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Du hast mich krank gemacht / Julie Gregory

Liest denn niemand WIRKLICH ...

Kennt ihr den Moment, wo ihr ein Buch zur Hand nehmt, euch darauf freut und dann merkt, dass es eine wahnsinnige Enttäuschung ist. So und nicht anders fühle ich mich bei diesem Exemplar. Es ist einfach eine herbe Enttäuschung.


FAKTEN ZUM BUCH 
Autor: Julie Gregory 
Titel: Du hast mich krank gemacht
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch) (11. Juli 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404615921
ISBN-13: 978-3404615926
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
Originaltitel: Sickened. The True Story of a Lost Childhood
Preis: € 7,99
Genre: Biographie
Gelesen in: 3 Tagen

WORUM GEHT ES IN DEM BUCH  
USA 80, 90er Jahre - Julie ist nicht wie andere Kinder. Sie lebt mit ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrem kleinen Bruder Danny in einem Trailer mitten in der Pampa. Doch das ist ihr geringstes Problem. Schlimmer ist ihre unbekannte Krankheit. Sie muss zusammen mit ihrer Mutter Sandy von einem Arzt zum anderen rennen und niemand findet etwas. Sie nimmt Tabletten, bekommt Herzuntersuchungen, aber trotzdem fühlt sie sich immer schlapp, hat Herzrasen und Kopfschmerzen. Ihr Bruder Danny ist bis auf das Asthma gesund. Erst als sie älter wird, wundert sie sich, dass immer ihre Mutter redet und manche Symptome gar nicht stimmen. Erst Jahre später weiß sie den Grund - es nennt sich Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. 

SARAHS LESEEINDRÜCKE 
Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom ist eine schlimme Krankheit und mir tuen die Kinder unendlich leid, die das erleben müssen. Schlimm ist die Tatsache, dass nicht einmal Ärzte selbst die Krankheit erkennen und die Kinder Jahre oder sogar ihre ganze Kindheit darunter leiden müssen. Mir ist also bewusst, worum es in diesem Buch geht. Ich selbst habe drei Kinder und bin über jeden Tag froh und dankbar, wo sie gesund sind. Sie stärken mir mein Selbstbewusstsein, schenken mir Aufmerksamkeit und Liebe. Das ist wichtiger, als die Aufmerksamkeit von Außenstehenden, wie ich finde. Warum ich das sage? Vielleicht liest es ja eine Mutter, die unter darunter leidet und so einen anderen Blickwinkel bekommt. 

Aber zurück zum Buch, und hier frage ich mich ehrlich, für wie dumm sich manche Leser verkaufen lassen. Tolles Buch, eindrucksvoll geschildert und wie die Rezensionen im Netz lauten. Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass überhaupt einer das Buch aufmerksam gelesen hat. 

Fangen wir mit dem Stil des Buches an.  Er ist sehr leicht, manchmal wird er mit gehobenen, außergewöhnlichen Worten gespickt. Man kann das Buch problemlos an einem Tag lesen. Unterteilt ist es praktischer Weise in unnummerierte Kapitel, sodass es immer wieder die Möglichkeit gibt, an einem guten Punkt zu pausieren.

Ebenfalls verfügt das Buch über eine gute Erzählspanne. Damit ist bei mir die Zeit gemeint, die hier behandelt wird. Es geht schon mit der Mutter los und endet erst, als Julie Anfang 30 ist. 

Am Ende des Buches sind einige Arztberichte abgebildet. Halbwegs leserlich, aber in englisch. Sie untermalen die vielen Arztbesuche und was sie alles über sich ergehen lassen musste. 

Kommen wir nun zum Inhalt. Erzählt wird die Geschichte von Julie und ihrer Familie. Die Mutter hat eine schreckliche Kindheit, sehnt sich nach Liebe, Aufmerksamkeit und hat wenig Selbstbewusstsein. Während ihrer ersten Ehe hat sie dies ohne Probleme beim Show-Reiten bekommen, aber nach dem Tod ihres Mannes, muss sie die anders erlangen. Ob durch die Tat ihrer Mutter inspiriert oder es in den Genen liegt, kann ich nicht sagen. Julie hat eine schöne Kindheit, bis ihre Oma immer wieder Unfälle inszeniert und ihr Bonbons gibt, die sie ins Krankenhaus bringen. Danach beginnt auch der Leidensweg bei ihrer Mutter. Statt es besser zu machen gibt sie ihr Streichhölzer zu essen und rennt immer wieder mit ihr zum Arzt. Am Anfang sind es nur Kopfschmerzen, später ist es Herzrasen und vieles mehr. Neben Tabletten, werden Herzuntersuchungen durchgeführt und sogar eine OP möchte ihre Mutter. Direkt am offenen Herzen, um endlich den Fehler zu finden, aber das lehnen die Ärzte ab.  Es ist schon krank zu lesen, was Mütter alles machen. Und man fragt sich, wie man selbst als Kind reagiert hätte. Ob man nicht vielleicht etwas gesagt hätte, aber es stimmt schon, man liebt seine Mutter und vertraut ihr. Nur zu gerne hätte ich sie getröstet, würde das Kind aufnehmen oder die Mutter in den Arsch treten. 

Aber auf der anderen Seite geht es weniger um die Krankheit. Andere Bücher sind da drastischer, von schweren Verletzungen, die den Kindern dann versehentlich zugefügt werden. Ab und an geht es zum Arzt, die Untersuchungen sind grausam und man fragt sich immer wieder, was für Tabletten sind das, ist da was im Teig. Die Auflösung gibt es jedoch nicht. Abgesehen davon geht es um die komplett gestörte Familie. Julie muss immer schuften, bekommt kaum zu Essen, ihre Mutter will sich regelmäßig umbringen und spielt die Kinder gerne gegen den faulen Vater auf, der das nicht einmal merkt. Es spielt alles zusammen, daher ist der Alltag auch wichtig, aber es liest sich schon gestört, wodurch Julie einem noch mehr leid tut. Zumindest bis zu einem gewissen Punk.

In der Mitte des Buches sind zahlreiche Fotos, die zeigen, dass es sich um eine Biographie handelt. Sie werden nicht nur kommentiert, sondern im Buch einzeln erwähnt, so kann man sie sich immer ansehen. Ich bin ein Mensch, der sich Fotos schon immer früher anschaut, und immer wieder während des Lesens. Julie ist ein wunderschönes Mädchen und hat schon etwas. Sportlich, unschuldig und süß. Nur ein Foto, das mit den kurzen Haaren, macht einen etwas stutzig. Im Buch wird es dann aber aufgelöst, warum ihre langen blonden Haare abgeschnitten wurden. Warum sie dann danach, aber lange Haare haben durfte, habe ich nicht verstanden.

Es ist jedoch ein anderes Bild, was nicht passte. Ich meine das Fass-Motiv aus dem Urlaub. Vorher hatte ich mir die Fotos angeschaut, grob das Alter geschätzt, aber das war es. Ich folgte der Geschichte, las die Altersangaben und dann kam dieser Satz. Zitat aus dem Buch, habe die Seitenzahl leider nicht, da ich es über Books.google suchen musste. Ich besitze ein Foto aus einem Urlaub an den Niagarafällen, auf dem ich etwa sieben bin und mein Bruder Danny knapp vier. Wir hocken im einem künstlichen Holzfass ...  Moment, dachte ich, das Foto ist doch in dem Buch. Ich schaute es an, fragte meinen Mann, las ihm die Stelle vor und er meinte, ja, die Beschreibung passt zu dem Bild. Klar erwähnt sie auch andere Bilder, die nicht im Buch vorhanden sind, aber jedes Foto, dass abgebildet ist, wird auch erwähnt. Später wird kein anderes Niagara-Foto erwähnt, als muss es das sein. Doch das Mädchen darauf sieht aus wie 13 und nicht wie 7 und der Bruder nicht aus wie 4, sondern eher so 7. Genau wegen diesem Aspekt ist mir die Beschreibung so im Gedächtnis geblieben. Viel später so im 130er Bereich ist sie dann 16 und im Heim. Ihr Bruder Danny kommt sie besuchen auf der Arbeit und da wird dann geschrieben, dass er 10 Jahre alt ist. In dem Moment fällt wieder dieses andere Foto ein. Hatte ich mich doch verlesen. Daher hatte ich bei Google gesucht und gefunden. Und später viel mir dann wieder ein, dass sie ja 6 war, als ihr Bruder geboren wurde. Es ist schon peinlich, dass niemand diesen Fehler bemerkte. Selbst wenn ein anderes Foto gemeint war, wäre sieben und vier Jahre gar nicht möglich gewesen. Wenn man schon hier etwas Durcheinander kommt, wie sieht es dann mit dem Rest aus? Wie viel ist wahr, wie viel gelogen, damit das Buch spannender wird?

Von da an ließt man das Buch skeptischer und Julies Geschichte wird leider nicht besser. Ich meine, ihre Mutter haut ab, der Vater auch, und sie, die schon einmal Hilfe angefordert hat, macht es nicht noch einmal? Später lebt sie alleine und es geht ihr laut ihrer Aussage besser, verfällt dann aber wieder in alte Muster, als sie in die Schule muss. Isst kaum, ist körperlich am Ende. Vorher hatte es sich immer so gelesen, als hätte ihre Mutter ihr vieles verboten, wegen den angeblichen Allergien und als sei auch vieles von den Medikamenten gekommen. Sie nimmt keine mehr, kann sich ordentlich ernähren, macht es aber nicht. Das nenne ich eigene Dummheit. Vielleicht alte Gewohnheit, aber wenn ich von der Krankheit erfahren hätte, hätte ich mich sofort geändert, einmal durchchecken lassen und alles in mich hineingestopft. Erst Jahre später kriegt sie die Kurve und auch dann nur bedingt, denn sie ist nicht so rehabilitiert, dass sie das Pflegekind von ihrer Mutter direkt retten kann. Klar sie geht zum Jugendamt, aber ich hätte die Kinder direkt gerettet und mich ihnen angenommen, gerade wenn man weiß, was die Mutter für eine Schauspielerin ist. So labil, wie ihre Mutter ist / wahr, hätte ich einfach das Gewehr genommen, die Kugeln raus, ihr gegeben und mich dann vor ihr aufgebaut und sie einmal so zusammengefaltet, dass sie nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Dann hätte ihre Mutter nichts mehr gesagt, weil sie heulend zusammengebrochen wäre. Und einmal Klartext mit dem Mädchen und sie wäre nicht so anhänglich gewesen. 

FAZIT Wie gesagt, nach der Tatsache, dass sie weder ihr eigenes Alter, noch das ihres Bruders durchgängig korrekt angibt, glaube ich von dem Buch eh nur noch die Hälfte, wenn überhaupt. Für mich ist das ein No-Go und ich finde es peinlich, dass weder dem Lektor, noch dem Verlag, noch einem anderen Leser dieser Fehler aufgefallen ist. Setzen 6. Von mir gibt es dafür 1 Stern. Dabei ist das Cover schön, das Buch lässt sich sehr gut lesen, die Figuren sind klar umgesetzt und das mit den Fotos finde ich sogar perfekt. Unglaubwürdige Bücher fallen bei mir durch, zumindest im Bereich Biographie.

COVERGESTALTUNG💜💜💜💜
ORIGINALITÄT DES INHALTS       💜💜💜
SCHREIBSTIL💜💜💜💜
UMSETZUNG DER FIGUREN💜💜💜💜
SPANNUNG UND TEMPONicht wirklich passend
HUMORNicht wirklich passend
ROMANTIKNicht wirklich passend
GESAMT💙

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