Herman Koch: Sommerhaus mit Swimmingpool

KLAPPENTEXT 

Marc Schlosser ist Hausarzt in Amsterdam. Als einer seiner Patienten, der berühmte Schauspieler Ralph Meier, stirbt, muss er sich wegen eines möglichen Kunstfehlers vor der Ärztekammer verantworten. Doch war es wirklich ein Kunstfehler? Oder hat das alles vielleicht mit den Geschehnissen im Ferienhaus zu tun, in dem beide Familien den letzten Sommer verbrachten? Zwei heranwachsende Töchter hat Marc Schlosser, Lisa und Julia. Und eine attraktive Frau, Caroline. Als sein Patient Ralph Meier, selbst verheiratet und Vater zweier jugendlicher Söhne, ihn und seine Familie einlädt, sie im Sommer ein paar Tage in ihrem Ferienhaus in Frankreich zu besuchen, klingt das zunächst wie eine gute Idee. Erst jetzt, nach Ralphs Tod, anderthalb Jahre nach den gemeinsamen Urlaubstagen, treten die Verwerfungen zwischen den beiden Familien allmählich zu Tage, und der Leser fiebert atemlos jeder weiteren Enthüllung entgegen. "Sommerhaus mit Swimmingpool" ist ein hochspannendes, meisterlich konstruiertes Familiendrama, in dem Vaterinstinkte, sexuelle Macht und Heuchelei eine große Rolle spielen. Mit scharfem Witz und genialer Beobachtungsgabe legt Koch gesellschaftliche und familiäre Risse bloß und erschafft mit Marc Schlosser den wohl abgründigsten Hausarzt der jüngeren Literatur.
IN EINEM SATZ:  Psychologische und skurrile Abgründe eines Arztes facettenreich umgesetzt.




SARAHS MEINUNG 

Sommerhaus mit Swimmingpool“ ist nichts für schwache Nerven. Der Leser öffnet das Buch und erwartet nach einer kleinen Einführung in die Zeit des letzten Sommers zurückversetzt zu werden. Dies ist auch der Fall, doch zuvor lässt der Protagonist den Leser an seinem bisherigen Leben teilhaben. Es sind Einblicke in den Alltag eines Arztes, die faszinierend und abstoßend zugleich sind.

Den Schimmel. Die blutenden Warzen. Hautfalten, zwischen denen die Temperatur zu hoch gestiegen ist. Eine Frau von hundertfünfzig Kilo, die man an einer Stelle untersuchen muss, von der man hoffte, sie nie mehr in Augenschein nehmen zu müssen. (Zitat S. 30)
 
Detailliert, realistisch und den Magen umdrehend berichtet Mark ausführlich über seinen Alltag als Arzt. Von langweiligen Einladungen auf Premieren bis zu Untersuchungen des rektalen Bereiches ist alles vertreten. Er entführt den Leser in seine Gedankenwelt und lässt dadurch manches Arztverhalten besser verstehen. Nichtsdestotrotz war mein erster Gedanke „Feuchgebiete“.


Schmierigen, wertlosen Samen, der nach einer halb ausgetrunkenen, hinten im Kühlschrank vergessenen Flasche Yakul riecht. (Zitat S. 55)

Es sind Beschreibungen, die dazu beitragen, das man am Liebsten nicht mehr zum Arzt möchte. Und trotzdem sind es messerscharfe Beobachtungen und Gedankengänge, die den Leser am Aufhören hindern.

Die gewählten Schilderungen führen jedoch dazu, dass man von der Familie, im Besonderen von Mark, ein realistisches, lebendiges Bild erhält. Viele späteren Verwicklungen und Handlungen sind dadurch viel besser zu verstehen, denn die gewählte Einleitung basiert auf einer psychologischen Grundlage. Dies trifft auch auf die anderen Hauptfiguren zu.

Eine Mischung aus Skrupellosigkeit und Humor wird den Leser bis zum Schluss in den Bann ziehen. Zudem möchte man mehr über die angekündigten dramatischen Ereignisse erfahren. Schnell kristallisiert sich heraus, worauf das Buch hinauslaufen wird, doch dann baut der Autor eine so überraschende Wende ein, dass ich erst einmal einige Seiten brauchte, um mich darauf einzustellen. Man merkt, dass hier keine Langeweile oder Vorhersehbarkeit möglich ist. Dies merkt man besonders zum Schluss des Buches. Man versucht hinter die Hintergründe zu kommen, zu verstehen und rät selbst mit. Und dann kommt ein Schluss, der wieder mit einer überraschenden Wende für einen kleinen Schock sorgt.

Der dynamische Stil, der durch eine angenehme Satzlänge, einprägsame Worte und seine Details ein greifbares Kopfkino entstehen lässt, macht trotz des teilweise abstoßenden Inhalts Lust auf mehr.

Dieses Buch stößt gleichermaßen ab, wie es den Leser in seinen Bann ziehen wird. Dadurch bleibt es noch lange im Gedächtnis, lässt den Leser über vieles Nachdenken und neue Perspektiven entdecken.

Auf der anderen Seite bietet das Buch Strecken, die in meinen Augen hätten gekürzt werden können. Es sind alltägliche Beschreibungen, wie ein Grillfest, die Rettung eines Tieres oder ein Spaziergang, die zum Geschehen passen, aber auf Grund der sonstigen tiefsinnigen und ekelerregenden Schilderungen irgendwo deplatziert. Sie sind ein starker Kontrast zum Rest und obwohl sie nicht langweilig erscheinen, atmet man an einigen Punkten auf, wenn der Autor wieder zu seiner gewohnten Handschrift zurückkehrt.

Das Gesamtpaket hat mich jedoch überzeugt. Einmal angefangen konnte ich nur schwerlich aufhören, und so sollte ein Buch sein. Auch wenn mich manche Beschreibungen schockiert, abgestoßen und mir sogar den Appetit verdorben haben, ist es ein Buch, welches sich lohnt. Der Autor zeigt sein facettenreiches Können im Stil, der Handlung und der Protagonisten.

Autor: Herman Koch Titel: Sommerhaus mit Swimminpool Originaltitel: Zomerhuis met zwembad

Verlag: Kiepenheuer & Witsch Erschienen: 2011

ISBN-10: 3462043447 ISBN-13: 9783462043440

Seiten: 345 Kosten: 19,90€

Vielen Dank an Blog dein Buch.

FRAGE AN EUCH: Welches Buch fandet ihr am Ekelerregensten?

Bei mir war die definitiv "Fleckenteufel"


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