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Ilona Hilliges: Die weiße Hexe

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Als Leseratte lese ich rund 250-300 Bücher im Jahr und muss sehr häufig feststellen, das meine Anforderungen mit jedem Jahr etwas steigen. Dabei ist es in meinen Augen gar nicht so schwer mich zufrieden zu stellen. Ein guter Plot, ein angenehmer Stil, eine ideale Umsetzung, authentische Protagonisten und je nach Genre ein gute Portion Romantik, Fantasy oder Spannung. Keiner dieser Punkte sollte jedoch übertrieben werden. Mehr verlange ich nicht.

Heute möchte ich euch mal wieder ein Buch vorstellen, welches ich gerade ausgelesen habe. Es ist ein Tatsachen-Buch über ein Frauen-Schicksal in Afrika. Es ist lange vor „Die weiße Massai“ passiert und endlich mal kein Standard-Buch, sodass ich zum ersten Mal nach langer Zeit wieder begeistert war. Aber lest selbst.

===Buchdaten===
Autor: Ilona M. Hilliges
Titel: Die weiße Hexe
Verlag: Ullstein
Erschienen: 2000
ISBN-10: 3548359647
ISBN-13: 97835483596479
Seiten: 332
Kosten: 8,95€

===Leseinformationen===
Genre: Biographie
Niveau: mittel
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 1 Tag

===Autor/in===
Ilona Maria Hilliges, geboren 1953, hat Betriebswirtschaft und Sozialkunde für Drittweltländer studiert und arbeitete in Kanada, England, Nigeria und Deutschland in sozialen Projekten sowie für Wirtschaftsunternehmen. Als Frau eines Westafrikaners lebte sie viele Jahre in Lagos, heute wohnt sie mit ihren vier Kindern in Berlin. (Quelle: Amazon)

===Optischer Eindruck===
Der Sonnenuntergang und der afrikanische Baum sind absolut ansprechend und beruhigend. Es passt zum Buch und ist in meinen Augen sehr gut gewählt.Allerdings hätte ich mir von Ilona noch ein Bild vorne gewünscht.

===Zitierter Klappentext===
Eine Frau zwischen Liebe, Magie und Abenteuer in Afrika!
Eine Deutsche erlebt die magische Weisheit des Schwarzen Kontinents und trifft den Mann ihres Lebens. Doch ein mächtiger Clanchef bedroht sie mit Schwarzer Magie. Sie wehrt sich mit den Waffen ihres Gegners und unterwirft sich einem magischen Ritus: Sie wird zur "weißen Hexe". (Quelle: Klappentext)

===Leseprobe===
Eine Leseprobe, die ich verlinken kann, habe ich leider nicht gefunden. Wer kleinere Eindrücke haben möchte, kann diese dem Zitat, welches meine Meinung untermalen soll, entnehmen.

===Sarahs eigene Inhaltsangabe und meine Meinung===
Ich mag Biographien sehr gerne, und mag auch die afrikanischen Tatsachenberichte, die deutsche Frauen verfasst haben. Allerdings finde ich, dass viele auf den Zug von Corinne Hoffmann aufgesprungen sind, und die Schicksale sehr gleich und oft gar dadurch langweilig wirken. Dieses Buch sticht in meinen Augen positiv aus der Masse, denn ist anders.

Ilona ist 19, als sie in München bei den olympischen Spielen ihren zukünftigen Mann kennenlernt. Ihr Vater ist gegen die Beziehung und auch Deutschland macht es dem Paar nicht leicht. So wandern sie aus und landen letzten Endes in England, wo es wie auch zuvor in Kanada ist. Sie geht arbeiten und er sitzt auf der faulen Haut. Selbst um die Kinder muss sie sich kümmern, und dann haut John plötzlich nach Nigeria ab, um zu seinen Bruder zu reisen. Alleine im fremden Land schafft es Ilona nicht und kehrt als geläuterte Tochter nach Hause zurück. Die Wochen verstreichen und pünktlich zu Weihnachten steht John vor der Tür. Trotz Scheidungsgespräche nimmt das Treffen eine Wendung, denn ihr Vater und John machen plötzlich auf Geschäftspartner. Autoexport, der leider nicht funktioniert, wie er sollte. Ilona reist zum ersten Mal in das Land ihres Mannes und versucht das Geld ihres Vaters zu retten. Dabei lernt sie nicht nur Johns Bruder, der bald verstirbt, sondern auch Johns Zweitfrau kennen, die er bis zum Schluss verleugnet. Auf dem Rückflug lernt sie einen Firmenchef kennen, der ihr den perfekten Job in Nigeria anbietet. Nach langem zögern nimmt sie trotz der Kinder an, und lernt so durch Zufall auf einer Schulung im Hotel ihren Traummann kennen. Die Wege kreuzen sich immer häufiger und sogar von Hochzeit ist die Rede. Dass er ebenfalls aus Nigeria stammt, aber komplett in England aufgewachsen ist, erleichtert die Sache. Doch Afrika zieht auch ihn magisch an, denn sein Vater ist ein König, den jemand aus den Weg räumen will. Ihre Liebe steht unter einem tödlichen Stern.

Wenn man bedenkt, dass dies echt passiert ist... Ich finde, die Story klingt wie aus einem Roman. Man begleitet Ilona auf ihrer Reise in die Vergangenheit und erfährt alles aus ihrer Sichtweise. Ilona wird dem Leser weder als naiv oder blöd dargestellt. Sie ist eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, Rückhalt der Eltern hat und ihren Mann sogar in Deutschland kennenlernt. Sie ist mir sofort sympathisch und sogar ihre Faszination für John konnte ich sofort nachvollziehen. Wenn eine Hauptfigur so liebenswert ist, macht das Lesen gleich noch mehr Spaß.

Inhaltlich wird der Leser in die Situation sehr zart eingeführt. Man lernt Ilona als Mädchen kennen, wie sie auf John trifft. So ist wirklich alles vom ersten Kennenlernen bis zum größten Streit präsent. Man fühlt sich komplett am Leben beteiligt. So sollten viel mehr Biographien sein. Oft hat man das Gefühl, dass bestimmte Situationen ausgelassen wurden. Dies ist hier überhaupt nicht der Fall. Alle wichtigen Stationen, die bedeutend sind, werden auch erwähnt. Doch nicht nur ihr Leben als Weiße in einem Land voller Schwarzer wird authentisch dargestellt. Die Kultur des Landes vom Beschneiden über Geburten bis hin zu Ritualen wird mehr als deutlich beschrieben. Zudem geht sie auch auf die Landschaft, das Klima und die Sitten ein. Man lernt Nigeria also rund herum kennen. Zum ersten Mal wird nicht auf Klischees herumgeritten, sondern das Land so dargestellt, wie es wirklich ist / war, denn ihr Leben auf dem afrikanischen Kontinent liegt einige Jährchen zurück.

Der Stil ist ebenfalls sehr ansprechend. Leicht, ehrlich und weder zu emotional, noch zu sachlich. Er vermittelt Tatsachen genauso gut wie Emotionen. Zudem lässt er sich flüssig lesen.

Trotz der Tatsache, dass die Autorin nicht auf Mitleid oder Tränen aus ist, muss der Leser doch schlucken, als die eine oder andere liebgewonnene Person dahin scheidet.

Genau diese Mischung macht das Buch so perfekt.

===Abschließendes Fazit===
Afrika aus Sicht einer weißen Frau.

Pro: All
Contra: Nothing
Empfehlung: Ja 5 sterne







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