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Christopher Ross: Jenseits der großen Stille


Frank hat inzwischen den Beruf als Mountie an den Nagel gehangen und arbeitet, wie Clarissas erster Mann, als Buschflieger. Als er nach einem schweren Absturz ins Koma fällt, muss Clarissa für die Kosten aufkommen. Sie entscheidet sich, als die Versicherung sich weigert zu zahlen, selbst Buschfliegerin zu werden. In einem Crash-Kurs absolviert sie ihre Ausbildung und muss nur noch den kommerziellen Schein machen. Doch da bringt sich ihr Lehrer mit seiner Maschine um. Sie und Mike, der Mechaniker, übernehmen das Unternehmen und unternehmen auch privat viel miteinander. Es sind Unternehmungen, die bei Mike Gefühle hervorrufen, und auch bei Clarissa geht dies nicht spurlos vorbei. Im Hinterkopf ist jedoch immer ihr Mann Frank, den sie nicht aufgeben kann. Nach einem Kuss kommt ihre Welt ins Wanken, und dann muss Mike auch noch gegen Japan in den Krieg ziehen.

Schwache Fortsetzung auf Grund mangelnder Neuheiten.

SARAHS MEINUNG 

Jenseits der großen Stille“ ist die Fortsetzung des Abenteuer-Romans „Hinter dem weißen Horizont“. Dort hat Clarissa Frank kennen und lieben gelernt. Wie es mit dem Paar weitergeht, soll der Leser nun in diesem Roman erfahren. Der erste Teil hat mir bis auf einen mysterischen Wolfshund recht gut gefallen. Stilistisch, inhaltlich und spannungstechnisch einwandfrei. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Der Einstieg des Buches beginnt mit dem Flugzeugabsturz von Frank, sodass die Neugierde des Alt-Leser sofort geweckt ist. Wieso ist Frank kein Mountie mehr, sondern Buschpilot? Wenige Seiten später wird dies per Rückblende mehr als ausführlich erklärt. Für Quereinsteigerwird in wenigen Worten die Geschichte des ersten Teils noch einmal erzählt, sodass die Figuren auch für diesen Leser verständlich sind.

Die Protagonisten  waren mir wieder komplett vertraut, obwohl das Buch an einem anderen Schauplatz spielt, und zahlreiche neue Gesichter vorhanden sind. Jede neue Figur wird genauso liebevoll eingeführt, wie die Hauptfiguren im ersten Teil. Nun erwartet man, dass der Autor die Protagonisten aus dem ersten Band gekonnt weiterentwickelt oder zumindest genauso sympathisch ist. Dies ist leider nicht der Fall. Ob der Autor aufzeigen wollte, dass sich eine Frau innerhalb von zehn Jahren verändert oder mit rund 40 Jahren anders denkt, weiß ich nicht, aber nach einigen Kapitel war ich von der Entwicklung der Protagonistin einfach nur enttäuscht. Während sie im ersten Band noch monatelang trauerte, sich schäbig vorkam, wenn sie nur einen Gedanken an Frank verschwendete, vergiss sie hier ihren Mann regelmäßig, obwohl dieser nicht verstorben ist, sondern nur im Koma liegt. Sie geht aus und schwärmt sogar für den Mechaniker. Selbst einen Kuss ist sie anfänglich nicht abgeneigt. Erst danach ist ihr bewusst, was sie eigentlich tut. Trotzdem passt diese Haltung nicht zu der Clarissa, die ich kennengelernt hatte.

Der Kuss war ein Fehler gewesen. Er war ein netter Junge mit einem einnehmenden Wesen und hatte ihr den Kopf verdreht.Ihr lief jetzt noch ein angenehmer Schauer über den Rücken, wenn sie an seine Berührung dachte. (Zitat S. 418)

Die Handlungselbst weckt bei mir geteilte Meinung. Flugzeugabsturz, Mann schwer verletzt und neuer Schwarm, irgendwie erinnert dies an den ersten Teil. Auf der anderen Seite werden die Zeit des zweiten Weltkrieges und die damaligen Kenntnisse zur Krankheit „Koma“ so interessant beschrieben. Und dann ist da wieder Aspekt, dass ich ganz oft das Gefühl hatte, das der Autor gar nicht wirklich nachgedacht hat, sondern einfach nur an den ersten Erfolg anknüpfen wollte. Es bleiben bis zum Schluss fragen offen. Zum Beispiel fragt sich der Leser warum Frank so abrupt den Job gewechselt hat. In der Rückblende wird nur kurz erwähnt, dass er wenige Tage nach seiner Rettung kündigte und Buschpilot wurde.Seine Ambitionen, die mir persönlich sehr wichtig gewesen waren, blieben komplett im Dunkeln.

Auch sonst ist die Handlung etwas abgehackt. Der Schlusskommt überraschend schnell und völlig plump und kitschig daher. Während vorher die gesamte Geschichte ausführlich, detailliert aufgebaut war, würde man theoretisch noch zahlreiche Seiten erwarten, da dies nicht der Fall ist, wartet man gespannt, was nun kommt. Völlig abgehackt, als hätte Ross plötzlich bemerkt, dass seine Seitenzahl sich dem Ende neigt. Kitschig, übertrieben und schwach in meinen Augen.

Dazu kommt noch der mystische Wolfshund. Auch nach zehn Jahren, wo selbst die Protagonistin davon ausgeht, dass der damals schon ausgewachsene Wolfshund, inzwischen verstorben ist, taucht er immer wieder auf. Mystik pur und immer wieder taucht er auf, wenn sie Rat braucht. Manche Dinge sagen etwas bestimmtes aus, was sogar Clarissa interpretiert und trotzdem zieht sie immer wieder Ansätze, zu ihrem aktuellen Problem, was damit gar nichts zu tun hatte. Ganz nach dem Motto: Es muss eingebaut werden, ich konnte nicht anders.

Vom Stilher gewohnt detailliert, flüssig und keineswegs langweilig, konnte mich die Fortsetzung nicht begeistern. Wenig neue Ideen, eine Entwicklung die so gar nicht zur Protagonistin passt. Es ist nett, aber definitiv kein Higlight. Wer es lesen möchte, kann es versuchen, da es sicherlich nicht schlecht ist, aber mich konnte es nicht überzeugen.

Autor: Christopher Ross
Titel: Jenseits der großen Stille
Verlag: Weltbild
Erschienen: 2010
ISBN-10: 3868002820
ISBN-13: 9783868002829
Seiten: 271
Kosten: 2,49€

===Leseinformationen===
Genre: Abenteuer
Niveau: trivial
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 1 Tag

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