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Delphine MinouiIch, Nojoud, zehn Jahre, geschieden



==Im Alter von 10 Jahren schon geschieden==




Dass man mir zuhört, nur das eine Mal! Aber es ist, als sei ich unsichtbar. Keiner sieht mich. Ich bin zu klein für sie. Ich reiche ihnen gerade bis zur Hüfte. Ich bin erst zehn Jahre alt, vielleicht noch nicht mal, wer weiß? Das Gericht hatte ich mir anders vorgestellt, eher als einen ruhigen, sauberen Ort. Ein großes Haus, wo das Gute gegen das Böse siegt, wo alle Probleme der Welt gelöst werden. (Zitat S. 6/7)


Dieses Zitat stammt aus einer Teilbiographie, die mir meine Mutter vor einigen Monaten schenkte. Nachdem ich es nun gelesen habe, möchte ich es euch vorstellen. Damit ihr in die richtige Stimmung kommt, habe ich ein Zitat gewählt, welches euch zeigen soll, wie jung und kindlich dieses Mädchen noch ist, welches in diesem Buch ihr Leben schildert.
 



Verkauft, verheiratet, geschieden - ein kleines Mädchen befreit sich aus einer Zwangsehe Nojoud ist noch ein Kind, als ihre Eltern sie mit einem Mann verheiraten, der dreimal so alt ist wie sie. Für die Zehnjährige aus dem Jemen bedeutet das das plötzliche Ende ihrer unbeschwerten Kindheit - und den Beginn einer qualvollen Zeit. Doch Nojoud gibt nicht auf. Sie sucht Zuflucht im Gericht und beschließt, für ihre Rechte zu kämpfen. Mit der Hilfe ihrer Anwältin gelingt Nojoud schließlich das Unmögliche: Ihre Zwangsehe wird geschieden, sie darf endlich wieder ein ganz normales Kind sein. Ihre Geschichte ging um die Welt - nun meldet sich Nojoud selbst zu Wort. (Quelle: Klappentext)


===Sarahs Meinung===
Ich, Nojoud, zehn Jahre, geschieden“ ist ein Titel, der im Grunde schon alles sagt, was es über den Inhalt dieses Buches zu wissen gibt. Der Leser begleitet Nojoud, ein zehn Jahre altes Mädchen durch die Tage ihrer Kindheit bis zu ihrer Scheidung. Im Alter von zehn Jahren wird sie mit einem Mann verheiratet, der ihr das Leben zur Hölle macht. Er schlägt sie, missbraucht sie und behandelt sie wie eine richtige Frau und nicht wie ein kleines Mädchen. Doch Nojoud will s ich nicht wie andere Frauen und Mädchen damit abfinden. Sie flieht und geht vor Gericht, um eine Scheidung zu erwirken, denn rechtlich gesehen ist diese Zwangsehe nicht gültig, da Nojoud noch gar nicht heiratsfähigen Alter ist.

Solche Schicksale sind im Jemen und anderen Ländern nicht gerade selten. Aus diesem Grund ist es auch nicht gerade selten, wenn mit den eigenen Geschichten Geld gemacht wird. In diesem Fall hat sich eine Journalistin entschlossen dieses Schicksal zu veröffentlichen und den Erlös aus den Verkäufen für das Studium des betroffenen Mädchens zu sammeln. Wie man jedoch im Internet lesen kann, kommt das Geld dort gar nicht an. Davon abgesehen ist es ein durchaus übliches Schicksal und wird viele Menschen bewegen, berühren und in Wut versetzen.

Die Geschichte von Nojoud ist jedoch etwas Besonderes, denn dieses Mädchen ist zehn Jahre alt und gehört mit zu den jüngsten Scheidungskandidaten, die es im Jemen gibt. Es soll ein Aufruf sein, dass auch andere ihrem Beispiel folgen und sich nicht ihrem Schicksal ergeben. Genau dies sprach mich bei diesem Buch so an, denn gerade junge Mädchen ergeben sich oft jahrelang diesem Schicksal, bevor sie die Flucht schaffen.

Das Buch beginnt in einem kindlichen, aber reifen Stil, der perfekt zu diesem Mädchen passt. Es zeigt, dass sie eigentlich noch ein Kind ist, jedoch schon so viel erlebt hat, dass sie schon deutlich reifer für ihr Alter ist, als sie sein sollte. Man begleitet dieses kleine Mädchen auf ihren Weg zum Gericht. In kurzen Rückblenden erfährt man nun ihre Geschichte. Warum ihre Eltern aus dem Dorf ihrer Kindheit weggehen mussten, was mit ihrer Schwester Mona passierte, warum sie heiraten musste und vor allen Dingen was danach geschah. Und genau mit dieser Frage kam ich an einen Punkt, der mich doch etwas gespalten hat. Einerseits finde ich es bemerkenswert, dass dieses Mädchen nicht eine Sekunde ihr Schicksal akzeptiert hat, sondern in jeder Minute ihrer Ehe alles versucht hat, um dieser zu entkommen. Auf der anderen Seite sehe ich Schicksale, wo Mädchen diese Qualen über Jahre hinnehmen müssen, bevor sie den Absprung schaffen, wenn überhaupt. Zwei Monate Ehe, die sie hauptsächlich bei ihren Eltern verbringt. Wäre nicht dieser andere Blickwinkel, ich würde es lächerlich finden. Aber wie eingangs gesagt, finde ich es gut, denn so wird anderen Mädchen gezeigt, dass auch sie es keine Sekunde akzeptieren müssen. Und das ist die Kernaussage, die das Buch zu etwas Besonderem macht.

Lediglich die Tatsache, dass schon recht früh die Scheidung bekannt gegeben wird, finde ich schade, denn danach geht es nur noch um die Ehre der Familie, die Rückkehr des Bruders und ihre neue Schulzeit. Es ist sicherlich interessant, aber mir ist dies zu ausführlich. Das Buch hat 192 Seiten, wobei nach ca. 150 Seiten die Scheidung durch ist. Ihre Ehe selbst wird auf ungefähr 30 Seiten beschrieben. Dass der Schlussteil nun auch so lang ist, ist verglichen zur Ehe einfach zu lang. Dazu kommt noch ein langes Nachwort der Autorin.

Sachlich und trotzdem emotional berichtet das Mädchen über ihr Schicksal. Sie geht nicht ins kleinste Detail und doch kann der Leser jede einzelne Qual am eigenen Körper fühlen. Vom Stil her ist es wirklich angenehm und anschaulich. Unterstützt wird das Ganze von zahlreichen Zeichnungen und Bildern, die jedoch schlecht beschriftet wurden, denn ich fragte mich immer, ob diese vor der Ehe oder danach entstanden sind.

Im Großen und Ganzen verdient dieses Buch jede erdenkliche Aufmerksamkeit, damit andere Mädchen aufgerüttelt werden, aber neuere Täter, wie ich die Väter und die Ehemänner nennen würde, abgeschreckt werden. Dass das Geld nicht an die richtige Stelle kommt, kann man sich schon vorher denken, denn das ist doch meistens der Fall. Trotzdem kann ich das Buch empfehlen, denn es ist etwas Besonderes.


===Sarahs Fazit===
Ich, Nojoud, zehn Jahre, geschieden“ ist ein Buch, dass dem Versuch, etwas im Jemen und anderen Ländern, wo Kinder verheiratet werden, zu ändern, absolut gerecht wird. Nojoud zeigt, dass man keine Sekunde sein Schicksal ertragen muss. Bemerkenswert, kindlich und ergreifend. Von mir gibt es vier Sterne.

Pro: Thematik, Umsetzung
Contra: zu langer Schluss
Empfehlung: Ja

Autor: Delphine Minoui, Titel: Ich, Nojoud, zehn Jahre, geschieden

Originaltitel: Divorcée à dix ans, Verlag: Knaur

Erschienen: 2010, ISBN-10: 3426654709

ISBN-13: 9783426654705, Seiten: 192

Kosten: 10,31€



© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt


Kommentare

  1. Hallo Sarah!

    Damit du im Lostopf landen kannst, musst du das Kommentar mit deiner Adresse auch noch über das Kontaktformular absenden: http://claudias-buecherregal.blogspot.com/2012/01/gewinnspiel-1-bloggeburtstag-tag-2.html

    LG Claudia

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