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Im Spiegel ferner Tage / Kate Riordan

Mögt ihr auch so gerne Bücher in denen es ein düsteres Geheimnis gibt, welches in der Vergangenheit liegt und darauf wartet von euch und einem neueren Protagonisten entdeckt zu werden? Ich persönlich liebe es und habe mich daher sehr über dieses Rezensionsexemplar gefreut. Ob es mich überzeugt hat, ich denke ja. 



==ooo AUTORENPORTRAIT ooo==
Kate Riordan lebt in Cheltenham. Sie ist freie Journalistin und schreibt unter anderem für den Guardian und Time Out. (Quelle: Buchangabe)

==ooo DAS COVER ooo==
Es wirkt wie ein altes Regal. Wo verschiedene Dinge aufbewahrt wurden, die einen persönlichen Wert haben, wie Muscheln, Geld oder ein Schlüssel. Schlicht, aber reizvoll.

==ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo==
Alice – unverheiratet, schwanger
Tom – gehört das Anwesen, wo Alice ihr Baby bekommen kann
Elizabeth – Frühere Frau von Toms Onkel, sehr geheimnisvolle Persönlichkeit
Edith – Haushaltshilfe, die bei Elizabeth schon im Haus war

==ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo==
Ort: England
Zeit: 1890 und 1930er
Perspektive: Alice und Elizabeth
Alter der Figuren: 20er

==ooo AUSGEWÄHLTES ZITAT FÜR DIE VERANSCHAULICHUNG DES STILS ooo==
Fiercombe steckt voller Geheimnisse. Sie rauschen in den Baumkronen der Buchen und strömen über den kalten Grund des Bachlaufs, der das Tal in zwei Hälften teilt. Wie mit vergossenem Blut ist der Boden dieses Tals von der Vergangenheit getränkt. Wenn man aufmerksam lauscht, kann man nahezu hören, was hier einst geschah – vor allem an besonders stillen Tagen. Zuweilen scheint die Luft vor Spannung zu vibrieren. (Zitat S. 7, erste Sätze)

==ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo==
Alice hat ihr Abitur gemacht, einen guten Job, als sie James Elton kennenlernt, und sich in den älteren, aber verheirateten Mann verliebt. Er nutzt ihre Naivität und Verliebtheit aus, und lässt sie nach einer gemeinsamen  Nacht fallen. Für ihn ist es wohl nur wieder ein weiteres Abenteuer gewesen, für Alice bleibt die Nacht jedoch nicht ohne Folgen. Sie ist schwanger, und unehelich wird sie es nicht leicht haben. Ihre Mutter schafft sie kurzer Hand aus London heraus, erfindet eine plausible Geschichte, weswegen Alice ihr Baby woanders zur Welt bringen muss, und sorgt dafür, dass es nach der Geburt adoptiert wird. Doch abgelegen von London findet Alice zu sich selbst und freundet sich mit ihrem Bauchbewohner an. Im Grunde ihres Herzens möchte sie ihr Baby nicht mehr weggeben, aber sie weiß nicht, wie sie es schaffen soll, und dann ist da auch noch Tom, dem das Haus sozusagen gehört, und auch wenn er weit über ihren Stand ist, ihr den Kopf verdreht.

Elizabeth ist alles andere als glücklich. Sie hatte schon zwei Fehlgeburten, und nach der Geburt ihrer Tochter ist sie in eine tiefe Depression gefallen, die nur mit Hilfe eines Arztes therapiert werden konnte. Nun ist sie erneut schwanger und hat große Angst vor der Zukunft. Sie möchte nicht wieder in diese Depression stürzen und schon gar nicht wieder in die Obhut dieses wahnsinnigen Arztes, falls wieder was mit dem Kind passiert. So kommt es zwischen ihr und ihrem Mann zu einem großen Streit, der ihr nicht nur die Augen öffnet sondern fatale Folgen für die Bewohner hat.

==ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo==
„Im Spiegel ferner Tage“ ist ein klassischer Roman, wie man ihn mit einem vergangenen Geheimnis erwarten würde. Er spielt teilweise in der Gegenwart, aber auch zu einem großen Teil in der Vergangenheit. Der Leser darf nun mitraten, wie beides zusammenhängt und was damals passiert ist. Ich muss zugeben, dass ich solche Geschichten sehr gerne lese, und dieses Buch bei mir einen bleibenden, wenn auch recht kloßartigen Eindruck hinterlassen hat. Warum verrate ich euch nun.

Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Alice, die gerade von London nach Gloucestershire gefahren ist, um dort ihre ungewollte Schwangerschaft mit einer kleinen Geschichte zu verstecken. Sie wirkt anfänglich naiv, und doch sehr authentisch, sodass man als Leser sofort einen Draht zu ihr hat. Recht schnell stößt sie auf das Geheimnis und man möchte mehr über Elizabeth und ihre traurige Geschichte erfahren. Diese wird in einzelnen Kapitel erzählt und ich kann nicht sagen, welche Passagen mir besser gefallen haben. Zum ersten Mal hatte ich keinen Favoriten, da beide wunderbar geschrieben wurden.

Während Alice und ihre Geschichte eher auf das uneheliche Kind, die damaligen Moralvorstellungen und der innere Zwiespalt eine tragende Rolle spielen, geht es bei Elizabeth noch eine Spur tiefer.   Und zwar geht es bei Elizabeth nicht nur um verschiedene Fehlgeburten, die nun einmal jede Frau treffen können und vor der wohl auch die meisten Angst haben, sondern im Grunde geht dieser Teil um Wochenbettdepressionen. Nicht jede Frau bekommt sie, manchmal sind sie nur einige Tage, manche Depressionen sind länger und müssen auch behandelt werden. Inzwischen gibt es Tabletten, die bei Wochenbettdepressionen helfen, doch damals gab es diese nicht und viele Frauen wurden für wahnsinnig erklärt. Es ist erschreckend zu sehen, wie wenig damals auf die Frauen eingegangen wurde, und wie sie abgestempelt wurden.

In dieser Geschichte kommt die ganze Tragweite von Schwangerschaften in den letzten beiden Jahrhunderten schön zur Geltung. Es ist nicht schön, und wer selbst gerade schwanger oder sogar schon Mutter ist, der wird hier sicherlich die eine oder andere Träne vergießen, so war es zumindest bei mir. Die Tragik ist so bewegend, dass ich der Autorin nur eine gute Arbeit vorwerfen kann. Mit Sicherheit gibt es viele Stellen, wo das Buch vorhersehbar ist und ich hatte bis zum Schluss die Hoffnung, dass das Buch eine ganz andere Wendung nimmt, eine gute, aber wenn man das Buch anfängt und die Idee dahinter erkennt, der weiß, dass es für Elizabeth eigentlich kein Happy End geben kann.

Ich habe am Anfang noch mit einem sehr klischeebehafteten Buch gerechnet und muss sagen, dass ich mit voranschreitender Seitenzahl mich immer mehr in die beiden Geschichten verliebt habe. Obwohl es keine leichte, angenehme Kost ist, und zu Tränen rührt, muss man einfach weiterlesen, und deswegen zählt das Buch für mich auch zu den ersten Highlights 2016, die wirklich einen Wow-Effekt ausgelöst haben. Bitte mehr davon.

FAZIT: „Im Spiegel ferner Tage“ ist ein besonders tragisches Buch, das in vielen Momenten zu Tränen rührt und mit einer Problematik aufräumt, die noch heute immer wieder verbreitet ist. Man muss sich darauf einlassen, einige Vorhersehbarkeiten in Kauf nehmen, aber man wird mit einem erstklassigen Roman belohnt. Als kleiner Hinweis, es empfiehlt sich nicht das Buch zu lesen, wenn man selbst schwanger ist, denn es ist doch recht beängstigend.

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