Die Gärten von Dorr / Paul Biegen


Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Immer wenn der Katalog von „Freies Geistesleben“ kommt, zieht es mich magisch zu den Kinder- und Jugendbüchern. Diesmal ist mein Blick bei einem neuen Märchen hängengeblieben. Ja, ich bin schon 30, aber ich liebe noch immer Märchen, und genieße es auch, sie meinem Zwerg vorzulesen, auch wenn dieser nicht gerade ein geduldiger Zuhörer ist. Moderne Märchen sind immer besonders interessant, da man als Leseratte natürlich die Klassiker gewohnt ist, und sich schon fragt, wie sie nun sind. Dieses Buch ist etwas Besonderes, und es freut mich sehr, dass ich es euch vorstellen darf.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Verlier-mein-Nicht“ wird die junge Prinzessin von ihrem liebsten Gärtnerjungen, den sie „Komm-zurück“ nennt, genannt. Sie toben jeden Tag im Garten des Schlosses, bis eines Tages die Hexe, die den König verzaubert und hörig gemacht hat, es ihm verbietet. Als sie jedoch begreift, dass diese Freundschaft und vielleicht sogar zarte Liebe nichts zerstören kann, verwandelt sie eines Nachts den Gärtnerjungen in eine Blume. Die Prinzessin trauert lange und als sie erfährt, dass es einen Ort gibt, wo ihr Liebster von einer Blume wieder zum Menschen werden kann, beschließt sie ihrem Vater und dem Schloss den Rücken zu zukehren. Sie sammelt den Samen der Blume ein und flieht. Sieben Jahre lang sucht sie nach einem Ort, wo sie den Samen einpflanzen kann, damit ihr Freund zurück kommt. Immer einsamer werden die Regionen aus Angst, dass ein Tier oder ein Mensch ihrem Liebsten etwas antun kann. Als sie den Tipp bekommt, dass sie ihn in die Gärten von Dorr pflanzen muss, zögert sie nicht lange. Dorr ist allerdings eine Stadt, die sie sich ganz anders vorgestellt hat. Zuerst muss sie über einen See, der nur von einem Zwerg befahren wird. Dieser verlangt einen Kuss von ihr, sodass sie den Namen Zwergliebchen bekommt. Vor Jahren fiel die Stadt und wurde von den Silbernen eingenommen. Kein Sonnenstrahl, keine Pflanze, keine Freude, kein Lachen und kein Spaß sind in der Stadt zu finden. Alles ist grau und trist. Von Zeit zu Zeit verwandeln sich die Menschen in lebendige Statuen, und niemand kann sich an die Gärten erinnern. Lediglich die Tatsache, wie es früher war und das es die Gärten gab, ist ihnen noch bewusst. Zwergliebchen, wie sie nun von allen genannt wird, muss viele Geschichten erfahren, viele Prüfungen in der Stadt bestehen, bevor sie mehr durch Zufall einen Ort entdeckt, der genau richtig sein kann. Doch die Rechnung hat sie ohne die frühere Königin von Dorr gemacht, der Hexe, die schon ihren Vater in den Bann gezogen hat. Gelingt es ihr, ihren Schatz zu befreien?

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
Die Garten von Dorr“ ist (k)ein gewöhnliches Märchenbuch, denn trotz Hexe, König und Prinzessin, wirkt die Geschichte nicht wie ein typisches Märchen. Zudem ist es schwer eine Moral zu entdecken, die für Märchen doch recht typisch sind.

Das Buch selbst beginnt mit der Reise über den See und der Ankunft in Dorr. Kinder könnte es leicht verwirren, dass im Klappentext ein ganz anderer Name für die Prinzessin verwendet wird, als es nun der Fall ist. Das liegt daran, dass sie im Buch zwei Spitznamen hat. Diese Spitznamen sind jedoch sehr süß gewählt und passen ins Märchengenre, wenn man an Dornröschen, Aschenputtel, Schneewittchen und all die anderen Märchenfiguren denkt. Während die Prinzessin und ihr Liebster mit solchen Namen versehen wurden, sind die anderen Namen sehr gewöhnungsbedürftig, aber nicht unpassend. Die Hauptfiguren selbst sind authentisch, kindgerecht, nachvollziehbar und niedlich beschrieben. Erzählt wird die Geschichte aber nicht nur aus Sichtweise der Prinzessin, sondern immer abwechselnd mit dem Sänger, den sie vom Hofe ihres Vaters kennt. Er selbst hat ihr den Tipp mit den Gärten gegeben, möchte sie aber beschützen, weil er sie eben liebt.

In seinen Abschnitten erfährt der Leser auch die gesamte Geschichte und die letzten Jahre der Prinzessin. Immer in kurzen Kapiteln, weil die gesamte Geschichte einfach zu lang ist, bekommt man immer wieder eine Fortsetzung. An den Schilderungen und der Wortwahl erkennt man die tiefe Liebe, die er für sie empfindet.

Auch die anderen Figuren sind einzigartig, und haben eine traurige, aber doch lustige Hintergrundgeschichte. Man kann sie und ihre Entwicklung sehr gut nachvollziehen und hat eigentlich sehr viel Spaß. Immer wieder fragt man sich, was der Autor als nächstes Wesen in die Geschichte einbindet.

Generell setzt der Autor auf eine phantasievolle, kindgerechte Sprache, die sich wunderbar lesen lässt, sodass die Seiten nur so an einem vorbeifliegen. Man merkt in jedem Satz, dass Paul Biegel versteht mit Worten Landschaften, Charaktere und alles andere wichtige entstehen zu lassen.

Wie es sich für ein Märchen gehört, hofft jeder Leser, dass das Buch am Ende ausgeht. Die Hexe besiegt wird, Dorr wieder glücklich wird, und die Prinzessin ihren Liebsten retten kann. Auf der anderen Seite fragt man sich, wie der singende Wanderer, der mit immer schönen Gedichten aufwartet, am Ende ins Bild passt. Ihn lernt der Leser weitaus näher kennen, als die wenigen Minuten, die der Gärtnerjunge vorkommt. Im Grunde wünscht man sich ein Happy End für ihn und die Prinzessin, denn schließlich ist er es, der alles für sie tut und sogar eine Stadt betritt, wo er für einige Zeit zu einer Statue wird. Aber was letzten Endes das Happy End ist, muss in diesem Fall der Leser selbst entscheiden, denn jeder hat eine andere Verbindung zu den Figuren aufgebaut.

Neben der schönen Geschichte, gibt es wie oben erwähnt immer wieder Gedichte und Lieder, die sich reimen und für Kinder sehr schön sind. Sie erinnern mich an Reime, die ich als Kind bei so manchen Spiel benutzt habe.

ZITAT S. 8
Übers Wasser, schwarz und kalt,
fahr ich hin, mein Boot ist schwer,
übers Wasser, schwarz und kalt,
fahr ich her, mein Boot ist leer.

Zusätzlich findet man in jedem Kapitel zahlreiche, wunderschöne, manchmal eben auch düstere Bilder, die genau die aktuelle Situation darstellen. Besonders Kinderaugen leuchten hier, und mein Zwerg wollte sich immer die Bilder noch einmal ansehen.

Bleibt nur noch etwas zur Moral. Ich denke mal, dass es darum geht, dass wenn man daran glaubt, alles erreichen kann, auch wenn der Weg zum Ziel beschwerlich ist.

Alles in allem ist es ein Märchen, dass zauberhaft ist, und sowohl junge Leser, als auch deren Eltern begeistern wird.



'''o0o NOCH EIN PAAR FAKTEN RUND UM DAS BUCH o0o'''
'''Buchfakten'''
Autor: Paul Biegel
Titel: Die Gärten von Dorr
Gebundene Ausgabe: 214 Seiten
Verlag: Urachhaus; Auflage: 1 (März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3825178064
ISBN-13: 978-3825178062
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 9 - 10 Jahre
Preis: € 16,90
Genre: Kids / Märchen
Lesedauer: 2 Tage

'''Autorenportrait'''
1925 – 2006, gehört mit Tonke Dragt, Thea Beckmann und Annie M.G. Schmidt zu den ganz Großen der niederländischen Kinderliteratur. Er verfasste über 50 Bücher, sein Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter mehrfach mit dem begehrten Silbernen und Goldenen Griffe
(Quelle: Urachhaus)

'''Zitierter Klappentext'''
Spielen und lachen mag die Prinzessin am liebsten mit dem Gärtnerjungen, doch ahnungsvoll nennt er sie ‹Verlier-mich-nicht› und sie ihn ‹Komm-zurück›. Denn die Hexe Sirdis, die auch auf dem Schloss wohnt, verhext den Gärtnerjungen in eine Blume. Sieben lange Jahre hindurch sucht Verlier-mich-nicht nach den Gärten von Dorr, wo aus dem Samenkorn dieser Blume wieder ihr Komm-zurück wachsen kann. Eine Fülle bewegender Szenen und Schicksale reißt den Leser mit, noch bevor diese geheimnisvolle Geschichte enthüllt, wer die Hauptpersonen sind oder was sie wollen. Dabei ist die Geschichte der beiden Liebenden kunstvoll mit jener der verlorenen Stadt Dorr verwoben, reich an Kontrasten und großen, zeitlos klassischen Motiven, heiter gebrochen in den frechen Versen und Nonsens-Liedern des Spielmanns Jarrik. Das macht Paul Biegels Opus magnum zu einem prädestinierten Lieblingsbuch für Jung und Alt.

'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''

Pro: Stil, Idee, Bilder
Contra: nix wirkliches
Empfehlung: Ja
Sterne:5



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