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Charlotte Link: Am Ende des Schweigens


Stanbury in England: In jeden Ferien wird dieser Ort von drei befreundeten deutschen Familien aufgesucht. Alexander mit seiner neuen Frau Jessica und seiner 15jährigen Tochter Ricarda; Tim und seine kinderlose, dicke Frau Evelin; und Leon mit seiner zarten und führenden Frau Patricia und ihren zwei Töchter. Früher wurde Alexander von Elena ergänzt, aber seine erste Frau hielt diese Gemeinschaft einfach nicht mehr aus, weswegen sich Alexander scheiden ließ. Auch Jessica fühlt sich nicht besonders wohl. Ricarda kann sie auch nach einem Jahr noch immer nicht leiden, und die Freunde ihres Mannes sind für sie schlechte Schauspieler. Als sie eines Tages von einem Spaziergang zurückkommt, muss sie die grausige Entdeckung machen. Alle bis auf Ricarda, Leon, Evelin und sie sind Opfer eines Verrückten geworden, der ihnen die Kehlen durchgeschnitten hat. Der Verdacht fällt auf Phillip, einem jungen Mann, der Patricia hartnäckig davon überzeugen wollte, dass er ihr illegitimer Onkel sei. Doch die Ermittlungen der Polizei ergeben, dass es Evelin gewesen sein muss. Dies kann jedoch keiner der Freunde glauben. Jessica, die mit Evelin Mitleid hat, versucht von Deutschland aus alles, um ihr zu helfen. Und das Schicksal meint es gut, denn Phillips Alibi löst sich in Luft auf. Damit gerät Jessica in tödliche Gefahr. 
===Sarahs Meinung===
Charlotte Link ist eine begnadete Autorin, bei der 600 Seiten sogar leicht an einen Tag verschlungen werden können. In diesem Fall hab ich das Buch innerhalb von 24 Stunden durchgelesen.

Schon durch den „Prolog“ wird die Neugierde geweckt, denn dort entdeckt Jessica die erste Leiche. Was dahinter steckt, dass soll der Leser anfänglich noch nicht erfahren. Stattdessen wird dem Leser erst einmal die Situation und die jeweiligen Protagonisten veranschaulicht. Jeder Protagonist wird dabei mit Charakter-Eigenschaften versehen, die sofort Mitleid, Widerwillen oder Interesse wecken. Unterschiedlicher und ausgeprägter hätte es nicht sein können. Die Welt in die der Leser geworfen ist, ist verwirrend und abschreckend. Man kann sofort verstehen, warum sich sowohl Jessica, als auch ihre Stieftochter sich nicht wohl fühlen. Glück und Freundschaft wird nur vorgespielt, sodass man schon überlegt, wer hinter den Morden steckt.

Patricia kniete nicht vor dem hölzernen Trog, wie es zuerst den Anschein gehabt hatte, sondern hing über dem Rand, mit dem Gesicht nach unten in der frischen, feuchten Erde. Ihr linker Arm fiel seitlich herab und wirkte dabei auf eigenartige Weise verdreht. Der andere Arm lag neben ihrem Kopf, und die Finger ihrer Hand krallten sich in die Erde, als gebe es dort einen Halt oder irgend etwas, das festzuhalten sich lohnte. (Zitat. S. 11)

Wie bei den meisten Werken von Charlotte Link ist nach der anfänglichen Spannung, erst einmal die Luft raus. Ihre Beschreibungen von Protagonisten und der Grundsituation ist einfach nur langatmig. Trotzdem ist irgendwann der Punkt erreicht, wo man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. In diesem Fall ist es nicht einmal die Tatsache, dass hier vielfach Mord stattgefunden hat, sondern eher die Geheimnisse, die diese Freunde umgeben haben. Klar rätselte ich auch mit, wer am Ende zu einer solchen Tat, sogar zwei Kinder zu ermorden, fähig ist, aber hauptsächlich zogen mich die Geheimnisse an. Charlotte Link greift dazu Themen auf, die aktuell sind, wie zum Beispiel Fresssucht; häusliche Gewalt; Freunde, die wegschauen; Menschen, ohne eigene Charakterstärke und um Geldprobleme. Ausführlich baut sie diese Themen in ihrer Geschichte ein und lässt dadurch die eigentliche Handlung spannend werden. Aus Jessicas Sichtweise, aber stellenweise auch aus Blickwinkeln der anderen Personen oder Tagebucheinträgen seitens Ricarda, erfährt der Leser nach und nach alle Zusammenhänge. Es entsteht ein Bild voll Mitleid und Traurigkeit. Letzteres, weil nach außen hin der Schein gewahrt wird, und die angeblich große Freundschaft alles nur eine Farce ist. Link versucht damit aufzuzeigen, dass man hinter die Fassade gucken soll, Hilfe nur bekommt, wenn man auch direkt darum bittet, und dass eine eigene Meinung sehr wichtig ist.

Eigentlich eine gute Geschichte, die durch ihren roten Faden immer logisch konstruiert wirkt. Textstücke oder Rückblenden werden durch andere Schrifttypen sichtbar hervorgehoben, und die gute Unterteilung mit zahlreichen Kapiteln und Teilen sorgt für einen angenehmen Lesefluss. Die Spannung wird bis zur letzten Seite gehalten, und auch wenn ich manche Beschreibungen einfach zu langatmig fand, sodass das Buch für mich gerne nur 400 Seiten hätte haben müssen, hat mir das Buch durch die zahlreichen offenen Möglichkeiten und die realistischen Themen / Klischees sehr gut gefallen.

Trotzdem gibt es auch einen Punkt, der mich extrem stört. Zum Beispiel ist Jessica in der 11. Woche schwanger. Sie fliegt, trinkt, läuft diverse Kilometer an einem Tag und isst alles andere als vernünftig. Würde so etwas eine vernünftige und gebildete Frau tun? Mal ein Glas Sekt könnte ich schon verstehen, aber da ist ständig von Alkohol die Rede. Außerdem hätte die Geschichte um Phillip nicht noch mit einer weiteren Protagonistin ausgeschmückt und in die Länge gezogen werden müssen. Mehr gibt es jedoch nicht zu kritisieren.

Charlotte Link ist ein spannender Psycho-Thriller zum Thema Freundschaft gelungen, der durch seinen temporeichen, bildhaften und wendigen, wenn auch manchmal langatmigen Stil für ein erstklassiges und flüssiges Leseerlebnis sorgt. 600 Seiten, die nur an einem vorbeifliegen, wenn auch gerne die eine oder andere Passage oder Figur hätte weichen dürfen, um noch mehr Biss und Tempo einzubringen.

===Abschließendes Fazit===
Brisanter Psycho-Thriller, der hinter die Kulissen von befreundeten Familien blickt.

Autor: Charlotte Link
Titel: Am Ende des Schweigens
Verlag: Goldmann
Erschienen: 1. Auflage 2006
ISBN-10: 3442460832
ISBN-13: 9783442460830
Seiten: 603
Kosten: 9,95€

===Leseinformationen===
Genre: Thriller
Niveau: durchschnittlich
Leserschaft: Erwachsene
Lesedauer: 1 Tag


Kommentare

  1. Dieser Rezi kann ich mich durchaus anschließen. Kleinigkeiten gibt es ja meistens zu bemängeln, aber ich habe das Buch gerne gelesen und habe es nur notgedrungen zwischendurch aus der Hand gelegt.

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