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Joy Fielding: Schlaf nicht, wenn es dunkel wird

WORUM GEHTS 

Die Krankenschwester Terry Painter führt ein zurückgezogenes Leben in einer kleinen Stadt in Florida. Nicht selten fühlt sie sich einsam, und so fasst sie eines Tages den Entschluss, ihr Gartenhäuschen zu vermieten. Alison, die junge Frau, die bei ihr einzieht, wächst Terry sofort ans Herz, und es entsteht eine liebevolle Freundschaft zwischen den beiden Frauen. Doch plötzlich beschleicht Terry der entsetzliche Verdacht, dass Alison etwas vor ihr verbirgt – und sie hat immer öfter das beklemmende Gefühl, in ein infames Katz-und-Maus-Spiel geraten zu sein, das ihr den Verstand zu rauben droht … (Quelle: Klappentext)


Psychologisch abgrundtief kombiniert mit dem perfekten Psycho-Thriller Schluss. 
SARAHS MEINUNG
Psychothriller spielen mit den Ängsten der Leser, doch wenn sie nicht gut sind, dann wirkt es eher künstlich, wenn nicht sogar lächerlich. Bei den unterschiedlichen Meinungen bei Amazon, war ich gespannt, ob mich Joy Fielding mit ihrem Roman überzeugen oder enttäuschen würde.
Der Leser wird in die Welt von Terry geworfen, die rückblickend den Leser an ihren Erlebnissen teilhaben lässt. Immer wieder wirft sie ein, wie leichtgläubig sie doch war. Dieses Bild setzt sich beim Leser fest. Terry wird als Persönlichkeit dargestellt, die naiv, einsam, freundlich, hilfsbereit, liebebedürftig und zu Lebzeiten der Mutter unterdrückt wurde. Alison hingegen wird als zwielichtige, chaotische Gestalt dargestellt. Dieser krasse Gegensatz zieht sich auch im Buch an.
Sie sagte, ihr Name sei Alison Simms.
Die Worte plätscherten zaghaft, beinahe träge über ihre Lippen, so wie Honig von der Schneide eines Messers tropft. Ihre Stimme war leise, zögernd und ein wenig mädchenhaft, obwohl sie einen festen Händedruck hatte und mir direkt in die Augen sah. Das mochte ich. (Zitat S. 7)
Inhaltlich setzt die Autorin auf eine Thematik, die sicherlich viele Personen ängstigt. Sie setzt auf Personen, die sich für eine andere Person ausgeben. Joy Fielding baut es gekonnt in die Handlung mit der neuen Untermieterin ein. Diese Angst trifft jedoch auch jede Situation, wo man neue Menschen kennenlernt, zu. Wer hat nicht schon einmal Angst bekommen, oder sich gefragt, warum jemand sich merkwürdig verhält, oder in einer bestimmten Situation lügt. In diesem Fall möchte man wissen, was sich hinter der Geheimniskrämerei von Alison verbirgt und ist damit sofort ans Buch gefesselt. Allerdings hatte ich nach wenigen Seiten das Gefühl, dass ich das Buch schon kenne. Dem ist nicht der Fall, was aber zeigt, dass es ein Thema ist,was es schon in ähnlicher Form gegeben hat. Nichtsdestotrotz macht das Lesen Spaß. Gekonnt führt Joy Fielding den Leser auf die falsche Spur. Immer neue Details sorgen dafür, dass der Leser nur eine Vermutung zulassen kann. Mit dunklen Gestalten, das Gefühl der Verfolgung, unheimliche Tagebucheineinträge und das merkwürdige Verhalten von Alison versucht sie Spannung aufkommen zu lassen. Einerseits sind es Dinge, die eine gewisse Spannung aufkommen lassen, aber sie wirken künstlich. Zudem wird die Spannung deutlich durch die Naivität von Terry geschmälert. Sie hegt Zweifel, aber lässt sich treiben, nimmt sogar Drogen mit Alison und ihren Freunden. Zudem wiederholt sich die Autorin ständig. Immer wieder betont sie, dass Alison nicht die ist, für die sie sich ausgibt. Da die Handlung rückwirkend erzählt wird, ist klar, dass sie wirklich eine andere Person ist. Genau dadurch wird die Spannung immer wieder gen Nullpunkt katapultiert. Klar, wollte ich wissen, wer sie wirklich ist, und dadurch hat man auch mit gerätselt, aber im Grunde dümpelte die Geschichte vor sich hin.
Bis zu den letzten Seiten zieht sich diese Umsetzung hin. Irgendwann ist man genervt, aber auch fasziniert. Wie hätte man selbst reagiert? Und dann kommt plötzlich eine Wendung, mit der man nicht gerechnet hat. Mit ihr wird der Schluss eingeleitet. Schockierend, logisch und genau so, wie es sich für einen Psycho-Thriller gehört. Mit diesem Schluss hatte mich die Autorin. Trotz der Schwächen vorher, war ich plötzlich begeistert von dem Buch. Es ergab nun alles einen Sinn. Obwohl mich die Auflösung gänzlich überzeugt hat, fehlt auch hier ein Aspekt. Joy Fielding wirft Fakten ein, die Terry einfach nicht glauben kann. An dieser Stelle erwartet man, dass sie als rationale Frau das überprüfen wird. Dem ist jedoch nicht so. Und das hat mich enttäuscht. Im Großen und Ganzen ist es jedoch ein gelungenes Finale.
Neben dem spannenden Showdown brilliert auch der Stil. Locker,bildhaft, modern, erfrischend und geschliffen kommt er daher. Lediglich die zahlreichen Wiederholungen habe ich als absolut störend empfunden, auch wenn es beabsichtigt war, um den Leser auf die falsche Fährte zu locken.
Zudem fand ich den Titel sehr verwirrend. Am Anfang war es noch so, dass der Titel einen Sinn ergab, denn die erste Situation passierte während Terry schlief. Danach war dies jedoch abgearbeitet. Der Titel weckt die Hoffnung, dass es darum geht, das wenn man einschläft etwas passiert. So erging es mir, und dementsprechend war ich auch frustriert.
Der springende Punkt ist jedoch, dass trotz all der negativen Dinge, mir das Buch auf Grund der Thematik und des Höhepunktes am Schluss, sehr gut gefallen hat. Volle Punktzahl kann ich nicht geben, genauso wenig wie ich das Buch gänzlich empfehlen kann. Trotzdem kann man es lesen.


Autor: Joy Fielding

Titel: Schlaf nicht, wenn es dunkel wird

Originaltitel: Whispers and Lies

Verlag: Goldmann

Erschienen: 2006

ISBN-10: 3442461731

ISBN-13: 9783442461738

Seiten: 352

Kosten: 9,95€



===Leseinformationen===

Genre: Psycho-Thriller

Niveau: durchschnittlich

Leserschaft: Erwachsene

Lesedauer: 4 Stunden
 

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