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Unter dem Elbsand / Christiane Fix

Vor einigen Tagen erreichte mich mal wieder ein toller Brief. Enthalten war ein Buch aus dem Hause „Piper“. Wenn ich mich nicht ganz doll täusche, konnte man sich für das Buch als Testleser bewerben, und das habe ich auch wahrgenommen. Als waschechte Hamburger Dern liebe ich Bücher, die in meiner alten Heimat spielen.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Hamburg 2013: Die riesige „Flutwelle“ rollt in Richtung Hamburg, als in einem Schrebergarten die Leiche einer unbekannten Frau gefunden wird. An Hand von Rekonstruktionen soll ein ungefähres Bild gemacht entstehen, um vielleicht herauszufinden wer sie war. Theo Matthies, der Bestatter von Wilhelmsburg, nimmt sich ihrer Überreste an und glaubt in der Rekonstruktion seine verschwundene Tante Marlene zu erkennen. Sie verschwand während der großen Sturmflut 1962. Lediglich die Augenstellung und andere kleine Merkmale lassen dies vermuten, und noch bevor eine DNA Spur verfolgt werden kann, macht sich Theo daran zu ermitteln. Was passierte damals mit seiner Tante? Er weiß lediglich, dass sie ein stilles Mädchen war, das Kunstgeschichte studierte. Sie war über Jahre mit einem gewissen Henno zusammen und am Tag ihres Verschwindens hatte sie einen Streit mit ihrer Mutter. Nach und nach befragt Theo die unterschiedlichsten Leute und bekommt immer neue Hinweise, die der Polizei damals so gar nicht aufgefallen sind. Warum behauptet Henno zumBeispiel, dass es eine runde Beziehung war, während Freunde behaupten, dass sie sich entfernt haben. Und wer war der Professor, der augenscheinlich eine wichtige Rolle gespielt hat und nach ihrem Tod in die Psychiatrie musste.

Hamburg 1962: Marlene weiß nicht was sie machen soll. Ihr Leben ist ein riesiges Chaos. Sie ist verliebt und das nicht in den Mann, der sie gedenkt zu heiraten und mit dem sie schon seit ihrer Jugend zusammen ist. Doch die Gefühle für den anderen Mann sind unwahrscheinlich groß, und zudem ist sie nach einer kurzen, aber intensiven Affäre von ihm schwanger. Es ist nicht so, dass er sie nicht liebt. Obwohl er viele Affären hatte, weiß sie, dass seine Gefühle für sie echt sind. Doch er ist verheiratet und würde alles verlieren, wenn er seine Frau verlässt für eine Studentin. In der großen Sturmnacht kommt es zum Show Down zwischen allen Beteiligten. Marlene wird diese Szene nicht lebendig verlassen. So viel ist klar, doch was passierte?

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
Unter dem Elbsand“ ist der dritte Band um den Bestatter Theo Matthis, und der erste Band, den ich mit ihm erleben darf. Somit keine guten Voraussetzungen. Viele Krimis sind einfach nicht dafür ausgelegt mitten in ein neues Abenteuer zu starten. Figuren haben sich entwickelt, Beziehungen verändert und es fehlt eine gewisse Basis. Bei diesem Werk ist es jedoch anders. Einige Entwicklungen wurden verpasst, die jedoch dank kleiner Anmerkungen auch für Neueinsteiger verständlich gemacht werden. An Han dieser kleinen Bemerkungen erkennt man, dass es nicht der erste Band ist. Sonst hätte ich persönlich nichts davon gemerkt.

Das Buch wird in zwei Perspektiven erzählt. In der Gegenwart begleitet der Leser Theo Matthis bei seinen Ermittlungen, der Arbeit als Bestatter und der Beziehung zu seiner neuen Liebe. In der Vergangenheit wiederum erfährt der Leser die Geschichte von Marlene. Beide Perspektiven sind nicht nur durch eine Überschrift klar getrennt, sondern auch mittels differenter Schrift.

Schon mit dem Prolog zeigt die Autorin, dass sie ihr Handwerk versteht. Sie schafft es eine grundlegende Spannung zu erzeugen und diese in einem humorvollen Gewand erstrahlen zu lassen. Langweilig ist etwas anderes.

ZITAT – PROLOG
"Mami, guck mal."
Ihre Augen hinter der Sonnenbrille blieben fest geschlossen.
"Ich habe einen Piraten gefunden."
"Na toll." Sie seufzte und zupfte ihr Bikinioberteil zurecht.
Er legte ihr seinen Schatz direkt in den Schoß.
"Einen echten Piraten", sagte er glücklich.
Sie öffnete die Augen.
Dann schrie sie.

Diese Mischung setzt sich auch im Verlauf des Buches fort. Generell setzt die Autorin auf einen lebendigen, modernen und witzigen Stil, der Lust auf jede neue Seite macht. Sowohl die Gegenwart, als auch die Vergangenheit sind mit interessanten Situationen, Fakten, Spannung und Witz versehen. Gerade mit Theo Matthis ist ihr eine eindrucksvolle Hauptfigur gelungen, die perfekt in einen Krimi passt, jedoch abseits der langatmigen Ermittlungstätigkeiten einzuordnen ist, die so manchen Krimi in die Länge ziehen und ihn einfach trocken wirken lassen. Die wenigen Anmerkungen zum Thema Leichenbestatter, Forensik und Co verleihen dem Buch sogar den gewissen Charme, denn sie sind einfach kurz und knackig, aber sie gewähren Einblicke, die sonst nur wenige Menschen haben.

Obwohl von Anfang an klar ist, dass es sich bei der Leiche wahrscheinlich wirklich um die vermisste Marlene handelt, kommt keineswegs Unmut auf. Auf der einen Seite möchte man schließlich erfahren, was damals wirklich passierte in der verhängnisvollen Nacht. Auf der anderen Seite bleibt noch immer ein kleiner Funke, der Möglichkeit einer lebendigen Marlene zumindest für einen gewissen Zeitraum offen lässt. Dadurch war zumindest ich regelrecht ans Buch gefesselt. Dabei verliert die Autorin nie den roten Faden aus den Augen, setzt nicht auf unnötig eingeführte Details oder Figuren, die den Leser zwar in die Irre führen, aber oftmals bei anderen Autoren wiederum eher als Lückenfüller dienen und den Leser am Ende verwirren. Christiane Fux hingegen setzt auf alle wesentlichen Figuren und Informationen und schafft auch damit den Leser in ein kleines Ratespiel zu verwickeln. Was damals wirklich geschah, konnte ich persönlich erst im letzten Drittel erahnen. Ich erwartete jedoch noch eine winzige Wendung oder Überraschung, die am Ende zwar nicht eintraf, der Spannung jedoch keineswegs geschadet hat. Generell würde ich den Schluss als logisch, konsequent und harmonisch zum Rest bezeichnen. Es bleiben keine Fragen offen und das ist mir persönlich sehr wichtig.

Mit ihrem Geheimnis um Marlene ist es der Autorin gelungen einen neuen Fan zu gewinnen. Die Neugierde auf vorherige Fälle ist geweckt und ich kann nur hoffen, dass weitere Folgen. Besonders schön sind vor allen Dingen die Schauplätze und ihre Beschreibungen. Als Hamburgerin gab es keinen Ort, der mir nichts sagte oder an dem ich vielleicht sogar schon war. Dadurch hatte ich logischerweise eine zusätzliche Bindung zum Buch, die eben Lust auf mehr macht.

Alles in allem ein gelungenes Buch, das mit zu den besten Kriminalromanen dieses Jahres gehört. Nach meinen kleineren Pleiten, die ich mit Patricia Cornwell erlebt habe, ein wahrer literarischer, spannender Genuss.

'''o0o NOCH EIN PAAR FAKTEN RUND UM DAS BUCH o0o'''
'''Buchfakten'''
Autor: Christiane Fux
Titel: Unter dem Elbsand
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (14. Juli 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492303706
ISBN-13: 978-3492303705
Preis: € 9,99
Genre:Krimi
Gelesen in: 4 Tagen

'''Autorenportrait'''
Christiane Fux, Jahrgang 1966, ist in Hamburg aufgewachsen und hat dort Germanistik mit den Schwerpunkten Journalistik und Psychologie studiert. Vor 20 Jahren hat es sie nach München verschlagen, wo sie in ihrer Freizeit auf die umliegenden Berge klettert. Sie schreibt als Medizinredakteurin für das Gesundheitsportal NetDoktor.de und entwickelt nebenbei in ihrem eigens gegründeten Verlag Krimispiele der Reihe "Mörderische Dinnerparty". (Quelle:Amazon.de)

'''Zitierter Klappentext'''
In einem Wilhelmsburger Schrebergarten finden Kinder beim Spielen das Skelett einer jungen Frau. Die namenlose Tote gibt der Polizei Rätsel auf und landet schließlich bei Theo Matthies. Dem Bestatter kommt schon bald der Verdacht, dass es sich bei der Verstorbenen um die Schwester seines Vaters handeln könnte, die seit der Hamburger Sturmflut 1962 als verschollen gilt. Er beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln, und stößt auf ein über fünfzig Jahre zurückliegendes tödliches Geheimnis, das tief im Elbsand vergaben war.

'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''
Pro: Figuren, Einstieg, Spannung, Auflösung, Ermittlungen, Stil
Contra: nix
Empfehlung: Ja

Sterne: 5

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