Fatma B. - Hennamond

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Als Leseratte lese ich rund 250-300 Bücher im Jahr und muss sehr häufig feststellen, das meine Anforderungen mit jedem Jahr etwas steigen. Dabei ist es in meinen Augen gar nicht so schwer mich zufrieden zu stellen. Ein guter Plot, ein angenehmer Stil, eine ideale Umsetzung, authentische Protagonisten und je nach Genre ein gute Portion Romantik, Fantasy oder Spannung. Keiner dieser Punkte sollte jedoch übertrieben werden. Mehr verlange ich nicht.

Biographien zählen zu den Werken, die ich durch meine Mutter schon im Kindesalter lieben gelernt habe. Ich finde es faszinierend zu sehen, wie andere Schicksale meistern, wie sie leben, was sie erleben, wie sie sich fühlen und was sie denken. Biographien aus muslimischen Ländern sind da zwar etwas verzwickter, da sie oft das Gleiche aussagen und dadurch auf die Dauer langweilig wirken, aber die Neugier siegt jedes Mal, sodass ich auch hier ein Buch ertauscht habe.

===Buchdaten===
Autor: Fatma B.
Titel: Hennamond
Verlag: Ullstein
Erschienen: 2001
ISBN-10: 3548362443
ISBN-13: 97835483624431
Seiten: 222
Kosten: 7,95€
Serie: -

===Leseinformationen===
Genre: Biographie
Niveau: durchschnittlich
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 2 Tage

===Autor/in===
Biographie: Daher einfach nur den Hinweis, lest das Buch, dann wisst ihr alles über die Autorin. Schreibe ich es hier rein, dann braucht ihr es nicht mehr zu lesen.

===Optischer Eindruck===
Ein Bild von der Autorin, wie sie verschleiert durch den kleinen Augenschlitz schaut. Passend, aber nichts Besonderes.

===Zitierter Klappentext===
Fatma ist neun, als sie mit ihrer Familie von Ostanatolien nach Deutschland kommt. Die Welt, aus der sie stammt, ist eine Männergesellschaft. Frauen werden lediglich nach ihren Fähigkeiten in Sachen Hausarbeit und Kindererziehung gemessen. Prügel und Gewalt sind an der Tagesordnung. Doch auch in der offenen deutschen Gesellschaft bessert sich Fatmas Lage kaum: In der Schule ist sie die junge aufgeklärte Frau, zuhause wartet der tyrannische Vater. als sie zur Hochzeit mit ihrem ungeliebten Cousin gezwungen werden soll, riskiert sie die Flucht. (Quelle: Klappentext)

===Leseprobe===
Quelle: Lisa-Freundeskreis
Eine Leseprobe, die ich verlinken kann, habe ich leider nicht gefunden. Wer kleinere Eindrücke haben möchte, kann diese dem Zitat, welches meine Meinung untermalen soll, entnehmen.

===Sarahs eigene Inhaltsangabe===
Fatma wächst in einem kleinen Dorf zusammen mit ihren Geschwistern auf. Die tägliche Unterdrückung der Frauen nimmt sie mit einem kindlichen Bewusstsein auf, ist jedoch glücklich, denn ihre Mutter macht alles, um ihnen trotz harter Arbeit eine schöne Kindheit zu ermöglichen. Fatma geht in die Schule, verliebt sich und dann kommt der Schock. Sie gehen nach Deutschland und kurz vorher wird sie noch fast von ihrem Cousin vergewaltigt. Doch Fatma lernt sich anzupassen, auch wenn der Anfang absolut schwierig ist. Mit ihren komischen Gewändern, den fremden Gerüchen und der Tatsache, dass sie in Deutschland trotz guter Noten nicht in die dritte, sondern in die erste Klasse kommt, sorgen fürs Anecken. Aus diesem Grund dauert es nicht lange, bis sie sich heimlich modische Kleidung anzieht, später einen Führerschein macht, und sogar einen deutschen Mann heiraten will. Doch das will ihr traditioneller Vater nicht und arrangiert kurzer Hand die Ehe mit dem Cousin, der sie schon vor Jahren vergewaltigen wollte. Doch sie hat andere Pläne mit einem Deutschen.

===Sarahs meine Meinung===
Ich habe schon vieler solcher Bücher gelesen und auf der einen Seite ist das Buch anders, weil Fatma eben lange Zeit in Deutschland lebt, aber eben auch die Kultur ihrer Heimat leben gelernt hat, sodass nicht nur ein Extrem beleuchtet wird. Aber auf der anderen Seite ist es ein Buch voller Wiederholungen.

Beginnen wir mit der Idee. Diese ist vielfach genutzt, aber immer wieder interessant. Der Unterschied zwischen der deutschen und der türkischen Kultur, und die Schwierigkeit diese innerhalb von Deutschland zu vereinen. Durch die nette, selbstbewusste Protagonistin, die ihre kindliche Ader im Buch hervorhebt, und den Leser aus Sicht naiver Kinderaugen teilhaben lässt, erfährt man wirklich eben eine Sichtweise, die bewegender ist. Wobei man jedoch auch erkennt, dass Fatma es im Vergleich zu anderen Freunden und Bekannten leichter hatte. Sie wurde regelmäßig gebadet, entlaust und konnte sogar zur Schule gehen. Aus dieser Sicht werden viele Bücher geschrieben, die auf Grund der kindlichen Erlebnisse eben höhere Verkäufe erzielen. Neben Fatma gibt es noch zahlreiche andere Personen, die authentisch, aber eben aus Sicht eines Kindes dargestellt werden.

So wie die Personen dargestellt werden, sind auch die anderen Beschreibungen. Kindlich, naiv und doch leicht aufgeklärt. Durch die Erinnerungen bestimmter Lebensabschnitte wirkt es nicht rund, sondern eher abgehackt, aber das ist bei einer Biographie in der Regel normal.

All diese Punkte zusammen sorgen dafür, dass es inhaltlich nicht so 100% überzeugen. Es sind eben Erinnerungen, die schon viele andere Frauen vorher so geschildert haben. Wasser holen, Feldarbeit, Stand der Frauen in der Gesellschaft, Zwangsehen und vieles mehr. Zudem wartet man immer auf den Punkt, wo der Klappentext endet. Schließlich weiß der Leser, dass eine Zwangsehe auf sie wartet. Nach 180 Seiten wichtigen, interessanten, aber bekannten Erlebnissen ist es dann endlich so weit. Und dann geht alles mehr als rasant. Immer wieder kann sie die Hochzeit verhindern und sogar fliehen, um einen Deutschen zu heiraten.

Spätestens hier hat mich das Buch maßlos enttäuscht. Während das Buch schon zu Beginn auf Klischees ausgelegt ist, und vieles sehr einseitig gezeigt wird, denn ich hatte früher genügend türkische und kurdische Freunde, wo man sieht, hier passt das Buch und bei anderen ist es völlig falsch, da sich die Familie schon längst integriert und angepasst hat. Der Schluss ist jedoch ein so schlimm, dass ich gar nicht glauben kann, dass es sich wirklich so abgespielt hat. Das Fatma verstoßen wird und auf Widerstand stößt, das ist jedem klar, der auch nur etwas über die traditionelle Männergesellschaft weiß. Wir deutschen werden jedoch als erfolgreich, reich, weltoffen und egoistisch dargestellt. Wenn ich schon den Sprung schaffe, dann suche ich mir doch einen Mann, den ich wirklich liebe, trauen kann, und dem ich auch alles anvertrauen kann. Stattdessen wird hier deutlich gemacht, dass wir deutschen wenig Verständnis haben, und sie im Grunde nun keine Heimat mehr hat, und noch einsamer als mit ihrer Familie war. Viele Frauen haben den Sprung geschafft und einen Deutschen geheiratet, und da sieht und liest man immer wieder, dass die Männer die Frauen unterstützen, und helfen, wo sie können, damit der Zwiespalt so gering wie möglich bleibt.

Ich finde solche Bücher wichtig, da sie zum Verständnis von anderen Kulturen beitragen, und auch wenn mir vieles bekannt vorkam, ist es hauptsächlich die Darstellung am Schluss die mich am Meisten stört. Aus diesem Grund auch nur drei Sterne.


===Abschließendes Fazit===
Klischees verschleiern die harten Fakten

Pro: Idee, Stil
Contra: keine Bilder, Schluss
Empfehlung: Ja, 3 Sterne






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