Kate Pepper - 7 Minuten zu spät

WORUM GEHTS 

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Alice ist mit ihrer Freundin Lauren verabredet. Als sie sieben Minuten zu spät am Treffpunkt erscheint, ist ihre Freundin nicht da. Als sie auch später nicht kommt oder zu erreichen ist, gehen alle davon aus, dass sie vorzeitige Wehen bekommen hat, schließlich ist sie im achten Monat gewesen. Doch in keinem Krankenhaus ist sie angekommen. Alice, die selbst mit Zwilligen schwanger ist, macht sich die größten Sorgen. Selbst die erlösende Nachricht, dass sie gefunden wurde, kann sie nicht zur Ruhe kommen lassen. Schließlich wurde sie brutal ermordet und das Baby, Ivy sollte es heißen, wurde ihr herausgeschnitten. Welcher kranke Perverse ist nur zu so einer Tat fähig. Anfangs geht die Polizei von einem Serientäter aus, da vor einiger Zeit schon eine Schwangere verschwunden ist, die ebenfalls mit Immobilien-Haien Ärger hatte. Dabei muss Alice feststellen, dass ihr Vermieter, der sie selbst gerade aus dem Haus wirft im Zusammenhang mit dem Tod von Lauren steht. Sie macht sich nicht nur auf die Haussuche, sondern ermittelt auf eigene Faust in der Immobilien-Szene. Dabei gerät sie in tödliche Gefahr und kommt einen grausamen Geheimnis auf die Schliche.

SARAHS MEINUNG

Ihr Gesicht sah aus wie aus Plastik, maskenhaft, seltsam gelöst. Um ihren Körper hing ein grellbuntes Schwangerschaftskleid. Ihr Bauch war verschwunden, sie sah aus wie ausgehöhlt. (s. 88)

Diese Zitat stammt aus dem Thriller „7 Minuten“ und zeigt den bildhaften, detaillierten, ehrlichen und schonungslosen Stil auf, den die Autorin gewählt hat, um den Lesern ein grausames Thema zu vermitteln.

In ihrem Thriller setzt sie auf Seitensprünge, Schwangerschaft, den aktuellen Immobilien-Markt, Immobilienhaie und die Aufklärungsarbeit bei ungeklärten Morden. Eine brisante Mischung, wie man bald feststellen darf. 

Als Einstieg in ihren Thriller hat sie den Zeitpunkt gewählt, wo Alice zu ihrer Verabredung mit ihrer Freundin zu spät kommt, und merkt, dass sie nicht erscheint. An dieser Stelle wird dem Leser eine Protagonistin präsentiert, die authentisch, charakterstark, lebendig und emotional ist. So wie man sich eine werdende Mutter mit Zwillingen vorstellt. Auch die anderen Figuren sind erstklassig beschrieben. Sie sind alle unterschiedlich, ergeben jedoch zusammen ein Ganzes. Dadurch ergibt sich für den Leser, dass zahlreiche weibliche Protagonisten mit männlichen Partnern an ihrer Seite für jeden Geschmack etwas bieten. Vom Fremdgeher über den fürsorglichen Ehemann bis zum Tyrannen ist alles dabei.

Da ich selbst im letzten Jahr Mutter geworden bin, kommt bei mir natürlich neben dem Rätseln um den Täter und den Grund, die Frage auf, wie ich reagiert hätte, ob ich ebenfalls so stark wie die Protagonistin gewesen wäre. Auf der anderen Seite dreht sich mir jedoch auf der Magen um, da wirklich kein Blatt vor den Mund genommen wird, und es schon bestialisch ist, wenn ein lebendiges Kind aus einer Frau einfach herausgeschnitten und entführt wird. Für schwache Seelen ist dieses Thema sicherlich nicht.

Die Umsetzung ist der Autorin auf der einen Seite sehr gut gelungen. Man fiebert mit, und erlebt zahlreiche spannende Momente, die dank falscher Fährten besonders attraktiv geworden sind. Neue Details und Hinweise sorgen für neuen Wirbel und lassen eigentlich keine Langeweile zu. Allerdings auch nur eigentlich, denn ganz ehrlich kommt mir im Mittelteil zu viel Immobilien-Anteil vor. Hier eine Besichtigung, da ein neuer Makler, dann werden alle vertrieben. Klar gehört es zum Buch, denn darauf basiert die Mordstory, aber oft geht die Spannung dadurch etwas verloren. So kommt man bis zum Schluss häufiger in Versuchung die eine oder andere Seite zu überspringen. Allerdings kann man auf Grund der Buchlänge der Versuchung widerstehen.

Dann kommen die letzten Seiten, und ich muss sagen, dass mich dies absolut enttäuscht hat. Der Ausgang des Buches ist interessant, verzwickt und doch logisch. Alles andere als erwartet und vieles muss man einfach erst einmal sacken lassen, um dann festzustellen, dass es einen trotzdem nicht befriedigt. Die Autorin versucht auf der letzten Strecke noch eine unnötige Spannung zu erzeugen. Ganz nach dem Motto: Thriller müssen am Ende spannend sein. Diesen Anstieg nutzt sie dann für eine so haarsträubende Auflösung, die wohl nur wenige Leser ernsthaft zufrieden stellt. Mit einem Epilog versucht sie die Fehler zu beheben, aber sorgt dort eher noch für eine Portion Kopfschütteln mehr. Dementsprechend gehört dieser Ausgang zu meinen Nieten des Jahres dazu.

Alles in allem fand ich jedoch das Thema trotz Brutalität sehr interessant, sodass ich dem Buch gerne noch drei Sterne gebe. 


 
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1 Kommentar:

  1. Oh, das ist immer ärgerlich, wenn ein gutes Buch durch ein schlechtes Ende versaut wird :( Schade! Ich glaube, dieses Buch schlummert auch hier noch irgendwo ungelesen im Regal, müsste ich mal suchen ;)

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