Elizabeth Haran: Im Schatten des Teebaums

WORUM GEHTS 

Australien, 1900: Eliza ist als Reporterin für eine kleine Zeitung tätig, als in einem Nachbarort Tantanoola ein Tiger gesichtet wurde. Vor zehn Jahren ist ein Tiger in diesem Gebiet verschwunden, und nun scheint er wieder aufgetaucht zu sein. Schafe werden auf bestialische Art und Weise gerissen. Eliza reist trotz Verbot ihrer Mutter hin und trifft dort gleich auf einen Konkurrenten. Da es im Hotel keinen Platz mehr gibt, muss sie eine andere Bleibe finden, und trifft dabei auf ihre verschollene Tante. Tante Mathilda hat seit zig Jahren keinen Kontakt mehr zur Familie, und das aus guten Grund. Alles hängt mit einem tragischen Unfall zusammen. Die Umstände sorgen dafür, dass sich Tante und Nichte näher kommen und sich blenden verstehen. Kurze Zeit später kommt auch ihre jüngere Schwester Katie vorbei, die jedoch weniger mit ihrer Tante zurecht kommt. Zumal Katie sich auf den ersten Blick in die Konkurrenz von Eliza verliebt hat. Dieser nutzt sie nach Strich und Faden aus, um an Informationen von Eliza zu kommen. Diese ist jedoch voll und ganz mit ihrer Arbeit und dem Jäger Brodie beschäftigt. Es dauert nicht lange und die erste Spur ist gefunden. Doch dann überschlagen sich die Dinge. Eliza entdeckt den angeblichen Tiger und findet heraus, was hinter den verschwundenen Schafen steckt. Während ihr Konkurrent den Täter bloßstellt, um eine gute Story zu veröffentlichen. Zeitgleich muss sich Mathilda mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, während Katie sich über ihre Gefühle klarwerden muss. Auch Eliza steht vor einer großen Entscheidung.

SARAHS MEINUNG

Plötzlich blieb Mannie wie angewurzelt stehen und riss die Augen auf. Eine klebrige, verklumpte Masse hob sich rot glänzend von dem mit Raureif überzogenen Erdboden ab. Gleich daneben lag ein zerfetztes, blutiges Schaffell.
Mannie stand da wie versteinert, den Blick unverwandt auf die Überreste des Tieres geheftet. (Zitat S. 7)

Dieses Zitat stammt aus dem Prolog des Buches „Im Schatten des Teebaums“ und zeigt deutlich die abenteuerliche und detaillierte Art und Weise, die Dinge zu beschreiben.

Elizabeth Haran ist eine Autorin, die mich schon mit einem anderen Australien-Roman überzeugen konnte. Dementsprechend freute ich mich, dass mir meine Mutter ein weiteres Buch dieser Autorin schenkte.Ich freute mich auf leichte, romantische und doch spannende Kost, die mir meinen Kurzurlaub auf Sylt versüßen sollte.

In diesem Buch wird der Leser ins Australien von 1900 entführt. Eingeführt wird die Geschichte mit einem Prolog, der es schon in sich hat. Durch Andeutungen wird der Leser auf den reißenden Tiger aufmerksam gemacht. Nichts für schwache Mägen. Gekonnt baut sie Geheimnisse ein, die den Leser binnen weniger Seiten fesseln. Was ist mit dem Tiger oder was passierte vor all den Jahren mit Mathilda, sind nur zwei der Geheimnisse.

Die Protagonisten sorgen für ein angenehmes Lesevergnügen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Eliza ist eher die rebellische, kämpferische Natur, die auf eigenen Beinen stehen möchte, und von einem Mann als gleichwertig betrachtet werden will. Ihre Schwester stellt hingegen die typische romantische Persönlichkeit dar, die nur ans Heiraten denkt. Von der ängstlichen Mutter, über den verständnisvollen Vater, dem egoistischen Konkurrenten und dem schwarzen Schaf der Familie, ist alles vertreten. Lebendig und menschlich werden die Charaktere dargestellt, wodurch sofort eine Verbindung hergestellt werden kann. In meinen Augen wird dadurch der Einstieg deutlich vereinfacht.

Auch inhaltlich kann das Buch überzeugen. Die Tigersuche sorgt für eine abenteuerliche Spannung, humorvolle Ansätze sind zum Beispiel in dem Pferd Nelly zu erkennen, und auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Während in dem anderen Werk das Augenmerk auf die Ureinwohner gerichtet wird, werden sie hier nur am Rande erwähnt und man bekommt aufgezeigt, wie sich diese Menschen in der weißen Kultur unterordnen müssen. Genauso wenig setzt sie diesmal die Landschaft in Szene. In diesem Buch versucht sie ihr Können im Bereich Plot zu verdeutlichen. Die Idee und der Ansatz gefallen mir sehr gut. Zwar wird dem Leser bald deutlich, wie die Geschichte ausgehen wird, aber Vorhersehbarkeit ist hier nicht negativ. Allerdings muss ich sagen, dass mir der Mittelteil stellenweise zu langatmig war. Zwar werden genug Nebenhandlungen eingebaut, die gegen die Langatmigkeit ankämpfen, aber besonders die Landwirtschaftveranstaltung empfand ich als nervig. Von einem Wettbewerb geht es zum nächsten und die Spannung geht einfach unter.

Allerdings ist dies nur ein Bruchteil, sodass irgendwann wieder der Punkt, wo man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag, weil man die Geschichte verfolgen möchte. Da nimmt man auch gerne die eine oder andere Zähflüssigkeit in Kauf. Bei dem hervorragenden Stil macht das Lesen einfach zu viel Spaß. Lebendig, detailliert und farbenfroh. Mit ihm gelingt es nicht nur ein Kopfkino entstehen zu lassen, sondern das Land kennen und lieben zu lernen.Allerdings hätte ich mir etwas mehr Landschaft gewünscht, denn die Orte konnte ich mir im Kopfkino nicht so gut vorstellen, wie in „Leuchtende Sonne, weites Land“ oder wie es ihr bei den Figuren gelingt.

Auch dieser Roman konnte mich überzeugen. Sicherlich nicht so perfekt, wie „Leuchtende Sonne, weites Land“, aber trotzdem schön und leicht zu lesen, weswegen der Roman auch gerne vier Sterne bekommt.


 
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