Direkt zum Hauptbereich

Und morgen seid ihr tot / David Och

Am 1. März strapaziert Dumbo meine Nerven, indem er einen Sprengstoffgurt in Tarnfarben aus einem der Säcke in unserem Zimmer und "Bumm!" ruft. Ich halte seine Nähe nicht mehr aus. Als wir später Runden laufen, fängt er an, mit einem Stein das Schloss der Truhe zu malträtieren, die er sich mit seiner Frau teilt. Er steigert sich in einen Tobsuchtsanfall, schlägt das Schloss ab und wirft die Truhe um. Jeden, der ihn beruhigen will, jagt er aus dem Zimmer. Als seine Frau kommt, schlägt er sie. Zuerst mit der bloßen Hand, dann sucht er sich einen Backstein, er zückt eine Pistole und zielt auf
Chobana (Anmerkung - Dumbos Frau). David geht dazwischen, während ich mich zu der Frau auf den Boden kauere, die weint und zittert. Den ganzen Abend schlägt Dumbo immer wieder auf Chobana ein, jedes Mal gehen wir dazwischen. Die Frau blutet und kann kaum mehr gehen, ich nehme sie in den Arm und versuche sie zu trösten. Zwar entwaffnet Ade ihren Sohn später, aber alle Frauen und Kinder wenden sich ab und sagen, Dumbo hätte recht gehabt, wenn er seine Frau erschossen hätte. Als wir versuchen, vernünftig mit ihm zu reden, stellt er sich stur. Eine Frau koste 900 Dollar, wenn sie sterbe, sei das kein Beinbruch, meint er. (Zitat S. 268)



Das Buch, das ich euch hier näher bringen möchte, ist eine bewegende Biographie, die ich von meiner Mutter geschenkt bekommen habe. Sie fand die Thematik unglaublich interessant und hat mir das Buch, nachdem sie es gelesen hat, gerne überlassen. Ob, und wiefern mir das Buch gefallen hat, möchte ich euch nun näher bringen. 


'''ooo BUCHFAKTEN ooo'''
Autor: David Och, Daniela Widmer
Titel:  Und morgen seid ihr tot
Gebundene Ausgabe: 316 Seiten
Verlag: Dumont Buchverlag; Auflage: 3 (26. August 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3832197222
ISBN-13: 978-3832197223
Preis: 19,99 Euro
Genre: Tatsache, Schicksal, Biographie
Gelesen in: 2 Tagen

'''ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo'''
Daniela – ehemalige Polizistin, Angsthase
David – Polizist, sportlich

'''ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo'''
Ort: Pakistan / Afghanistan / Schweiz
Zeit: 2011
Perspektive: Ich-Perspektiv Daniela
Alter der Figuren: Ende 20 / Anfang 30

'''ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo'''
Für die beiden Schweizer Daniela Widmer und David Och sind es die letzten Tage einer langen Reise durch Asien, die sie Ostern 2011 begonnen haben. Es sind nur noch wenige Tage, bevor sie in der Schweiz zurückerwartet werden, und so langsam freuen sie sich. Ihre letzen Tage verbringen sie auf einer schönen und ruhigen Route in Pakistan. Sie haben stets einen Schutz an ihrer Seite und fühlen sich wohl in dem gastfreundlichen Land. Am 1. Juli 2011 müssen sie jedoch wieder einige Kilometer ohne Schutz fahren. Es ist mal wieder ein fliegender Wechsel und bevor sie auf ihren nächsten Schutz treffen, legen sie auf Wunsch von Daniel noch eine kurze Pause ein, damit sie sich die Hände waschen kann. Während dieser Pause nähert sich ihnen ein heimisches Auto und während sie noch davon ausgehen, den Einheimischen ihr Auto wieder vorführen zu müssen, werden sie entführt. Am Anfang habe sie panische Angst erschossen zu werden, aber ihre Entführer machen klar, dass sie dies nicht geplant haben, sofern sie nicht abhauen. Während sie in den ersten Tagen immer wieder hoffen, dass ihre Eltern oder die Regierung etwas für sie tun, und sie spätestens in einigen Tagen wieder frei sind, schwindet die Hoffnung mit jedem Tag. Sie werden von einer Unterkunft in die nächste gebracht und landen am Ende Miran Shah gebracht, wo die Taliban ihr Stammesgebiet haben. Acht Monate müssen sie ohne richtige Toilette, fließend Wasser, vernünftige Nahrung auskommen, können nur im Innenhof ihre Runden drehen und David erkrankt sogar an Malaria. Die Verhandlungen um ihre Freilassung gehen nur schleppend voran, was an den total überzogenen Forderungen der Taliban liegen. Das schlimme an der Situation ist die Tatsache, dass eigentlich jemand anderes entführt werden sollte, und sie nur guter Ersatz waren, als das nicht klappte. Erst als sie die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, können sie einen Fluchtplan schmieden und ihn in die Tat umsetzen. Obwohl sie wissen, dass eine gescheiterte Flucht ihr Todesurteil ist, wagen sie es, und können ihr Leben nach 259 Tagen retten.

'''ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo'''
Das vorliegende Buch basiert auf den Erlebnissen, die Daniela während ihrer Gefangenschaft in einem Tagebuch festgehalten hat. Zusammen mit dem Autoren Christian Försch ist aus diesem Tagebuch ein richtiges Buch entstanden. Untermalt werden die Erlebnisse durch kleinere Zeichnungen zu den Unterkünften oder den Entführern.

Das Buch beginnt direkt an dem Tag, als die beiden entführt werden. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich am Anfang abgeneigt war Sympathie für diese beiden Opfer zu empfinden. Obwohl sie eine Route gewählt haben, die als sicher gilt, muss man in einem so aufgewühlten Land mit solchen Dingen rechnen, weswegen ich nie auf die Idee kommen würde dort Urlaub zu machen. In Kombination mit der Pause, die völlig unnötig ist, wenn man gerade ohne Schutz ist, kam bei mir innerhalb der ersten Seiten immer nur der Gedanke auf. Ganz ehrlich selbst schuld. Eine ganz normale Reaktion, die man auch bei einem Zeitungsartikel bekommt, wenn eine Frau im dunklen Park überfallen wird, weil sie lieber die unbeleuchtete Abkürzung gehen wollte. Es ist nicht in Ordnung, aber im ersten Moment kommt ein solcher Gedanke zumindest kurzzeitig auf. Man möge mir für diesen kurzweiligen Gedanken verzeihen.

Trotz dieser Gedankengänge war die Situation so beängstigend, dass man gerade am Anfang das Buch nicht aus der Hand legen wollte. Die Frage nach dem Warum und wie es ihnen in der Gefangenschaft ergeht, ist wirklich tragend und greifbar umgesetzt. Daniela hält ihre Erlebnisse recht objektiv im Tagebuch fest. Trotzdem kommt bei mir immer wieder die Frage auf, ob ich für meine Entführer auch solche Sympathie hätte empfinden können. Mir ist bekannt, dass viele Opfer eine Verbindung aufbauen, aus dem Wunsch zu überleben, aber selbst im Nachhinein werden die Taliban sehr menschlich dargestellt. Vielleicht um das Land und die Leute selbst näher zu bringen. Das gelingt ihr auch sehr gut. Gerade bei der aktuellen Flüchtlingssituation, bekommt man als Leser einen ganz anderen Eindruck von der Welt, in der diese Menschen leben. Alleine aus diesem Grund ist das Buch schon lesenswert. Zeitgleich schafft sie die Dummheit, Grausamkeit und Verbohrtheit authentisch darzustellen, sodass manchmal der Eindruck entsteht, als wäre das ein ganz anderer Planet. Ich meine, die Entführer wissen nicht einmal, wo die Schweiz liegt, welche Währung dort aktuell ist, und wie viel Geld sie im Grunde für zwei normale Bürger verlangen.

Nicht nur durch die Entführer, sondern durch das Land selbst, das eben einen anderen Standard hat, ist es für die beiden Opfer eine echte Tortour. Schlechtes Essen, keine richtige Hygiene, Krankheiten, Drohnen über den Köpfen, Schüsse in der Ferne. Das bleibt genauso wenig ohne Spuren, wie die Eindrücke von den Unbeteiligten, wie Frauen oder Kindern. Das Daniela und David nach ihrer Rückkehr andere Menschen sind und nicht mehr so sorglos durch das Leben gehen, ist selbstverständlich. Bedenkt man, dass andere das, was sie erlebt haben, ihr gesamtes Leben durchmachen müssen, ist es schon trauriges Bild für die heutige Zeit. Noch trauriger macht es mich aber, dass das Land und das gilt ja auch für andere gar keine Veränderungen oder Hilfe wollen. Das sieht man zum Beispiel an dem dritten Entführungsopfer, das im Land helfen wollte, oder einem deutschsprachigen Taliban, der kultiviert ist, aber genauso verbohrt ist.

Wie oben erwähnt ist das Buch sehr spannend geschrieben und man leidet, trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit den beiden mit, und entwickelt Sympathien. Die Gefühle der beiden werden beim Lesen übertragen und man leidet mit. Stellenweise ist es manchmal etwas zähflüssig und langgezogen, aber es verliert nie den roten Faden aus den Augen und vor allen Dingen nie die notwendigen Emotionen, um den Leser zu binden. Die Zeichnungen von den Verstecken und die eine Skizze der Entführer lockern den Text auf, aber ganz ehrlich hier wären Fotos wirklich hilfreich und schöner gewesen. Bilder der Landschaft, der Militärbasis, Bilder vom Video oder ähnliches.

Alles in allem ist es ein faszinierendes Buch, und ich hoffe inständig, dass ich nie in eine solche Situation komme. Es sind interessante Eindrücke in das Leben, die Kultur, Gedanken und den Hass der Taliban, und ich bin echt froh, nicht dort leben zu müssen.Ob das Buch als Abschreckung gelesen wird oder als Aufklärung, wie manche Flüchtlinge leben, bevor sie zu uns kommen, ist euch überlassen, es eignet sich für beides und ist daher für die aktuelle Situation sehr zu empfehlen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Mary Kay Cosmetic - Meine Erfahrungen

Kennt ihr Mary Kay? Ich muss zugeben, dass ich davon schon mal was gehört hatte, aber ich bin nicht so der Fan von Produkten, die man auf Partys kaufen kann. Tupperware okay, aber bei Kosmetik, muss nicht sein. Nennt mich da ruhig altmodisch. Durch Zufall habe ich dann eine Kosmetikerin vor Ort kennengelernt, die für ein Vorher-Nachher-Shooting inklusive einem Foto Personen gesucht hat. Ich bin kein Schminkprofi und dachte mir, warum nicht einfach mal hin und ein paar Tipps abgucken, vielleicht eine kleine Beratung bekommen. Genutzt wurden nur Produkte aus dem Hause Mary Kay, und das Ergebnis konnte sich in der Tat sehen lassen. Ich habe mich echt einmal hübsch gefühlt, und so habe ich den Katalog samt Beratungstermin für die Produkte mit nach Hause genommen.

BERATUNG /  MARY KAY PARTY Ob ihr euch nun allene beraten lasst, oder gleich eine kleine Party veranstaltet, ist euch überlassen. Ich habe mich erst einmal alleine beraten lassen, und im Anschluss noch ein Party veranstaltet. Dort …

Neutrogena visibly clear Anti-Akne Lichttherapie Maske im Test

Unreine Gesichtshaut muss nicht mehr sein ...Unreine Gesichtshaut ist mit Sicherheit nicht schön. Vielleicht gehört ihr sogar zu den betroffenen Personenkreis. Ich selbst hatte früher eher trockene Haut, ab und an mal einen kleinen Pickel. Jedoch hat die letzte Schwangerschaft meine Hormone durcheinander geworfen. Viele Pickel, fettige Gesichtshaut. Es ist einfach schlimm. In den USA verwenden viele Menschen mit unreiner Haut oder gar Akne LED Masken. Das blaue Licht reizt die Chemikalien innerhalb der Akne und lässt diese absterben. Leider war es bis dato einfach immer zu teuer. Aber Neutrogena liefert nun ein Produkt, das für jeden erschwinglich ist und zu Haue genutzt werden kann. Doch wie gut ist das Produkt?

PREIS ca. 30€
RÖTUNGEN, UNREINE HAUT? - NICHT BEI MIR In den letzten 14 Tagen habe ich diese Maske reiflich ausprobiert. Erste Ergebnisse sollen schon nach einer Woche sichtbar sein. Ich gehöre jedoch zu den Menschen, die lieber ausführlich testen.
Die Maske erinnert mich an eine …

Tillmans - Gyros-Spieß im Test

Döner ist schon was feines. Ein oder zwei Mal im Jahr gönnen wir uns einen kleinen Spieß vom Döner-Laden unseres Vertrauens. Der schmeckt super, hat eine gute Qualität, muss aber eben extra bestellt werden. Bei Real habe ich dann zufällig im TK-Sonderbereich die Sommer-Highlights von Tillman entdeckt. Darunter ein 1kg Dönerspieß. Eigentlich für den Backofen, konnten wir nicht nein sagen.

PREIS 1kg hat bei uns auf dieser Sonderaktiosfläche 8,99€ gekostet.
ZUTATEN  90% Schweinefleisch, Trinkwasser, Speisesalz, Gewürze (Paprika, Senf, Knoblauch, Zwiebel, Petersilie, Oregano, Rosmarin, Koriander, Majoran, Thymian, Cumin), Zucker, Maltodextrin, Gewürzextrakte (Pfeffer-, Paprika-, Chili-, Curcumaextrakt), Dextrose, Jogurtpulver, Hefeextrakt, Würze.

Hinweis für Allergiker: Enthält Senf und Milcherzeugnisse.
NÄHRWERTE Energie     911 kJ / 219 kcal
Fett     16 g
davon gesättigte Fettsäure     3,2 g
Kohlenhydrate     1,5 g
davon Zucker     0,7 g
Eiweiß     17 g
Salz     0,78 g 
ZUBEREITUNG Den Gyros-Spieß min…