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Die Päpstin / D. W. Cross

Dieses Buch steht schon recht lange in meinem Buchregal. Ich habe es bei Tauschticket ertauscht, als ich bei einem Tauschspiel mitmachte. Das waren noch Zeiten, als tauschen kostenlos war. Ihr seht, es ist schon recht lange her. Damals war das Buch recht neu und die Kritiken haben mich umgestimmt, obwohl ich eigentlich mit solchen historischen Werken weniger anfangen kann. Als ich jedoch gebraucht einen neuen MP3 Player erworben habe, und dort versehentlich noch alte Musik und Hörbücher drauf waren, habe ich mich doch an dieses Werk gewagt. Das Hörspiel, basierend auf der Filmumsetzung, hat mir so gut gefallen, dass ich auch gleich das Buch gelesen habe. Herausgekommen ist ein unentschieden, denn ich könnte nicht sagen, ob das Hörbuch oder das geschriebene Wort besser gefallen hat.....


'''o0o Worum geht es o0o'''
Johanna ist die Tochter eines Dorfpriesters, der eine sächsische Frau mit Namen Gudrun geheiratet hat. Als sie 814 geboren wird, sind die Weichen für ihre Zukunft gestellt, denn ihr Vater hat ein klares Bild, wenn es um Frauen geht. Sie brauche nicht lesen oder schreiben, und müssen nur den Haushalt erledigen und Kinder bekommen. Ein Glück sieht ihr älterer Bruder Matthias das Ganze etwas moderner, und bringt seiner Schwester Johanna das Lesen bei. Als dieser jedoch an einem Fieber stirbt, ändert sich zu Hause alles. Ihr Vater ist sehr betroffen von dem Tod, und sieht Johanna nur noch als Kind des Teufels an. Das liegt vielleicht auch daran, dass sein Lieblingssohn verstorben ist, und ihr jüngerer Bruder nicht so talentiert in den Augen eines griechischen Gelehrten ist, wie seine verfluchte Tochter. Kein Wunder, dass sie das Geschenk dieses Mannes, ein griechisches Buch mit lateinischer Übersetzung heimlich lesen muss. Als ihr Vater es entdeckt, zwingt er sie, die Buchstaben mit einem Messer so herauszukratzen, dass das Buch noch einmal genutzt werden kann. An diesem Abend lernt Johanna zum ersten Mal die Grenzen einer Frau kennen, denn ein „Nein“ akzeptiert ihr Vater nicht, sondern schlägt sie halb Tod. Sie überlebt jedoch und kurze Zeit später kommt ein Gelehrter um sie mitzunehmen, damit sie als Schülerin noch viele tolle Dinge lernen kann. Ihr Vater weiß dies jedoch geschickt zu ändern, denn sein trotteliger jüngster Sohn heißt Johannes, und so ist eine Verwechselung des Namens Schuld. Wer würde schon ein Mädchen an einer Schule haben wollen!? Als ihr niemand glaubt, flieht sie in der Nacht und kann zusammen mit ihrem Bruder nach Dorstadt reisen, wo sie dem Bischof beweist, dass sie über das nötige Wissen verfügt. Doch als Mädchen kann sie nicht offiziell die Domschule besuchen, und so kommt sie zu Gerold einem Markgrafen und dessen Familie. Zwischen ihr und dem älteren Mann kommt es zu einer innigen Freundschaft. Ein einziger Kuss verändert jedoch alles, denn aus Freundschaft wurde Liebe, die nicht sein darf. Seine Frau erfährt davon und verheiratet Johanna heimlich während Gerolds Abwesenheit mit dem Sohn des Dorfschmied. Das Fest ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn wilde Normannen überfallen Johanna und alle Anwesenden und töten die Mehrheit. Johanna kann fliehen und weiß, dass sie als Frau nicht weit kommt, so verkleidet sie sich als Mann und nennt sich Bruder Johannes Anglicus, wodurch sie ohne Probleme in ein Kloster nach Fulda gehen kann. Dort empfängt sie die Weihe zum Priester und lernt vieles über Medizin. Doch dann verändert sich alles, sie soll der neue Papst werden und Gerold taucht auch wieder in ihrem Leben auf. Wie sich die Geschichte entwickelt, müsst ihr ab hier selbst lesen.
'''o0o Meine Meinung o0o'''
Die Päpstin“ ist ein Buch, welches viele Fans, aber auch kritische Stimmen hervorgerufen hat. Die Frage, ob die Legende, auf der die fiktive Geschichte von Donna W. Cross basiert, generell nur Fiktion war, oder ob es wirklich eine tapfere Frau gegeben hat, die als Päpstin, die Männerwelt auf den Kopf stellte, spaltet die Meinungen. Doch um diese Frage selbst geht es in dem Buch nicht, und so lassen wir es einfach jedem seine Meinung, und widmen uns nun der eigentlichen Umsetzung, wie sie die Autorin wohl gerne gesehen hätte.

Donna W. Cross hat sich für eine Geschichte eine Ausführung entschieden, die ein Stück weit auf der Legende basiert, jedoch viele eigene Ansätze beinhaltet, wodurch das Buch nichts für Fans ist, die auf eine erstklassige Recherche setzen und etwas über die tatsächliche Vergangenheit erfahren möchten. Nicht das die Autorin nicht gut recherchiert hat. Sie hat dies sogar vorbildlich gemacht, und lässt so eine vergangene Zeit greifbar und anschaulich entstehen, dass ich persönlich das Gefühl hatte, selbst dieses Jahrhundert erlebt zu haben. Dafür sorgt die Autorin vor allen Dingen mit ihrem Stil.

Ganz in der Nähe des Grubenhauses grollte Donner, und das kleine Mädchen erwachte.(ZITAT S. 19)

Mit diesem Satz wird sofort deutlich, welchen Stil der Leser zu erwarten hat. Viel zu oft versuchen Autoren historischer Werke, die alte Sprache aufleben zu lassen, und sorgen stattdessen mit ihrer Wortwahl für ein realistische Sprache, die jedoch nur allzu schwer zu verfolgen ist. Einer der Gründe, warum ich historische Werke nur bedingt lese. Doch mit diesem leichten, modernen und illustrativen Stil fesselt die Autorin binnen weniger Sekunden, und lässt sogar das eher langweilige Thema „Kirche“, „Papst“ und „Religion“ lebendig und faszinierend erscheinen.

Generell entsteht so nicht nur eine fabelhafte und authentische Kulisse, sondern auch eindrucksvolle Charaktere. Die kleine Johanna muss man mit ihrer wissbegierigen, vielleicht auch leicht rebellischen Art einfach sofort ins Herz schließen. Jede Figur bekommt Charakterzüge eingehaucht, die ein klares Bild entstehen lassen und die Sympathiepunkte automatisch verteilen. Vom tyrannischen, frauenfeindlichen Vater, über eine eingeschüchterte Mutter bis zu Gerold, der wie ein seelenverwandter erscheint.

Mit diesen eindrucksvollen Charakteren nimmt die Geschichte recht schnell ihre Gestalt an. Obwohl ich anfänglich von vielen langatmigen Passagen ausgegangen bin, muss ich zugeben, dass das Buch einen so in den Bann zieht, dass man es nicht aus der Hand legen mag, und schon gar keinen Satz überspringen will. Jedes Wort wird aufgesogen, denn man könnte etwas Entscheidendes verpassen.

Es passiert einfach zu viel, wofür auch das Tempo der Autorin sorgt. Langatmige oder unwichtige Passagen sind hier definitiv Mangelware. Ihr Kampf gegen den Vater, die abenteuerliche Reise nach Dorstadt, später der Angriff der Normannen oder die Pest. Alle Aspekte der damaligen Zeit wurden auf interessante Art und Weise eingeflochten und eben durch Spannung und Liebe abgerundet. In meinen Augen ist ein brillantes, lesenswertes Werk entstanden, dass mich sowohl als Hörbuch, als auch im normalen Buch vollends überzeugen kann. Bei diesem Genre also eine absolute Seltenheit, denn allzu oft habe ich starke Leseschwierigkeiten mit historischen Werken.

'''o0o Noch ein paar allgemeine Daten, etwas zum Autoren, Klappentext o0o'''
Autor: Donna W. Cross
Titel: Die Päpstin
Taschenbuch: 585 Seiten
Verlag: Aufbau; Auflage: 62 (2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746614007
ISBN-13: 978-3746614007
Originaltitel: Pope Joan
Preis: € 10,00
Genre: historisch
Lesedauer: 4 Tage

Donna Woolfolk Cross wurde in den vierziger Jahren in New York geboren, wo sie auch aufwuchs. Nach ihrem Studium arbeitete sie unter anderem in der Verlagsbranche. Heute lebt sie einige Autostunden nördlich der Großstadt im Bundesstaat New York und lehrt "Writing" am Onondaga College. "Die Päpstin" ist der erste Roman der Autorin, ihre vorausgegangenen Publikationen waren Sachbücher, die sich mit den Themen Gesprächstraining und Kommunikation befassten. (Quelle: Amazon.de)



'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''

Pro: Figuren, Stil, Aufbau des Buches, eigene Ideen, Grundlage der Legende
Contra: nichts gefunden
Empfehlung: Ja

Sterne: 5

Kommentare

  1. "Die Päpstin" gehört definitiv zu meinen aller-, allerliebsten Bücher, die ich gelesen habe! Ich finde es einfach super!
    LG Martina

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