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Carolyn Parkhurst: Nenn es Himmel

WORUM GEHTS 

Paul und Lexy Iverson – sie sind füreinander die Liebe ihres Lebens: Seit dem Tag, an dem sich ihre Wege kreuzten, haben sie einander nicht mehr verlassen, und keiner kann sich eine Zukunft ohne den anderen vorstellen. Für Paul bricht deshalb eine Welt zusammen, als Lexy eines Tages tot im Garten aufgefunden wird – herabgestürzt von einem hohen Apfelbaum. War es ein Unfall? Oder hat sich die traumtänzerische Lexy, die immer schon in ihrer ganz eigenen märchenhaften Welt lebte, in einer Anwandlung von tiefer Traurigkeit das Leben genommen? Verzweifelt sucht Paul nach Anhaltspunkten, um die Wahrheit über diesen mysteriösen Tod herauszufinden. Wie einen Film lässt er sein Leben mit Lexy noch einmal vor seinen Augen Revue passieren, all die Momente voller Magie und Zärtlichkeit, die er mit ihr verbrachte – und schließlich erkennt er, dass er Lexy erst verlieren musste, um zu begreifen, wer diese rätselhafte junge Frau wirklich gewesen ist. (Quelle: Klappentext)

Herzergreifende Liebesgeschichte vs. Abschreckender Tierquälerei
 

SARAHS MEINUNG 
 
Liest man sich die Meinungen, die sich auf der Buchrückseite befinden, bekommt man richtig Lust auf dieses tragische Buch, denn als tragisch bezeichne ich ein Buch, bei dem es darum geht, den eigenen Partner zu verlieren und die wahren Hintergründe nicht zu kennen.

Das Buch beginnt mit dem 24.10, dem Tag an dem Lexie verstirbt. Fast sachlich beschreibt Paul, wie er die Situation erlebt hat. Durch die verwendete Ich-Perspektive werden die gemachten Eindrücke noch bewegender. Man fühlt mit Paul und ist durch die alles andere als kitschigen Beschreibungen den Tränen nahe. Aus diesem Grund hat mich der Einstieg sofort überzeugt und Lust auf mehr gemacht. Während des gesamten Buches wird dieser angenehme Stil verwendet. Ich hatte nie das Gefühl, dass hier auf die Tränendrüse gedrückt wird. Im Gegenteil stellenweise wirkte es die Wortwahl regelrecht neutral. Hier hat sich die Autorin wirklich Mühe gegeben. Einprägsam, kurze Sätze; nur die nötigsten Adjektive und immer der Blick zum Sachlichen. Es ist detailliert, wirkt jedoch nicht in die Länge gezogen oder künstlich. Eine eigene Handschrift, die mich persönlich überzeugt hat.

Die Charaktere werden im Verlauf des Buches dem Leser näher gebracht. An Hand von Rückblenden werden die Ehe, bestimmte Situationen, das Kennenlernen oder die Jugend von Lexy beleuchtet. Dabei entsteht das Bild eines intelligenten und doch verzweifelten Mannes, der alles verloren, was ihn je glücklich gemacht hat. Lexy hingegen wird als kreative, gespaltene Persönlichkeit dargestellt. Depressive Passagen wechseln sich mit Wutausbrüchen, Ängsten und glücklichen Momenten ab. Dadurch umgibt Lexy etwas mysteriöses. Ich wollte mehr erfahren und die Hintergründe ihres Todes endlich verstehen.
Die Liebesgeschichte, die aus den Rückblenden ersichtlich wird, ist so einzigartig, dass man stellenweise richtig neidisch werden könnte. Alleine das erste Date ist unglaublich und trotzdem so schön. Wer diesen Teil der Geschichte an sein Herz lässt, wird begreifen, warum Paul unbedingt verstehen will. Zudem wir der Leser feststellen, dass dies der schönste Teil des Buches ist.

Außerhalb der Liebesgeschichte gibt es einige Punkte, die mir negativ aufgefallen sind. Es fängt mit einem verwirrenden Todestag an. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich ein „Lese-Exemplar“ vorliegen habe oder niemand so genau liest. Jedenfalls heißt es zu Beginn


Am Nachmittag des 24. Oktober kletterte meine Frau, Lexy Ransome, auf den Apfelbaum in unserem Garten und stürzte in den Tod (Zitat. S. 7)


Ca. zur Hälfte des Buches erhält der Leser jedoch nachfolgende Angaben. 


Und dann sehe ich das Datum. Der 20. Oktober letzten Jahres. Einen Tag vor Lexys Tod. (Zitat S. 141)

Geht es nach der letzten Passage wäre sie am 21. Oktober verstorben. Es ist jedoch ein Fehler der mich kaum stört.

Was mich mehr störte ist die Tatsache, dass die Autorin mit ihrer Tierquälerei einfach zu weit geht. Den Wunsch zu erfahren, was am Todestag wirklich passierte, kann ich nachvollziehen. Sogar im Ansatz, dass man sich wünscht, der Hund könne reden. Anfänglich fand ich die Versuche noch witzig, aber irgendwann nervten sie einfach nur. Spätestens ab dem Punkt, wo es um operative Veränderungen geht, fand ich es maßlos übertrieben. Die Liebesgeschichte war so schön, und dann geht es plötzlich um Operationen, wo dem Hund ein menschlicher Kiefer verpasst wird, der Kehlkopf entfernt wird oder andere krankhafte Dinge getan werden. Der Sinn dahinter, dass die Autorin aufzeigen möchte, wie weit ein Mensch gehen kann, wenn er einen geliebten Menschen verloren hat, ist erkennbar, aber teilweise wirkte es eher wie ein Thriller oder Horror-Buch auf mich. Irgendwo deplatziert und übertrieben.

Genauso unzufrieden hat mich der Ausgang gestellt. Das Paul urplötzlich mit einem Hinweis das Rätsel lösen kann, ist für mich eigentlich ein guter Ansatz, dass jedoch die Hintergründe Vermutungen sind und nie gänzlich geklärt werden, finde ich schade. Hier hätte ich mir einen versteckten Abschiedsbrief oder eine andere Variante, die handfest erklärt, was passiert ist, gewünscht.

Aus diesem Grund bin ich bezüglich des Buches zwiegespalten. Die Liebesgeschichte ist so schön und doch so traurig. Doch durch die Hundegeschichte ist dies teilweise zerstört. Dementsprechend kann ich es nur bedingt empfehlen. Wen operierte Hunde nicht stören, wird eine schöne Lovestory vorfinden, ansonsten sollte man lieber die Finger davon lassen.

Autor: Carolyn Parkhurst
Titel: Nenn es Himmel
Originaltitel: The Dogs of Babel
Verlag: Goldmann
Erschienen: 2004
ISBN-10: 3442310628
ISBN-13: 9783442310623
Seiten: 319
Kosten: 17,90€ Neu

===Leseinformationen===
Genre: Liebes-Drama
Niveau: anspruchsvoll
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 3 Stunden


 

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