Ricarda Jordan: Der Eid der Kreuzritterin

WORUM GEHTS 


1206 in Deutschland: Konstanze, die über Visionen des Herrn verfügt, wird von ihrem Vater in ein Kloster gebracht, da sie mit diesen Visionen nicht verheiratet werden kann. Zeitgleich wird Gisela im Alter von 8 Jahren auf einen Minnehof gebracht, um die weibliche Erziehung zu genießen, die ohne Mutter zu Hause nicht möglich wären.

1212: Konstanze hat sich mit ihrem Leben im Kloster noch immer nicht abgefunden. Als sie von den Kreuzzügen hört, sieht sie ihre Chance und schließt sich diesem an, um endlich frei zu sein. Gisela hingegen soll endlich verheiratet werden. Obwohl sie sich am Minnehof verliebt hat, nimmt sie das Arrangement ihres Vaters hin, bis sie erfährt, dass es der alte Freund ihres Vaters ist, der nicht nur übergewichtig und brutal ist, sondern auch schon zahlreiche Frauen zu Grabe getragen hat. Gisela kann und will diesen Mann nicht heiraten. Statt ihrem Vater davon zu unterrichten haut sie zusammen mit ihrem, seit Kindertagen befreundeten, Knecht, und ihrer Aufpasserin ab, und schließt sich ebenfalls den Kreuzzügen an. Dort lernen sich Konstanze und Gisela kennen, und treten die Reise gemeinsam an. Dieser Truppe schließt sich Armand, ein junger Ritter, der sich auf Grund eines geheimen Auftrages den Kinder-Kreuzzügen anschließt, Magdalena, ein kleines Mädchen, dass von ihrem Vater als Prostituierte Geld beschaffen sollte, und Malik, der Sohn des Sultans. Zusammen meistern sie so manches Abenteuer, und kommen einer schweren Verschwörung auf die Spur. Zeitgleich bahnen sich zarte Liebesgeschichten zwischen den einzelnen Figuren an, die noch jede Menge ärger mit sich bringen.
Kinder-Kreuzzüge nach Jerusalem spannend und farbenfroh verpackt

SARAHS MEINUNG


Seit „Wolfgang Hohlbeins – Die Templerin“ bin ich begeistert von Kreuzzügen, Tempelrittern bei denen Frauen eine tragende Rolle spielen. In diesem Fall hat sich die Bestseller-Autorin Sarah Lark, die sonst eher für ihre Neuseeland-Schmöker bekannt ist, ausgiebig mit den Kreuzzügen von Kindern 1212 beschäftigt. Dabei setzt die Autorin auf Informationen des Umstrittenen Historikers Thomas Ritter. Ausführlich geht sie auf den Jungen Nikolas, dem rund 30.000 Kinder aus ganz Deutschland nach Jerusalem gefolgt sind. In dem Glauben, dass sich ihnen das Wasser wie bei Moses teilt und ihre Gebete die Heiden vom Christentum überzeugen, folgen sie ihm. Es ist eine Hoffnung, denn sonst haben zahlreiche Kinder nichts.

Um der Geschichte etwas Abwechslung zu bieten, hat sich Ricarda Jordan entschieden vier unterschiedliche Protagonisten einzubauen. Dadurch ist für jeden Leser mindestens eine Figur enthalten, mit der er sich identifizieren kann. Konstanze, die als Außenseiterin einerseits stark und doch schüchtern ist; Gisela, die freche Adlige, die weiß, wie man mit Männern flirtet; Armand, der geheimnisvolle und bezaubernde Mann; und Malik, der südländische, romantische Märchenprinz. So verschieden, wie ihre Herkunft oder Charakterzüge, so gleich ist ihr Zusammenhalt.
Anschaulich lässt die Autorin die einzelnen Schicksale sich langsam entfalten, um sie im Verlauf zusammenzuführen. Durch die Perspektiv-Wechsel auf den ersten Seiten, gelingt ihr dies ausnahmslos gut. Es ist ein gelungener Einsteig, denn dadurch bekommt der Leser die Möglichkeit ohne Probleme ein abgerundetes Bild jeder einzelnen Person zu bekommen. Meinungen, Gedanken und Handlungen werden dadurch klar verständlich und nachvollziehbar.

Die Reise versucht sie mit all ihren Strapazen  einzufangen, lässt dabei jedoch die Protagonisten nur bedingt leiden. Während zahlreiche andere Kinder erfrieren, zusammenbrechen, hungern oder jeden Kilometer zu Fuß zurücklegen, lässt sie die Hauptfiguren hoch zu Ross sitzen, wenn auch mit ermüdeten Kindern vor und hinter sich. Zeitgleich sorgt die Mitgift von Gisela dafür, dass nie groß Hunger entsteht, und ist es doch mal knapp, gibt es etwas zum Fischen in der Nähe. Die wirklichen Strapazen werden nur bei den anderen Nebendarstellern sichtbar und gehen in meinen Augen unter.


Konstanze dachte, dass Giselas Geld nicht allzu lange reichen würde, wenn sie weiter so großzügig damit umging. Schon jetzt scharten sich rund fünfzehn Kinder um die kleine Adelige. (Zitat S. 168)


Die Emotionen kann Ricarda Jordan hingegen perfekt festhalten. Die anfängliche Euphorie, die späteren Zweifel, all das ist authentisch. Die Hoffnung, die Enttäuschung und Ängste, sie sind regelrecht greifbar.

Dies in Kombination mit dem lebendigen Stil, der das Mittelalter aufleben lässt, nicht altertümlich wirkt. Stattdessen verwendet sie eine moderne Sprache, die den Leser die gesellschaftlichen Schichten, die Schauplätze und die komplette Situation 1212 erstklassig nachvollziehen lässt. Kreativ und flüssig achtet sie auf eine wunderbare Satzlänge, einfach, aber bildhafte Worte, und die Vermeidung von Wiederholungen.
Die Seiten fliegen dahin. Doch mit zunehmender Seitenzahl bekommt der Leser das Gefühl, dass es einfach zu lang wird. Mir persönlich hätte es gereicht, wenn die Autorin die Kreuzzüge in Genua hätte enden lassen, und nicht immer noch eine Etappe drauf gesetzt hätte. Dadurch zieht es sich leicht in die Länge. Um den Leser jedoch nicht zu langweilen, setzt sie auf einen Komplott, der im Ansatz sehr interessant ist.
Zielorientiert kommt auch Ricarda Jordan zum Ende ihres Werkes. Und damit konnte sie mich überhaupt nicht überzeugen. Keine Überraschung, vorhersehbar seit vielen Seiten, hätte man sich doch eine kleine Wendung gewünscht.

Leicht lesbar wie Hohlbeins Buch macht die Geschichte, um die vier Abenteurer doch kleiner Schwächen Spaß. Mehr Strapazen seitens der Protagonisten und ein etwas überraschender Schluss, und das Buch hätte mich rund um überzeugt.



Autor: Ricarda Jordan

Titel: Der Eid der Kreuzritterin

Verlag: Bastei Lübbe

Erschienen: 2010

ISBN-10: 3404164806

ISBN-13: 9783404164806

Seiten: 544

Kosten: 8,99€


===Leseinformationen===

Genre: historischer Roman

Niveau: leicht

Leserschaft: Fans von historischen Romanen mit Liebesansatz

Lesedauer: 3 Tage

LESEPROBE GEFÄLLIG, DIE GIBTS HIER

© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt

Verwendete Zitate werden ausgewählt und eingebaut um den Stil, Spannungsanteil, Detailreichtum oder ähnliches aufzuzeigen. Sie gehören nach wie vor dem rechtlichen Eigentümer und dienen lediglich der Unterstützung meiner Rezension.



Gerrit Fischer: Adria-Express

WORUM GEHTS 

Copyright Autor
Tim, 18 Jahre alt, ist an einem Punkt, wo er mit seinem Leben nicht mehr zufrieden ist. Es sind Dinge in den letzten Tagen, Wochen und Monaten passiert, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben. In seiner Not macht er das, was viele Menschen schon einmal in ihrem Kopf durchgespielt haben. Er setzt sich in einen x-beliebigen Zug und fährt ohne Ziel und Plan drauf los. Als er auf diese Art und Weise in München landet, sorgt das Schicksal dafür, dass er auf eine Gruppe von Backpackern trifft. Sie sind auf den Weg gen Süden. Tim fasziniert diese Idee des Interrailers und schließt sich kurzer Hand der Gruppe an. Auf seiner Reise erfährt er viel über sich, den Sinn des Lebens, trifft neue Freude und erlebt spannende, traurige und lustige Abenteuer.

Unterhaltsame, tiefgründige und spannende Reise eines jungen Erwachsenen zu sich selbst. 


SARAHS MEINUNG 

Jeder im Leben hatte schon mal eine Situation, wo er am Liebsten einfach irgendwo eingestiegen, und einfach ohne Ziel losgefahren wäre. Egal ob mit der Bahn, dem Auto oder gar dem Flugzeug, einfach dem Straßenverlauf oder einem bestimmten Gleis folgen, sich treiben lassen und schauen, wo man landet.

Diesen Gedanken hat sich Gerrit Fischer zu Nutzen gemacht und dabei seine Erfahrungen, die er in den 90er Jahren auf zahlreichen Bahnreisen mit Freunden in Richtung Süden, mit eingebaut.

In der Ich-Perspektive  begleitet der Leser den jugendlichen Tim auf seiner Reise. Eine Reise zum Sinn des Lebens. Tim wird den Lesern als antriebslos, verzweifelt und hilfebedürftig dargestellt. Er ist an einem Punkt in seinem Leben angekommen, wo er seine Träume aufgibt, und die kalte Realität erblickt. Mit dieser kommt er jedoch nicht klar. Es ist eine Situation, wie man sie vielleicht selbst kennt. Und selbst wenn dies nicht der Fall ist, kann man sie trotzdem nachvollziehen, denn Gerrit Fischer gelingt es durch die richtige Wortwahl ein klares, emotionales und tiefgründiges Bild entstehen zu lassen. Diese Liebe für seine Hauptfigur kommt auch bei den anderen Nebenrollen zum Vorschein. Ich hatte ganz oft das Gefühl, dass es sich um reale Figuren handelt, so greifbar und authentisch wurden sie dargestellt.

Alles erscheint sinnlos. Anstrengend. Ziellos. Planlos. Leer. Ich fühlte mich wie eine Flipperkugel. Immer in Bewegung, die Richtung fremdbestimmt, von einem harten Anschlag zum nächsten harten Aufprall geschossen. (Zitat S. 6)

Doch nicht nur bei den Charakteren, sondern auch bei den Schauplätzen und Begebenheiten ist der Stil ein wahrer Genuss. Leicht, plastisch und verträumt schildert er Ortschaften, sodass man sie direkt vor seinem inneren Auge sieht und davon träumen kann. Mitreißen, kräftig und zart hingegen sind die Situationen. An Hand dieser Beschreibungen wurde mir sofort klar, warum dieser Autor schon in der ersten Klasse von seiner Deutsch-Lehrerkraft, für seine Schreib- und Stilsicherheit gelobt wurde. Im fliegen die Worte nur so zu. Es ist eine Freude diese Wortgewandtheit miterleben zu dürfen.

Neben dem Stil kommt auch der Inhalt nicht zu kurz. Spannende Momente werden von lustigen Situationen abgelöst. Kleine Anekdoten, neue Kontakte oder interessante Begebenheiten sorgen für eine gute Abwechslung, sodass in meinen Augen keine Langweile aufkommt. Zeitgleich vergiss Gerrit Fischer die Grundidee nicht. Tiefgründig, Gefühlvoll und zum Nachdenken anregend befasst er sich mit dem Sinn des Lebens, dem Träumen und den Zielen, die man haben sollte.

Gerrit Fischer bezeichnet das vorliegende Werk als Jugendbuch. Ich selbst würde es in die zeitgenössische Literatur einordnen. Der Protagonist ist zwar 18, und Interrailer ist ein Thema, dass gerade junge Leser interessiert, aber durch die Grundidee ist es nicht unbedingt eine Umsetzung die Jugendliche begeistern wird. Trotzdem will ich damit nicht sagen, dass nicht auch Leser ab 16 oder gar ab 14 das Buch lesen können. Im Gegenteil, es eignet sich idealerweise für den Deutschunterricht ab der 9 Klasse. Die stilistischen Mittel, der Inhalt und die Umsetzung bieten nicht nur genügend Material im „Deutsch-Sinn“, sondern auch zum Diskutieren.

Unterhaltsam ist dieser Roman definitiv, aber als leichte Sommerlektüre, würde ich ihn nicht empfehlen. Da muss ich der Mittelhessischen Anzeigen Zeitung widersprechen. Oberflächlich gesehen ist es ein leichtes Thema, aber liest man zwischen den Zeilen, dann ist es tiefsinnig. Und genau diese Kombination macht das Buch so lesenswert. Vergesst den Verlag, denn der Autor kann definitiv überzeugen.

Autor: Gerrit Fischer Titel: Ardira-Express Verlag: BoD Erschienen: 2. Auflage 2011
ISBN-10: 3842329970 ISBN-13: 9783842329973
Seiten: 228 Kosten: 12,90€

===Leseinformationen===
Genre: Belletristik
Niveau: mittel
Leserschaft: von jung bis alt
Lesedauer: 2 Tage

Wer mag, kann hier einen Blick ins Buch werfen!

Mein Dank geht an Gerrit Fischer!


Buchzuwachs

Auch heute durfte sich mein Buchregal über zwei weitere Exemplare freuen. Die Rezension folgt, sobald sie gelesen sind, aber vielleicht ist ja jetzt schon eins für euch von Interesse..




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Gerrit Fischer - Adria Express 
Copyright Autor

Der 18jährige Tim kommt mit seinem Leben nicht mehr zurecht. Zu viel ist passiert in den letzten Monaten. Verzweifelt bricht er aus seinem Alltag aus, setzt sich in den nächstbesten Zug und lässt sich ohne Ziel treiben.

 Er strandet am Münchner Hauptbahnhof, wo er eine Gruppe Backpacker trifft, die als Interrailer mit der Bahn durch den Süden reist. Er schließt sich ihnen an und erlebt eine Welt, die ihm bisher verborgen geblieben ist mit vielen interessanten Bekanntschaften, spannenden Abenteuern, traurigen und heiteren Erlebnissen. Irgendwann wird ihm klar, was ihm wirklich wichtig im Leben ist.


ISBN 978-3-8423-2997-3, Paperback, 228 Seiten, 12,90€



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Miriam Frankovic - Einwegmänner




Die 40-jährige Lisa jobbt als Castingagentin bei der Telenovela Aller Tage Abend. Wie die meisten Frauen bei 7soap film schwärmt sie für den attraktiven Serienstar Hanno. Was Männer angeht, schliddert Lisa allerdings von einem Desaster ins nächste. Auch ihren Freundinnen Marlene und Fabienne ergeht es nicht viel besser. Als Lisa beschließt, der Liebe ein für alle Mal abzuschwören, geschieht etwas, womit sie nicht gerechnet hat.




Shaker Media; Auflage: 1. (6. Mai 2011), 216 Seiten,
3868586474, 15,90€

Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer

WORUM GEHTS 

In Gerzenstein, einem in jeder Hinsicht gewöhnlichen Schweizer Dorf, hat der Wachtmeister den Mord an dem Vertreter Witschi aufzuklären. Von Beginn an spürt er, daß fast alle Menschen, mit denen er in Berührung kommt, über die Hintergründe des Verbrechens informiert sind, dessen Aufklärung jedoch aus undurchsichtigen Motiven hintertreiben. Als Verdächtiger sitzt ein bereits vorbestrafter Gärtnergehilfe in Haft, der für Studer als Täter jedoch nicht in Frage kommt, eine Annahme, für die sich bald Indizien finden. Dennoch erklärt der Untersuchungsrichter die Ermittlungen für abgeschlossen. (Quelle: Amazon.de)

Wer Studer nicht kennt, hat den perfekten Krimi verpennt! 


SARAHS MEINUNG 

Ich liebe Krimis. Besonders die alten roten Klassiker des Goldmann Verlages, wie ich sie in den 90er Jahren in der Bücherei ausleihen konnte. Dieser alte Klassiker, der schon 1936 geschrieben wurde, ließ hoffen, dass ich wieder auf so ein Buch gestoßen bin.

Der Anfangwar schon mehr als vielversprechend. Ein charakterstarker Wachtmeister, ein Täter, der kein wirkliches Motiv hat und altmodische Ermittlungsarbeiten vor Ort. Das ist genau nach meinem Geschmack. Für mich der perfekte Krimi.

Besonders der Protagonist Studer hat es mir angetan. Kurz und knapp eingeführt, erobert er jedoch binnen weniger Seiten das Herz des Lesers. Dafür sorgt sein einmaliger Charme, sein trockener Humor, seine merkwürdigen Ermittlungsarbeiten und seine logischen Gedankengänge. Obwohl ich den Film nie gesehen habe, hatte ich ein perfektes Bild des Ermittlers vor meinen Augen. Leider sind die Beschreibungen der anderen Figuren ebenfalls sehr spärlich. Sie reichen aus, um ein zufriedenstellendes Bild zu bekommen, jedoch geht es in meinen Augen nicht genug in die Tiefe. Ich persönlich bekam nie das Gefühl als wären Schlumpfi oder Sonja Bekannte. Trotzdem war dies eine kleine Schwäche, die mich nicht sonderlich störte. Andere Autoren schaffen nicht mal die Hauptfigur lebendig erscheinen zu lassen. Mit der gelungenen Handlung ist dieses Manko sofort überbrückt.

Damit wären wir beim Stil, und dieser ruiniert den perfekten Krimi. Der Autor legt einen teilweise abgehackten Satzbau, der sich oft durch … zeigt, an den Tag. Damit könnte ich noch leben. Dazu wird jedoch ständig die wörtliche Rede gewechselt. In Kombination mit einigen schweizerischen Begriffen, wie zum Beispiel „Büetz“ oder „Meitschi“ fand ich es mühsam. Entweder ein Stil den man mag oder eben nicht. Auf die Länge des Buches fand ich den Lesefluss gehemmt.

Nur weiter, nur weiter... Ich höre schon zu...“ - Es scheine nicht, meinte Murmann, über was denn Studer so tief nachgedacht habe? - Er werde es ihm später sagen. Murmann solle jetzt die beiden Tage schildern, die Entdeckung der Leiche, die Untersuchung, die Flucht des Schlumpf... (Zitat S. 96)


Nichtsdestotrotz ist es ein Krimi der den Leser zum Mitratenanimieren wird. Man wird auf falsche Fährten gelockt und mit überraschenden Wendungen, kleinen Hinweisen dem Ziel etwas näher gebracht, um kurz darauf wieder am Anfang zu stehen. Nach und nach jedoch setzt sich ein Bild zusammen, dass mich am Ende richtig liegen ließ. Spannende Ermittlungsarbeit, wie ich es nennen würde. Spannung selbst kommt nur durch Studers Denkansätze und die Ermittlung selbst auf. Es ist eine angenehme Spannung, die im Verleich zu heutigen Krimis nicht auf Blut, Gewalt und Gefahr setzen.

Abgerundet wird dieser Krimi durch den gekonnten Schluss. Wie oben erwähnt bin ich oft auf die falsche Gefährt gelockt worden, und erst ganz zum Schluss wusste ich, worauf der Autor hinaus wollte. Genauso stelle ich mir den perfekten Schluss eines Krimis vor. Nicht vorhersehbar, logisch und konsequent.

Wer jetzt Bedenken hat, dass ein Krimi aus dem Jahre 1936 an Aktualität und Reiz verloren hat, dem sei gesagt, dies ist nicht der Fall. Auch nach all den Jahren noch Weltklasse. Trotz des Stils bin ich begeistert und kann das Werk nur jedem empfehlen.




Autor: Friedrich Glauser
Titel: Wachtmeister Studer
Verlag: Diogenes
Erschienen: 1989
ISBN-10: 3257217331
ISBN-13: 9783257217339
Seiten: 256
Kosten: 8,90€
Serie: Wachtmeister Studer

===Leseinformationen===
Genre: Krimi
Niveau: durchschnittlich
Leserschaft: Erwachsene Krimifans
Lesedauer: 3 Stunden

Roald Dahl: Charlie und die Schokoladenfabrik

WORUM GEHTS 

Willy Wonkas Erfindungen sind einfach unglaublich: Leucht-Lutscher für die Nacht, Karamellen für Zahnlöcher, Zungenleim für geschwätzige Eltern ... Doch niemand hat Willy Wonka je zu Gesicht bekommen oder einen Blick in seine Schokoladenfabrik werfen können. Als Charlie eine der fünf goldenen Eintrittskarten findet, kann er sein Glück kaum fassen. Er erlebt einen unvergesslichen Tag voller Abenteuer, von denen er niemals auch nur zu träumen gewagt hätte! (Quelle:Klappentext)

Ein Muss für Schoko-Liebhaber jeder Altersklasse..

Pro: Stil, Bilder, Umsetzung, Lehrgehalt

Contra: Nix

Empfehlung: 100% 

SARAHS MEINUNG 

Von Roald Dahl habe ich in meiner Kindheit das eine oder andere Buch gelesen und war stets begeistert. Das auch der Kinder-Kult „Charlie und die Schokoladenfabrik“ von ihm ist, wusste ich nicht. Oft gesehen, immer für klasse befunden und landete es auf Grund eines Wichtel-Spiels sogar als Buch in meiner Hand. Leider bin ich bei solchen Büchern oft enttäuscht. Oft sind die Bücher um Längen besser, aber bei diesem klasse umgesetzten Film in der Star-Besetzung, konnte ich mir nicht vorstellen, dass auf 160 Seiten das Buch ebenfalls überzeugen könne.



Obwohl ich selbst nicht zur Zielgruppe gehöre, lese ich als Mutter von zwei Kindern immer gerne Kinderbücher. Das ist seit meiner Kindheit hängen geblieben. Es ist eine leichte Unterhaltung, die lehrreich zugleich ist und von den oft schweren Büchern ablenkt.



In diesem Fall wird der Leser gekonnt in das Leben von Charlie und seiner Familie eingeführt. Bilder, aber auch der detaillierte Kopfkino-Stilsorgen für eine lebendige Darstellung. Man konnte regelrecht den Hunger und die Kälte in dem kleinen Holzhaus spüren. Gerade wenn man den Film kennt, wird man erkennen, wie erstklassig dieser auf das Buch abgestimmt ist. Ideal für die jungen Leser sind kurze, klare Sätze ohne schwere Worte, Verschachtelungen oder ähnliches. Leicht verständlich auch für Lese-Anfänger.



Um sich damit nicht zu lange aufzuhalten geht es schnell über in die eindrucksvollen Beschreibungen der restlichen vier Auserwählten. Es sind abschreckende Beispiele von unmöglich verzogenen Kindern, wo sich jedes Elternteil nur wünscht, dass das eigene Kind nicht so wird. Für Kinder lehrreich, denn sie lernen negative Charakterzüge kennen, und später welche Folgen dies haben kann. Übertriebene Folgen, aber bei den jungen Lesern ist diese Übertreibung als Abschreckung sicherlich nicht verkehrt. Zudem wird zum Ende hin aufgezeigt, dass es sich immer lohnt artig, wohlerzogen und freundlich zu sein.

Augustus sei vorsichtig! Du lehnst dich zu weit rüber!“ rief Herr Glupsch, und damit hatte er völlig recht. Plötzlich ertönte ein Schrei, dann ein lautes Platsch, und Augustus Glupsch verschwand kopfüber in der braunen Masse. (Zitat S. 77)

Die Reise durch die Schokoladenfabrik ist ein einmaliges Erlebnis. Farbenfroh und auch ohne Filmkenntnissekönnte man sich alles perfekt vorstellen. Besonders die langen Gesänge der Umpa-Lumpa sind eindrucksvoll und animieren Kinder sie mitzusingen oder gar auswendig zu lernen. Es ist deutlich wie sehr der Film an das Buch anlehnt und wie hervorragend Johnny Depp als Willy Wonka alles umgesetzt hat, und trotzdem gibt es kleine Unterschiede. Im Film gibt es zum Beispiel die Erweiterung, warum Willy Wonka so wurde, wie er ist. Im Buch wird dies gar nicht erwähnt, was ich persönlich schade finde, denn dies ist sicherlich interessant.



Besonders gut finde ich den Aufbau des Buches. Kurze Kapitel harmonieren perfekt mit den zahlreichen Zeichnungen. Diese unterstützen das Lesen und das Kopfkino ungemein.



Dieses Buch eignet sich in meinen Augen perfekt für Schulkinder. Zum Vorlesen oder als Buchvorstellung oder Gemeinsames Lesen. Es ist lehrreich, einfach und verständlich und bietet in meinen Augen genügend Platz für Diskussionen und Fragerunden. Aus diesem Grund kann ich das neumodische Märchen, wie ich es gerne bezeichne, jedem empfehlen.




===Leseinformationen===

Genre: Kinderbuch

Niveau: trivial

Leserschaft: Kinder ab 8

Lesedauer: 2 Stunden

Autor: Roald Dahl

Titel: Charlie und die Schokoladenfabrik

Verlag: rororo

Erschienen: 13. Auflage 2003

ISBN-10: 3499212110

ISBN-13: 9783499212116

Seiten: 160

Kosten: 6,95€





Christopher Ross: Jenseits der großen Stille


Frank hat inzwischen den Beruf als Mountie an den Nagel gehangen und arbeitet, wie Clarissas erster Mann, als Buschflieger. Als er nach einem schweren Absturz ins Koma fällt, muss Clarissa für die Kosten aufkommen. Sie entscheidet sich, als die Versicherung sich weigert zu zahlen, selbst Buschfliegerin zu werden. In einem Crash-Kurs absolviert sie ihre Ausbildung und muss nur noch den kommerziellen Schein machen. Doch da bringt sich ihr Lehrer mit seiner Maschine um. Sie und Mike, der Mechaniker, übernehmen das Unternehmen und unternehmen auch privat viel miteinander. Es sind Unternehmungen, die bei Mike Gefühle hervorrufen, und auch bei Clarissa geht dies nicht spurlos vorbei. Im Hinterkopf ist jedoch immer ihr Mann Frank, den sie nicht aufgeben kann. Nach einem Kuss kommt ihre Welt ins Wanken, und dann muss Mike auch noch gegen Japan in den Krieg ziehen.

Schwache Fortsetzung auf Grund mangelnder Neuheiten.

SARAHS MEINUNG 

Jenseits der großen Stille“ ist die Fortsetzung des Abenteuer-Romans „Hinter dem weißen Horizont“. Dort hat Clarissa Frank kennen und lieben gelernt. Wie es mit dem Paar weitergeht, soll der Leser nun in diesem Roman erfahren. Der erste Teil hat mir bis auf einen mysterischen Wolfshund recht gut gefallen. Stilistisch, inhaltlich und spannungstechnisch einwandfrei. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Der Einstieg des Buches beginnt mit dem Flugzeugabsturz von Frank, sodass die Neugierde des Alt-Leser sofort geweckt ist. Wieso ist Frank kein Mountie mehr, sondern Buschpilot? Wenige Seiten später wird dies per Rückblende mehr als ausführlich erklärt. Für Quereinsteigerwird in wenigen Worten die Geschichte des ersten Teils noch einmal erzählt, sodass die Figuren auch für diesen Leser verständlich sind.

Die Protagonisten  waren mir wieder komplett vertraut, obwohl das Buch an einem anderen Schauplatz spielt, und zahlreiche neue Gesichter vorhanden sind. Jede neue Figur wird genauso liebevoll eingeführt, wie die Hauptfiguren im ersten Teil. Nun erwartet man, dass der Autor die Protagonisten aus dem ersten Band gekonnt weiterentwickelt oder zumindest genauso sympathisch ist. Dies ist leider nicht der Fall. Ob der Autor aufzeigen wollte, dass sich eine Frau innerhalb von zehn Jahren verändert oder mit rund 40 Jahren anders denkt, weiß ich nicht, aber nach einigen Kapitel war ich von der Entwicklung der Protagonistin einfach nur enttäuscht. Während sie im ersten Band noch monatelang trauerte, sich schäbig vorkam, wenn sie nur einen Gedanken an Frank verschwendete, vergiss sie hier ihren Mann regelmäßig, obwohl dieser nicht verstorben ist, sondern nur im Koma liegt. Sie geht aus und schwärmt sogar für den Mechaniker. Selbst einen Kuss ist sie anfänglich nicht abgeneigt. Erst danach ist ihr bewusst, was sie eigentlich tut. Trotzdem passt diese Haltung nicht zu der Clarissa, die ich kennengelernt hatte.

Der Kuss war ein Fehler gewesen. Er war ein netter Junge mit einem einnehmenden Wesen und hatte ihr den Kopf verdreht.Ihr lief jetzt noch ein angenehmer Schauer über den Rücken, wenn sie an seine Berührung dachte. (Zitat S. 418)

Die Handlungselbst weckt bei mir geteilte Meinung. Flugzeugabsturz, Mann schwer verletzt und neuer Schwarm, irgendwie erinnert dies an den ersten Teil. Auf der anderen Seite werden die Zeit des zweiten Weltkrieges und die damaligen Kenntnisse zur Krankheit „Koma“ so interessant beschrieben. Und dann ist da wieder Aspekt, dass ich ganz oft das Gefühl hatte, das der Autor gar nicht wirklich nachgedacht hat, sondern einfach nur an den ersten Erfolg anknüpfen wollte. Es bleiben bis zum Schluss fragen offen. Zum Beispiel fragt sich der Leser warum Frank so abrupt den Job gewechselt hat. In der Rückblende wird nur kurz erwähnt, dass er wenige Tage nach seiner Rettung kündigte und Buschpilot wurde.Seine Ambitionen, die mir persönlich sehr wichtig gewesen waren, blieben komplett im Dunkeln.

Auch sonst ist die Handlung etwas abgehackt. Der Schlusskommt überraschend schnell und völlig plump und kitschig daher. Während vorher die gesamte Geschichte ausführlich, detailliert aufgebaut war, würde man theoretisch noch zahlreiche Seiten erwarten, da dies nicht der Fall ist, wartet man gespannt, was nun kommt. Völlig abgehackt, als hätte Ross plötzlich bemerkt, dass seine Seitenzahl sich dem Ende neigt. Kitschig, übertrieben und schwach in meinen Augen.

Dazu kommt noch der mystische Wolfshund. Auch nach zehn Jahren, wo selbst die Protagonistin davon ausgeht, dass der damals schon ausgewachsene Wolfshund, inzwischen verstorben ist, taucht er immer wieder auf. Mystik pur und immer wieder taucht er auf, wenn sie Rat braucht. Manche Dinge sagen etwas bestimmtes aus, was sogar Clarissa interpretiert und trotzdem zieht sie immer wieder Ansätze, zu ihrem aktuellen Problem, was damit gar nichts zu tun hatte. Ganz nach dem Motto: Es muss eingebaut werden, ich konnte nicht anders.

Vom Stilher gewohnt detailliert, flüssig und keineswegs langweilig, konnte mich die Fortsetzung nicht begeistern. Wenig neue Ideen, eine Entwicklung die so gar nicht zur Protagonistin passt. Es ist nett, aber definitiv kein Higlight. Wer es lesen möchte, kann es versuchen, da es sicherlich nicht schlecht ist, aber mich konnte es nicht überzeugen.

Autor: Christopher Ross
Titel: Jenseits der großen Stille
Verlag: Weltbild
Erschienen: 2010
ISBN-10: 3868002820
ISBN-13: 9783868002829
Seiten: 271
Kosten: 2,49€

===Leseinformationen===
Genre: Abenteuer
Niveau: trivial
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 1 Tag