Beckett, Simon: Obsession


==Baby aus der Säuglingsstation entführt==



===Einleitung===
Obsession“ ist ein Buch, welches ich mir über eine Tauschbörse ertauscht habe. Als werdende Mutter fand ich die spannende Thematik über die Kindesentführung in Kombination mit einem Thriller sehr interessant. Wie es mir nach dem Lesen gefallen hat, lest selbst.

===Buchdaten===
Autor: Simon Beckett
Titel: Obsession
Originaltitel: Owning Jacob
Verlag: rororo
Erschienen: 2009
ISBN-10: 3499248867
ISBN-13: 9783499248863
Seiten: 416
Einband: TB
Kosten: 9,99€
Serie: -

===Autor/in===
Simon Beckett war als Hausmeister, Lehrer, Schlagzeuger und Journalist tätig. Durch letztere Arbeit bekam er zahlreiche Einblicke in diverse Polizeiermittlungen. Diese Erfahrungen lässt er in seine Werke einfließen. Seine Werke „Die Chemie des Todes“ und „Kalte Asche“ haben ihn über Nacht zum Bestseller-Autor gemacht.

===Zitierter Klappentext===
Ein Kind, das schweigt. Ein Geheimnis, das tötet. Als seine Frau unvermutet stirbt, ist Ben am Boden zerstört. Allein Jacob, Sarahs autistischer Sohn, spendet ihm Trost. Doch während Ben die gemeinsame Wohnung aufräumt, macht er eine ungeheuerliche Entdeckung: Jacob war gar nicht Sarahs leibliches Kind. Offenbar hatte sie den Jungen entführt, als der noch ein Baby war. Fassungslos engagiert Ben einen Privatdetektiv, der Jacobs leiblichen Vater schnell ermittelt. Keiner ahnt, dass damit eine Lawine tödlicher Obsessionen ins Rollen gebracht wird.

===Meine Meinung===
Auch wenn „Obsession“ viele negative Kritiken bekommen hat, wollte ich unbedingt dieses Buch lesen. Geschmäcker sind schließlich sehr unterschiedlich, und als werdende Mutter reizte mich diese Thematik kombiniert mit dem Genre Thriller.

Als Sarah unvermittelt verstirbt, bleibt Ben mit seinem autistischen Stiefsohn allein zurück. Nicht nur die Trauer macht ihn verrückt. Viel schlimmer sind die Dinge, die er beim Aussortieren von Sarahs' bemerkt. Er entdeckt eine Schatulle mit Zeitungsausschnitten über ein entführtes Kind, welches am gleichen Tag zur Welt kam wie Jacob. Seine Vermutung, dass Sarah die Entführerin ist und Jacob ihr Opfer war, wird bald grausame Realität. Ben macht sich auf die Suche nach den leiblichen Eltern und damit beginnt ein wahrer Alptraum.

Auf den ersten Blick wirkt die Handlung total fesselnd. So fiel es mir überhaupt nicht schwer mich in die Geschichte hineinzuversetzen. Der sympathische Ben, sein autistischer Stiefsohn und die Trauer um den Verlust seiner geliebten Ehefrau werden in meinen Augen authentisch beschrieben. Selbst die Tatsache, wie er auf die Spur von Jacobs Entführung durch seine verstorbene Ehefrau wirkt realistisch und nicht an den Haaren herbeigezogen. Wie oft entdecken Witwen/r ein dunkles Geheimnis in den Unterlagen ihrer Partner. Als Leser fragt man sich an dieser Stelle, wie man selbst reagiert hätte. Das war für mich der Grund, warum ich genau nachvollziehen konnte, dass der Protagonist sich auf die Suche nach den leiblichen Eltern gemacht hat.

Nachdem ich nur 30 Seiten gelesen hatte, war mein erster Eindruck vom Stil und der Thematik so gelungen, dass ich anfänglich gar nicht verstehen konnte, warum das Buch so negative Bewertungen erhalten hatte. Nach 100 Seiten sah mein Eindruck jedoch gänzlich anders aus. Die Suche wurde ständig von banalen Beschreibungen unterbrochen. Hierbei handelte es sich nicht um Details zum Autismus von Jacob, sondern zum Beispiel ein langweiliges Dinner bei Freunden. Solche eintönigen Situationen werden bis zum Schluss regelmäßig ausführlich geschildert. Vorhandene Spannung wird dadurch im Keim unterdrückt. Immer wieder fragte ich mich, wann es endlich losgeht, ob noch etwas passieren würde. Gerade als der leibliche Vater geradezu als Psychopath dargestellt wird und Ben diesen beobachtet, wartet man auf den Knall. Stattdessen dümpelte diese Vorlage durch langweilige Beobachtungen und erotischen Spanner-Details nur dahin. Bis zum Schluss hatte ich die große Hoffnung, dass es noch zu einem packenden Ende oder einem Supergau kommt. Leider wurde ich persönlich enttäuscht. Meines Erachtens war der Abschluss eher unlogisch und alles andere als spektakulär. Am Ende war Fazit, dass es sich hierbei definitiv nicht um einen Thriller handelt. Das liegt daran, dass der Nervenkitzel hier eher ein Fremdwort ist.

Lediglich der Stil konnte mich überzeugen. Der Autor benutzt leichte, kurze Sätze, beschreibt alles detailliert und authentisch. Dadurch lässt sich der Text schnell und flüssig lesen. Nur ein guter Stil, der keinerlei Spannung hat, reicht in meinen Augen nicht aus.

Die Idee ist sicherlich nett, aber ich hatte regelmäßig das Gefühl, dass Simon Beckett entweder nur einen neuen Roman verfassen wollte und er eher auf seinen Namen, als auf den Inhalt gesetzt hat, oder unter Zeitdruck stand und einfach einen alten Roman aus der Kiste ausgegraben hat. Meines Erachtens hätte er aus dieser Grundidee einen brillanten Thriller machen können.
Da es sich um einen Thriller handelt und die Umsetzung wenig mit diesem Genre zu tun hat, kann ich das Buch auch nur an Hardcore-Fans empfehlen. Ich bin von meinem ersten Beckett mehr als enttäuscht.

===Bewertung===

Obsession“ besticht durch eine interessante Thematik und einen flüssigen Stil. Beides geht jedoch in der langatmigen Umsetzung unter und sorgt dafür, dass das Werk lediglich einen Stern bekommt.

===Leseprobe oder Zitat zum Einblick in den Stil===

Wer einen Blick in den Anfang des Werkes werfen will, kann dies unter nachfolgenden Link tun.

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