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Tränen am Oubangui / Cornelia Canady

Kürzlich stand ich bei meinem Arzt, und er hat so ein tolles Tauschbuchregal, dass ich aus Prinzip schon immer eine Tasche mit gelesenen oder Büchern, die ich mir einfach nicht antun will, hingehe. Meist komme ich mit der gleichen Fülle zurück, denn die Leute bringen die tollsten Bücher hin. So bin ich auch an dieses Exemplar gekommen. Mich fasziniert Afrika mit seinen Leuten, und sofern es nicht allzu kitschig ist, nach dem Motto weiße Touristin verliebt sich in Buschmensch, kann ihn nicht umerziehen und die Liebe zerbricht, lese ich es gerne. Das Buch klang vielversprechend und so hab ich es mir an zwei Abenden mit dem Buch in der Wanne gemütlich gemacht.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Juli ist Fotografin und wir zu einer Expedition ins noch unerforschte Kongobecken eingeladen. Dort angekommen, ist es jedoch völlig anders als sie es je erwartet hat. Nicht nur die Tatsache, dass ihr Französisch unterirdisch ist, sondern vor allen Dingen die Hitze und der Urwald selbst machen ihr zu schaffen. Sie hatte es sich doch eher wie ein lustiger Abenteuerurlaub vorgestellt, und gar nicht an die großen Ameisen, giftigen Schlagen und unerforschtes Urwaldgebiet mit allen Fallen und Tücken gedacht. Für sie ist es eine absolute Mutprobe, die auch nicht besser wird, als sie sich freundlichen Pygmäen anschließen und sie sogar eine Art Hütte bekommt. Durch ihre Begleiter, die sie nur als lästige Frau ansehen, reißt ihr irgendwann der Geduldsfaden und sie geht mit einigen Führern wieder zurück. In der Stadt angekommen, trifft sie auf Tahim, der sie schon auf dem Hinweg in seinem Haus hat nächtigen lassen. Er ist ein geheimnisvoller, südländischer Mann, in den sie sich sofort verliebt. Obwohl er sie auf der Stelle heiraten würde, lehnt sie ab, mit der Begründung, sie liebt ihn, und will nicht, dass er denkt, es geht ihr nur ums Geld. Kurzer Hand versucht sie selbst in Afrika Fuß zu fassen und sogar einer Hochzeit stände nichts mehr im Wege, gäbe es da nicht einen anderen Mann, der alles verkompliziert.

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
„Tränen am Oubangui“ ist keine klassische Afrika-Lektüre, wie ich sie bis dato gewohnt war. Das heißt, normalerweise kenne ich die Erlebnisberichte meist von Frauen, oder typische Frauenlektüren, wo der spannende Alltag und das Leben in Afrika meist mit einer vergangenen Geschichte oder einen Konflikt geschildert wird. Dieses Buch setzt auf eine romantische Liebesgeschichte, die auf Konflikte aufmerksam macht, jedoch in der aktuellen Zeit spielt. Die Frage, ob Erfahrungen der Autorin einfließen, stellt sich schon vor dem Lesen.

Während ich mich wirklich auf das Buch gefreut habe, war ich nach dem ersten Kapitel mehr als enttäuscht. Als Leser wird man mitten in die Vorbereitungen geworfen, bekommt wenige Erklärungen zur Expedition geliefert und ist urplötzlich in Afrika. Manchmal ist genau diese Vorgeschichte ausreichend, aber mir persönlich war es einfach zu wenig, und so hilflos wie ich mich in Bezug auf die vielen unbekannten Protagonisten fühlte, wurde auch die Hauptfigur präsentiert. Stellt euch folgende Julia vor. Eine Frau, die auf Grund ihrer Sprachkenntnisse mitgenommen wird, aber schon am Flughafen keinen ganzen, korrekten Satz in Französisch sprechen kann. Generell wird Julia völlig unsympathisch vorgestellt. Sie wirkt auf mich wie eine unreife 15jährige, die etwas machen möchte, ohne sich auch nur darüber zu informieren. Ganz nach dem Motto, ich möchte aber Bungee Jumping machen, und dann oben stehen, und sich wundern, dass man hierbei z.B. aus 100m Höhe springt. Wenn ich in den Urwald reise, informiere ich mich über Krankheiten, Tiere, die Kultur und vieles mehr. Stattdessen wirkt sie geschockt, wie viele eklige und giftige Tiere es gibt und stellt sich an, wie die meisten Frauen, die auf eine Spinne treffen. Warum reise ich bei einer solchen Angst jedoch in unberührtes Urwaldgebiet? Das ist nur ein Beispiel. Ein anderes, sie wird als selbstbewusst, modern und weltgewandt geschildert, wenn es um ihre spätere Liebe geht, kann sich aber gegenüber den anderen Expeditions-Mitgliedern kaum durchsetzen.

Abgesehen von Julia, die mir mit ihrer Art recht schnell auf die Nerven gegangen ist, weil sie eben so naiv geschildert wird.

Nun hoffte ich zumindest auf eine schöne landschaftliche Schilderung, denn unberührter Urwald und die Menschen, die dort leben, sind einfach faszinieren. Hier merkt man, dass die Autorin dort war und viel liebe ins Detail versucht zu stecken. In meinen Augen könnte es jedoch noch lebendiger geschildert werden. Es ist schwer zu beschreiben, ich sage es mal so, wie ein schwarz-weiß Film. Gut, aber in Farbe noch besser.

Hier versucht sie zu erklären, wie Menschen versuchen, die Völker zu kultivieren und in das moderne Leben einzubeziehen. Sie zeigt Fehler auf, die viele nicht bedenken, wie zum Beispiel, dass sie dadurch neue Krankheiten einführen, und die Menschen nach ihrem Aufenthalt wieder auf sich allein gestellt sind, aber verwirrter als vorher. Sie geht auch auf die bedrohten Tierarten, Elfenbeinschmuck und die Abholzung ein, aber irgendwie schafft sie es nicht, mich zu begeistern oder gar aufzuregen, was  bei einem solchen Thema eben wichtig ist. Störfaktor ist eben Julia, die alle Wichtigkeit mit ihrer Art zerstört. So empfinde ich zumindest.

Nun könnte man zumindest denken, dass die Liebesgeschichte Spaß macht. Zumal endlich ein Mann als Figur gewählt wurde, die weltgewandt und kultiviert ist. Er hat selbst Geld, ihm geht es nicht um ein Visum und er liebt sie wirklich. Doch auch hier wirkt es so künstlich. Schon nach drei Wochen ein Heiratsantrag so nebenbei ist doch ungewöhnlich. Zudem versteht man einfach den späteren Konflikt nicht. Wie überrascht sie tut, als sie erfährt, womit ihr Liebster Geld verdient. Ich hatte oft das Gefühl, dass Julia vom Mars kommt und ein absolutes Trampeltier ist. Und kommt es zum Streit, wird es zwar laut, aber im Anschluss ist alles vergessen, weil der Sex so gut ist und er ihr eben alles kauft.

SPOILER
Da ich das Buch aber auch wegen dem Schluss nicht empfehlen kann, werde ich mal spoilern. Es gibt Konflikte, und statt klare Grenzen zu schaffen und um die Liebe und Hochzeit zu kämpfen, gibt Julia auf, reist ab und obwohl sie sieht, dass ihr Traummann sogar zum Flughafen kommt, nur eben wegen dem Verkehr zu spät, fragt sie ihn später nicht einmal per Telefon oder Brief, was er vor hatte. Stattdessen wird dieser Punkt als offene Frage im Raum stehen gelassen.

SPOILER ENDE
Mich hat das Buch einfach nur enttäuscht und teilweise sogar wütend gemacht und das lag definitiv an Julia und ihrer Art. Blond und … passt wie die Faust aufs Auge. Zum Beispiel bekommt sie Schmuck geschenkt, und als ihr Angestellter ihr sagt, dass er den Elfenbeinschmuck in ihr Zimmer gelegt hat, versteht sie erst nicht, weil sie es nicht erkannt hat, obwohl sie so gegen den Schmuck ist, weil die Tiere dafür dran glauben müssen. Es ist alles schon echt peinlich. Und wie sie danach dann austickt, statt sich zu fragen, wieso sie es vorher so toll fand. Auch ihre Sprüche. Eine andere Rezensentin hat ein treffendes Zitat gewählt.

ZITAT – TRANEN AM OUBANGUI
Wir arbeiten konzentrierter und organisieren unser Leben besser. Wir setzen nicht fünf Kinder in die Welt, wenn wir gerade mal Geld für eines haben. Wir denken weiter voraus als ihr, aber das kann man alles lernen.


Solche Sprüche kommen in der einen oder anderen Form häufig vor und sollte man sich eigentlich verkneifen. Sorry, aber all die Gründe haben mich einfach nur enttäuscht. Ich war echt froh, als ich das Buch durch hatte und selbst da wurde ich enttäuscht stehen gelassen.

'''o0o ALLGEMEINE FAKTEN ZUM BUCH o0o'''
Autor: Cornelia Canady
Titel:  Tränen am Oubangui: Eine Deutsche im Herzen Afrikas
Verlag: Droemer Knaur; Auflage: Droemer Knaur (2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342661619X
ISBN-13: 978-3426616192
Preis: € 1,00
Genre: Liebe, Drama, Afrika
Gelesen in: 2 Tagen

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