Wadenbeißer / Sonja Liebsch



Im Moment liebe ich leichte Kost, und dieses Buch versprach genau das zu sein. Zudem hatte ich die Hoffnung, dass mich dieses Buch mit einer Familie vielleicht etwas ablenken könnte von der Tatsache, dass meine beiden Jungs dafür sorgen, das ich in der Nacht alle 2 Stunden aufstehen darf.



'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Maxi ist mit ihrer Familie glücklich. Ihr Mann und sie verstehen sich blendend, die Jungs sind gut erzogen und der Familienausflug an den Bodensee endlich den Winter vertreiben. Als Maxi jedoch die Tür öffnet, steht ihre ältere Schwester Sibylle vor der Tür. Ein Schock für Maxi und ihre Familie, denn Sybille ist alles andere als beliebt. Sind doch Maxis Kinder eher eine Zumutung und Sibylle mit ihrem kinderlosen, modernen Leben sieht in ihrer Schwester eher ein Landei. Dementsprechend sind sie doch alle arg verwundert und nicht gerade erfreut, als Sibylle um Unterschlupf gewährt, denn ihr langjähriger Lebensgefährte hat sie nach 20 Jahren gegen ein jüngeres Modell ausgetauscht. Da ist Chaos und Streit vorprogrammiert, denn Sibylle ist egoistisch wie eh und je. Und das zu einem Zeitpunkt, wo Maxis Kolumne Wellen schlägt und sie sogar ins TV-Studio eingeladen wird. Als Jan, ihr jüngster Sohn auch noch abhaut, weil er auf Sibylle keine Lust hat, eskaliert der Streit. Ob die beiden Schwestern sich wieder zusammenraufen, ob Sibylle wieder eine neue Aufgabe und Liebe findet und andere Fragen – Buch lesen.

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
Oh ja, ich kann Maxi sehr gut verstehen, denn auch ich habe eine Familie, zwei Söhne und eine ältere Schwester, die mit Kindern weniger anfangen kann. Wie würde ich also reagieren, wenn sie bei mir plötzlich vor der Tür stehen würde? Garantiert nicht so nett, wie Maxi, oder doch? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Die verzwickte Situation hat die Autorin also perfekt eingefangen und mit dem Thema Familie und Arbeit gut kombiniert. Ebenfalls ein Thema, das gerne unter den Tisch gekehrt wird. Die Problematik Eltern werden und Wiedereinstieg ins Berufsleben sind Themen, die wohl immer aktuell sein werden. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich bei den Einstellungsgesprächen regelmäßig gefragt wurde, ob ich vor habe eigene Kinder zu bekommen oder wie der Alltag mit meinem Stiefsohn geregelt ist. Einerseits sind Kinder gewünscht, aber die Mehrheit der Betriebe ist leider so egoistisch zu sagen, wir denken wirtschaftlich an uns. Bei mir ist diese Problematik zum Glück erst in drei Jahren ein Thema. In meinen Augen bringt die Autorin wirklich gute Argumente und scheint sich sehr mit dem Thema befasst zu haben. Ob aus eigener Erfahrung, Erfahrungen im Umfeld oder einfach nur gut recherchiert vermag ich jedoch nicht zu sagen.

Diese wichtige Thematik verpackt Sonja Liebsch nicht trocken sondern sehr humorvoll, ohne dabei den Ernst aus den Augen zu lassen. Den humorvollen Part schafft die Autorin mit der etwas chaotischen Maxi, die man einfach ins Herz schließen muss. Zumindest empfinde ich so, denn auch ich bin eine liebevolle Mutter, die aber nicht perfekt durchgeplant ist. Mit dem Kontrast, nämlich Sibylle, wirkt das Ganze sehr authentisch. Während am Anfang die Klischees genau passen, zeigt die Zeit bzw. die steigende Seitenzahl, dass auch hier der Schein trügen kann. Es gibt auch Frauen, die auf ihre Wünsche verzichten, um den Mann zu stärken und das kann manchmal nach hinten los gehen. Wie gesagt, mir kommt diese Situation arg bekannt vor.

Es macht großen Spaß dem Alltag, Maxis Entwicklung, sowie die Situation von Sibylle in dem humorvollen, lockeren und doch treffenden Stil zu verfolgen. Aus Sichtweise von Maxi verpasst man kein Detail.


ZITAT S. 9 – Beschreibung des Stils
»Was ist denn los, Schwesterherz? Hat dir die Wiedersehensfreude die Sprache verschlagen?« Doch, sie war es tatsächlich. Sie war den weiten Weg von Köln hierhergekommen, um mir meinen Sonntag zu versauen. Warum nur? Was hatte ich ihr getan? War das die späte Rache dafür, dass ich ihr als Kind ein mal ihre Lieblingsbluse zerschnitten hatte?
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Immer wieder wird der normale Lesefluss der Geschichte unterbrochen und von einer Kolumne unterbrochen. Diese befasst sich mit der aktuellen Situation nur eine Spur komischer und ernster, so wie man es in der Tat in vielen Mama-Kind-Kolumnen nachlesen kann. Sie sind nicht schlecht und regen auf ihre Art und Weise zum Nachdenken an, aber ich muss sagen, dass sie mich nach einiger Zeit gelangweilt haben.

ZITAT S. 26 – Beschreibung Stil Kolumne
Plötzlich stand sie vor meiner Tür. Ohne Vorwarnung aus heiterem Himmel. Meine Schwester. Für die meisten ist dies sicherlich ein freudiges Ereignis; bei mir ist das anders. Bei Facebook würde ich unsere Beziehung mit »sie ist kompliziert« beschreiben.

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Dafür fand ich den Wadenbeißer, der wie ein Seitenkino immer in Bewegung ist, total süß und würde mir so was in viel mehr Büchern wünschen.

Alles in allem ist der Autorin ein richtig schönes Buch gelungen. Es macht unglaublich Spaß zu lesen, und zum Schluss setzt die Autorin dem Ganzen noch eine Krone auf. Hut ab. Ich habe mich zu keiner Zeit, abseits der Kolumnen, gelangweilt. Besonders der Schluss hat mir sehr gut gefallen. Gelungene Umsetzung der Thematik, charmante Charaktere und witzige Wendungen / Ideen. So muss ein Buch doch eigentlich sein.

'''o0o ALLGEMEINE FAKTEN ZUM BUCH o0o'''
'''Buchfakten'''
Autor: Sonja Liebsch
Titel: Wadenbeißer
Broschiert: 277 Seiten
Verlag: Gmeiner, A; Auflage: 1 (2. Juli 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839215706
ISBN-13: 978-3839215708
Preis: € 9,99
Genre: Humor, Liebe, Familie
Gelesen in: 3 Tagen

''' Zum Schluss zusammengefasst '''
Pro: Thema, Figuren, Stil, Umsetzung, Humor, Ernsthaftigkeit
Contra: Kolumne
Empfehlung: Ja
Sterne: 4
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