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Das Rosenholzzimmer / Anna Romer

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Ich hab doch gar kein Buch bestellt. Das war mein erster Gedanke, als ich den dicken Umschlag in den Händen hielt. Die Auflösung kam beim Öffnen. Ich wurde wieder als Buchflüsterer von Buecher.de ausgewählt, um ein Buch noch vor dem Erscheinungstermin zu lesen. Mit Baby mag ich solchen Termindruck zwar nicht mehr, aber da mich der Inhalt sofort angesprochen hat, habe ich mich ans Lesen gemacht. Tagebucheinträge, Rätsel um vergangene Tage – Ich liebe es einfach, und das ist auch diesmal nicht anders.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Audrey kann es nicht fassen. Tony hat sich einfach umgebracht und niemand weiß warum. Obwohl er sie und seine Tochter Bronwyn schon vor Jahren verlassen hatte, um eine andere Frau zu heiraten, nimmt sie der Tod ihrer großen Liebe unglaublich mit. Vor allen Dingen als sie erfährt, dass sie das eigentliche Haus, in dem sie und ihre Tochter wohnen, verlassen müssen. Es soll verkauft werden. Um sie jedoch nicht ganz hilflos zurückzulassen, hat er ihr das Haus sein Kindheit hinterlassen. Thornwood liegt jedoch weit ab von Großstädten, und entspricht so gar nicht Audreys Vorstellung. Als sie mit ihrer Tochter zur Bestandsaufnahme hinfährt, verliebt sie sich allerdings in dieses urige Haus. Das Geheimnis um Tonys Großvater Samuel, der seine Frau umgebracht haben soll und Tonys Tod faszinieren sie, und so bleiben sie am Ende doch hängen. Auf eigene Faust versucht Audrey herauszufinden was damals passierte, und entdeckt dabei viele Geheimnisse, wie zum Beispiel die Tatsache, dass sie Tony nicht so gut kannte, wie sie glaubte, denn er hatte eine Schwester, die ebenfalls gestorben ist, und noch eine alte Mutter namens Luella, die noch immer vor Ort lebt. Anfangs scheint es, als würde Audrey das Geheimnis von damals nicht lösen können. Sie findet zwar schöne Liebesbriefe und erfährt eine Menge, aber erst das Tagebuch von Glenda, Tonys Schwester, bringt sie der Lösung ein ganzes Stück näher. Gefährlich nahe, denn der Mörder von damals scheint noch zu leben und es nun auf sie abgesehen zu haben.

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
In „Das Rosenholzzimmer“ geht es um düstere Geheimnisse aus der Vergangenheit, die sich auf die Gegenwart auswirken. Aus diesem Grund setzt die Autorin bei ihrem Debüt auf verschiedene Perspektiven, die sie mittels Jahresangaben deutlich trennt. Gleiches gilt üfr Briefe oder die Texte in Gebärdensprache. Hier setzt sie auf verschiedene Schriftarten. In diesem Punkt macht sie es besser als viele ihrer Kollegen, allerdings merkt man der Autorin ansonsten das Debüt leider Gottes an.

Der Einstieg in die Geschichte beginnt an einem Punkt, der gut gewählt ist. Man lernt Audrey und ihre Tochter in der Phase des Umschwungs kennen und erfährt dank zahlreicher Rückblenden, wie die Situation entstanden ist. Es entsteht eine gute Bindung zu den ansonsten etwas blassere Figuren. Sie sorgt zwar dafür, dass jede individuell dargestellt wird. Jedoch sind viele Details eher oberflächlich und ich empfand es schwer eine Bindung aufzubauen. Dank des für mich interessanten Themas jedoch nicht weiter tragisch.

Dank der Frage, was damals passierte, und warum sich Tony umgebracht hat, ist man als Leser einfach gefesselt. Das ist auch gut so, denn sonst hätte mich der Stil öfters in den Wahnsinn getrieben. Die Autorin versucht in vielen Punkten sehr detailliert zu beschreiben, was ihr zum Beispiel in meinen Augen bei den Schauplätzen besser gelingt als bei den Figuren. Leider verliert sie sich dadurch an vielen Stellen, und wiederholt sich ständig. Immer wieder geht sie zum Beispiel darauf ein, wie verletzt ihre Tochter nach der Trennung der Eltern war oder wenn es um die Leere geht, die Tony hinterlassen hat. Nicht nur in diesem Bereich, sondern auch in den Briefen ist dies ähnlich. In meiner Jugend war ich ein Vielschreiber und hatte zahlreiche Brieffreundschaften. Viele Inhalte der Briefe wirken leider sehr ähnlich wie ich finde, und das passt einfach nicht. Außerdem zieht sie den Schriftverkehr einfach zu sehr in die Länge. Dadurch geht einfach stellenweise die Spannung tiefer in den Keller als wahrscheinlich gewollt.

Generell ist die Spannungskurve nicht schlecht gewählt. Mehrere Geheimnisse, die zusammenhängen, da muss ein jeder Leser mit rätseln, eigene Vermutungen anstellen und Verdächtige streichen. Eigentlich ist recht schnell klar, was hinter den früheren Tragödien steckt. Dank einer vorherigen Andeutung gelingt es der Autorin jedoch den Leser etwas länger im Unklaren zu lassen. Am Ende ist es nichtsdestotrotz keine Überraschung. Zumindest nicht, wenn man genau gelesen hat.
Mit ihrem gewählten Ausgang lässt die Autorin keine Fragen offen und befriedigt den Leser auf jeden Fall.

Eigentlich könnte ich sagen, dass mir das Buch sehr gefällt. Zwischendurch fand ich viele Stellen jedoch so in die Länge gezogen, dass ich mehrfach versucht war, einfach einige Seiten zu überspringen. Ich konnte widerstehen, aber genau solche Punkte, sollten eigentlich bei einem solchen Familiengeheimnis-Thriller, wie ich sie immer nenne, nicht vorkommen. In meinen Augen hätte die Autorin das Werk gut und gerne 200 Seiten kürzen können und dadurch sogar noch mehr Spannung reingebracht.

Alles in allem ist ihr trotzdem ein schönes Debüt gelungen, und man darf gespannt sein, was folgen wird.

'''o0o FAKTEN RUND UM DAS BUCH o0o'''
Autor: Anna Romer
Titel: Das Rosenholzzimmer
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (25. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442313775
ISBN-13: 978-3442313778
Originaltitel: Thornwood House
Preis: € 19,99
Genre: Thriller / Drama / Familie
Gelesen in: 6 Tagen

'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''
Pro: Grundidee, Spannungskurve
Contra: Längen, Wiederholungen
Empfehlung: Ja
Sterne: 4

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