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Töchter des Schweigens / Elia Barceló

 Seid ihr eher der Typ, der Geheimnisse bewahrt oder nicht?

Obwohl sie eigentlich vorgehabt hatte, das Auto ein Stück weiter oben stehen zu lassen und zu Fuß hinunterzugehen, parkte Rita fast vor Lenas Haustür, stellte den Motor ab und blieb einige Minuten so sitzen, absurderweise auf der linken Seite, rechts den Hebel der Gangschaltung, die Hände am Lenkrad und den Blick verträumt auf die scheußliche Franziskus-Kirche gerichtet – weiß, modern in den Sechzigerjahren, äußerlich wie ein Fabrikgebäude –, die so gute Erinnerungen in ihr weckte. (Zitat S. 17 – Erste Sätze)


Ich mag Bücher mit dunklen Geheimnissen der Vergangenheit. Trotzdem habe ich bis dato noch nie etwas von diesem Buch gehört, bis ich es als Gewinn bei der Rebuy Challenge gewonnen habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich keine spanischen Werke mag. Trotzdem habe ich mich auf das Buch gefreut, denn es wird hoch gelobt und das Cover mit dem Mädchen am Steg machte mich neugierig.

== BUCHFAKTEN ==
Autor: Elia Barceló
Titel: Töchter des Schweigens
Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 3 (17. September 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492274714
ISBN-13: 978-3492274715
Originaltitel: Las largas sombras
Preis: € 10,99
Genre:  Drama, Vergangenheit, Krimi
Gelesen in: 5 Tagen

== FIGUREN ==
Magda wird zu Lena
Marga wird zu Rita
Tere wird zu Teresa
Sole wird zu Marisol/Sole
Candela
Carmen
Ana

== INHALTLICHE FAKTEN ==
Ort: Spanien
Zeit: 2007 und 1974
Alter der Figuren: 50 und Anfang 20

== WORUM GEHT ES IN EIGENEN WORTEN ==
Sieben unterschiedliche Mädchen gehören zu einer Clique, die jeweils von unterschiedlichen Zukünften träumen, sich aber gemeinsam auf ihre Abschlussklassenfahrt nach Mallorca freuen. Endlich ohne Eltern sein, hübsche und kultivierte Ausländer verführen, ihre Sprachkenntnisse zum Besten geben und vor allen Dingen endlich eine richtige Disko. Die Zeit davor verbringen sie mit einem Geburtstag und dem Planen der Reise. Während dieser Klassenfahrt passiert jedoch etwas ganz Schlimmes. Das dunkle Geheimnis ist so tragisch, dass niemand darüber reden will. Die Mädchen sind danach traumatisiert. Jede geht ihren eigenen Weg, ändert ihren Spitznamen um. 30 Jahre gehen sie sich so aus den Weg, doch dann dreht Rita einen Film über Mallorca und löst damit eine Lawine aus. Es ist klar, dass das Geheimnis ans Licht kommen muss, und dann bringt sich auch noch Lena um, oder wurde sie vielleicht umgebracht? Und vor allen Dingen was passierte vor 30 Jahren?

== MEINE MEINUNG ZUM BUCH ==
Elia Barceló erschafft mit ihrem Werk „Töchter des Schweigens“ einen eindrucksvollen Roman, der einerseits brillant ist, aber auf der anderen Seite völlig verwirrend und langweilig ist. Kein Wunder das ich fast eine Woche überlegt habe, wie ich das Buch nur bewerten soll. Aber macht euch am Besten selbst einen Eindruck.

Der Leser steigt an einer interessanten Stelle in das Buch ein. Rita ist auf den Weg zu ihrer früheren Freundin Lena und findet sie tot in der Badewanne. Selbstmord, Mord, die Polizei fängt an zu ermitteln, und dadurch trifft die alte Clique aus der Jugend aufeinander. In abwechselnden Szenen begleitet ihr nun die Gegenwart und die Vergangenheit. Also genau das, was ein gutes Buch voller Geheimnisse ausmacht.

Auf der einen Seite wird eine Clique von Mädchen, die gerade ihr Abitur geschrieben haben, eingeführt. Die Jungs oder auch Mädchen im Kopf haben, von der Zukunft, dem Studium, Kindern und Familienglück träumen. Es ist eine leidenschaftliche, authentische Jugend, in der sich mancher Leser wiedererkennen wird, und die Frage immer wieder aufkeimen lässt, was diese Jugend mit ihrer Hoffnung so jäh hat enden lassen.

Auf der anderen Seite sind die Schilderungen der Gegenwart. Vollends entwickelte Charaktere, die so gar nichts mit ihre jüngeren Ebenbildern zu tun haben. Geschickt spinnt die Autorin Ereignisse, Geschichten, Erlebnisse und Gefühle, um eine Verbindung entstehen zu lassen. So entsteht eigentlich ein ausgereifter Charakter. Zudem empfand ich diese Umsetzung einer Entwicklung sehr interessant. Dazu ist es nötigt die einzelnen Geschichten der Frauen und ihren Lebenslauf näher unter die Lupe zu nehmen. Eins wird auf diese Weise schnell deutlich, alle wurden von dem damaligen Erlebnis überschattet und beeinflusst. Über viele Seiten befasst sich die Autorin mit Figuren, die Nähe statt sexuellen Kontakt benötigen, die von Machos betrogen wurden oder einem Betrüger auf den Leim gegangen sind. Es sind aber genau diese ausführlichen Szenen, die immer wieder von dem Geheimnis ablenken und die Frage aufkommen lassen, wann denn endlich darauf eingegangen wird.

Leider ist es so, dass die Autorin mehr wert auf diese Art von Spannung legt. Bis fast zum Schluss muss sich der Leser gedulden, bis das Geheimnis gelüftet wird. Um dann festzustellen, dass dies zwar schlüssig ist, aber nach all den Seiten eine kleine Enttäuschung.

Und genau damit schafft es Elia Barceló bei mir diese gemischte Stimmung hervorzurufen. Obwohl ihr Buch durch die direkte, offene, lebendige und sehr ernüchternde Sprache leicht zu lesen ist, ist das Buch ein Kampf. Gerade Personen, die ein schlechtes Namensgedächtnis haben, werden das Buch verfluchen. Zu Beginn wird darauf hingewiesen, wie die Person vorher und später hieß. Schlüssige Änderungen, wie zum Beispiel Magdalena hieß früher Magda und später Lena. Nur empfand ich es unglaublich frustrierend mir bei vier Figuren zwei Namen merken zu müssen und dann noch deren Geschichte zusammen zu setzen. Vielleicht wären die Namen weniger das Problem, wenn nicht alle Informationen wild gewürfelt wären und man sie wie ein Puzzle zusammensetzen muss. Krebs, Homosexualität, brutale Ehemänner, Ehebruch, Missbrauch und so vieles mehr findet Platz in dem Buch, dass es einfach zu viel ist. Stellenweise fühlt man sich trotz der guten Idee erschlagen und wünscht wich wirklich nur endlich die Auflösung von damals, sodass es endlich eine Zusammenfügung ergibt.

Highlight des Buches ist der erklärende und eigentlich schöne Epilog, der zumindest alle offenen Fragen irgendwo klärt.

An sich ist das Buch brillant von der Idee, den Charakteren, dem Stil, aber die Autorin will zu viel, zu sehr aufrütteln und erschlägt dadurch stellenweise. Wer damit kein Problem hat, sollte das Buch lesen. Ich war x-mal am Überlegen abzubrechen, weil die negativen Punkte dominiert haben. Ich habe es sogar einmal gemacht, aber dann doch wegen der guten Kritiken weitergelesen. Sonst hätte das Buch einen Stern bekommen. :)

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