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Morell, David - Level 9

==Das brutalste Computerspiel der Welt==


===Einleitung===
Heute möchte ich ein Buch vorstellen, welches ich mir vor einiger Zeit bei einer Buchbörse ertauscht habe. Der Klappentext sprach mich sofort an und versprach pure Action. Wie mir das Buch am Ende gefallen hat, lest selbst...

===Buchdaten===
Autor: David Morell
Titel: Level 9
Originaltitel: Scavenger
Verlag: Knaur
Erschienen: 2008
ISBN-10: 3426637901
ISBN-13: 9783426637906
Seiten: 416
Einband: TB
Kosten: 7,95€
Serie: -

===Autor/in===
David Morell wurde 1943 geboren und gilt als Vater des modernen Action-Thrillers. Aus seiner Feder stammt die bekannteste Figur, John Rambo. Er hat schon zahlreiche rasante Romane veröffentlicht, die in vielen Sprachen erschienen sind.

***Weitere Werke***
  • Creepers
  • Panic
  • Der Protektor

===Zitierter Klappentext===
Frank Balenger kommt nicht dazu, sich von den traumatischen Ereignissen im Paragon Hotel zu erholen: Seine Freundin Amanda wird von einem psychopathischen Videospiel-Designer entführt und in ein unzugängliches Hochtal in Wyoming verschleppt. Dort wird sie zusammen mit vier weiteren Opfern zu einem tödlichen Spiel gezwungen. Wer sich weigert, wird in die Luft gesprengt. Über neun Levels sollen sich die »Teilnehmer« bis zu einem mysteriösen »Grabmal der weltlichen Begierden« vorarbeiten und dessen Geheimnis enträtseln. Doch immer mehr »Spieler« bleiben auf der Strecke. Nur Frank kann Rettung bringen. Als Einziger hat er den teuflischen Plan durchschaut …

===Meine Meinung===
Auf der Suche nach einem richtig spannenden Buch fiel meine aktuelle Lesewahl auf „Level 9“, ein Thriller der besonderen Art. Er ist die Fortsetzung des bekannten Thrillers „Creepers“ und befasst sich diesmal mit dem interessanten Thema „Computer-Spiele“, „Zeitkapseln“ und „Geocatching“.

Frank Balenger und Amanda sind inzwischen aus dem Paragon Hotel zurück und ein Paar. Als sie einer Einladung zu einem historischen Treffen nachkommen, erwacht Balenger in der Nähe des abgebrannten Paragon Hotels, während Amanda in einem Zimmer erwacht. Beide wurden von einem fanatischen Spiele-Entwickler entführt, um an seiner Schnitzeljagd teilzunehmen. Während Belanger 40 Stunden Zeit hat Hinweisen zu folgen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen, um Amanda zu finden, muss diese zusammen mit vier anderen Personen mittels GPS zu unterschiedlichen Koordinaten gehen, dort Rätsel lösen, um das Spiel zu gewinnen. Das Ziel ist es, das Grabmal der weltlichen Begierden zu finden. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird in die Luft gejagt. Für Amanda und Frank beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Auf den ersten Blick ist diese eine Handlung, die sehr viel Action und Spannung verspricht. Doch schon die ersten Seiten waren für mich eine Qual. Insgesamt ist das Buch in neun Hauptkapitel, die sich Level nennen und zahlreiche Unterkapitel unterteilt. Ein Aufbau den ich in der Regel bevorzuge. In diesem Fall waren anfänglich viele Kapitel gerade mal eine Seite lang. Dadurch ist es sehr schwer ein Bild entstehen zu lassen. Neben den abgehackten Kapiteln geht der Autor in vielen Beschreibungen auf den vorherigen Roman ein. Zwar wird im Groben und Ganzen angedeutet, wie sich Frank und Amanda kennenlernen, aber die Hintergründe werden nicht genannt. Wer das Buch also nicht kennt, wird, wie in meinem Fall, arge Schwierigkeiten und zahlreiche Fragezeichen bekommen.

Nach ungefähr 50 Seiten wird die Geschichte schon etwas komplexer und wirkt durch längere Kapitel auch nicht mehr so holprig. Erzählt wird immer abwechselnd aus den Perspektiven von Amanda und Frank. Während sich Frank auf die Suche nach seiner geliebten Amanda macht, versucht diese das Spiel zu begreifen und zu überleben.
Eigentlich erwartet der Leser spätestens ab diesem Punkt, dass es rasanter und mitreißender wird. Das ist aber nicht der Fall. Zum einen liegt es daran, dass die Protagonisten eher blass sind. Es mag sein, dass sie im vorherigen Teil lebendiger eingeführt wurden, aber als Quereinsteiger wünscht man sich, dass in den Rückblenden und der Einleitung trotzdem ein rundes Bild entsteht. Bis zum Schluss waren sämtliche Figuren einfach nur unlogisch und farblos. Warum führt man zum Beispiel eine Figur mit dem Namen Frank Balenger ein, wenn er am Ende eh nur mit seinem Nachnamen betitelt wird!? Der Vorname Frank wird lediglich verwendet, wenn sich die Figur vorstellt. Auch das Aussehen wird fast gar nicht beschrieben. Ich konnte mir für meinen Teil keinen der Protagonisten vor Augen führen.
Zum anderen liegt die Langeweile daran, dass einfach alles zu logisch abläuft. Die unterschiedlichen Leute werden entführt und statt in Panik zu verfallen, reagieren sie völlig rational. Selbst als eine Protagonistin emotional reagiert und mit ihrem Leben bezahlt, wirkt dies eher langweilig, weil diese Beschreibung und die nachfolgenden Handlungen wieder in das alte Schema „Ich kann alles“ fallen. Es werden Rätsel gestellt, die Leute müssen von einem Punkt zum nächsten Punkt via GPS laufen, und immer geht alles gut. Sie finden jeder Zeit die benötigten Dinge, geben stets die richtigen Koordinaten ein und Rätsel sind kein Hindernis. Zwar wurden die Figuren mit einer Eigenschaft ausgestattet, die sie früher schon einmal zum Helden gemacht haben, aber es wirkt zu künstlich. Selbst als nach und nach die Protagonisten weniger werden, kommt mangels detaillierter und authentischer Beschreibungen, die Spannung nicht wirklich auf.

Die Handlung selbst finde ich sehr interessant. Da ich selbst gerne Computer-Spiele spiele, empfand ich es interessant zu sehen, wie ein Entwickler sein Spiel in die Realität umsetzt. Genauso fand ich die Informationen zur Zeitkapsel und zum Geocatching sehr interessant. Leider wiederholt sich der Autor in diesen Punkten ständig. Der Gamemaster erzählt den Spieler regelmäßig Geschichten, die Hinweise zum Spiel enthalten. Diese wiederholen sie an der richtigen Stelle, was in meinen Augen noch in Ordnung ist. Mit etwas Pech geht Frank in diesem Augenblick jedoch auch auf Suche und erfährt ähnliche Dinge. Im Grunde wird fast jeder Aspekt von drei Seiten beleuchtet. Dadurch kann keine Spannung aufkommen.
Auch sonst ist die Wortwahl sehr schwach. Viele Dialoge fangen mit dem Wort „Yeah“ an. In Amerika sehr beliebt, aber da die Protagonisten aus unterschiedlichen Klassen kommen, kann ich mir nicht vorstellen, dass alle immerzu „Yeah“ sagen. Trotzdem lässt sich die Geschichte, wahrscheinlich gerade wegen der Umgangssprache, leicht und flüssig lesen. Einmal angefangen merkt man gar nicht, wie die Seiten voranschreiten. Nach zwei Tagen war ich mit dem Buch fertig.

Zudem fand ich es irgendwann schade, dass die Passagen um Amanda im Vergleich zu Franks Suche so kurz gehalten wurden. Es ist zwar verständlich, da Frank am Ende zu den anderen Spielern stoßen soll, und dementsprechend sein Weg sehr wichtig ist, aber spannender ist in meinen Augen das Spiel, welches die Ausgesetzten spielen müssen. Während es am Anfang noch alles genauer geschildert wird, geht es zum Ende hin sehr zügig. Ehe man sich versieht ist das Spiel und somit das Rätsel um das Grabmal gelöst. Die Lösung an sich empfand ich als gut gewählt und sogar faszinierend. Allerdings war dies auch schon alles. Die End-Idee rund um den Gamemaster fand ich übertrieben, unlogisch und ehrlich gesagt langweilig. Zwar erklären sich viele Handlungen durch seine Familiengeschichte, aber vieles bleibt offen. Für mich war dies kein gelungener Abschluss.

Wäre die eigentliche Handlung deutlich spannender gewesen, hätte man über den Schluss hinwegsehen können, aber so fällt es mir schwer das Buch jemanden zu empfehlen. Mit der Kulisse, der Spielidee und dem Zeitrahmen hätten definitiv mehr Nervenkitzel aufgebaut werden können. Zudem sind die ständigen Wiederholungen und Unterbrechungen bezüglich der Zeitkapseln und des Geocatchings ein absoluter Spannungskiller.

===Bewertung===

Level 9“ ist eine Geschichte, die nur mehr verspricht, als sie bietet. Wiederholungen, blasse Protagonisten und mangelnde Spannung werden nur wenige Leser überzeugen. Die einsame Kulisse, der Zeitdruck und das tödliche Spiel hätten definitiv Anspannung aufbauen können. Für mich knapp drei Sterne.

===Leseprobe oder Zitat zum Einblick in den Stil===

Wer einen Eindruck erhalten möchte, kann hier einen Blick in die Verlags-Leseprobe werfen:



Zitat S. 137: Vor ihr trieb immer noch blutiger Nebel in der Brise. Die sandige Mulde war rot von den Körperteilen. Sie roch etwas Scharfes, von dem ihr schlecht wurde. »Bethany«, murmelte sie. Der Schock hatte sie so überwältigt, dass sie die scharfkantigen Steine unter ihren Knien kaum wahrnahm. »Geh zu den anderen zurück«, sagte die sonore Stimme in Amandas Kopfhörer.

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