Dreisbach, Elisabeth: Glied in der Kette

==1. und 2. Weltkrieg vereint==

===Buchdaten===
Autor: Elisabeth Dreisbach
Titel: Glied in der Kette
Verlag: Christliches Verlagshaus
Erschienen: 1962
ISBN-10: 3767570076
ISBN-13: 9783767570078
Seiten: 256
Einband: HC
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Serie: -

===Zitierter Klappentext===
In dieser neuen Erzählung der bekannten Autorin geht es um Mutter und Sohn: um die notvollen Erlebnisse Reginas in ihrem Elternhaus, ihre Heirat mit einem jungen Schwarzwaldbauern, der bald darauf im ersten Weltkrieg fällt, ihre Lehr - und Reifungsjahre auf dem schwiegerelterlichen Hof und um ein änliches Schicksal des Sohnes Markus im zweiten Weltkrieg, aus dem dieser geläutert, zwar äuserlich blind, aber innerlich sehend geworden, heimkehrt.

Markus und seine Mutter, ja auch all die anderen Gestalten dieser Erzählung sind "Glieder in der Kette". Jedes hat an seinem Platz zu stehen und darf lernen, ja zu sagen zu den Schickungen seines Lebens, in der Erkenntnis, daß es der Weg Gottes mit seiner Seele ist.

===Meine Meinung===
Obwohl ich historische Romane, die in der Zeit des ersten und zweiten Weltkrieges spielen, sehr gerne lese, hatte ich anfänglich doch meine Bedenken, was dieses Werk betraf. Das Cover war zwar passend, aber nicht gerade ansprechend. Der Klappentext klang ebenfalls langweilig, aber manchmal kann diese Eindruck auch täuschen.

Anfang des ersten Weltkrieges verliert Regina ihre Mutter auf tragische Weise, als diese sich aus dem Zug stürzt, um ihren Mann nicht weiter mit einer anderen, jüngeren Frau teilen zu müssen. In ihrer Trauer und Wut zieht es Regina zu Andreas, einem Bauern, den sie erst wenige Tage vorher im Urlaub kennengelernt hat. Beide verlieben sich und nach einem Jahr läuten die Hochzeitsglocken. Jedoch wird das Glück getrübt, als Andreas kurze Zeit nach der Hochzeit an die Front gerufen wird. Beide hoffen auf ein glückliches Ende, als er wenige Tage vor Kriegsende verstirbt. Zurück bleibt eine junge und schwangere Witwe, die nie wieder heiraten soll. Doch ganz allein ist Regina nicht. Ihr Sohn Markus verbindet sie stark mit der Schwiegermutter und einige Jahre später muss sie ihre eigene junge Schwester, nachdem ihr Vater von seiner neuen Frau verlassen wurde, wie ihr eigenes Kind aufziehen. Eine schöne Zeit steht dem Birkenhof bevor, die aber auch unter keinem guten Stern steht, denn der zweite Weltkrieg fordert seine ersten Opfer.

Der Einstieg in diese Familiengeschichte war anfänglich gar nicht so leicht. Die Autorin versucht den Leser über die aktuelle Situation aufzuklären und mittels Rückblenden die Vergangenheit zu beleuchten. Das Problem hierbei ist einfach, dass die Sprünge zwischen der Konfirmation von Markus und der Geschichte seiner Mutter nicht deutlich voneinander getrennt sind. Zwar ist immer ein Absatz dazwischen, aber ein neues Kapitel oder ein anderer Hinweis wären einleuchtender gewesen. So habe ich mich mehrfach dabei ertappt, wie ich Sprünge erst während des Lesens wahrgenommen habe. Das stört gerade am Anfang den Lesefluss.
Trotzdem hat es Elisabeth Dreisbach durch ihren Stil geschafft, dass ich weiter lesen wollte. Der Stil ist locker und für damalige Verhältnisse sehr modern. Er lässt sich nachdem die Perspektiv-Wechsel ausgestanden sind, flüssig lesen und wird durch viele Spannungskurven attraktiv. Besonders die Protagonisten beschreibt die Autorin mit sehr viel Liebe zum Detail. Sowohl ihr Aussehen, als auch ihre Gedankengänge sind authentisch dargestellt, sodass ich mich sofort in die eine oder andere Figur hineinversetzen konnte. Bei ländlichen Beschreibungen gelingt es Elisabeth Dreisbach allerdings nicht so überzeugend, sodass ich mehrfach das Gefühl hatte an einem x-beliebigen Ort im Schwarzwald zu sein. Dieses kleine Manko störte mich jedoch weniger.

Was mich persönlich am Anfang gleich reizte, war die Tatsache, dass sich der Vater der Protagonistin, obwohl er verheiratet und deutlich älter war, mit einer Freundin seiner Tochter / Schülerin einließ. Für damalige Verhältnisse, das Buch beginnt ca. 1912-1914, schon ein brisantes Thema. Wenn man dann noch bedenkt, dass dieses Werk in einem christlichen Verlag erschienen ist und den Leser in seinem Glauben bekräftigen soll, ist es natürlich noch ungewöhnlicher. Aber genau damit wird der Leser gepackt. Ging ich anfangs noch davon aus, dass viel über Gott geredet wird, musste ich schnell feststellen, dass dieser zwar mit kurz erwähnten Gebeten, Andachten oder ähnlichen Dingen im Buch vorkommt, aber das Leben im ersten und zweiten Weltkrieg als alleinstehende Frau, die einige Schicksalsschläge zu verbuchen hat, im Vordergrund steht.
Zudem setzt das Buch nicht auf ein Happy End, sondern wirkt zu jeder Zeit realistisch. Der Vater, der seine gerechte Strafe erhält, ist da eine kleine Ausnahme. Der Tod von Andreas, die vertane zweite Liebe, der Tod der Schwiegertochter und das zweite Glück des Sohnes wirken jederzeit authentisch. Dadurch macht es wirklich Spaß diese alte Geschichte zu lesen. Von den Kriegen bekommt man allerdings nur wenig mit. Das was einem geschildert wird, sind Dinge, die die Bauern wohl damals wirklich nur mitbekommen haben. Es ist eine neue Perspektive, die ich sehr interessant fand. Ich sage dies auch nur einmal extra, nicht das sich ein Interessent zu viel über den Krieg erhofft.

Einmal angefangen kann man das Buch gut an einem Tag durchlesen. Durch den Stil ist es leichte Kost, auch wenn der Inhalt in vielen Punkten zum Nachdenken anregt. Das sind zum Beispiel Dinge wie Neid, Ehebruch oder die Gefühle von anderen Menschen im eignen Umfeld.
Dazu kommt das manche Beschreibungen zwar etwas langatmig wirken, sie aber bald von interessanten und spannenden Momenten abgelöst werden.
Im Großen und Ganzen ein zeitloses Buch, dass auch heute noch gut zu lesen ist. Aus diesem Grund kann ich es empfehlen, auch wenn es wohl eher eine kleine Zielgruppe interessieren dürfte.

===Bewertung===

Glied in der Kette“ ist ein interessantes Buch über ein Frauenschicksal im ersten und zweiten Weltkrieg. Bildhaft, authentisch, manchmal langatmig, aber zum größten Teil lesenswert kommt dieses Buch daher. Für mich vier Sterne.


===Leseprobe oder Zitat zum Einblick in den Stil===

Kurzer Einblick in den Stil. Zitat S. 237:


Nun stürmt er wieder aus dem Haus. „Sag, Mutter, wo ist meine Frau? Es ist Sonntag, sie kann doch nicht auf dem Feld sein – sie muß doch auch das Kind versorgen ...“ Dann sieht er in das totenblasse Gesicht der Mutter. Seine Augen weiten sich. Er greift sich an den Hals. Dann steht er vor ihr und schreit sie an: „So sprich doch um Gottes willen, Mutter! Wo ist Margrit?“



© Sarahs Bücherwelt für diverse Seiten, den 17.08.2011


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