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Verlorene Paradise / Irmgard Rahn • Ulrike Froer

Vor einigen Tagen erhielt ich eine ganz liebe Mail von Irmgard, die anfragte, ob ich Lust hätte ich selbst verlegtes Buch zu lesen. Damals habe ich den Klappentext vom Buch gelesen und dachte, das könnte mir doch glatt gefallen. Ein Familiengeheimnis ist doch immer spanend. Also habe ich zugesagt und gespannt auf das Buch gewartet. Angefangen habe ich es dann auch gleich beendet. 


'''o0o OPTK o0o'''
Das Cover des Buches ist ein auf alt angelegtes Foto von zwei Zwillingen. Das passt zum Inhalt. Durch den Rand des Buches wirkt es aber irgendwie billig. Zumindest gefällt mir der Rand einfach nicht.

'''o0o FIGUREN o0o'''
Tina – Mutter von Zwillingen, die erfährt, dass sie eine verschwundene Zwillingsschwester hat
Klaus – Vater von Tina und ihrer Schwester
Jo – der Freund vor Klaus, der allerdings nach Afrika gegangen ist.
Susanne – Mutter von Tina und bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen
Anne – Oma von Tina, die alles verschleiert hat

'''o0o INHALTLICHE FAKTEN o0o'''
Ort: Österreich, Spanien, Kenia hauptsächlich
Zeit: 80er Jahre und 2010er Jahre

'''o0o AUSGEWÄHLTES ZITAT ZUM STIL o0o'''

Tina strahlte: Da ist sie, ihre Schneeglöckchenwiese! In der Wintersonne glitzern die weißen Glöckchen zwischen all dem Grün. Sie standen in mehreren großen Gruppen, aber auch einzeln vom Waldrand bis weit in die Wiese hinein. Die will ich auch noch! Die da drüben ist noch schöner! Die beiden hier sind die Allerschönsten! Als ihre Hand die Blumen kaum noch umfassen konnte, erhob sie sich, blickte sich um: vor sich nichts als Wald! Morzger Wald. Kein Mensch weit und breit! Knacken im Unterholz. (Zitat – Kapitel 1 – Stil des Buches. )

'''o0o WORUM GEHT ES? o0o'''
Tina hat Angst. Mitten im Wald packt sie sie und lässt sie nicht mehr los. Doch woher kommt die plötzliche Angst, dass ihr Mann mit den Zwillingen weg ist? Am Ende des Tages weiß sie es. Ihre Oma hat jahrelang ein Geheimnis vor ihr vertuscht. Tina ist kein Einzelkind, sondern hatte eine Zwillingsschwester, die bei einem Waldspaziergang spurlos verschwunden ist. Tinas Mutter ist zusammengebrochen und wenige Tage später bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Tinas Vater hat das Land verlassen und niemand weiß etwas genaueres. Damit kann Tina aber nicht leben, und so beginnt sie auf eigene Faust mit Nachforschungen und stößt bald auf ihren Vater, sowie das wirkliche dunkle Geheimnis. Lebt ihre Schwester vielleicht noch?

'''o0o WIE HAT ES MIR GEFALLEN? o0o'''
„Verlorene Paradiese“ ist ein interessantes Buch über Familiengeheimnisse, welches aber erst eine mehr oder weniger große Hürde meistern muss.

Diese Hürde fängt schon beim ersten „Das Buch in den Händen halten an“. Das Cover wirkt sehr billig durch den Rand und die Schrift. Der Klappentext lässt sich im Internet interessanter lesen, die Schrift vom Klappentext ließ sich ebenfalls schlecht lesen und das schreckt ab. Selbst beim Lesen der ersten 20-30 Seiten ändert sich dieses Gefühl nicht und das liegt an Tina.

Ein Erinnerungsfetzen sorgt dafür, dass alles gelüftet wird und danach fängt sie völlig verbohrt an zu recherchieren, hat Sprachprobleme, wirkt sehr naiv und einfach nur nervig. Irgendwann kam der Punkt, wo ich persönlich am Liebsten abgebrochen hätte. Nein, obwohl ich solche Geschichten, zum Beispiel aus der Feder von Charlotte Link, liebe, hat mich diese Umsetzung am Anfang in den Wahnsinn getrieben.

Zum Glück habe ich das Buch in der Badewanne begonnen und ohne Ersatz, habe ich einfach weitergelesen und das Buch steigert sich. Zumindest haben es die beiden Autorinnen geschafft, dass ich zumindest wissen wollte, was damals passiert ist. Tina macht sich auf eine abenteuerliche Suche und erfährt in der Tat, was an dem besagten Tag im Wald geschehen ist. Mit Rückblenden, die sich sichtlich vom Text abheben, wird alles aufgeklärt. Das passiert schon recht früh, sodass dieser Spannungsfaktor bzw. Rätselmoment dem Leser recht schnell genommen wird. Übrig bleibt lediglich die Suche nach der Schwester.

Nach der Auflösung ist das Buch mit Sicherheit kein Highlight für sich. Es ist eben sehr vorhersehbar und daher auch sehr leicht zu lesen. Zwar ist der Stil sehr abgehakt und ich muss anderen Lesern recht geben, es werden recht viele Ausrufezeichen genutzt, so als wäre alles laut, wichtig oder der Punkt einfach nicht auf der Tastatur gewesen, aber das kann man mit der Zeit ausblenden.
Gerade für eine gestresste Mama, ist es aber eine erholsame Geschichte, da man nicht viel nachdenken muss und alles einfach vor sich hin dümpelt. Die Auflösung selbst ist schlüssig, aber durch die verwirrenden Wechsel der Perspektive, kann man leicht durcheinander kommen. Am Ende ist alles verständlich und logisch, aber es hätte glücklicher gelöst werden können.

Auch mit Tina bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden. Ich meine, sie fängt an zu suchen, vergisst im Grunde ihre Familie und flirtet sogar drauf los. Zumindest für mich ist es keine Persönlichkeit mit der ich mich identifizieren kann. Außerdem sind ihre Emotionen eher oberflächlich gehalten. Vielleicht hätte ich so alles mit mehr Gefühl und Tiefgang besser nachvollziehen können. Aber dies sollte jeder selbst entscheiden.

Verwirrend empfand ich auch die am Anfang recht häufig eingebundenen Fotos von Salzburg oder Zwillingen. Das lässt dann aber nach. Erst haben sie eh etwas deplatziert gewirkt. Bei einer Biographie wünsche ich mir Fotos, aber bei einem Roman? Es war sehr komisch, aber den Abbruch fand ich danach noch etwas unglücklicher. 



Alles in allem ist es kein schlechtes Buch. Es macht Spaß die Geschichte zu verfolgen und hat mich in der Tat fast 3 Stunden an die Badewanne gefesselt, aber man merkt eben, dass das Buch mit meinen Lieblingsautoren auf diesem Genre nicht so ganz mithalten kann. Die Geschichte an sich hat Potential, aber Potential nutzt leider nichts, wenn ich das Buch aus der Hand lege, mich zwar unterhalten gefühlt habe, aber irgendwie weiß, dass ich das Buch sehr schnell vergessen werde, weil mir hier und da einfach etwas fehlte. Da es aber auch nicht komplett schlecht ist, sondern mich ja beschäftigt hat, gibt es faire drei Sterne.

'''o0o BUCHFAKTEN o0o'''
Autor: Irmgard Rahn und Ulrike Froer
Titel: Verlorene Paradiese, paraisos perdidos, kupotea peponi
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Krahn Verlag, Germany; Auflage: 2 (18. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 394567204X
ISBN-13: 978-3945672044
Preis: € 9,90
Genre: Familie, Drama, Geheimnis
Gelesen in: 3 Stunden 


Ich bedanke mich bei Irmgard Rahn für das Rezi-Ex. 

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