Elizabeth wird vermisst - Roman / Emma Healey

Heute habe ich ein tolles Buch, welches ich bei Amazon-Vine zum Rezensieren ausgewählt habe. Auf Grund des Covers habe ich nicht lange überlegen müssen, obwohl ich erst kürzlich ein ähnliches Werk gelesen habe. „Nachts,wenn der Tiger kommt“ hieß der Titel und er hat mich einerseits berührt, aber auch etwas gelangweilt. Dementsprechend neugierig war ich, ob dieser hochgelobte Roman mich da mehr überzeugen kann.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Maud ist eine Frau, die viel erlebt hat. Inzwischen ist sie alt und lebt noch in ihrem eigenen Haus. Ohne Hilfe schafft sie es aber nicht, denn sie leidet an Alzheimer, kauft regelmäßig zahlreiche Pfirsiche, vergisst das Gas auszuschalten oder stapelt Bücher im Kamin. Ihre Tochter und Enkelin besuchen sie regelmäßig, aber von ihrer besten Freundin Elizabeth hört sie lange Zeit nichts, und trotz ihrer Gedächtnislücken weiß sie, dass ihre Freundin verschwunden ist. Sie setzt alles daran ihre vermisste Freundin zu finden. Doch irgendwie vergisst sie es zwischenzeitlich immer wieder und zudem mag ihr niemand helfen. Zeitgleich erinnert sie sich immer wieder an das Verschwinden ihrer Schwester Sukey. Sukey ist damals kurze Zeit nach dem Krieg verschwunden. Sie war mit Frank verheiratet und dieser hatte immer illegale Geschäfte am Laufen. Eines Tages verschwindet sie spurlos und niemand weiß näheres. Auch Frank vermisst und sucht sie, aber nie wird auch nur eine Spur oder ihre Leiche gefunden.

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
Elizabeth wird vermisst“ ist ein Buch über Verlust und Vergessen, wie so schön der Klappentext verspricht. Mit diesem Worten trifft es die Beschreibung auf den Punkt. Im Augenmerk dieses Werkes ist die Welt eines Menschen mit Alzheimers authentisch darzustellen und zu erleben.

Mit Maud ist der Autorin eine liebenswerte, alte Protagonistin gelungen, die sofort zeigt, wie man sich mit Alzheimer durchs Leben bewegt. Sie erinnert sich haargenau an die Vergangenheit, kann aber die Gegenwart nicht im Geringsten im Kopf behalten. Mit kleinen Haftnotizen versucht sie die wichtigsten Punkte zu behalten. Maud ist eine Figur, die man sofort ins Herz schließt, und wo der Leser öfters zu Tränen gerührt sein wird, weil es einfach schade ist, dass diese wundervolle Frau so wenig vom Leben mitbekommt. Obwohl sich die Autorin die größte Mühe gibt, ist es schwer einen eingeschränkten Alltag abwechslungsreich darzustellen. Dadurch wiederholt sich der Inhalt schon recht früh. Immer wieder geht es um Notizen, die verschwundene Elizabeth, Pfirsiche und andere Dinge die sie vergisst. Es ist authentisch ohne Frage, aber nach der Hälfte des Buches ist dieser Part doch etwas ausgelutscht, zumal genaue Leser schon nach wenigen Seiten wissen, was mit Elizabeth passiert ist. Manchmal habe ich mich erwischt, dass ich ehrlich gesagt, gerne einige Seiten überblättert hätte, obwohl ich es dann auf Grund von Mauds launigen und lustigen Gedankengängen nie gemacht habe.

Das schönste an diesem Buch sind jedoch nicht die Erzählungen aus der Gegenwart, sondern aus der Vergangenheit. Und genau diese Erinnerungen haben mich regelrecht an das Buch gefesselt. Was passierte damals mit ihr? Wie in einem Krimi gibt es immer neue Ansätze, Verdächtigungen und doch wird ihr Verschwinden nie aufgeklärt, bis Maud zumindest sich in ihrem Zustand damit beschäftigt. Sie erinnert sich an Dinge, die sie heute für relevant hält, und damals für total unwichtig. Schnell hat man einige Ideen, die früher oder später immer wieder in einer Sackgasse enden. Eins ist jedoch klar, dass die Seiten weniger werden und die Autorin auf jeden Fall eine Lösung präsentieren muss, denn sonst wäre das Buch ehrlich gesagt enttäuschend. Mit der Auflösung ist es aber auch nicht besser. Irgendwie fand ich es unbefriedigend, denn was genau damals passierte, erfährt man nicht bis ins Detail. Der Täter ist enttarnt, aber Motiv oder Hintergründe eben nicht. Man muss sich aus kleineren Hinweisen während des Buches eine Theorie zusammensetzen.

Mit Sicherheit ist es ein schönes Buch, dass vor allen Dingen durch seine authentische Umsetzung und Spannung punkten kann. Unterstützt wird es mit einem modernen, detaillierten und liebevollen Stil, der jedoch nicht überdecken kann, dass das Buch oft auf der Stelle tritt, wie es eben im Alltag eines Alzheimers-Patienten ist. Dadurch werden sich mit Sicherheit einige Leser doch etwas gelangweilt fühlen, sodass ich dem Buch vier Sterne gebe.


'''o0o NOCH EIN PAAR FAKTEN RUND UM DAS BUCH o0o'''
'''Buchfakten'''
Autor: Emma Healey
Titel: Elizabeth wird vermisst
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Paperback); Auflage: Aufl. 2014 (13. März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3785761104
ISBN-13: 978-3785761106
Originaltitel: Elizabeth is Missing
Preis: € 14,99
Genre: Drama
Lesedauer: 3 Tage

'''Autorenportrait'''
Emma Healey wuchs in London auf. Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Buchbinderin. Doch als ihr die Buchherstellung nicht mehr ausreichte, legte sie 2011 noch einen Master in Kreativem Schreiben an der University of East Anglia ab. ELIZABETH WIRD VERMISST ist ihr erster Roman, den sie mit gerade mal 28 Jahren vorgelegt hat.
(Quelle: Buchrücken)

'''Zitierter Klappentext'''
EINE ANRÜHRENDE GESCHICHTE ÜBER VERLUST UND VERGESSEN - EMMA HEALEY TRIFFT MITTEN INS HERZ! Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen keiner mehr glaubt? Und Sie nicht mehr sicher sind, ob Sie sich selbst noch glauben können? Genauso ergeht es Maud, die an Alzheimer leidet - und die ihre Freundin vermisst. In diesem faszinierenden Roman machen wir uns gemeinsam mit Maud auf die Suche nach der verschwundenen Elizabeth und erleben dabei hautnah, wie hilflos und verletzlich Maud sich selbst und ihrer Umwelt gegenübersteht. Mit überwältigender Intensität und Emotionalität schafft es die erst 28-jährige Autorin, eine völlig neue Sicht auf Alter und Alzheimer zu eröffnen.

'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''

Pro:Stil, Maud, Krankheit, Sukeys Verschwinden
Contra:Wiederholungen
Empfehlung:Ja

Sterne:4
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