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Schwarzer Sonntag / Thomas Harris

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Was macht man, wenn man Mama wird und zum zweiten Mal zum Zuckerbelastungstest muss? Ja, man ist so schlau und nimmt sich ein dickes Buch mit, denn zumindest bei uns ist man nicht nach 2 Stunden entlassen, sondern oftmals erst nach 4. Nachdem ich mich eigentlich schon für „Das Schweigen der Lämmer“ entschieden hatte, sah ich jedoch, dass der Autor ein anderes Buch viel früher veröffentlichte. Ohne auch nur einen Blick auf den Klappentext zu werfen, landete es in meiner Handtasche und der Schock kam postwendend, denn beim Arzt las ich ihn. Ich bin nicht unbedingt der Fan von Terroristen, Anschlägen und den USA im Sinne von „Homeland“, aber nun gut, um mich nicht zu langweilen hab ich das Buch sogar in der Wartezeit durchgelesen.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Dahlia Iyad ist eine junge Araberin, die in den USA lebt und fast schon eine von ihnen ist. Aber eben nur fast, denn heimlich trifft sie sich mit hochrangigen Mitgliedern des RASD, um einen Vergeltungsschlag gegen die Staaten zu planen, der Israel ständig mit Waffen beliefert. Der Chef dieser Gruppe hat zudem einen besonderen Grund, denn durch eine dieser Waffenlieferungen und die damit verbundene Gewalt, ist sein Bruder in ziemlich viele Einzelteile geflogen. Dahlia hat jedoch eine wunderbare Idee.
In den USA hatte sie ein Verhältnis zu Michael Lander angefangen, der nach seinem Einsatz in Nordvietnam, sechs Jahren Gefangenschaft und Folter, alles andere als glücklich ist. Verlassen von seiner Frau, bis zu Dahlia impotent, vors Kriegsgericht gestellt, da er für einen Propagandafilm der Vietnamesen benutzt wurde. Kein Wunder, dass er sein Vaterland nicht mehr liebt, sondern eher hasst.
Herauskommt ein Plan, der eine 600kg schwere Bombe beim Super-Bowl-Spiel beinhaltet. Wenn alles glatt geht würden an dem Tag 80.000 Menschen und der anwesende Präsident von Amerika sterben. Am Anfang ist die Gruppe noch nicht ganz überzeugt, dass Landers die richtige Person ist. Doch nach und nach wird seine Zuverlässigkeit und seine Beweggründe dargelegt, sodass der Anschlag offiziell geplant werden kann.
Ein solcher Plan hat jedoch auch Tücken, und so kommen viele Pannen, Verwicklungen und Rückschläge vor, die sogar das FBI auf die Aktion aufmerksam machen. Michael, der allerdings nichts mehr zu verlieren hat, setzt alles daran den Plan durchzuführen. Koste es was es wolle, und selbst wenn nicht alle Besucher dabei drauf gehen. Durch diese Wut und den Wunsch wird er immer aggressiver und muss oft von Dahlia in die Schranken gewiesen werden. Während die CIA alles tut, damit der geplante Anschlag verhindert wird, setzt Landers alles daran zu gewinnen und gewinnt zumindest teilweise. Inwiefern ihm der Anschlag glückt, und was alles schief geht oder von der CIA verhindert werden kann, müsst ihr aber selbst nachlesen.

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
Schwarzer Sonntag“ ist ein Thriller aus der Feder von Thomas Harris, der vor allen Dingen durch sein Werk „Das Schweigen der Lämmer“ berühmt wurde. Sein Erstlingswerk ist jedoch nicht schlechter, sondern nach dem elften September sogar noch eine Spur brisanter und authentischer geworden, denn im Grunde kann man mit diesem Werk genau nachvollziehen, wie die Terroristen damals alles geplant haben müssen.

Von Anfang an schafft es Thomas Harris die Leser auf seine Art und Weise zu fesseln. Für jemanden, wie mich, der eher weniger Zugang zu solchen Themen findet, wirkt es manchmal etwas langatmig oder schwerer, aber im Großen und Ganzen setzt der Autor auf eine Spannung, die anders ist, als all die Bücher, die ich sonst lese. Schon auf den ersten Seiten wird deutlich dargestellt, wie unterschiedlich die Denkweise, das Handeln und die Emotionen arabischer Menschen im Vergleich zu Europäern ist. Das gilt natürlich nicht für alle. Als Leser wird man sofort in die ersten Verhandlungen geworfen, bekommt arabische Begriffe präsentiert, die zwar akribisch übersetzt werden, aber eben noch mehr zur Stimmung beitragen. Obwohl viele Erkenntnisse und Hintergründe für den Leser erst nach und nach an Hand von zahlreichen Rückblenden verständlicher werden, hat man nicht das Gefühl am Anfang außen vor zu sein, sondern mitten im Geschehen. Lediglich die oftmals fremden Namen, haben bei mir anfänglich für einige Schwierigkeiten und Verwechslungen gesorgt, denn leider gehöre ich zu den Lesern, die ein eher schlechteres Namensgedächtnis haben.

Terroranschläge gab es damals wie heute und sie sind immer grausam, fordern viele Menschenleben und schockieren die gesamte Welt. Während das Buch, wie oben erwähnt, in den 70er Jahren geschrieben wurde, gab es zwar zahlreiche vorhergegangene Anschläge, die nicht minder grausam waren, aber ein solches Beispiel ist mir, die jedoch auch erst später geboren wurde, nicht bekannt. Nichtsdestotrotz hat man nicht das Gefühl, dass der Autor einfach übertreibt, denn der elfte September zeigte deutlich, dass das Buch sehr realistisch umgesetzt wurde.

Mit diesem Hintergedanken liest sich das Buch noch eine Spur anders, weil eben alles plastischer und informierender wirkt. Auf der einen Seite kann man die Seite der Terroristen kennenlernen, die zeigen, dass sie für sich eben Gründe haben, die nicht für jeden nachvollziehbar sein müssen, aber mit einigen Windungen im Gehirn durchaus logisch erscheinen können. Ob sie eine solche Antwort fordern oder rechtfertigen, ist damit aber nicht gemeint, denn das finde ich persönlich nicht. Ich fand es jedoch sehr interessant, einmal mehr Einblicke in die Planung und Gedankenwelt von Terroristen zu erlangen, abseits der Bekenntnisvideos und Medien.

Die Geschichte selbst wird durch ihre Figuren erst so richtig realistisch. Viele Vietnam-Veteranen haben noch heute einen Knacks weg und dementsprechend gut hat der Autor auch seine Hauptfigur Landers entstehen lassen. Seine Wut wird mit jeder Rückblende verständlicher, zeigt aber auch, wohin Wut führen kann. Trotzdem wirken die anderen Figuren doch etwas blass und gehen minimal unter. Das liegt zwar im Auge des Betrachters, aber war eben mein Lesegefühl.

Im Verlauf ertappt man sich immer wieder, dass man hier mit einer Seite sympathisiert, die man eigentlich gar nicht mögen kann, nämlich den Terroristen. Sobald ein neues Hindernis aufkommt, wünscht man sich, dass alles gut geht. Einfach weil der Autor eben die Beweggründe seitens Michael so lebendig schildert. Auf der anderen Seite hofft man genauso, dass die CIA den Plan komplett aufdecken und damit den Anschlag vereiteln kann. Man ist oft hin- und hergerissen. Im Hinterkopf bleibt jedoch das amerikanische Denken. Oft genug werden die Werke darauf ausgelegt, die USA als Helden zu präsentieren. Dementsprechend rechnete ich eigentlich fest mit einem bestimmten Ausgang.

Ihr könnt euch vorstellen, als die Seiten dahinschritten, und es deutlich wurde, dass dem nicht so ist. Thomas Harris setzt auf einen Schluss, der zeigt, dass auch Amerika verwundbar ist, auch wenn der Anschlag nicht so gelingt, wie er geplant wurde. Dadurch sind beide innere Stimmen befriedigt, und man merkt, dass der Autor nichts beschönigen möchte.

Obwohl ich solche Werke definitiv eher ungern lese, kann ich sagen, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.Manche Stellen wurden arg in die Länge gezogen, aber im Groben und Ganzen ist dem Autor ein hochbrisanter, stets aktueller Thriller gelungen, den man einfach lesen muss.

'''o0o NOCH EIN PAAR FAKTEN RUND UM DAS BUCH o0o'''
'''Buchfakten'''
Autor: Thomas Harris
Titel: Schwarzer Sonntag
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (1. Februar 1989)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453029178
ISBN-13: 978-3453029170
Preis: € 1
Genre: Thriller
Lesedauer: 1 Tag

'''Autorenportrait'''
Thomas Harris wurde 1940 in Jackson, Tennessee geboren. Doch schon sehr früh zog seine Familie in die Heimatstadt seines Vaters, nach Rich, Mississippi, wo dieser Farmer werden konnte. Nach der Schulzeit besuchte Thomas Harris die Baylor University in Waco, Texas. Tagsüber studierte er Englisch, nachts arbeitete er als Journalist für die News-Tribune. Zu dieser Zeit heiratete er seine Studienfreundin Harriet, mit der er eine Tochter (Anne) hatte. In den 60ern trennten sich jedoch die Wege von Thomas und Harriet.
Danach begann Thomas Harris seine Schriftsteller-Karriere. Er fing an, makrabre Geschichten an Magazine wie "True" oder "Argosy" zu schicken. Schon diese Geschichten hatten die typischen Merkmale, die Harris´ Romane auszeichnen sollten - vor allem eine unglaubliche Liebe zum Detail.
1964 graduierte Thomas Harris, verbrachte einige Zeit mit Reisen durch Europa, bevor 1968 bei der "Associated Press" in New York als Reporter anfing. Die Einsichten in die Welt der Kriminalität, die er dort gewann, führten zu seinem ersten Roman Schwarzer Sonntag. Den begann er zwar mit zwei Reporter-Kollegen, übernahm jedoch das ganze Projekt und brachte es allein zu Ende."Schwarzer Sonntag" wurde zum Bestseller und Kino-Film - und Harris hatte fast über Nacht eine neue Karriere in den Händen.
Harris hing daraufhin seine Journalisten-Karriere an den Nagel und verschrieb sich ganz der Schriftstellerei. Sein Hang zur Perfektion und die damit verbundenen zeitraubenden Recherchen, waren der Grund dafür, dass sein nächster Thriller erst 1981 - also sechs Jahre nach "Schwarzer Sonntag" in die Läden kommen sollte: Roter Drache . Der Grundstein seiner Hannibal-Lecter-Serie, die mit Schweigen der Lämmer ihren Höhepunkt weitere sieben Jahre später erreichen sollte. Die Verfilmung von "Schweigen der Lämmer" (mit Jodie Foster als Clarice Starling und Sir Anthony Hopkins als Dr. Hannibal Lecter) wurde ein oskar-prämierter Riesenerfolg.
Erst 1999 schrieb Thomas Harris die Fortsetzung, Hannibal. Doch konnten weder das Buch noch der Film die hohen Erwartungen erfüllen.
Krimis von Thomas Harris:
Hannibal Lecter Reihe
(1981) Roter Drache
(1988) Das Schweigen der Lämmer
(1999) Hannibal
(1975) Schwarzer Sonntag
"Schlicht und einfach der größte Thriller-Autor unserer Zeit." (Washington Post)

(Quelle: Krimi-Couch.de)

'''Zitierter Klappentext'''
Von unerbittlichem Hass getrieben, plant eine arabische Terroristeneinheit ganz Amerika zu bestrafen: Während die Nation an den Fernsehern die Entscheidung im Super-Bowl verfolgt, soll eine Explosion ein schreckliches Blutbad unter den 80 000 Zuschauern anrichten. Die Palästinenserin Dahlia und der ihr sexuell verfallene Navy-Pilot Michael Lander haben den Anschlag bis ins kleinste Detail vorbereitet: In einem Luftangriff über dem Stadion sollen 600 kg Plastiksprengstoff gezündet werden. Mossad und FBI haben Hinweise über einen kurz bevorstehenden Anschlag, doch wann und wo soll dieser erfolgen? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt …(Quelle: Klappentext)

'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''

Pro: Michael. Stil, Spannung, geteilte Emotionen, Schluss, Wissen des Autors
Contra: andere Figuren, manchmal langatmig
Empfehlung: Ja
Sterne: 4


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