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Brigitte Janson: Die Tortenbäckerin

KLAPPENTEXT 

Hamburg, 1895: Die junge Greta hat großes Talent zum Kochen, und zwischen Töpfen und Pfannen fühlt sie sich am wohlsten. Als sie ihre Stellung als Hilfsköchin verliert, ist sie verzweifelt. Doch Siggo, ein Fuhrunternehmer, vermittelt ihr Aufträge, und seine Mutter bringt ihr das Konditorhandwerk bei. Bald sind ihre Torten in der ganzen Stadt beliebt, und Greta könnte glücklich sein − gäbe es da nicht ein großes Geheimnis, das auf ihrer Seele lastet und Siggos Liebe zu ihr unmöglich macht. (Quelle: Klappentext)




IN EINEM SATZ:Ein Stück Hamburger Geschichte verpackt in einer gelungenen Handlung  


SARAHS MEINUNG 



Die Tortenbäckerin“ ist der erste historische Roman der Autorin. Gerade bei historischer Literatur finde ich das erste Werk immer sehr interessant. Wie langatmig und altmodisch ist der Stil, wie realistisch die Umsetzung, wie interessant das Thema. Gerade bei diesem Werk musste mich die Autorin schon richtig überzeugen, um zu gefallen. Ich selbst komme aus der Gastronomie und zudem aus Hamburg.



Das Buch beginnt interessant und anschaulich mit der Einführung der Protagonistin Greta. Man lernt das attraktive junge Mädchen auf ihrer Arbeit kennen und erfährt sowohl ihre, als auch die Geschichte der Familie. Binnen weniger Seiten werden auch die restlichen Hauptfiguren, wie Siggo, Christoph oder Oliver erstaunlich lebendig eingeführt. Es sind keine besonderen Figuren und ihre Beschreibung ist auch nicht besonders detailliert. Und trotzdem sind sie so lebendig, als würden sie vor mir stehen. Der Autorin ist es mit wenigen Adjektiven gelungen ein hervorragendes Bild mit zahlreichen Facetten entstehen zu lassen. Für andere mag es auf Grund der wenigen beschreibenden Worte blass wirken, aber gerade darin liegt die Kunst es trotzdem lebendig erscheinen zu lassen. Handlungen, Emotionen und Gedanken sind klar und verständlich. Oftmals wusste man schon vorher, wie einzelne Protagonisten reagieren würden, da sie einem so vertraut erschienen, dass eine bestimmte Reaktion selbstverständlich erschien.



Die Protagonisten werden in die Welt von Hamburg um 1895 geworfen und obwohl diese Zeit völlig fremd ist, hatte ich das Gefühl sie zu kennen. Straßennamen, Wegbeschreibungen oder gar der Hamburger Hafen sind dabei. Es ist interessant zu sehen, wie Hamburg vor über 100 Jahren aufgebaut war, wie das Leben ihren Weg ging. Mit viel Liebe zum Detail hat Brigitte Janson das alte Hamburg beschrieben. Dabei ist sie auf historische Aspekte, wie die Tatsache, dass Altona früher nicht zu Hamburg gehörte oder nur eine elektrische Straßenbahn fuhr, eingegangen. Obwohl sie einen modernen, zeitgemäßen Stil verwendet, konnte man sich in die vergangene Zeit hineinversetzen. Man merkt sofort, dass hier ausführlich recherchiert wurde. So macht Geschichte in meinen Augen Spaß.

Während Greta sich am Hamburger Meßberg von Siggo verabschiedete, verließ daheim in Altona Oliver Kuhn mit flinken Beinen die Wohnung in der Georgstraße und lief die Treppe hinuter. Mathilde war endlich zur Arbeit gefahren, und er atmete erleichtert auf. (Zitat S. 193)

Auch sonst ist die Handlung angenehm. Sie ist zwar nichts besonderes, wie manche Rezensenten es formuliert haben, aber trotzdem macht das Lesen dieses Plots Freude. Das Problem der Autorin liegt darin, dass sie versucht Spannung aufzubauen, indem sie Geheimnisse oder bestimmte Wendungen einbaut. Leider erahnt jeder Leser, der auch nur etwas Verstand hat, sofort, worum es geht. Das merkt Brigitte Janson selbst immer, und löst binnen weniger Minuten die versuchte Spannung auf. Die Themen selbst sind nichts Neues, jedoch für die damalige Zeit passend. Zum Beispiel geht es um ein uneheliches Kind, das Verhältnis zwischen Dienstmagd und Herrschaften, der Fortschritt in Form von Elektrizität oder Automobilen, oder gar um Krankheiten, wie die Schwindsucht oder grauer Star. Und diese Punkte setzt die Autorin interessant und authentisch um.



Erzählt wird die Geschichte in keiner festen Perspektive. Die Autorin springt immer wieder zwischen den einzelnen Protagonisten und schafft es auf diese Art und Weise den Leser einen richtigen Einblick in die Gefühlswelt der einzelnen Figuren zu verschaffen. Dazu kommt der moderne Stil, der auf Grund seiner Einfachheit auch für jüngere Leser ansprechend ist. Dynamik, Klarheit und kurze Sätze sorgen für den Rest. Zudem vermeidet sie geschickt unnötige Wiederholungen und langgezogene Passagen. Dadurch entsteht ein angenehmer Lesefluss, der dazu beiträgt, das angefangene Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können.



Der Schluss des Buches war alles andere als eine Überraschung und trotzdem empfand ich ihn als passend, angenehm, stimmig und logisch. Ein Hauch von Happy End durfte hier auch nicht fehlen.



Im Anschluss an das Buch gibt die Autorin preis, wie sie auf die Idee, diesen Roman zu verfassen. Interessant und fast wie eine eigene Geschichte verpackt sie das sonst so trockene Material. Dazu kommt eine hervorragende Idee mit der sie mich sogar an den Herd gelockt hat. Alle Gerichte, die im Buch genannt wurden, gibt in Form von Rezepten auf den letzten Seiten zum Nachkochen.



Im Großen und Ganzen ist der Autorin ein überzeugender historischer Roman gelungen, der Leser zwischen 16-99 in den Bann ziehen wird. Wer ein Stück Hamburger Geschichte verpackt in einer realistischen, leicht romantischen Handlung in Kombination mit einem angenehme Stil, sollte nicht länger warten.
 

Autor: Brigitte Janson Titel: Die Tortenbäckerin

Verlag: Ullstein Erschienen: 2011

ISBN-10: 3548282598 ISBN-13: 9783548282596

Seiten: 448 Kosten: 8,95€

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Kommentare

  1. Maulwurfskuchen. Mit Bananen. Hjam.
    Aber deswegen bin ich gar nicht hier ;)
    Du hast auf dem Bloggerjahr ein Kommentar hinterlassen, das du "auch einen Blog hast". Heißt das, wir sollen ihn vorstellen? :DD

    Ich habe dich jetzt einfach mal auf die Liste geschrieben. Solltest du was dagegen haben, melde dich. ;D

    AntwortenLöschen
  2. Maulwurfskuchen mit Bananen klingt lecker. Ich bevorzuge Schokoladen Tarte

    AntwortenLöschen

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