Bettina Szrama - Das Mirakel von Köln

===Buchdaten===
Autor: Bettina Szrama
Titel: Das Mirakel von Köln
Broschiert: 285 Seiten
Verlag: Emons (30. Oktober 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3954510294
ISBN-13: 978-3954510290
Kosten: 11,90€

===Leseinformationen===
Genre: Historischer Roman
Niveau: anspruchsvoll
Leserschaft: Erwachsene
Lesedauer: 7 Tage

===Autor/in===
Bettina Szrama wurde 1952 in Meißen geboren. Sie studierte Literaturwissenschaften in Hamburg und war danach als Journalistin tätig. Seit 1994 widmet sie sich neben diversen Regionalzeitung auch dem schriftstellerischen Bereich. 

===Optischer Eindruck===
Das gezeichnete Cover auf dem eine Frau an einem Pfahl hängt, ist beeindruckend und macht Lust auf mehr.

===Zitierter Klappentext===
Köln, 1625: Der erzbischöfliche Generalvikar rettet die fallsüchtige junge Christina vor einer Steinigung durch den Pöbel und bringt sie ins Kloster Santa Klara. Doch anstatt Sicherheit zu erfahren, wird Christina Zeugin von Teufelsaustreibungen, sittlichem Verfall und unaussprechlichen Verbrechen. Ihr gelingt die Flucht, doch sie gerät in ein Ränkespiel der Mächtigen, in dem sie alles verliert außer ihrem Leben. Sie beschließt, sich zu rächen indem sie sich selbst der Hexerei anklagt. Unter der Folter bezichtigt sie alle Hochgestellten Kölns, die ihr jemals begegneten. Und die Stadt beginnt vor ihr zu zittern (Quelle: Klappentext)

===Leseprobe===
http://www.autorin-bettinas-schatzkiste.de/Santa%20Klara.html

===Sarahs eigene Inhaltsangabe===
Köln im Jahre 1625: Christina Plum leidet an Fallsucht und wird aus diesem Grund für eine Hexe gehalten. Sie flieht vor einem großen Mob und wird überraschend vom Generalvikar Fresenius gerettet. Er bringt sie in ein Kloster mit dem Namen St. Klara. Was anfangs als Rettung und Glück erscheint, wird für Christian bald zum größten Horror. Im Kloster ist es noch schlimmer als auf den Straßen von Köln. Teufelsaustreibungen, Wolllust, Kindesmord und andere sittliche Verbrechen finden hier regelmäßig statt. Christina kommt mit dieser Situation nicht klar, auch wenn sie sicher ist und sogar gefördert wird. Sie beschließt, dass sie fliehen muss und gerät zwischen die Fronten der Mächtigen. Christina verliert alles und wird von nun an von einem Rachegefühl getrieben. Kurzer Hand will sie sich rächen, indem sie sich selbst als Hexe anklagt und alle mit ins Verderben zieht.

===Sarahs Meinung===
Ein historischer Roman kann etwas ganz besonderes sein. Der Leser wird in eine fremde, längst vergangene Welt entführt und bekommt Einblicke, wie es damals war zu leben. Einige dieser Romane sind sogar historische Belege für wahre Begebenheiten, die mehr oder weniger in Vergessenheit geraten sind. Doch leider ist es nicht immer gewährleistet, dass eine gute Idee überzeugen kann. Eine schlechte Recherche, trockene Ideen, ein altbackener Stil oder langatmige Passagen zerstören oft den guten Ansatz. Bei Bettina Szrama weiß ich durch den Roman „Die Hure und der Meisterdieb“, dass sie nicht nur einen brillanten, fesselnden Stil besitzt, sondern man mit jeder Zeile die langwierige Recherche spürt. Neugierig, wie sie ihren neuesten Roman umgesetzt hat, habe ich mich ans Lesen gemacht.

Wie schon beim „Hexer vom Lemgo“ geht es auch in diesem Roman um das Thema Hexenverfolgung. Auch hier setzt die Autorin aus eine Mischung aus Fiktion und Tatsachen. Besonders die Tatsachen wurden ausführlich recherchiert, sodass alles überprüft werden kann, ohne das man auch nur einen Fehler findet. So können Interessierte das Kloster sogar besuchen oder Fotos auf der Autorenseite zum Kloster begutachten. Eine solche Hingabe bei der Recherche würde ich mir bei einigen anderen Autoren auch wünschen. Mit so interessanten Fakten kann ein Stück deutsches Geschichte kennengelernt werden. Selbst abseits der Fakten merkt man das Herzblut und den Schweiß, den die Autorin hier eingebaut hat. Figuren, Orte, Emotionen und Handlungen wurden authentisch in die Zeit eingefügt. Es entsteht ein lebendiges Bild einer Zeit, die niemand von uns wirklich erlebt hat. Besonders mit Christina ist ihr wieder eine eindrucksvolle, starke Persönlichkeit gelungen, die bis ins kleinste Detail stimmig ist. Sich in sie hineinzuversetzen, ist genauso einfach, wie ein klares Bild des damaligen Kölns zu bekommen. Kopfkino ist bei diesem Stil ein Selbstläufer.

Dabei darf man keineswegs von trivialer Kost ausgehen. Das Buch ist komplex, anspruchsvoll und besonders am Anfang mit vielen neuen und unbekannten Personen eine leichte Herausforderung. Mit der Zeit fällt es jedoch leichter sich die Namen zu merken und den Figuren zu zuordnen.
Neben diesen ersten Problemen kommen gerade am Anfang viele Fragen auf, die zwar alle im Verlauf des Buches geklärt werden, aber ich muss sagen, dass ich mich anfänglich leicht erschlagen fühlte. Genau dadurch ist man jedoch gefesselt und dank einer konsequenten Spannung, die auch schon auf den ersten Seiten entsteht, nimmt man es gerne in Kauf.

Obwohl ich den Roman anspruchsvoll fand, kann ich euch beruhigen. Die Sprache ist modern, einfach und lässt sich daher sehr gut lesen. Die Autorin hat mir erlaubt einen Auszug als Leseprobe anzubieten.

Der Generalvikar hatte sich erhoben und trat hinter sie. Plötzlich hielt Christina sich vor Schreck die Hand vor den Mund. In dem Leichnam, der vom Galgen schaukelte, hatte sie Leonardo erkannt. Der Generalvikar legte ihr einen Umhang um die zitternden Schultern, den sie erschauernd fester um sich zog. »Warum ist er so schwarz im Gesicht?«, fragte sie tonlos.

»Weil er hängt«, antwortete Bernard ungerührt in ihren Rücken. »Gestern war sein Gesicht noch rosig und voller Leben.« (ZITAT: Quelle http://www.autorin-bettinas-schatzkiste.de/Santa%20Klara.html)

Ich denke mal, mit ihr wird deutlich, dass die Sprache absolut zeitgemäß ist.

Alles in allem ist Bettina Szrama wieder ein brillanter historischer Roman gelungen. Es ist eine schöne Geschichte, und auch wenn hier das meiste fiktiv ist, ist es trotzdem ein guter Beleg für die damalige Zeit. Aus diesem Grund kann ich das Buch jedem empfehlen, der historische Romane mag.

===Abschließendes Fazit===


Pro: Stil, Figuren, Handlung
Contra: Einstieg
Empfehlung: 4 Ja


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