Victoria Holt - Das Geheimnis der Nachtigall

WORUM GEHTS 

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19. Jahrhundert: Susanna ist vier Jahre alt, als ihre Mutter stirbt. Trotzdem ist sie bei ihrem Vater und dem indischen Personal nie einsam. Als sie mit 10 Jahren nach Neland zurück muss, um eine feine Erziehung zu genießen, bricht die Welt für sie zusammen. Mit 17 kehrt sie zurück und lernt Aubrey und das echte Indien kennen. Sie ist froh, als ihr Vater nach England versetzt wird, und Aubrey mitkommt, da sein Bruder im Sterben liegt. Die Verlobung und die baldige Hochzeit macht das Glück perfekt. Doch schon auf der Hochzeitsreise lernt sie das wahre Gesicht von Aubrey kennen. Im Drogenrausch feiert er Orgien, und vergewaltigt sie. Nicht mal die Geburt von Julian ändert sein Verhältnis zu Drogen. Im Gegenteil, das Kindermädchen eignet sich perfekt als Geliebte für zwischendurch. Das schlimmste ist jedoch die Tatsache, dass er für den Tod seines ungeborenen Neffen verantwortlich ist. Susanna möchte einfach nur weg, aber nicht ohne Julian, und den lässt Aubrey nicht gehen. Als sie zu ihrem Vater muss, der im Sterben liegt, ahnt sie nicht, dass es das letzte Mal ist, dass sie Julian sieht. Bei ihrer Rückkehr ist er tot. Verstorben an einer Lungenentzündung und behandelt von Dr. Damien, einem Arzt, der mit Drogen experimentiert und in ihren Augen für die Sucht von Aubrey verantwortlich ist. Sie schwört Rache, tödliche Rache.

SARAHS MEINUNG

Victoria Holt ist bekannt für ihre tirivialen, aber romantischen Thriller. Es gibt kaum ein Werk von ihr, welches mich nicht überzeugen kann.

In diesem Thriller begegnet der Leser einer ausgepsorchen starken Protagonistin. Um sie und ihr späteres Handeln besser nachvollziehen zu können, erfährt der Leser ihre Kindheit und Jugend an Hand einer detaillierten Rückblende. Ihre Stärke, Liebe zu außergewöhnlichen Frauen jeglicher Schichten und der Wunsch nach Liebe werden greifbar. Genauso charakterstark und einmalig wie Susanna, sind auch die anderen Figuren. Zusammen ergeben sie eine lebhafte Schwar mit der nie Langeweile aufkommt. Anders ist man es jedoch von Victoria Holt nicht gewohnt.

Inhaltlich wird der Leser in zwei Welten entführt. In eine Zeit wo Frauen zum Heiraten gut waren, jedoch nicht mehr. Die typische Kindheit in Indien, die steife englische Erziehung, die widerum auf das orientalische Leben im Bosporus zu Kriegszeiten treffen. Es sind vielschichtige, kompett unterschiedliche Welten, die von Holt zu Leben erweckt werden. Sie beschreibt so farbenfroh, dass man sofort das Gefühl hat, den Ort selbst zu kennen.

Auch thematisch kann die Autorin glänzen. Geht sie sonst auf Gouvernanten in Adelshäusern ein, greift sie diesmal auf die schlechten Verhältnisse in englishcen Krankenhäusern und die ärmlichen Situationen von unverheirateten Dorffrauen zurück. Zudem befasst sie sich mit den ersten Rauschgiftversuchen im medizinischem Bereich zur Schmerzlinderung. Ich finde, dass sie dies außergewöhnlich gut recherchiert hat. Es sind Dinge, die ich bis dato noch nie in meinem Leben gehört hatte. Über die früheren Verhältnisse in Kranenhäusern und den Beruf Krankenschwester habe ich zwar schon einiges gelesen, aber so explizit, empfand ich es wirklich interessant. Wer einmal bei Google nachsieht, wird erkennen, dass sie harte Fakten zum Beispiel über die Orte oder teilnehmenden Personen, wie Nightingale eingebaut hat. Das gleiche gilt für die Handhabung mit dem Rauschgift. Die ersten Versuche waren verpönt und heute ist eine Betäubung bei einer Operation oder bei Schmerzen absolut üblich. Zum ersten Mal fand ich es inhaltlich wirklich lehrreich und informativ.
Dadurch wirkte es jedoch stellenweise einfach zu sachlich. Der spannende Faktor geht stark verloren. Das wird besonders im Mittelteil sehr deutlich. Am Anfang muss man sich noch ein Bild machen, um den Hass nachvollziehen zu können. Doch dieser ist später nur mit Worten präsent, und wird erst zum Schluss wieder greifbar.

Dieser ist in meinen Augen auch nicht unbedingt ideal gewählt. Hier kommt der berühmte Kitschfaktor zum Vorschein, den ich durch die Fakten sogar ziemlich hoch finde. Mir war es eine Spur zu viel. Romantik ist jedoch auch im Mittelteil vertreten, wo es jedoch ebenfalls zu sehr nach Happy End und Glück aussieht. Es ist jedoch nicht schlecht.

Im Großen und Ganzen ein wirklich nettes Buch, dass ich inhaltlich gerne weiterempfehle, sofern der Kitschanteil nicht stört.



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