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Das geheime Versprechen / Annette Dutton

Als Leah die Bahnhofshalle betrat, stellte sie enttäuscht fest, dass es auf dem Bahnsteig von Eltern nur so wimmelte. Der Zug war noch nicht da. Fest umfasste sie den harten Ledergriff ihres neuen Koffers und steuerte eine Bank an.(Zitat Kapitel 1)

Das Buch, das ich heute besprechen möchte, ist mir mehr zufällig in die Hände geraten und zwar hat es meine Mutter gelesen und mir im Anschluss geschenkt. Neugierig wie ich war, habe ich mich recht schnell ans Lesen gemacht. 




'''ooo BUCHFAKTEN ooo'''
Autor: Annette Dutton
Titel: Das geheime Versprechen
Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426513730
ISBN-13: 978-3426513736
Preis: € 9,99
Genre: Geheimnis, zweiter Weltkrieg, Liebe, Drama
Gelesen in: 2 Tagen

'''ooo AUTORENPORTRAIT ooo'''
Annette Dutton, 1965 in Deutschland geboren, studierte Geisteswissenschaften in Mainz. Seither arbeitet sie als Fernsehproducerin und Autorin, zuletzt für ein Australien-Special der Wissenschaftsserie „Galileo“ sowie die zweiteilige Australien-Reportage „Der Zug der Träume“. Ihre Romane wurden von Presse und Leserinnen begeistert aufgenommen, "Die verbotene Geschichte" war ein SPIEGEL-Bestseller, für "Das geheime Versprechen" wurden sie 2015 mit der DeLiA ausgezeichnet, dem Preis für den besten deutschsprachigen Liebesroman. Annette Dutton lebt mit ihrem Mann John und Sohn Oscar in Australien. (Quelle: Amazon.de)

'''ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo'''
Leah – Jüdin, freundlich, eingeschüchtert
Michael – Jude, selbstbewusst, klug
Stuart – freundlich, in Leahs Alter
David – Leahs Sohn, geglaubtes Waisenkind

'''ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo'''
Ort: Deutschland, England, Australien
Zeit: Zweiter Weltkrieg und Gegenwart 2000er
Perspektive: Verschiedene Perspektiven

'''ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo'''
Leah ist noch sehr jung, als sie von ihren Eltern auf die ungewisse Reise nach England geschickt wird. Ihre Eltern und ihre Schwester bleiben im Nazi-Deutschland, während sie mit anderen jüdischen Kindern nach England fährt. Unterwegs lernt sie Michael kennen und er nimmt ihr den Pakt ab, dass beide sich helfen die Eltern nach England zu holen. Sie selbst hat Glück und kommt zu einer reichen Familie, während Michael niemand will und er in einer Art Heim landet. Der Kontakt bricht kurz ab, und als sie sich wieder treffen dauert es nicht lange, bis Leah schwanger wird. Ihre Gasteltern schieben sie ab und behaupten Michael ist der Vater, obwohl dies nicht stimmen kann. Leah bekommt einen zauberhaften Sohn, der jedoch im Alter von 5 Jahren spurlos verschwindet. Erst viele Jahre später, als er selbst schon ein alter Mann ist, sorgt seine Tochter dafür, dass er nach seinen leiblichen Eltern sucht. Und so kommt das Geheimnis seiner Eltern, die Geschichte von Leahs Eltern und viele weitere Geheimnisse ans Licht.

'''ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo'''
„Das geheime Versprechen“ ist eine Mischung aus Liebesroman, Drama und dunklen Geheimnissen. Also genau mein Geschmack. Das Buch hat bei mir jedoch gemischte Gefühle hervorgerufen, und nicht alles hat mir gefallen. Fangen wir mit dem Cover an. Es ist okay, aber keine Glanzleistung. Ein halber Frauentorso und Blumen, ich glaube Mohn. Ich hätte mir ein Schiff oder Kinder gewünscht, aber das wirkt irgendwie eher wie bei einem Liebesroman und das ist das Buch nun wirklich nicht.

Mit Leah ist der Autorin eine freundliche, leicht eingeschüchterte Persönlichkeit gelungen, die trotzdem ihren Weg geht. Sie ist sympathisch und ihre Art für mich nachvollziehbar. Trotzdem muss ich sagen, dass die Figur an sich an manchen Stellen eher schemenhaft dargestellt wird. Manchmal nervt dies schon gewaltig. Auch die anderen Figuren bekommen wenig Tiefe.

Das liegt jedoch nicht am Stil oder den schlechten Versuchen der Autorin, sondern an der Art der Umsetzung. Nebenbei erwähnt, der Stil ist detailliert, lebendig, einfach und trotzdem greifbar. Was stört und die Schilderungen allesamt eher blass und schwach erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass die Geschichte immer wieder springt. Ich könnte einen Sprung zwischen Leahs Geschichte und ihrem Sohn in der Zukunft verstehen. Damit würde es genügend Wechsel geben und zudem auch genügend Figuren, die man erst einmal kennenlernen muss. Leider belässt es die Autorin nicht dabei, sondern die Geschichte wechselt mit jedem Kapitel. Mal befinden wir uns im zweiten Weltkrieg, dann wenige Jahre später, dann plötzlich  in den 90er Jahren und manchmal dann auch in der richtigen Gegenwart. Zu viele Orte, zu viele Personen. Nein, das ist nichts für mich und dadurch fällt es mir eben auch schwer mich auf alles einzulassen, auch wenn die Autorin sich sicherlich Mühe gibt. Es ist anstrengend auf die Dauert

Zudem möchte die Autorin zu viele dramatischen Momente unterbringen. Das Leben für jüdische Kinder in England, die Verschiffung nach Australien, ungewolltes Baby, sexueller Missbrauch, Mord und dazu eben noch der zweite Weltkrieg. Manchmal ist einfach weniger mehr.

Und das sich die Autorin einfach zu viel zumutet, erkennt man auch an der späteren Umsetzung. Während die Autorin am Anfang wirklich alles erklärt und den Leser aktiv ins Geschehen einbezieht, gibt es immer wieder Momente, wo die Autorin dies vermeiden möchte. So setzt sie diese in einfachen Schriftverkehren um. Manchmal hat man das Gefühl, dass sie in solchen Szenen einfach Längen vermeiden will, aber sie wirken dann doch deplatziert. So zum Beispiel das erste Treffen von Sohn und Mama. Wer möchte das als Brief von einer Betreuerin erfahren? Später, die Beichte und Auflösung des Geheimnisses um die Vaterschaft und andere Dinge, okay, aber solche Szenen, sollte man doch ausschreiben. Das Problem an solchen Umsetzungen ist, dass Emotionen nicht als Emotionen rüberkommen, sondern platt wirken.

Trotzdem ist das Buch natürlich spannend. Allerdings nur die Zeit von Leah, wie sie früher nach England gereist ist. Dieser Teil ist spannend und fesselnd. Alles andere ist eher langweilig, eben durch die Sprünge und schlecht umgesetzten Emotionen.

Alles in allem ist es ein nettes Buch, das man lesen kann, aber das mehr erhoffen lässt, als es am Ende erfüllen kann.

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