Bielmann, David: Flucht eines Toten


==Fälschlicherweise für tot erklärt==

Mit brutaler Wucht wurde ihm langsam
die Tragweite seiner letztnächtlichen Untat bewusst. Er hatte seinen
Versuch, aus dem Leben zu scheiden, auf unfassbare Weise vermasselt.
Sein Haus war zerstört, sein ganzes Hab und Gut weg, und das
eigentliche Ziel der Aktion, sein Tod, war geblieben. Die Ausführung
des vermeintlich genialen Todesplanes war desaströs gewesen, hatte
sich gar zu grössten nur auszudenkenden Katastrophe ausgeweitet.
(Zitat S. 98)
 
===Buchdaten===
Autor:
David Bielmann
Titel:
Flucht eines Toten
Verlag:
woa Verlag
Erschienen:
2011
ISBN-10:
3952365726
ISBN-13:
9783952365724
Seiten:
255
Kosten:
19,90€

===Zitierter Klappentext===
«Es war eine
weitere unsterbliche Melodie von Albert. Und doch war sie sterblich,
denn mit ihm würde auch sie die Welt auf immer verlassen. Es war
Alberts Todesmelodie, sein Requiem. Es war gut. Teuflisch gut.»Albert
Leblanc führt ein trostloses Leben als Koch in der verrauchten
Dorfbeiz von Rechthalten. Ständig wird er vom Wirt erniedrigt und
von betrunkenen Gästen verhöhnt, Anerkennung erhält er kaum. Die
einzigen Freuden in seinem Alltag sind das Gitarrenspiel, der Absinth
– und die Serviertochter Mona, die ihm als ein-zige etwas Sympathie
entgegenbringt. In einsamen Momenten hängt er immer öfter morbiden
Gedanken nach. Er beschliesst, in vier Tagen all den Bosheiten ein
Ende zu setzen. Albert macht sich an sein schauriges Werk ...Ob sich
heute in Rechthalten noch jemand an Albert Leblanc zu erinnern
vermag? Wer seinerzeit regel¬mässig in die Wirtschaft pilgerte,
wird sich womöglich noch ein Bild seiner schmächtigen Gestalt
machen können. Es würde allerdings nicht erstaunen, wenn er
vollends in Vergessenheit geraten wäre. Dies ist seine so verwegene
wie tragische Geschichte.

===Meine Meinung===
Viele junge
Autoren versuchen bekannten Kollegen nachzueifern, oder sich einem
Genre anzuschließen, welches gerade besonders angesagt ist. Der
27jährige David Bielmann ist hier eine Ausnahme. Das soll aber nicht
heißen, dass man sich seinen Namen nicht merken muss. Im Gegenteil –
Sein etwas anderer Roman gewann 2010 einen Literaturwettbewerb. Damit
zeigt er, dass es sich lohnt eigene Wege zu beschreiten.

Der Leser wird an
die Seite von Albert Leblanc geführt. Sein Leben ist nicht unbedingt
das, was man als Traumleben bezeichnen würde. Als Koch in einer
kleinen Dorflokalität wird er ständig von seinem Chef tyrannisiert,
die Gäste sind auch nicht gerade liebenswert. Anerkennung oder
freundliche Worte gibt es nur selten. Aus diesem Grund verzieht er
sich in eine Welt von Gitarrenspiel und Absinth. Trotz einiger
Freuden mit der Serviertochter Mona kommen ihm irgendwann immer mehr
Selbstmordgedanken, die er auch in die Tat umsetzt. Doch selbst da
verhöhnt ihn das Schicksal. Der Selbstmord misslingt, aber zu seinem
Glück wird er für tot erklärt. Damit beginnt ein ganz neues Leben
für ihn.

Von Menschen die
versehentlich für tot erklärt wurden, hat man schon öfters was in
den Medien gelesen. Warum diese ungewöhnliche, aber realistische
Situation nicht für einen Roman aufgreifen. Mich konnte der Autor
mit dieser Idee von Anfang an begeistern.

Eine gute Idee
allein reicht jedoch nicht. Die Umsetzung eines Werkes muss genauso
stimmig sein. Meine anfänglichen Bedenken, ob ein so junger Autor,
es schafft dieses heikle Thema gut umzusetzen, waren allerdings
unbegründet. David Bielmann versteht mit Worten umzugehen. Von
Anfang an achtet er auf eine abgerundete und logische Zusammensetzung
der Zusammenhänge. Die Welt von Albert Leblanc ist so authentisch
gestaltet, dass man selbst in eine depressive Grundstimmung entführt
wird. Dabei achtet er jedoch stets darauf nicht zu dramatisch zu
werden, sondern auch genügend Spannung und eine gewisse Portion
Humor mit einzubauen. Diese gelungene Kombination, die den Leser mit
genügend Abwechslung versorgt, um ihn durchgehend zu beschäftigen,
ist alleine schon preisverdächtig.
Nichtsdestotrotz
benötigt der Leser trotzdem einige Zeit, um wirklich in die Handlung
hineinzukommen. Zum einen sorgt dafür der gewöhnungsbedürftige
Stil des Autors, und auf der anderen Seite der Protagonist selbst.
Die Hauptfigur wird zwar authentisch und farbenfroh gestaltet, aber
es benötigt etwas Zeit um seine Gedanken, seine Situation und somit
seine Handlungen gänzlich zu begreifen. An den beschreibenden und
doch sachlichen Stil gewöhnt sich der Leser genauso schnell, wie an
das Leben der Figur. Er ist eben etwas gehobener als viele bei einem
Roman erwarten würden. Nach 30 Seiten merkt man nichts mehr, außer
der Tatsache, dass auf einmal die Geschichte aufhört.
Bis zum Schluss
schafft es David Bielmann zu fesseln und zu überzeugen. Bei einem
solchen Thema ist dies nicht selbstverständlich und genau aus diesem
Grund ist der 1. Platz für dieses Werk nur nachvollziehbar.

Das Leben nach dem
vermeintlichen Tod ist so konstruktiv und bemerkenswert, dass ich vor
einer solchen Idee für einen Verlauf wirklich meinen Hut ziehe. Sie
ist einmalig.

Abgerundet wird
dieses vielversprechende Werk durch das ansprechende Cover, welches
einen Baum von seiner Kahlheit zur vollen Pracht mit eingebauter
Gitarre zeigt. Kreativität, wie man sie im Buch wiederfinden kann.

===Bewertung===
Flucht
eines Toten“ ist für mich ein gelungener Debüt-Roman von David
Bielmann. Spannend, dramatisch mit einem genialen Schluss kann man
nur auf nachfolgende Werke hoffen. Fünf Sterne.



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