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Ricarda Jordan: Der Eid der Kreuzritterin

WORUM GEHTS 


1206 in Deutschland: Konstanze, die über Visionen des Herrn verfügt, wird von ihrem Vater in ein Kloster gebracht, da sie mit diesen Visionen nicht verheiratet werden kann. Zeitgleich wird Gisela im Alter von 8 Jahren auf einen Minnehof gebracht, um die weibliche Erziehung zu genießen, die ohne Mutter zu Hause nicht möglich wären.

1212: Konstanze hat sich mit ihrem Leben im Kloster noch immer nicht abgefunden. Als sie von den Kreuzzügen hört, sieht sie ihre Chance und schließt sich diesem an, um endlich frei zu sein. Gisela hingegen soll endlich verheiratet werden. Obwohl sie sich am Minnehof verliebt hat, nimmt sie das Arrangement ihres Vaters hin, bis sie erfährt, dass es der alte Freund ihres Vaters ist, der nicht nur übergewichtig und brutal ist, sondern auch schon zahlreiche Frauen zu Grabe getragen hat. Gisela kann und will diesen Mann nicht heiraten. Statt ihrem Vater davon zu unterrichten haut sie zusammen mit ihrem, seit Kindertagen befreundeten, Knecht, und ihrer Aufpasserin ab, und schließt sich ebenfalls den Kreuzzügen an. Dort lernen sich Konstanze und Gisela kennen, und treten die Reise gemeinsam an. Dieser Truppe schließt sich Armand, ein junger Ritter, der sich auf Grund eines geheimen Auftrages den Kinder-Kreuzzügen anschließt, Magdalena, ein kleines Mädchen, dass von ihrem Vater als Prostituierte Geld beschaffen sollte, und Malik, der Sohn des Sultans. Zusammen meistern sie so manches Abenteuer, und kommen einer schweren Verschwörung auf die Spur. Zeitgleich bahnen sich zarte Liebesgeschichten zwischen den einzelnen Figuren an, die noch jede Menge ärger mit sich bringen.
Kinder-Kreuzzüge nach Jerusalem spannend und farbenfroh verpackt

SARAHS MEINUNG


Seit „Wolfgang Hohlbeins – Die Templerin“ bin ich begeistert von Kreuzzügen, Tempelrittern bei denen Frauen eine tragende Rolle spielen. In diesem Fall hat sich die Bestseller-Autorin Sarah Lark, die sonst eher für ihre Neuseeland-Schmöker bekannt ist, ausgiebig mit den Kreuzzügen von Kindern 1212 beschäftigt. Dabei setzt die Autorin auf Informationen des Umstrittenen Historikers Thomas Ritter. Ausführlich geht sie auf den Jungen Nikolas, dem rund 30.000 Kinder aus ganz Deutschland nach Jerusalem gefolgt sind. In dem Glauben, dass sich ihnen das Wasser wie bei Moses teilt und ihre Gebete die Heiden vom Christentum überzeugen, folgen sie ihm. Es ist eine Hoffnung, denn sonst haben zahlreiche Kinder nichts.

Um der Geschichte etwas Abwechslung zu bieten, hat sich Ricarda Jordan entschieden vier unterschiedliche Protagonisten einzubauen. Dadurch ist für jeden Leser mindestens eine Figur enthalten, mit der er sich identifizieren kann. Konstanze, die als Außenseiterin einerseits stark und doch schüchtern ist; Gisela, die freche Adlige, die weiß, wie man mit Männern flirtet; Armand, der geheimnisvolle und bezaubernde Mann; und Malik, der südländische, romantische Märchenprinz. So verschieden, wie ihre Herkunft oder Charakterzüge, so gleich ist ihr Zusammenhalt.
Anschaulich lässt die Autorin die einzelnen Schicksale sich langsam entfalten, um sie im Verlauf zusammenzuführen. Durch die Perspektiv-Wechsel auf den ersten Seiten, gelingt ihr dies ausnahmslos gut. Es ist ein gelungener Einsteig, denn dadurch bekommt der Leser die Möglichkeit ohne Probleme ein abgerundetes Bild jeder einzelnen Person zu bekommen. Meinungen, Gedanken und Handlungen werden dadurch klar verständlich und nachvollziehbar.

Die Reise versucht sie mit all ihren Strapazen  einzufangen, lässt dabei jedoch die Protagonisten nur bedingt leiden. Während zahlreiche andere Kinder erfrieren, zusammenbrechen, hungern oder jeden Kilometer zu Fuß zurücklegen, lässt sie die Hauptfiguren hoch zu Ross sitzen, wenn auch mit ermüdeten Kindern vor und hinter sich. Zeitgleich sorgt die Mitgift von Gisela dafür, dass nie groß Hunger entsteht, und ist es doch mal knapp, gibt es etwas zum Fischen in der Nähe. Die wirklichen Strapazen werden nur bei den anderen Nebendarstellern sichtbar und gehen in meinen Augen unter.


Konstanze dachte, dass Giselas Geld nicht allzu lange reichen würde, wenn sie weiter so großzügig damit umging. Schon jetzt scharten sich rund fünfzehn Kinder um die kleine Adelige. (Zitat S. 168)


Die Emotionen kann Ricarda Jordan hingegen perfekt festhalten. Die anfängliche Euphorie, die späteren Zweifel, all das ist authentisch. Die Hoffnung, die Enttäuschung und Ängste, sie sind regelrecht greifbar.

Dies in Kombination mit dem lebendigen Stil, der das Mittelalter aufleben lässt, nicht altertümlich wirkt. Stattdessen verwendet sie eine moderne Sprache, die den Leser die gesellschaftlichen Schichten, die Schauplätze und die komplette Situation 1212 erstklassig nachvollziehen lässt. Kreativ und flüssig achtet sie auf eine wunderbare Satzlänge, einfach, aber bildhafte Worte, und die Vermeidung von Wiederholungen.
Die Seiten fliegen dahin. Doch mit zunehmender Seitenzahl bekommt der Leser das Gefühl, dass es einfach zu lang wird. Mir persönlich hätte es gereicht, wenn die Autorin die Kreuzzüge in Genua hätte enden lassen, und nicht immer noch eine Etappe drauf gesetzt hätte. Dadurch zieht es sich leicht in die Länge. Um den Leser jedoch nicht zu langweilen, setzt sie auf einen Komplott, der im Ansatz sehr interessant ist.
Zielorientiert kommt auch Ricarda Jordan zum Ende ihres Werkes. Und damit konnte sie mich überhaupt nicht überzeugen. Keine Überraschung, vorhersehbar seit vielen Seiten, hätte man sich doch eine kleine Wendung gewünscht.

Leicht lesbar wie Hohlbeins Buch macht die Geschichte, um die vier Abenteurer doch kleiner Schwächen Spaß. Mehr Strapazen seitens der Protagonisten und ein etwas überraschender Schluss, und das Buch hätte mich rund um überzeugt.



Autor: Ricarda Jordan

Titel: Der Eid der Kreuzritterin

Verlag: Bastei Lübbe

Erschienen: 2010

ISBN-10: 3404164806

ISBN-13: 9783404164806

Seiten: 544

Kosten: 8,99€


===Leseinformationen===

Genre: historischer Roman

Niveau: leicht

Leserschaft: Fans von historischen Romanen mit Liebesansatz

Lesedauer: 3 Tage

LESEPROBE GEFÄLLIG, DIE GIBTS HIER

© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt

Verwendete Zitate werden ausgewählt und eingebaut um den Stil, Spannungsanteil, Detailreichtum oder ähnliches aufzuzeigen. Sie gehören nach wie vor dem rechtlichen Eigentümer und dienen lediglich der Unterstützung meiner Rezension.



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