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Harold Cobert: Ein Winter mit Baudelaire

WORUM GEHTS 

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Mitten im Herbst wird Phillippe von seiner Ex-Frau aus dem Haus geworfen. Nach der Scheidung hatte sie ihm noch einige Monate eingeräumt. Doch irgendwann ist genug. Seine Tochter darf er sehen, sobald er eine neue Wohnung hat. Doch mit 27 und einem Zeitvertrag gar nicht so leicht. Zu allem Pech läuft es auf der Arbeit nicht besonders gut. Mit der Wohnungssuche beschäftigt, vernachlässigt er die Kundenaquise, und als ihm ein anderer Mitarbeiter seinen Auftrag wegschnappt, kündigt er wutentbrannt. Damit hat er sein Schicksal besiegelt. Er bekommt kein Arbeitslosengeld und auch keine Sozialhilfe, sodass er ohne Geld schnell auf der Straße landet. Anfangs ungewohnt und schrecklich, gewöhnt er sich bald an das Leben auf der Straße. Prügeleien, die Suche nach dem Schlafplatz, Bettelaktionen um Essen und Geld, und der schwere Weg zurück in die Normalität gehören zu seinem Alltag. Besonders im Winter ein schweres Unterfangen. Begleitet wird er von einem Hund namens Baudelaire, der ihn nicht nur beschützt, sondern ihn auch Freunde vermittelt, die ihm auf seinen Rückweg helfen.

SARAHS MEINUNG

Gerüche nach Essig und Verschimmeltem. Feuchter, kalter Asche. Saurer Milch und Resten von billigem Wein. Gerüche, die sich an Kleider und Haut heften. Anfangswendet er das Gesicht ab, zieht angewidert die Nase kraus, um möglichst wenig einzuatmen, und entblättert den Müll mit spitzen Fingern. (Zitat S. 106)

Dieses Zitat stamm aus dem Buch „Ein Winter mit Baudelaire“, welches mir meine Mutter geschenkt und wärmstens empfohlen hat. Auf poetische Art und Weise befasst sich der Autor mit dem Thema Obdachlosigkeit. Einfache kurze Sätze treffen auf poetische Umschreibungen. Ein Stil, der mir außerordentlich gefällt, da er ohne Umschweife alles auf den Punkt bringt. Lebendig, freifbar und menschlich wird alles beschriebenn. Mit diesem Stil kann Cober, trotz Zeichenfehler und Rechtschreibfehler, fesseln.

Mit dem gewählten Thema greift der Autor ein Thema auf, welches all gegenwärtig ist und jedes Jahr im Winter zahlreiche Todesopfer forder. Erstklassige Recherche trifft in diesem Fall auf eine interessante Umsetzung. An Hand von Phillippes Schicksal geht er auf Ursache, Tagesablauf und Rettung ein. Laut meiner Mutter ein wahres Schicksal, kann ich es nicht glauben, da weder im Buch diesbezüglich etwas angedeutet, noch vom Autoren etwas dazu gesagt wird. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass es einen so weltfremden Menschen wie den Protagonisten gibt.

Damit wären wir auch beim Hauptkritikpunkt angelangt. Laut Klappentext verliert er alles. Nach der Trennung von der Frau, sein Kind und später wird sein Arbeitsvertrag nicht verlängert. Dinge, die ich nachvollziehen kann und wo ich denke, dass sie aus dem Leben gegriffen sind. Allerdings ist schon hier ein Fehler drin, denn Phillippes Vertrag wird nicht nicht verlängert, sondern in diesem Fall kündigt er sogar selbst. Ein himmelweiter Unterschied wie ich finde. Jeder kann nachvollziehen, dass der Protagonist wütend ist und ich kann sogar eine solche Kurzschlussreaktion begreifen, aber jeder normale Mensch, würde nach wenigen Minuten klar denken, und sehen, dass er damit in der Gosse landet. Eine Erklärung für das Verhalten und er hätte sicherlich zumindest die Chance bekommen die letzten Tage im Betrieb bleiben zu dürfen, damit er zumindest Arbeitslosengeld bekommt. Jeder Chef hätte für eine Scheidung und Wohnungssuche Verständnis.
Ich meine, ich kenne mich zwar mit den deutschen Abläufen aus, aber Frankreich kenne ich nur aus dem Urlaub und eben Büchern. Bürokratie ist mir dementsprechend fremd. Ich kenne nur die Abläufe, wie sie im Buch beschrieben wurden. Phillippe ist in meinem Alter, und ich selbst wurde auch einmal arg aus der Bahn geworfen und habe zeitgleich keine Vertragsverlängerung erhalten, sowie so wenig Arbeitslosenhilfe, dass ich meine Miete hätte nicht bezahlen können, und hätte wieder nach Hause ziehen müssen. Dinge passieren, aber mit 27 sollte man zumindest die grundlegenden Dinge der Bürokratie beherrschen oder zumindest wissen wo man sich erkundigt. Google ist ihm nicht fremd, und nutzt er ständig. Selbst wenn man gewisse Dinge nicht weiß, kann man sich dort informieren. Für mich ist das gesamte Bild, was Phillippe darstellt weltfremd, naiv und schwach. Laut Internet gibt es auch in Frankreich ein Trennungsjahr. Phillippe wird zwei Monate nach der Scheidung rausgeworfen. Somit hatte er 14 Monate Zeit sich mit der Trennung und der Wohnungssuche zu beschäftigen. Kämpfen und Hoffen kann man bis zur Scheidung, aber danach nichts zu unternehmen, nenne ich gleichgültig. Und so wird der Protagonist immer wieder dargestellt. Ganz oft hatte ich das Gefühl, dass er sich wie 12 verhält. Kindisch, gutgläubig und weltfremd.

Ich meine, es gibt sicherlich weltfremde Menschen, aus diesem Grund ist es sicherlich nicht schlecht umgesetzt. Auf der anderen Seite kann ich jedoch nur den Kopf schütteln. Oft hat mich das Verhalten einfach nur aufgeregt. Vieles sind einfach nur Ausreden. Ich habe auch Probleme mit meinem Vater, und würde mich trotzdem im absoluten Notfall an sie wenden. Auch das er seiner Frau sozusagen die Schuld gibt, sorgt eher für Antiphatie, als für Sympathie.
Cobert versucht eben auf seine Art und Weise die Schicksale hinter den Gesichtern auf der Straße zu zeigen.

Sieht man aber mal davon ab, dass ich den Protagonisten einfach unpassend fand, wird das Leben auf der Straße hart und realistisch beschrieben. Cobert beschönigt nichts und nimmt kein Blatt vor den Mund. Geklaute Sachen, betteln, Hygiene, Wohnungssuche, Jobsuche, schmerzende Glieder, harte Parkbänke, Alkohol, Obdachlosenheime und der absolut kalte Winter. Kein normaler Mensch hat die Vorstellung, wie hart ein solcher Winter ist, und gerade die kalten Temperaturen der letzten Jahre, haben das Buch nötig gemacht, um aufzuklären.

Damit es im nächsten Winter nicht wieder so viele Tote gibt, hat Cobert Adressen mit Unterkünften und diverse Spendenorganisationen am Ende aufgezeigt.

Im Großen und Ganzen ein wertvolles Buch, das jedoch in meinen Augen durch den Protagonisten, der einfach zu weltfremd ist, zerstört wird. Wie im Klappentext beschrieben, hätte es mich weniger gestört, aber durch Naivität und Eigenverschulden, konnte ich trotzdem wenig Mitgefühl entwickeln. Zudem ist der rasante Schluss zu schnell und abgehackt. Auch hier hat der Autor nicht nachgedacht, und sogar einen Fehler begangen, denn er hat den treuen Begleiter, Baudelaire, trotz Krebs und starker Schmerzen zum Sterben mit nach Hause gegeben. Kein Tierarzt w würde das machen, und kein Tierliebhaber verlangen.
Genauso wie die Alltagsbeschreibungen, wo Cobert in einzelnen Wörtern und sehr kurzen Sätzen alles beschreibt. Hier hätte es zum ersten Mal länger sein dürfen, als es ist.

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