Laher, Ludwig: Und nehmen was kommt


==Für Geld verkaufe ich meinen
Körper==


Seit
acht Jahren leidet Monika an Schlafstörungen.Sie wüncht sich so
sehr , einige Stunden am Tag weg zu sein. Sie weiss nicht, dass Speed
Gift ist dafür. Die späten Nächte auf der Luftmatratze sind
jedenfalls die Hölle. Alles kommt hoch, sie erlebt sich als reine
Versagerin.

(Zitat S. 67)



===Buchdaten===
Autor:
Ludwig Laher
Titel:
Und nehmen was kommt
Erschienen:
2011
ISBN-10:
3852188857
ISBN-13:
9783852188850
Seiten:
221
Kosten:
9,95
Serie:
-


===Zitierter Klappentext===
Monika weiß
von Kindheit an, dass sie völlig auf sich gestellt sein wird.
Ausgenützt, hintergangen und gedemütigt scheint ihr Weg als
Prostituierte am Strich und in Clubs an der tschechischen Grenze
vorgezeichnet. Aus Zuneigung und der Herausforderung wegen bietet ein
Kunde dieser kaputten, extrem misstrauischen Frau eine neue
Perspektive. Sie möchte die Chance nutzen, doch zeigt sich, dass
eine Kindheit und Jugend wie ihre nicht so leicht wiedergutzumachen
sind.
Ludwig Laher
schildert in seinem Roman die Entwicklung dieser Frau ebenso präzise
wie beklemmend. Gleichzeitig ist das Buch ein messerscharfer Befund
über gesellschaftliche Zustände mitten in Europa. Jenseits
moralisierender Anklage gelingt Laher so das Wunderwerk einer
Literatur, der es darum geht, soziale Zusammenhänge und individuelle
Gefühlsregungen bis in die feinsten Verästelungen wahrzunehmen.
(Ewald Schreiber, Der Standard).

===Meine Meinung===
Ludiwig Laher ist
für schockierende, provozierende, brisante und hochaktuelle Themen
bekannt. Auch in seinem neustem Roman darf man keine schöne
Geschichte erwarten.

In seinem Werk
„Und nehmen was kommt“ begleitet der Leser Monika, eine junge
Roma, aus der Ostslowakei. Geboren wird sie einer tristen Hütte, mit
einer behinderten Schwester und einem Säufer als Vater. Nach einer
mehr schlechten als rechten Kindheit ohne Liebe und Bildung, bleibt
ihr nur der Ausweg in die Prostitution. Straßenstrich und diverse
Clubs bieten schnelles Geld und einen gewissen Grad an
Aufmerksamkeit. Misshandlungen und Demütigungen über Jahre
zerstören die junge Persönlichkeit nach und nach. Dazu kommen noch
die Drogen. Als ein Kunde ihr einen Ausweg anbietet, versucht Monika
diese Chance zu ergreifen. Doch nach all den Jahren ist es schwer
diese Vergangenheit hinter sich zu lassen und ein neues und
unbekanntes Leben zu beginnen.

Damit greift
Ludwig Laher wieder ein heikles, stets aktuelles Thema auf, das
mitten im Herzen von Europa spielt und damit greifbar ist. Ludwig
Laher schildert authentisch in einem teilweise sachlichen,
protokollartigen und aufzählenden Stil, in Kombination mit einer
distanzierten Sichtweise, das tragische Leben von Monika. Wobei man
bald feststellen wird, dass Monikas Name durch viele andere
osteuropäische Mädchennamen beliebig ersetzt werden könnte. Ihr
Schicksal ist leider Gottes kein Einzelschicksal. Anfänglich ist
sein Stil durch die Distanz so nüchtern, dass es schwer fällt sich
richtig in das Leben von Monika hineinzuversetzen. Mit der Zeit merkt
der Leser jedoch, dass er sich der Hauptperson näher fühlt, als er
eigentlich dachte. Die Abfolge von Gewalt auf Gewalt, Drogen auf Sex,
Demütigungen auf Misshandlungen zeigt dem Leser deutlich wie nah ihm
dieses Schicksal am Ende doch geht. Vor allen Dingen, wenn man weiß,
dass dies bittere Realität ist und keine Fiktion.

Das Buch ist
nichts für schwache Gemüter. Obwohl es keineswegs brutal oder
unterhalb der Gürtellinie ist, geht es dem Leser richtig ans Herz
und wird ihn noch lange bewegen. Doch es wird auch andere Meinungen
geben, die das hart beschriebene Schicksal von Monika belächeln und
sich in der Meinung bestätigt fühlen, dass diese Mädchen doch
immer wieder zu dumm seien. Genauso viele Meinungen sagen, dass wer
aufhören will es auch schafft. Die Meinungen werden auch am Ende des
Buches noch vorhanden sein, aber es zeigt, dass viele solcher Mädchen
nicht wissen, wie sie aus dem Sumpf von Drogen, Schmutz und etwas
Geld wieder herauskommen sollen, geschweige denn, wie sie es hätten
vorher umgehen können. Das für solche Personen der Ausstieg alles
andere als leicht ist, ist schon bei uns sichtbar. Für solche
Mädchen hingegen ist es noch eine Spur schlimmer. Auch diese Momente
fängt der Autor gekonnt auf.

Das wirklich harte
an dem Buch ist jedoch die Tatsache, dass diese Mädchen fast alle
noch Kinder sind. In anderen Ländern spielen solche Mädchen noch
mit Puppen, sammeln erste Erfahrungen mit ihrem Freund und gehen zur
Schule. Alltägliche Dinge für sie, die Mädchen wie Monika nie
kennenlernen werden.

===Bewertung===
Ludwig Laher ist
es wieder gelungen ein tragisches Schicksal herauszusuchen, dass für
viele weitere Schicksale steht. Es rüttelt auf, wird viele Leser
provozieren und am Ende für jede Menge Gesprächsstoff sorgen. Aus
diesem Grund kann ich nur sagen Daumen hoch, fünf Sterne.


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