Das andere Kind / Charlotte Link

WORUM GEHTS 
Eine alte Farm, eine einsame Landschaft, ein düsteres Geheimnis aus vergangener Zeit. Mit tödlichen Folgen für die Gegenwart ...

In der nordenglischen Küstenstadt Scarborough wird eine Studentin erschlagen aufgefunden. Monatelang tappen die Ermittler im Dunkeln – dann geschieht ein ähnlicher Mord. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Opfern ist nicht erkennbar. Und so klammert sich die ehrgeizige Polizistin Valerie Almond an das allzu Offensichtliche: an ein Zerwürfnis in der Familie des zweiten Opfers. Lange ist ihr der Blick jedoch verstellt für das Gift, das in dieser Familie wirkt, und dessen Ursprung sie bis weit in die Vergangenheit hinein zurückverfolgen müsste. Und fast zu lange dauert es, bis Valerie Almond begreift, dass ein kranker Täter seinen Rachedurst noch nicht gestillt hat … (Quelle: Klappentext)

SARAHS MEINUNG
Da ich am Wochenende extrem viel Zeit hatte, wollte ich mich unbedingt an das Geschenk meiner Mutter machen. Sie ist seit Jahren begeisterte Leserin von Charlotte Link. In der Regel kann mich die Autorin ebenfalls mit ihrer Kreativität und Spannung überzeugen.

In diesem Fall fiel mir der Einstieg sehr schwer. Das Buch beginnt mit einem kurzen Einstieg in das Jahr 1970 und der Leser möchte logischerweise erfahren worum es nun genau geht. Doch statt dessen wird der Leser in eine völlig fremde Situation geworfen. Zahlreiche Protagonisten prasseln auf einen ein, und es ist nicht nur schwer, sie auseinanderzuhalten, sondern auch zu behalten, was man über diese Figuren erfährt. Durch die verschiedenen Perspektiven wird dies nicht gerade leichter. Die ersten 100 Seiten sind wirklich ein Kampf. Selbst nach dieser Seitenzahl hatte ich nicht das Gefühl mich in die Figuren hineinversetzen zu können, oder die Verhältnisse zu begreifen. Dies wird erst viel später greifbar, aber für einen Einstieg ist es einfach nur wahnsinnig zähflüssig. Vieles ist einfach unverständlich und fremd. Trotz Leichen kommt keinerlei Spannung auf. An diesem Punkt war ich schon kurz davor aufzugeben.

Dann wechselt Charlotte Link jedoch ins Jahr 1940 und damit in eine Zeit, die mich sehr interessiert. Authentisch geht sie darauf ein und erschafft eine plastische Umgebung. Zum ersten Mal war ich gefesselt, verstand zumindest nun endlich mal eine Figur besser. Dementsprechend enttäuscht war ich, als es für mich wieder in die Gegenwart ging. Mit dieser Zeit wurde ich bis zum Schluss nicht warm. Zwar konnte ich mit der Zeit die Personen auseinanderhalten, aber sie blieben für mich Fremde. Teilweise hatte ich sogar das Bedürfnis einfach weiterzublättern, um endlich wieder in die Zeit des zweiten Weltkrieges versetzt zu werden. Diese ist wirklich spannend und in meinen Augen das Beste an dem Buch.

Es mangelt dem restlichen Teil an Spannung, Tempo und attraktiven Figuren. Überspringen oder oberflächlich lesen mag man nicht, um nicht doch etwas zu verpassen oder die Erklärung für das Jahr 1970 zu überlesen. Dieser kommt dann auch recht langsam, dafür aber spannungsgeladen. Nach rund 400 Seiten zähem Kaugummi ein weiterer Lichtblick, der auch den Schluss einläutet. Auch hier versucht die Autorin noch mit einem letzten Notanker etwas Spannung aufkommen zu lassen. Schließlich sind ihre Werke Thriller und da sollte doch etwas Spannung aufkommen. In meinen Augen ist auch dies sehr dürftig. Zwar logisch, aber so klischeehaft und übertrieben. Es wirkt künstlich und erzwungen.
Oft habe ich bei einem Buch von Charlotte Link das Gefühl, dass die ersten Seiten sich ziehen, aber irgendwann kommt der Punkt, wo sie mich hat, selbst, wenn der Schluss eher schwach ist. Bei diesem Werk konnte sie mich bis auf wenige Seiten, die die Zeit um 1940 und 1970 behandeln, nicht überzeugen, und das hat mich sehr enttäuscht. Von einem Werk, welches vom Spiegel auf den ersten Platz bejubelt wurde, dürfte man mehr erwarten.


FAKTEN
Autor: Charlotte Link

Titel: Das andere Kind

Verlag: Blanvalet

Erschienen: 12/2010

ISBN-10: 3442376327

ISBN-13: 9783442376322

Seiten: 672

Kosten: 9,99€
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