ein etwas gewöhnungsbedürftiger Stil abschreckt, der sollte lieber die Finger davon lassen, aber ansonsten sollte man sich auf Bernhard Aichner einlassen, um mit einem spannenden Erlebnis der besonderen Art belohnt zu werden.

===Bewertung===

Bernhard Aichner ist es mit seinem neuen Max-Boll-Krimi wieder gelungen den Leser zu überraschen und zu fesseln. Spannend, spritzig, lebendig und authentisch setzt er sich mit einer oft gebrauchten Thematik auseinander. Durch seine gewöhnungsbedürftigen Dialoge nur vier Sterne.

===Leseprobe oder Zitat zum Einblick in den Stil===

S. 84:
  • Sie wird verdursten.

  • Man wird sie finden, bestimmt wird man sie finden.

  • Und wenn nicht, wird sie verdursten. Einfach so. Verdursten, verstehen Sie das?

  • Das tut mir alles sehr leid.

  • Mir auch.


S. 13:
Max drückt verwundert den roten Knopf. Er versteht es nicht. Warum das Telefon in seiner Hand liegt, warum Stein abhebt. Er drückt den zweiten Knopf. ER trinkt, sie warten, viermal das Freizeichen, dann ist da die leise Stimme einer Frau.

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