Gerigk, Corinne: Vertraute Wesen, gefährliche Liebe

==Vampire, Werwölfe und eine Welt voller Magie==


Genau so habe ich mir einen Vampir immer vorgestellt! Die Frau entsprach dem typischen Klischee. Sie schwebte ganz nah auf mich zu und nahm meinen Duft in sich auf. Dann konnte ich ihre Zähne knirschen hören. Danach hielt sie ihren Kopf schief und meinte mit einem kühlen Lächeln: „Kommt bitte. Er wünscht deine Gesellschaft. Folge mir so gut du kannst.“ (Zitat S. 120)

Dieses Zitat stammt aus meiner neuesten Fantasy-Errungenschaft, die ich gerade ausgelesen habe. Es handelt sich um ein Buch, bei de mir anfänglich gar nicht bewusst war, dass es der zweite Band ist. Aus diesem Grund waren meine Bedenken, dass es sich nicht ohne den ersten Teil lesen lässt, groß. Ob es möglich ist, und wie es mir gefallen hat – nun, lest selbst.




===Zitierter Klappentext===
Eine mächtige Legende und eine Liebe zwischen Raum und ZeitLis ist drauf und dran ihre Vergangenheit in der Schweiz hinter sich zu lassen und in Alaska neu zu beginnen. Zu gerne möchte sie ihrer Familie von der Legende mit Werwölfen, Vampiren und Gestaltwandler erzählen. Sie verschweigt jedoch gekonnt, dass ihre große Liebe einem Werwolf gehört. Nach einem letzten Trip in die Schweiz ändert sich ihr Leben erneut. Sie wird in eine Welt entführt, in der ihre Seele sich zu verlieren droht. Fast verliert sie den Verstand, vergisst Raum und Zeit. Ob ihre einstige Liebe zum Werwolf noch besteht, scheint unsicher. Kann ihre Seele noch gerettet werden?

===Meine Meinung===
Vertraute Wesen, gefährliche Liebe“ ist ein Titel, der auf den ersten Blick nach einem Romantic-Fantasy-Werk mit einem ansprechenden und passenden Cover aussieht. Dementsprechend überrascht war ich, als ich innen feststellen durfte, dass es sich um den zweiten Band handelte. Dieser lässt sich laut der Autorin zwar auch alleine lesen, aber das ist immer ein fragwürdiger Punkt. Was mich jedoch mehr störte, war die Tatsache, dass der Titel keinen ersten Band verriet. Beide Werke haben den gleichen Titel, und werden auch nicht durch einen extra Untertitel gekennzeichnet.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einführung der Protagonisten. Grob erfährt der neue Leser, welche Figuren eine Rolle spielen, wie die aktuelle Situation entstanden ist und was in diesem Roman zu erwarten ist. Trotz dieser Einführung, die mir zumindest einen kleinen Überblick über den ersten Teil vermittelt hat, bin ich der Meinung, dass der erste Band schon gelesen werden sollte. Die Protagonisten sind einfach vertrauter und die Geschichte basiert schließlich auf den ersten Teil, auch wenn es zwei verschiedene Abschnitte sind.

Während Elisabeth im ersten Teil mit der Welt der Vampire und Werwölfe vertraut gemacht wird, will sie in diesem Band ihr altes Leben hinter sich lassen, und in Alaska neu anfangen. Ihrer Familie verschweigt sie nicht nur die Gründe, sondern auch, wer sich hinter ihrer großer Liebe tatsächlich verbirgt, ein Werwolf. Ein letzter Abschied von der Familie und der Schweiz wird für sie zum absoluten Horror-Trip.

Als ich anfing das Buch zu lesen, war mein erster Gedanke „Nicht noch ein Werk, welches von den Bis(s)-Romanen abgekupfert wurde.“. Irgendwie erinnerte mich die Liebe, die Figuren total an diese Bücher. Auch wenn die Protagonisten bewusst abgewandelt wurden, und zum Beispiel eine Beziehung zu einem Werwolf die bekannte Liebesgeschichte zu einem Vampir ersetzt.

Trotzdem mir diese Gedanken in den Kopf schossen, und obwohl ich der Meinung bin, dass die Protagonisten nicht ganz so verständlich sind, wie mit den Kenntnissen des ersten Bandes, musste ich mit einmal feststellen, dass ich das Buch plötzlich schon zur Hälfte gelesen hatte. Das Buch ist komplett fesselnd, spannend und mit einem guten Hauch Romantik. Kombiniert ist die interessante Handlung mit einem modernen, bildhaften Stil, den man, wer die Autorin kennt, gar nicht erwartet. In einem anderen Werk von ihr, ist der Stil recht flach, umgangssprachlich und die wörtliche Rede alles andere als zu den Protagonisten passend. Dies trifft auf diesen Roman nicht zu. Man merkt deutlich, das sich die Autorin weiterentwickelt hat. Ab und an kommt vielleicht eine langatmige Beschreibung vor, aber nichtsdestotrotz sind diese stets bildhaft und lebendig.

Eigentlich handelt es sich bei diesem Buch um ein Jugendbuch. Meine Nichte (11) hat es ebenfalls angefangen, allerdings nach gut 50 Seiten abgebrochen. Auch wenn sie gerne Fantasy liest und auch ein Fan von Bücher wie „Bis(s)“ ist, wollte sie dieses Buch einfach nicht lesen. Sie fühlte sich zu sehr an diese Reihe erinnert, und mag den Werwolf dort überhaupt nicht. Aus diesem Grund kam es für sie nicht in Frage, einen Roman zu lesen, bei dem eine Protagonistin einen Werwolf liebt. Ansonsten fand sie den Stil jedoch sehr gut, und unter anderen Voraussetzungen hätte sie das Werk auch an einem Stück gelesen.

Ob diese Ähnlichkeiten seitens der Autorin beabsichtigt waren, oder sie selber Fan dieser Reihe war / ist, kann ich natürlich nicht sagen. Das es aber Ähnlichkeiten gibt, wenn auch nur im Ansatz, lässt sich nicht leugnen. Nichtsdestotrotz hat es mir viel Freude bereitet dieses Buch zu lesen und mir oft merkte ich gar nicht, wie die Seiten nur so an mir vorbeiflogen. Dies ist ein Merkmal, was definitiv für ein gutes Buch spricht.

Auch die liebevoll gestalteten Protagonisten sorgen für ein angenehmes Lesevergnügen. Die Figuren sind ausgereift, auf einander abgestimmt, logisch, authentisch und liebenswert. Kopfkino ist garantiert.

Aus Grund dieser ganzen Faktoren kann ich das Buch nur empfehlen.

===Sarahs Fazit===
Vertraute Wesen, gefährliche Liebe Bd. 2“ ist ein Werk, welches gewisse Ähnlichkeiten mit einer beliebten Buch-Reihe hat. Nichtsdestotrotz ist es spannend, romantisch und in einem angenehmen Stil, der die Seiten nur so vorbeifliegen lässt. Für mich vier Sterne, da ich mir eine deutlichere Kennzeichnung der beiden Teile gewünscht hätte.

Pro: Stil, Inhalt, Progatonisten
Contra: 1+2 Band gleicher Titel
Empfehlung: Ja



Autor: Corinne Gerigk, Titel: Vertraute Wesen, gefährliche Liebe Bd. 2

Verlag: BoD, Erschienen: 2011, ISBN-10: 3842372299

Seiten: 276, Kosten: 16,80€



© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt

UMZUG

Hallo Leute,

endlich ist es so weit. Wir ziehen um, und leider geht es mit dem Internet nicht so, wie es eigentlich geplant war. Kurz gesagt, drei bis vier Wochen müsst ihr auf meine Rezis verzichten. Ich hoffe ihr bleibt mir treu... Sobald ich wieder Internet habe, geht es hier weiter.

Lg, eure Sarah

Gerigk, Corinne: Pferdestriegel

==Brisante Mischung aus Liebe, Spannung und Highschool==


Ob Damian unartig war oder nicht, würde seine Eltern nicht interessieren, wenn sie Simone fluchen hörten. Fluchwörter waren tabu. Obwohl Damian sicherlich nicht ganz ungestraft davon kommen würde. Welche Strafe auch immer, er wollte sie mit Würde tragen. Auch Damian hatte seinen Stolz. (Zitat S. 16)


Dieses Zitat stammt aus einem Jugendbuch, welches ich euch unbedingt vorstellen möchte. Es hat den gewöhnungsbedürftigen Titel „Pferdestriegel“, beinhaltet jedoch einen Jugendroman voller Spannung und Liebe.



===Zitierter Klappentext===
Damian, ein kleiner Junge, der seine Eltern als auch dutzende Kindermädchen zur Verzweiflung bringt. Bis er Menschen begegnet, die ihn in ganz besonderer Weise prägen. Als Teenager liebt er Autos, Mädchen und seine Pferde. Er ist ein begabter Turnierreiter, reich, verwöhnt, oberflächlich und selbstverliebt. Auch Damian gehört zu den Schülern die den hübschen neuen Schülerinnen nachsteigen. Mit seinen Kumpels ist daraus ein richtiger Wettstreit entstanden. Eines Tages lässt ihn ein Mädchen nicht mehr los. Ihre Zuneigung für einander steht unter keinem guten Stern. Denn das Mädchen umringt ein schreckliches Geheimnis…
Eine spannende Geschichte mit Einblick in die Seele von Jugendlichen. Die erste große Liebe und Problematik die das Erwachsen werden mit sich bringt. Tiefgreifende Emotionen lassen den Leser direkt teilhaben. Die Autorin lässt genug Spielraum für eine ordentliche Portion Humor.

===Meine Meinung===
Auch wenn ich mit meinen 28 Jahren eher nicht in den eigentlichen Leserkreis gehöre, lese ich zur Entspannung immer wieder gerne etwas aus dem Bereich Jugendliteratur. Corinne Gerigks Werk „Pferdestriegel“ ist mir besonders durch das bezaubernde Mädchen in Kombination mit den Pferden aufgefallen. Auch wenn dieses Cover irgendwo zum Klappentext passt, würde jeder Leser jedoch von diesem Cover ein „Pferdebuch mit einer weiblichen Protagonistin“ erwarten. Meine 11jährige Nichte wollte dieses Buch unbedingt lesen, sodass ich ihr das Buch kaufte und selbst einen Blick hineinwarf.

Damian, 17 Jahre, Pferdenarr, Autoliebhaber und Mädchenschwarm verliebt sich zum ersten Mal so richtig. Doch seine Angebetete macht es ihm nicht leicht. Unter falschen Namen, total zurückhaltend und mit einem großen Geheimnis kommt sie zurück in sein Leben. Immer wieder stößt sie ihn vor den Kopf. Für Damian, der sonst alles bekommt, was er haben möchte, keine leichte Erfahrung. Als er jedoch nach und nach hinter ihr schreckliches Geheimnis kommt, ist für ihn klar, dass er nicht nur um sie kämpft, sondern alles dran setzt, um ihr zu helfen.

Auf den ersten Blick ein Buch, welches Spannung und trotzdem etwas fürs Mädchenherz verspricht. Die ersten Seiten sind für jung und alt eine echte Herausforderung. Statt mitten im Alltag des Teenagers zu beginnen, fängt die Autorin bei seiner Kindheit an und erklärt über viele Seite wie er so egoistisch geworden ist. In einer Zusammenfassung von einer Seite wäre dies noch in Ordnung gewesen, aber über so viele Seite, da geht einfach die Spannung verloren. Zumal der Stil der Autorin teilweise sehr umgangssprachlich ist. Für Kinder ist dieser leicht zu verstehen, aber als Mutter und Erwachsene finde ich es stellenweise einfach zu umgangssprachlich. Wie zum Beispiel: „Natürlich hatte Simone auch die Schnauze voll von diesem störrischen Kind.“ (Zitat S 16). Man kann als Autorin einen Teenager so etwas in der wörtlichen Rede sagen lassen, aber man sollte es jedoch tunlichst vermeiden es als Umschreibung seitens eines wohlerzogenen Kindermädchens einzubauen.

Ist erst einmal die langatmige Umschreibung seiner Kindheit abgearbeitet, geht es mit dem störrischen, egoistischen Jugendlichen weiter. Zumindest ab diesem Punkt gelingt es der Autorin eine gewisse Spannung aufzubauen, denn man möchte unbedingt herausfinden, warum dieses Mädchen einen falschen Namen angenommen hat, längere Zeit verschwunden war, und warum sie so abweisend ist. Als Leser rät man mit, und ich kann sagen, dass die Autorin einen schon etwas aufs Glatteis lockt. Eine gewisse Spannung in Kombination mit dem Geheimnis sorgt dafür, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann, und bis zum Schluss gefesselt ist.

Allerdings sorgt der gewählte Stil der Autorin für einige Kopfschüttler. Während sie am Anfang teilweise noch eher umgangssprachlich wirkte, legt sie dies bei den Jugendlichen, wo es in meinen Augen eher passen würde, ab. Stattdessen gibt sie den Kids eine Stimme, die so gar nicht in das Bild des Lesers passt. Denkweisen, die Sprache und Wortwahl wirken einfach künstlich, zu überlegt und für Jugendliche in diesem Alter einfach zu reif. Zwar lernen junge Leser dadurch sich gewählter auszudrücken, andere Perspektiven zu erblicken, aber es ist einfach arg ungewohnt, sodass die Zielgruppe sogar nachfragte, ob Jugendliche in Amerika wirklich so blöde reden. Als Kind ist es einfach ungewohnt, und man möchte dann schon eine authentischere Wortwahl vorfinden. Die Idee mag zwar löblich sein, aber wie man sieht, kommt es bei der Zielgruppe nicht unbedingt positiv an.
Bei Beschreibungen, wie zum Beispiel Charakteren oder Schauplätzen achtet die Autorin auf zahlreiche Details, verliert sich jedoch gerne in flachen Beschreibungen. Stellenweise bekam ich sogar das Gefühl einen guten Abitur-Aufsatz zu lesen. Einfach weil sie sich in Beschreibungen verliert. Zu viele Details, die jedoch durch ihre Blässe nicht immer etwas aussagen. Mit der Zeit gewöhnt man sich an diesen Stil, und nimmt ihn in Kauf, denn die Thematik und das Geheimnis reizen einfach zu sehr.

Die Thematik, die die Autorin jedoch gewählt hat, finden sowohl meine Nichte, als auch ich wirklich gut. Einmal die Perspektive des verwöhnten reichen Sohnes verstehen und Gewalt in der Familie wurden beide sehr gut umgesetzt.

Trotz kleiner Schwächen, die nicht nur Eltern sondern auch jungen Lesern auffallen, macht das Buch irgendwo Spaß zu lesen. Was einfach an dem Geheimnis und der eingebauten Spannung liegt. Aus diesem Grund kann ich das Buch auch empfehlen. Man erkennt das Potential der Autorin.

===Bewertung===
Pferdestriegel“ ist ein ungewöhnliches Buch. Nicht nur der Titel, sondern auch der Stil sind ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Trotz einiger Schwächen, die bei jung und alt mehr oder weniger auffallen, macht das Lesen Spaß. Für mich und meine Nichte 3 Sterne.



Pro: Thematik, Idee
Contra: Stil
Empfehlung: ja


Autor: Corinne Gerigk, Titel: Pferdestriegel, Verlag: Wagner
Erschienen: 2010, ISBN-10: 3866837976
Seiten: 343, Kosten: 14,80€



© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt


Heinen-Anders, Michael: Aus anthroposophischen Zusammenhängen

==Schwere Kost zum Nachdenken==


Gerade in der Zeit von 1930 bis 1940 sollte sich nach Rudolf Steiner verstärkt die Möglichkeit ergeben, den ätherischen Christus zu schauen. Der ätherische Christus ist nach anthroposophischer Auffassung der Terminus zur Umschreibung der Wiederkunft Christi (Zitat S. 11)


  Dieses Zitat stammt aus einem Buch, welches mir der Autor zur Rezension angeboten hat. Neugierig was sich hinter diesem merkwürdigen Titel verbirgt, habe ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen. Nun möchte ich euch dieses interessante, aber doch schwere Buch einmal vorstellen. 

===Zitierter Klappentext===
Interessante Thesen und Meinungen zur Anthroposophie, Beiträge zur sozialen Dreigliederung und Anregungen zur Bewußtseinserweiterung.

===Meine Meinung===
Anthroposophie ist ein Begriff der nicht jedem ein Begriff sein wird. Auch ich musste mich erst einmal belesen, was sich hinter diesem Fremdwort versteckt. Anthroposophie ist eine weltweit anerkannte spirituelle Weltanschauung, die von Rudolf Steiner begründet wurde. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, die Menschen in seiner Verbindung zur Übersinnlichkeit zu betrachten. Dabei werden fünf Elemente verbunden – deutscher Idealismus, Goethes und Gnosis Weltanschauung, fernöstliche Lehren und naturwissenschaftliche Erkenntnisse.

Und genau mit dieser Anschauung befasst sich der Autor in seinem Werk. Michael Heinen-Anders setzt sich mit zahlreichen Gebieten aus Sichtweise der Anthroposophie auseinander. Darunter sind Themen, wie zum Beispiel „Das Jahr 1933“, „Der Islam“, „Die Inkarnation von Rudolf Steiner“, „Die Psychopharmaka“ oder „Den Fußballsport“. Der Autor greift wirklich die unterschiedlichsten Gebiete auf, und setzt sein gesamtes Fachwissen ein, um alles verständlich zu erklären.

An dieser Stelle sollte sich jeder Interessent sicher sein, dass er mit der Thematik auch etwas anfangen kann und er in groben Zügen weiß, worum es bei der Anthroposophie geht. Als kompletter Laie, der sich zum ersten Mal mit dieser Weltanschauung befasst, war es sehr schwer nachzuvollziehen, was der Autor eigentlich vermitteln wollte. Oftmals musste ich mir zahlreiche Passagen noch einmal langsam durchlesen, oder aber viele Fremdworte im Internet nachschlagen, denn mit diesen wird in diesem Werk nicht gegeizt. Zudem wird der Lesefluss durch zahlreiche Quellenhinweise oder Querverweise stark beeinträchtigt. In diesem Fall sind fortgeschrittene Leser hier im klaren Heimvorteil.

In diesem Buch setzt der Autor komplett auf reine Informationen, denn außer Texten gibt es nichts anderes. Mir persönlich hätte es gefallen, wenn zumindest neben dem sehr schlichten Cover, wenigstens im Buch einige Ruhepunkte in Form von Bildern vorgekommen wären, damit man seinen Gedanken nachhängen kann, und das gerade gelesene hätte besser sacken lassen können. Zwar achtet der Autor auf zahlreiche Absätze, aber nichtsdestotrotz reiht sich ein schwerer Text an den anderen. In diesem Fall musste ich stets nach einem Thema das Buch aus der Hand legen, und mich mit etwas anderem beschäftigen, um wirklich alles zu verinnerlichen.

Im Großen und Ganzen ist es eine interessante Weltanschauung, die jedoch für Quereinsteiger und Laien sehr kompliziert erscheint, sodass sich das Buch definitiv eher an Profis richtet. Diese werden mit kenntnisreichen neuen Ansichten voll auf ihre Kosten kommen.

===Bewertung===
Aus anthroposophischen Zusammenhängen“ ist nichts für Zwischendurch, sondern bedarf Vorkenntnissen und viel Aufmerksamkeit. Ist beides gewährleistet, dann überzeugt es mit Fachkenntnisse und gelungenen Ansichten, die mir vier Sterne wert sind. Abzug gibt es, da ich persönlich zu viel nachschlagen musste, und nicht wirklich beurteilen kann, wie es für Profis ist.

Pro: Idee, Ansätze
Contra: viele Fremdworte
Empfehlung: für Kenner

Autor: Michael Heinen-Anders, Titel: Aus anthroposophischen Zusammenhängen
Verlag: BoD, Erschienen: 2010 3. Auflage, ISBN-10: 3839130328
Seiten: 116, Kosten: 14,98€




© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt


Grimes, Martha: Inspektor Jury steht im Regen

==Einfach enttäuschend==


Als er nach ihrem Schal griff, dachte sie wahrscheinlich, er wolle sie an sich ziehen und sie küssen. Er zog rasch und heftig. Beinahe lautlos sackte sie zusammen, stürzte hin und schlug auf die dünne Eiskruste, so dass diese zerbrach. Näher würden sie sich selbst bei einem Stelldichein nicht kommen, dachte er, und die Enden ihres Schals baumelten von seinen Händen herab. (Zitat S. 18)


Dieses Zitat stammt aus dem achten Fall von Inspektor Jury und wird bei fast jedem Fan von Krimis Lust auf mehr hervorrufen. Das dachte ich mir auch, als mir das Buch bei einer Tauschbörse in die Hände fiel. Der Klappentext versprach einen spannenden Krimi und der Erfolg der Serie machte mich neugierig. Warum ich nun so enttäuscht wurde, lest selbst.

===Zitierter Klappentext===

Devon, ein verregnetes Waldstück an der Landstraße: Eine junge Anhalterin wird tot aufgefunden, erdrosselt – mit ihrem eigenen Halstuch. Ein knappes Jahr später wird in einem vornehmen Londoner Stadtviertel eine weitere Frauenleiche entdeckt. Wieder ist es eine Regennacht, wieder ist ein Halstuch die Mordwaffe. Alle Spuren führen ins Nichts – bis zwei verschreckte Jungen bei Inspektor Jury vorsprechen …


===Meine Meinung===
Krimis habe ich schon als Jugendliche regelrecht verschlungen und diese Leidenschaft hat sich bis heute gehalten. Ein guter Krimi im alten Stil, bei dem man sich selbst auf die Suche nach dem Mörder machen kann, wird immer gerne gelesen. Die Autorin, Martha Grimes, war mir zwar schon länger ein Begriff, aber bis dato hatte ich noch kein Werk von ihr gelesen.

Der Leser wird als Zeuge in den neuen Fall von Inspektor Jury eingeführt. Hautnah erlebt der Leser die Ermordung einer 26jährigen Frau, die als Anhalterin ihr Ende in einem Gehölz findet. Der Fall bleibt ungeklärt bis eine weitere Frau nach einem Kneipenabend ein ähnliches Schicksal erleidet. Da es auch bei diesem Fall keine Hinweise gibt, bekommt Inspektor Jury ihn übertragen. Zusammen mit Kommissar Macalvie, der für den ersten Fall zuständig ist, und seinem Assistenten, Sergeant Wiggins, macht sich Jury daran den Fall zu lösen. Zwei kleine Jungs bringen dann den entscheidenden Tipp, der die Ermittlungen in die richtige Richtung lotst.

Eigentlich ist ein solcher Inhalt genau nach meinem Geschmack, aber an der Umsetzung haperte es dann doch. Der Einstieg in die Geschichte macht definitiv Lust auf mehr. Bildhaft und trotzdem alles andere als brutal schildert die Autorin den ersten Mord. Damit ist der Leser natürlich gleich gefesselt. Wer ist dieser Mann, der seine Opfer so professionell ausspioniert, bevor er sie umbringt. Doch der gute Einstieg findet in meinen Augen ein abruptes Ende.

Der Krimi in fünf Teile und 26 Kapitel unterteilt. Mit jedem Kapitel oder Absatz wechselt Martha Grimes die Schauplätze und agierenden Charaktere. Dadurch wirkt die Handlung meines Erachtens sprunghaft und unzusammenhängend. Leichter wäre es gewesen, wenn ich als Quereinsteiger, wenigstens nicht solche Schwierigkeiten mit den einzelnen Protagonisten gehabt hätte. Dadurch, dass es sich hierbei um den achten Fall von Inspektor Jury handelt, und sich viele Charaktere mit jedem neuen Fall weiterentwickelt haben, blieben mir die Figuren, wie zum Beispiel Inspektor Jury, gänzlich fremd. Auch neue Charaktere wurden nur blass und schwammig eingeführt. Oftmals wusste ich nach wenigen Seiten nicht einmal mehr, ob ich diese Figur schon von einem vorherigen Kapitel kannte oder nicht. Durch diese schwache Vorstellung blieben mir Handlungen, Gedanken und Emotionen oftmals fremd. Diese Mischung aus blassen, langweiligen Charakteren und den unzusammenhängenden Kapiteln stoppt den Lesefluss ungemein. Für den Leser wird es sehr schwer der Handlung zu Folgen. Auch sonst wirkten die Beschreibungen eher blass. Von den anfänglich gelungenen Einstieg ist definitiv nichts mehr zu merken.

Durch neue Wendungen und Hinweise versucht die Autorin den Leser mit falschen Fährten aufs Glatteis zu führen, und zum Weiterraten zu bringen. Spannende Momente und ein mitreißender Stil kommt jedoch keineswegs auf. Die einzige Animation weiterzulesen, bot mir die Frage, wer denn nun der Mörder ist. Und auch mit diesem Punkt konnte mich Martha Grimes nicht überzeugen. Statt eines außergewöhnlichen Ausgangs wählte sie einen überhasteten Schluss und einem eher unglaubwürdigen Mörder. Auf der letzten Seite war ich so enttäuscht, dass ich mich fragte, was an dieser Reihe so einzigartig sein sollte. Zumindest kam auf den letzten Seiten durch eine kleine Verfolgungsjagd etwas Spannung auf. Bei einem Krimi, der aus 256 Seiten besteht, ist dies in meinen Augen eine schwache Leistung.

Mit diesem Werk hat es die Autorin, die mich schon seit Jahren neugierig gemacht hat, geschafft, dass ich nichts mehr von ihr lesen möchte. Aus diesem Grund kann ich das Buch auch nicht empfehlen.

===Bewertung===
Blasse Charaktere, ein holpriger Schreibstil und sprunghafte Kapitel sorgen für ein mäßiges Lesevergnügen, dass lediglich durch einen spannenden, aber abrupten Schluss getoppt werden kann. Für mich schwache zwei Sterne, die es für den guten Einstieg gibt.

Pro: Einstieg
Contra: Stil, Sprünge
Empfehlung: nein

   
Autor: Martha Grimes, Titel: Inspektor Jury steht im Regen, Originaltitel: I Am the Only Running Footman
Verlag: Goldmann, Erschienen: 2007, ISBN-10: 3442462576
Seiten: 256, Kosten: 7,95€, Serie: Inspektor Jury



===Die Reihe===
Band 1: Inspektor Jury schläft außer Haus
Band 2:Inspektor Jury spielt Domino
Band 3: Inspektor Jury sucht den Kennington- Smaragd
Band 4: Inspektor Jury küsst die Muse
Band 5: Inspektor Jury bricht das Eis
Band 6: Inspektor Jury lichtet den Nebel
Band 7: Inspektor Jury spielt Katz und Maus
Band 8: Inspektor Jury steht im Regen
Band 9: Inspektor Jury besucht alte Damen
Band 10: Inspektor Jury geht übers Moor
Band 11: Inspektor Jury gerät unter Verdacht
Band 12: Fremde Federn
Band 13: Blinder Eifer
Band 14: Gewagtes Spiel
Band 15: Die Frau im Pelzmantel
Band 16: Die Treppe zum Meer
Band 17: Die Trauer trägt schwarz
Band 18: Auferstanden von den Toten
Band 19: Karneval der Toten
Band 20: Inspektor Jury kommt auf den Hund
Band 21: Inspektor Jury lässt die Puppen tanzen


Eure Sarah


Hesse, Ninon: Der Teufel ist tot

==Fast vergessene deutsche Märchen vor und nach Grimm==



Zufällig zerbrach gerade etwas an einem Rade und während der Schade verbessert wurde, kletterte Däumling hinauf und verbarg sich zitternd vor Frost in die Ecke neben der Königin. Da er ganz durchnäßt war, drang die kalte Feuchtigkeit durch das Kleid dieser Dame. Sie fühlte mit der Hand hin, um zu untersuchen, woher das käme und ergriff das kleine Männchen. (Zitat S. 149 aus Däumling)



Dieses Zitat stammt aus einer Sammlung von Märchen, die in der Zeit vor und nach den Gebrüdern Grimm im Umlauf gekommen sind. Manche vergessen, manche in veränderter Form bekannt. Die Originale gibt es hier zum Lesen. 


===Eigene Inhaltsangabe===
In all den Jahren sind zahlreiche Volksmärchen in Vergessenheit geraten und nur die weltbekannten Märchen der Gebrüder Grimm sind in unserem Gedächtnis fest verankert. Dieses Buch widmet sich den vergessenen deutschen Märchen, die genauso wunderschön sind, wie die von den Gebrüdern Grimm. Insgesamt warten auf den Leser 18 Märchen aus der Zeit vor den Gebrüdern Grimm und 62 Märchen die nach dem Tod der Gebrüder Grimm entstanden sind. Darunter zählen Märchen, wie zum Beispiel „Däumling“, „Der undankbare Zwerg“, „Die drei Königskinder“, „Der Teufel ist tot“ oder „Die Schlangenkönigin“.

===Meine Meinung===
Kaum ein Kind ist ohne die bekannten Märchen aus dem Hause Grimm aufgewachsen. Ein oder zwei Märchen aus deren Feder kennt jeder, selbst wenn er nicht genau weiß, dass diese von ihnen stammen. Dabei gibt es zahlreiche andere Märchen, die genauso schön sind, aber gänzlich in Vergessenheit geraten sind. Waren es vor dem Gebrüdern Grimm noch arg wenig Märchen, so sind sie nach den Brüdern wie Pilze aus den Boden gesprossen. Diese Sammlung beinhaltet eine kleine Auswahl der interessantesten Märchen.

Im ersten Teil befasst sich das Buch mit den Märchen, welche vor 1812 in aller Munde waren. Da geht es zum Beispiel um eine schlaue Magd, die ihren Herrn und seinen Gast austrickste, um selbst in den Genuss der leckeren Hühnchen zu kommen. In einer anderen Geschichte geht es um einen Abt, der drei Fragen beantworten soll und dabei einem Sauhirten in die Falle ging. Man merkt, dass diese Volksmärchen noch wenig mit den späteren Märchen zu tun haben, dafür aber voller lehrreicher und lustiger Dinge stecken. Ich konnte ohne Probleme nachvollziehen, warum diese Märchen sich über all die Jahre durchgesetzt haben. Leider merkt man den Märchen stark an, dass sie aus dieser Zeit stammen. In einer sehr altmodischen Sprache, wie zum Beispiel „Solches alles das Erdkülin wohl wußt..“ (Zitat 27). Viele unbekannte und vergessene Worte wurden in Klammern direkt hinter dem Wort erklärt, aber der altmodische Stil, zieht sich besonders bei den ganz alten Märchen hin. Für Kinder schwerer zu verfolgen und auch Erwachsene werden einen langsameren Lesefluss feststellen.

Die neueren Märchen sind mit richtigen Märchen vergleichbar. Könige, Edelmänner, Prinzessinnen und Hexen. Sie lassen sich besser lesen, aber bei einigen merkt man noch immer die altmodische Sprache heraus. Diese sind eben nicht an die neuere Zeit angepasst worden, wie es bei den Grimmschen Märchen der Fall ist. Nichtsdestotrotz sind sie total schön zu lesen. Von typischen Märchen bis hin zu interessanten Fabeln.
Aber hier könnte es die Eltern stören, dass die Märchen stellenweise recht brutal sind. Da geht es zum Beispiel in den einem Märchen darum, dass ein Prinz ständig verprügelt wird und das bis fast zu Tode, um eine Prinzessin von ihrem Fluch zu befreien. Das ist nicht unbedingt etwas für jüngere Leser. Aus diesem Grund kann ich Eltern nur empfehlen vorab einmal die Märchen zu lesen. Dies kann sogar dazu verwendet werden, um den Kind die Geschichte in einer moderneren und verständlicheren Sprache zu erzählen, denn sonst müsste öfters mal etwas erklärt werden.

Zudem lässt die Übersichtlichkeit arg zu wünschen übrig. Zwar gibt es direkt am Anfang ein Inhaltsverzeichnis mit Seitenangabe, und jede neue Geschichte ist auch innerhalb des Buches mit einer großen Überschrift sichtbar gekennzeichnet, aber zwischen jeder neuen Geschichte gibt es lediglich einen winzigen Absatz, der gerade genügend Platz für die Überschrift bietet. Hier hätte ich mir einfach gewünscht, dass eine neue Geschichte dann doch auf der nächsten Seite beginnt und damit ein ruhigeres Lesebild entsteht. Da hätte ich lieber auf ein zwei Geschichten verzichtet oder mehr Seiten in Kauf genommen. Im Grunde reiht sich Text an Text. Nicht mal die zwei unterschiedlichen Abschnitte wurden sichtbar gekennzeichnet. Zudem gibt es keine Bilder, sonder nur Text. Irgendwann mag man so nicht mehr weiterlesen und muss das Buch für wenige Tage unterbrechen.

Gerne hätte auf die Märchen verzichtet, die zum Beispiel im originalen Dialekt aufgeschrieben wurden. Zwar versteht der Leser die Märchen, wie zum Beispiel das Märchen vom armen Fischer mit der gierigen Frau, aber irgendwie passen solche Werke einfach nicht hinein.

Nichtsdestotrotz ist die Sammlung dieser Märchen ein absolutes Highlight. Ich muss sagen, dass ich einige kannte und bei einigen war ich über den merkwürdigen Namen und die leicht abgeänderte Version, die ich als Kind kennengelernt habe, überrascht. Zum Beispiel gibt es auch „Schneeweißchen und Rosenrot“, was hier aber „Der undankbare Zwerg“ heißt und die sonst bekannten Prinzen kommen dort gar nicht vor. Aus diesem Grund ist es schön zu sehen, wie diese ursprünglichen Märchen abgewandelt wurden, damit sie für Kinder noch ansprechender sind.

Obwohl man viele Märchen kennt, sind auch zahlreiche Stücke dabei, die man nicht kennt, sodass das Buch immer neue Überraschungen für echte Märchenfans bietet. Aus diesem Grund kann ich das Buch jeden ans Herz legen, der gerne Märchen liest.

===Bewertung===
Der Teufel ist tot“ ist eine Sammlung von vergessenen deutschen Märchen, die von Hermann Hesses Frau herausgegeben wurde. In original, altmodischer Sprache ist es ein ungewohntes, aber schönes Lesevergnügen für alt und teilweise auch jung. Für mich vier Sterne.


Pro: Zahlreiche bekannte und unbekannte Märchen
Contra: teilweise altmodische Sprache, brutale Originale
Empfehlung: ja



Herausgeber: Ninon Hesse, Titel: Der Teufel ist tot, Untertitel: Deutsche Märchen vor und nach Grimm
Verlag: insel Verlag, Erschienen: 1979, ISBN-10: 3458321276
Seiten: 359


© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt

Packard, Edward: Die Insel der 1000 Gefahren

==Du entscheidest über Leben und Tod==


Der Krieger rennt hinter dir her und stößt dich mit aller Kraft über die Felsen. Du stürzt auf einen Vorsprung, bleibst liegen und fühlst dich zerschlagen und zerschunden. Der Krieger hält dich für tot und mach sich auf den Weg zu seinem Dorf. Irgendwann später rappelst du dich auf. Gottlob hast du dir nichts gebrochen. WIE ENTSCHEIDEST DU DICH ( ZITAT S. 50)


Dieses Zitat stammt aus einem Kinderbuch, welches ich von einer Freundin für meinen Stiefsohn geschenkt bekommen habe. Es handelt sich um ein Buch aus einer Reihe, die schon zu meiner Kindheit existierte. Der Leser kann selbst entscheiden, wie das Buch verläuft und endet. Früher nie gelesen, war ich neugierig und las es sofort. Wie es mir gefallen hat, lest selbst.


===Zitierter Klappentext===
Sobald du es aufschlägst, befindest du dich auf einem Schiff, auf das eine riesige Flutwelle zukommt. Am Strand einer einsamen Insel wachst du wieder auf. Wirst du überleben, wird dich jemand entdecken? Dein Abenteuer wird nur ein gutes Ende nehmen, wenn du immer die richtige Wahl triffst, auf welcher Seite du weiterlesen willst: "Wenn du dich entscheidest, dich blitzschnell in Sicherheit zu bringen, lies weiter auf Seite... Wenn du dich entscheidest, reglos zu warten bis die Schlange weg ist, lies weiter auf Seite... " Eine falsche Wahl kann dich in die totale Irre führen oder in gefährliche Situationen bringen. - Ein Buch, in dem viele Geschichten und 1000 Gefahren stecken!

===Meine Meinung===
Der Ravensburger Verlag hat sich in den 90er Jahren etwas Besonderes für Kinder einfallen lassen. Er entwickelte eine interaktive Buch-Reihe. „Du entscheidest selbst“ sagt schon alles, was man im Grunde wissen muss, wenn man sich das Buch ansieht.

Der Leser übernimmt selbst die Hauptrolle und erleidet einen Schiffsbruch, der ihn an einem einsamen Strand erwachen lässt. Von nun an musst du dich wie im realen Leben entscheiden, wie es weitergehen soll. Immer zwei Varianten stehen zur Auswahl und ermöglichen dem Leser ein Abenteuer, welches immer wieder neue Wege einschlägt. Zum Beispiel muss sich der Leser entscheiden, ob er die Insel am Strand entlang erkundigt, oder sich über die Felsen im Hintergrund einen Überblick verschafft. Mit jeder Antwort wird der Leser auf eine neue Seite verwiesen. „Lese auf Seite.. weiter“ oder „Gehe zurück auf Seite...“ sorgt für viel blättern, aber dadurch weiß der Leser nie, wie es weitergeht, wenn er sich für einen bestimmten Punkt entscheidet.

Durch die vielen Entscheidungen, die der Leser treffen muss, kann man das Buch immer wieder von vorne beginnen und wird jedes Mal einen neuen Schluss vorfinden. Das eine Abenteuer endet in der Rückkehr in die Zivilisation und in einem anderen Abenteuer verstirbt der Leser. Im Grunde gibt es 39 Ausgänge, sodass man das Buch theoretisch 39 Mal lesen könnte und immer wieder ein neues Ende vorfinden würde. Das ist aber auch das größte Problem des Buches. Das Abenteuerbuch besteht aus 109 Seiten plus einer Leseprobe zu einem anderen Werk. Pro Seite gibt es entweder eine Entscheidung oder einen Schluss. Im Grunde sind also 39 Seiten davon für den Schluss vorgesehen. Es gibt also nicht sehr viele Möglichkeiten, da sich mit der Zeit sehr vieles wiederholt. Nach zehn bis fünfzehn Abenteuern wird das Buch einfach langweilig. Theoretisch sind auch 15 Abenteuer für ein Buch schon sehr viel, aber ich hätte selbst diese als Leser im Kindesalter langweilig empfunden. Das Hauptproblem ist einfach die Länge der Abenteuer. Ich lese schnell und überlege mir dafür genau, wie ich mich entscheide. Pro Abenteuer habe ich 10-15 Minuten benötigt. Da kann einfach weder Spannung aufkommen, noch ist der Leser wirklich in die Handlung einbezogen worden. Ich persönlich fühlte mich immer fremd. Zudem muss ich sagen, dass bei so vielen Ausgängen dem Autor definitiv die Kreativität ausging. Vieles ist einfach ähnlich, wenig originell, langweilig und flach. Zehn Enden und längere Abenteuer wären besser gewesen.

Neben diesen negativen Aspekten gibt es auch etwas sehr erfreuliches. Der Stil ist einfach genial und besonders kinderfreundlich. Es ist so bildhaft beschrieben, dass ich Schauplätze regelrecht vor meinem inneren Auge sehen kann. Lebendig, farbenfroh und realistisch sind sämtliche Schauplätze eingebunden. Dadurch lässt sich das Buch zügig und leicht lesen. Zahlreiche Bilder untermalen die beschriebenen Schauplätze, Tiere und Figuren. Lediglich bei den Abenteuern hätte sich mehr Mühe gegeben werden können. Emotionen und Gedanken sind einfach nur blass und schwach.

Vom Alter her richtet sich das Buch an Leser im Alter von 9 Jahren. Durch die interaktive Handlung ist dieses Alter gut gewählt. Jüngere Kinder kennen noch nicht die Bedeutung von Entscheidungen und deren Tragweite fürs weitere Leben. Mit 9 Jahren sollte man sich damit eher beschäftigen und kann es eher verstehen. Doch selbst als 28jährige lese ich gerne solche Werke und wäre es spannender und die Enden etwas kreativer, dann würde mir das Buch deutlich besser gefallen.

Mein 8jähriger Stiefsohn hat in den letzten Tagen schon jeden Abend ein Abenteuer gelesen und freut sich auf jedes neue Abenteuer. Ist aber inzwischen schon mehrfach enttäuscht vom Ausgang gewesen. Das spricht schon für sich.

===Bewertung===
Spannung kommt genauso wenig auf, wie der Leser die Emotionen nachvollziehen kann. Viele Enden, die alles andere als originell sind, hätten von mehr guten Entscheidungen ersetzt werden müssen. Für mich nur drei Sterne.

Pro: Idee
Contra: zu wenig Entscheidungen, zu viele Schlüsse
Empfehlung: ja


Autor: Edward Packard, Titel: Die Insel der 1000 Gefahren, Verlag: Ravensburger,
Erschienen: 1996, ISBN-10: 3473520225, Seiten: 109
Alter: ab 9, Serie: Du entscheidest selbst

November 2011

==Mein Highlight 2011 – Das kommt raus, wenn Leser wählen==





===Zitierter Klappentext===
Florentine ist darum bemüht, nach einer gescheiterten Beinahe-Beziehung dem anderen Geschlecht aus dem Weg zu gehen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ob in ihrem Stammcafé, der Disko oder dem Zeichenkurs: Hinter jeder Tür lockt das vermeintliche Glück. Es umgarnt sie, schmeichelt ihr und flüstert verheißungsvolle Beschwörungen. Dabei spart es nicht mit tragischer Ironie und einladenden Fettnäpfchen, in deren Tiefen sie ein ums andere Mal zu versinken droht. Flo muss sich feigen Helden und nackten Tatsachen stellen. Sie besucht alte Ruinen, trifft obskure Schauspieler und ist dabei stets bemüht, zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. Wird es ihr am Ende gelingen, ihren realen Traummann zu finden?

===Kurz gesagt=== 
Bauchgefühle sind Kopfsache“ ist eine Geschichte wie aus dem Leben gegriffen. Pleiten, Fettnäpfchen und Missverständnisse kombiniert mit Feingefühl, Herz und einer Portion Hoffnung. Dazu ein lockerer, moderner und flüssiger Stil, der für pure weibliche Unterhaltung sorgt. Für mich fünf Sterne.


Pro: Stil, Protagonisten, Geschichte
Contra: nichts
Empfehlung: für jede Frau zwischen 20-32

Autor: Rike Reinau, Titel: Bauchgefühle sind Kopfsache, Verlag: Epidu

Erschienen: 2011, ISBN-10: 3942584123

Seiten: 264




© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt


Kellen, Erik: Dragonsoul Bd.1

==Fantasy-Fans aufgepasst==





Copyright Sarahs Bücherwelt
Mein Bruder wurde im Meer geboren. Unter den Wellen! Ich bin seine Schwester und liebte ihn von dem Moment an, als ich ihn zum ersten Mal halten durfte. Sein Blick gleicht jener Linie am Horizont, wo Himmel und Meer aufeinander treffen. Er weiß es noch immer nicht. Ich aber wusste, dass ich für ihn sterben wollte, jederzeit und überall. Und das tue ich gerade - ich sterbe! Zwei Pfeile stecken in meiner linken Seite, einer davon dreht sich noch immer gnadenlos in meine Lunge, voller Gift, und deshalb spucke ich Blut. (ZITAT. S. 9)



So beginnt der Prolog des neuen Fantasy Romans aus der Feder von Erik Kellen, und lässt den Leser auf großes Hoffen. Wie der Autor den Rest des Buches umgesetzt hat, könnt ihr nun hier nachlesen.
===Zitierter Klappentext===
Als ein steinerner Sarkophag aus den Tiefen des Nordmeeres gehoben wird, erwachen die dunklen Schatten einer uralten Vergangenheit zu neuem Leben. Das lang eingesperrte Böse greift erneut nach der Macht und bahnt sich einen Weg bis zu Nilah van Arten, einer jungen Frau aus Hamburg, deren Leben sich dabei für immer verändern wird. Aus einer Reise nach Irland wird ein Mysterium. Eine unheimliche Begegnung offenbart Nilah ein Band, das bereits lange vor ihrer Zeit geknüpft wurde. Dieses Band ist Liran, ein keltischer Krieger der legendären Fianna. Er wurde einst zu ihrem Anam Ċara erwählt und steht ihr nun als Leibwächter zur Seite.Zurück in Hamburg hat sich Nilahs alte, vertraute Welt aufgelöst. Sie gerät in einen Kampf, der über zwei Jahrtausende ruhte, nun aber umso erbitterter wieder aufgeflammt ist. Sie muss kämpfen, sie muss fliehen, sie muss unbedingt am Leben bleiben und sich der fanatischen Kraft des Bösen stellen - denn nichts Geringeres als die Schöpfung selbst steht auf dem Spiel.

===Meine Meinung===
Dragonsouls“ ist ein Fantasy-Roman der optisch ein echter Eye-Catcher ist. Der düstere Blick eines Kriegers und die zarte Frau mit dem Schiff, welches den Titel umrandet, hätten nicht besser gewählt werden können. Dieses Cover verspricht genau wie der Klappentext Spannung, Nervenkitzel und eine große Portion Fantasy. Lediglich die Beschreibung „Eine Hoffnung: Eine junge Frau aus Hamburg“ führt anfänglich zu Schmunzlern, denn irgendwie passt eine solche Protagonistin weniger ins Bild eines gelungenen Fantasy Romans.

Erik Kellen entführt seine Leser in ein magisches Abenteuer, dass nicht mit Vampiren, Werwölfen, Elfen oder Feen vollgestopft ist, wie es zur Zeit bei vielen Romanen üblich ist. Nilah, eine junge Hamburgerin, ahnt noch nicht, dass ein steinerner Sarkophag, der aus dem Nordmeer geborgen wird, ihr Leben auf den Kopf stellen wird, denn dieser Sarkophag lässt die alten Mächte erwachen und lässt das Böse, welches sich in ihm befindet wieder frei. Nilah gerät zwischen die Fronten eines unerbitterlichen Kampfes, der 2000 Jahre ruhte, um nun endlich ihren Höhepunkt zu erleben. Nilah bleibt nichts anderes übrig, als um ihr Leben zu kämpfen, denn es steht die Schöpfung auf dem Spiel, und nur sie kann dies alles verhindern.

Der Einstieg in das Buch beginnt mit einem Prolog, der den Leser in den eigentlichen Kampf 2000 Jahre zuvor entführt. Viel zu schnell wird man jedoch in die heutige Zeit zurückgeworfen. Während die Vergangenheit noch spannend war, verwirrte mich die Gegenwart eher. Es bedarf einiger Seiten und Kapitel, bis der Leser wirklich in das Geschehen hineingezogen wird. Die Verwirrtheit, die beim Lesen entstand ging nicht nur von den zahlreichen Sprüngen hervor, sondern lag hauptsächlich an dem Stil, den der Autor gebraucht. Trotz vieler Adjektive und zahlreicher Details kam bei mir nur schwerlich ein Bild von Protagonisten, Situationen oder Schauplätzen in den Kopf. Obwohl ich als gebürtige Hamburgerin sicherlich einiges erkennen sollte, kam das Erkennen oft erst im Nachhinein. Teilweise entstand bei mir das Gefühl, dass ich den Text gelesen hatte und zwei Seiten später gar nicht mehr wusste, was ich gelesen hatte. Mir fehlte einfach die Visualisierung, die Worte sonst bei mir hervorrufen. Vielleicht liegt es daran, dass teilweise einfach zu viel beschrieben werden muss und es dadurch langatmig und trotz der vielen Adjektive blass bleibt.
An diesem Punkt war ich schon kurz davor, dass Buch aus der Hand zu legen, aber zum Glück habe ich diesem Drang widerstehen können. Je mehr man liest, desto mehr lichtet sich der Nebel um das Kopfkino und die Bilder entstehen. Die Protagonisten werden verständlicher und die Handlung nimmt Gestalt an. Ab diesem Zeitpunkt, rund 80 Seiten später, baut sich in meinen Augen endlich die Spannung. Zwar ist vorher sicherlich auch genügend Action vertreten und der Autor hat von Anfang an auf Spannung gesetzt, aber mir persönlich geht gerade durch die schlechte Visualisierung am Anfang die Spannung verloren. Das mag sicherlich bei anderen Lesern nicht der Fall sein. Wer von Anfang an in die Geschichte findet, wird auch die anfängliche Spannung, die sich zum Schluss hin sichtbar steigert, spüren.

Neben der eingebauten Spannung setzt der Autor nicht nur auf Magie oder Liebe, denn die fehlt in kaum einem Buch, sondern auch auf einen angenehmen Humor, der den einen oder anderen Schmunzler hervorruft, wenn es um die Figur Tok geht.

Nachdem ich den Punkt überwunden hatte, und das Buch endlich genießen konnte, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Die Kombination aus Liebe, Humor, Magie und Action ist bis zum Schluss fesselnd. Durch den logischen Schluss, der in meinen Augen sehr gut gewählt ist, bekommt der Leser Lust auf mehr. Da schon der Klappentext aufklärt, dass es sich um Band 1 handelt, stellt sich nun die Frage, wann der Leser in den Genuss des nächsten Bandes kommen wird. Hier bleibt stark zu hoffen, dass der Einstieg diesmal gleich gelingt.

Auch die innere Gestaltung des Buches finde ich sehr ansprechend. Kurze Kapitel und kleine Zeichnung, wie es der Leser schon vom Cover her kennt, bieten kurze Ruhepole oder gute Unterbrechungen, wenn man, wie ich, nicht an einem Stück lesen kann.

Lediglich das Buchformat finde an der Gestaltung etwas negativ, da es einfach sehr unhandlich ist, wenn man nur eine Hand zum Halten des Buches frei hat. Aber ohne dieses übergroße Format, hätte das Taschenbuch auch doppelt so viele Seiten gehabt, und wäre mit deutlich höheren Druckkosten verbunden gewesen.

Im Großen und Ganzen ist Erik Kellen ein Fantasy Roman gelungen, der zumindest bei mir nicht sofort auf Jubelschreie stieß. Die Protagonistin Nilah war mir lange Zeit fremd, Beschreibungen zu langatmig und blass, und manche Dinge waren so belanglos formuliert, dass man ganz vergaß, was man gerade gelesen hatte. Nichtsdestotrotz schaffte es der Autor auch mich letzten Endes von diesem Buch zu überzeugen, denn nach 80 Seiten beginnt man schlagartig in die Handlung zu kommen, Beschreibungen nehmen Formen an und die Spannung, die am Anfang noch untergeht, kommt endlich zum Vorschein, und hat ihren Höhepunkt am Schluss erreicht, wobei zahlreiche actionreiche Szenen zwischendurch ebenfalls viel Freude bereiten.
Bei einem so komplexen Fantasy-Roman kann man gerne über den schweren Einstieg hinwegsehen, denn Protagonisten müssen eingeführt werden, und manchmal bedarf dies alles eben ein paar Seiten mehr.

===Bewertung===
Dragonsoul – Die Rückkehr des Kriegers“ ist ein Fantasy-Roman, der trotz eines gewöhnungsbedürftigen und teilweise schwächelnden Einstiegs, noch zu Höchstformen anläuft. Für einen ersten Band, der zum Schluss voller Spannung und Action steckt, kann man nur hoffen, dass der zweite Teil dort weitermacht, wo der erste aufgehört hat. Mir ist dieser drei Sterne wert, da der Anfang definitiv für mich zu schwach war.


Pro: Schluss, Spannung, Action, Idee
Contra: Die ersten 80 Seiten
Empfehlung: Ja, wenn die ersten 80 Seiten akzeptiert werden



Autor: Erik Kellen, Titel: Dragonsoul, Verlag: BoD, Erschienen: 2011

ISBN-10: 3842382367, Seiten: 268

Kosten: 14,90€





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